Fütterungsversuch mit unterschiedlichen Belegdichten und Troglängen beim Mastschwein

Mastschweine
In der Mast von Schweinen ist die Flüssigfütterung am Kurztrog mit Sensor seit Jahren ein etabliertes Verfahren. Das Tier-Fressplatz-Verhältnis beläuft sich dabei auf Werte zwischen 3 bis 4 zu 1. Aktuell wird in der Tierhaltung insbesondere unter dem Aspekt des Tierwohls auch beim Mastschwein über ein Tier-Fressplatz-Verhältnis von 1 zu 1 diskutiert. In der vorliegenden Untersuchung wurde geprüft, ob und in welchem Umfang sich eine unterschiedliche Troglänge bei unterschiedlicher Buchtenbelegung auf Futteraufnahme und Leistung auswirkt. Zudem sollte geklärt werden, ob die Troglänge und die Belegdichte auch einen Einfluss auf Verletzungsspuren oder Kratzer bei den Schweinen hat.
In vorausgegangenen Versuchen mit unterschiedlich langen Trögen mit einheitlich 12 Tieren pro Bucht beziehungsweise mit unterschiedlich langen Trögen und 12 beziehungsweise 16 Tieren in der Bucht zeigten sich beim Kurztrog unabhängig von der Belegdichte höhere Zunahmen. Kratzer und Verletzungsspuren waren bei allen Varianten in etwa gleich hoch.
In vorliegender Untersuchung wurde die Standardbelegung des Fütterungsversuchs mit einer etwas höheren Belegung, die der Praxis am nächsten kommt, verglichen.

Versuchsdurchführung

Der Versuch wurde am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Schweinehaltung in Schwarzenau durchgeführt. Dazu wurden 192 weibliche und männlich kastrierte Mastläufer ausgewählt und gleichmäßig auf folgende Behandlungsgruppen aufgeteilt
  • Kurztröge mit 125 beziehungsweise 150 Zentimeter Länge
    • 12 Tiere in der Bucht
    • 15 Tiere in der Bucht
  • Langtröge mit 425 Zentimeter Länge
    • 12 Tiere in der Bucht
    • 15 Tiere in der Bucht

Ergebnisse

Vergleich der Troglängen

Mit 854 beziehungsweise 850 Gramm wurden an den Kurztrögen beziehungsweise am Langtrog nahezu identische tägliche Zunahmen erzielt. Der Futterverbrauch pro Tier und Tag war mit 2,6 Kilogramm am Langtrog normal und mit 2,9 Kilogramm an den Kurztrögen hoch.
Tabelle 1: Mast- und Schlachtleistungen nach Troglängen
 Kurztröge (125 und 150 cm)Langtröge (425 cm)
Lebendmasse zu Beginn (kg)31,531,7
Lebendmasse beim Schlachten (kg)120,2119,4
Tägliche Zunahmen (g)854850
Futterverbrauch pro Tier und Tag (kg)2,92,6
Futteraufwand pro kg Zuwachs (kg)3,483,07
Muskelfleischanteil (%)59,459,7
Verletzungsnote vorne (0=keine bis 3=viele Verletzungen)0,90,8
Verletzungsnote vorne (0=keine bis 3=viele Verletzungen)0,90,7
Bei den Schlachtleistungen traten keine nennenswerten Unterschiede auf. Statistisch signifikante Unterschiede zeigten sich bei den Parametern Fleischfläche und Fleischmaß. Hier hatten die am Langtrog gemästeten Tiere günstigere Werte. Mit über 59 Prozent Muskelfleischanteil im Geschlechtermix wurde bei allen Troglängenvarianten ein gutes Niveau erreicht.
Was Kratz- und Verletzungsspuren betrifft, wurden im Mittel der Mast Noten zwischen 0,7 und 0,9 vergeben. Die Kratzer und Verletzungen wurden somit als „wenig“ eingestuft. Schweine am Langtrog schnitten hier geringfügig besser ab.

Vergleich der Troglängen und Belegdichten

Bei 15 Tieren in der Bucht wurden am Langtrog mit 866 Gramm und an den Kurztrögen mit 883 Gramm höhere tägliche Zunahmen erzielt als bei 12 Tieren in der Bucht mit 834 Gramm (Langtrog) und 824 Gramm (Kurztröge). Auf den Futterverbrauch pro Tier und Tag zeigte die Belegdichte an den Kurztrögen mit jeweils 2,9 Kilogramm und am Langtrog mit 2,6 beziehungsweise 2,5 Kilogramm nur einen geringen Einfluss.
Tabelle 2: Mast- und Schlachtleistungen nach Troglänge und Belegdichte
 Kurztröge
(125 und 150 cm)
12 Tiere pro Bucht
Kurztröge
(125 und 150 cm)
15 Tiere pro Bucht
Langtröge
(425 cm)
12 Tiere pro Bucht
Langtröge
(425 cm)
15 Tiere pro Bucht
Lebendmasse zu Beginn (kg)29,433,632,530,9
Lebendmasse beim Schlachten (kg)117,7122,8117,7121,1
Tägliche Zunahmen (g)824883834866
Futterverbrauch pro Tier und Tag (kg)2,92,92,62,5
Futteraufwand pro kg Zuwachs (kg)3,593,383,172,98
Muskelfleischanteil (%)59,459,359,959,4
Verletzungsnote vorne (0=keine bis 3=viele Verletzungen)1,00,90,80,8
Verletzungsnote hinten (0=keine bis 3=viele Verletzungen)0,90,90,70,7
Die Anzahl der Tiere pro Bucht zeigte bei der Mehrzahl der Schlachtleistungsparameter keinen Einfluss. Eine hohe oder niedrige Belegung der Buchten wirkte sich in diesem Durchgang nicht auf die Bonitur von Kratz- und Verletzungsspuren aus. Bei gleicher Troglänge aber unterschiedlicher Belegung waren keine Unterschiede festzustellen. Nur bei den Kurztrögen schnitt die Belegung mit 15 Tieren sogar etwas günstiger ab. Die Kratz- und Verletzungsspuren wurden unabhängig von Troglänge und Buchtenbelegung im Mittel als „wenig“ eingestuft.

Schlussfolgerung

Für das Tierwohl spricht einerseits das etwas größere Platzangebot in der Bucht mit Kurztrögen bei gleicher Anzahl von Tieren in der Bucht, andererseits bietet der Langtrog einen besseren Zugang zum Futter. Kratzer und Verletzungsspuren waren bei den Tieren beider Troglängenvarianten ähnlich ausgeprägt.
Die dichtere Belegung mit 15 Tieren zeigte bei beiden Troglängenvarianten etwas höhere tägliche Zunahmen. Die höhere Belegung führte bei beiden Troglängenvarianten zu einer Verbesserung des Futteraufwandes um 0,2 Kilogramm Futter je Kilogramm Zuwachs. Unterschiede im Muskelfleischanteil ergaben sich nicht. Hinsichtlich Kratzer und Verletzungen gab es keine Unterschiede durch die Belegdichten.
Ob der Lang- gegenüber dem Kurztrog aus Sicht des Tierwohles vorzuziehen ist kann nicht abschließend bewertet werden. Am Kurztrog kam es zwar nicht zu mehr Verletzungen, so dass die Praxisaussage 3 bis 4 Tiere pro Fressplatz am Kurztrog mit Sensor nach wie vor gilt. Ob die Tiere am Kurztrog mehr Stress ausgesetzt sind, kann nur eine Speichelcortisolanalyse klären. Leider reichten die am Ende des Versuchs gesammelten Speichelmengen hierzu nicht aus.
Eine höhere Belegung der Buchten wirkte sich nicht negativ aus, wenn diese gemäß den Vorgaben der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung belegt wurden. Fest steht aber: am Kurztrog wird mehr Futter verbraucht!

Projektinformation
Projektleiter: Dr. W. Preißinger
Projektbearbeiter: G. Propstmeier, S. Scherb
Laufzeit: August 2014 bis März 2016

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