Forschungs- und Innovationsprojekt
PigWel: sichere Konzepte für den Umbau konventioneller Ställe zur Haltung unkupierter Ferkel entwickeln und bewerten

Ferkel am Futtertrog

Die Haltung unkupierter Ferkel in konventionellen Stallungen kann durch verschiedene Maßnahmen positiv beeinflusst werden. Im Projekt PigWel wird die Wahlfütterung mit Roggen-Anteil in Kombination mit zwei Umbauvarianten eines konventionellen Ferkelaufzuchtabteils untersucht.

Ziel

Im Zuge des Umbaus der Tierhaltung zu mehr Tierwohl und der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans Kupierverzicht, stellt die Haltung unkupierter Tiere landwirtschaftliche Betriebe, vor allem in konventionellen Haltungsformen, vor Herausforderungen. Eine positive Wirkung wird verschiedenen stallbaulichen- und managementbezogenen Maßnahmen zugeschrieben. Im Projekt PigWel wird die Wahlfütterung mit Roggen-Anteil in Kombination mit zwei Umbauvarianten eines konventionellen Ferkelaufzuchtabteils untersucht.
Aus den vorangegangenen Projekten „Erprobung von Premium-Tierwohlställen für die Ferkelaufzucht im Hinblick auf Tierwohl und Praktikabilität“ (Tierwohl FAZ ) wurde ein positiver Einfluss durch den Zugang zum Außenklima und im Projekt „Unversehrte Ferkelschwänze in konventionellen Ställen durch eine optimierte Fütterung bewahren“ (FeedWel ) die Möglichkeit zwischen zwei Futterrationen zu wählen, deutlich. Beide Maßnahmen sollen im aktuellen Projekt kombiniert werden, um dadurch die Häufigkeit von Veränderungen und Verletzungen am unkupierten Schwanz in konventionellen Haltungssystemen zu senken.
Zunächst wird eine Umbauvariante mit Auslauf und Wahlfütterung untersucht. Die Umbaumöglichkeiten sind für einige Betriebe begrenzt, ein Auslauf mit Zugang zum Außenklima ist unter Umständen nicht möglich. In der zweiten Projektphase soll eine weitere Option zur Strukturierung der Bucht betrachtet werden: eine erhöhte Ebene („Ferkelbalkon“), ebenfalls mit Wahlfütterung.
Die Planung und der Umbau der Tierwohlbucht für die Erschließung des Auslaufs starteten bereits im Jahr 2025. Der erste Versuchsdurchgang soll Ende Mai 2026 eingestallt werden. Die zweite Phase startet im Winter 2026/27 mit dem Einbau einer erhöhten Ebene in ein bestehendes Aufzuchtabteil und wird im Frühjahr 2027 erstmalig aufgestallt werden. Die Datenerhebung wird bis Ende des Jahres 2027 abgeschlossen sein.

Methode

Der Versuch umfasst zwei Versuchsphasen, in denen der Effekt der Wahlmöglichkeit der Futterration und zwei mögliche Umbauvarianten in der konventionellen Ferkelaufzucht untersucht wird. In der ersten Phase wird eine mögliche Umbaulösung mit der Erschließung eines strukturierten Auslaufs untersucht, in der zweiten Phase eine Variante mit erhöhter Ebene.

Phase 1 - Auslauf und Phasenfütterung mit Wahlmöglichkeit

Tabellarische Gegenüberstellung ausgewählter Kenngrößen der Haltungssysteme in den vorangegangenen und dem aktuellen ProjektZoombild vorhanden

Tab. 1 Ausgewählte Kenngrößen der Versuchsbuchten im konventionellen Versuchsabteil

Die Versuchsbuchten in der konventionellen Ferkelaufzucht („Tierwohlbucht“) wurden im Verlauf der verschiedenen Versuche weiterentwickelt (s. Tab. 1). Im Projekt Tierwohl FAZ standen den Ferkeln 0,48 m² pro Tier zur Verfügung, der Plastikvollspaltenboden war um eine beheizte, geschlossene Liegefläche ergänzt, es standen ein ad. lib. Trockenfutterautomaten (140 cm) und drei Nippel- als auch eine offene Tränke zur Verfügung (s. Abb. 1). Im Projekt FeedWel wurde ein zweiter ad. lib. Trockenfutterautomat (140 cm) ergänzt und die Tränken auf zwei Nippel- und zwei offene Tränken umgerüstet. In beiden Projekten stand in der Kontrollgruppe kein Auslauf zur Verfügung.
Im aktuellen PigWel – Projekt werden die bestehenden Abteile mit den Tierwohlbuchten genutzt und die drei Versuchsbuchten entsprechend angepasst: die beiden an der Außenwand liegenden Buchten werden zu einer Doppelbucht für 40 Ferkel zusammengefasst und der Auslauf zugänglich gemacht. Die verfügbare Fläche pro Ferkel liegt bei insgesamt 0,76 m², davon 0,47 m² im Innenbereich und 0,29 m² im Auslauf (s. Tab. 1). Die beiden Buchten zum Zentralgang hin werden nicht mit Versuchstieren belegt.
In der Bucht werden die Tränken an einer Buchtenwand zusammengelegt und zwei ad. lib. Trockenfutterautomaten (80 cm) neben den bestehenden Automaten ergänzt, um die Wahlmöglichkeit der Ration umsetzen zu können. Das Angebot des Beschäftigungsmaterials wird im Abteil reduziert, dafür werden im strukturierten Auslauf zwei weitere ad. lib. Trockenfutterautomaten (80 cm) platziert, in denen Beschäftigungsfutter (Wühlerde und Stroh) angeboten wird, um die Funktionsbereiche klarer zu definieren.
Diese Automaten dienen gleichzeitig als Strukturelement zur Trennung der Funktionsbereiche und sichern den Zugang zum Güllestöpsel (s. Abb. 2). Der Auslauf gliedert sich in eine Festfläche mit Minimaleinstreu (ca. 4,5 m x 1,7 m) und einen Rostbereich (ca. 4,5 m x 1,05 m). Auf der Rückseite der Automaten werden jeweils zwei weitere offene Tränken angebracht, die die Annahme des Kotbereichs steigern sollen. Der Auslauf ist durch schwenkbare Türen in der Verlängerung der Automaten zum Rostbereich hin abtrennbar.
In den drei Versuchsbuchten werden je Durchgang 40 unkupierte Ferkel eingestallt, dies ergibt in Summe über die vier Versuchsdurchgänge 480 Versuchstiere.
Die Kontrollgruppe besteht aus vier Buchten je 20 Ferkel (gesamt 320 Versuchstiere), denen ebenfalls die Phasenfütterung mit Wahlmöglichkeit, aber kein Auslauf zur Verfügung steht.
Die erste Einstallung wird Ende Mai erfolgen und die geplanten vier Aufzuchtdurchgänge bis Anfang 2027 abgeschlossen sein.

Phase 2 – erhöhte Ebene und Phasenfütterung mit Wahlmöglichkeit

In der zweiten Projektphase wird ein weiteres konventionelles Ferkelaufzuchtabteil umgebaut: eine erhöhte Ebene („Ferkelbalkon“) wird eingebaut und die Fütterung ebenfalls auf eine Phasenfütterung mit Wahlmöglichkeit umgestellt. Dieses soll als eine mögliche Umbauvariante für die Betriebe dienen, die nicht die Möglichkeit haben, einen Auslauf zu erschließen.
Die erhöhte Ebene soll mehr Struktur in der Bucht schaffen und das Platzangebot je Ferkel erhöhen. Der Umbau wird im Winter 2026/27 erfolgen und die Versuchsdurchgänge sollen bis Ende 2027 abgeschlossen sein.

Fütterung

In allen Versuchsbuchten wird eine Phasenfütterung mit Wahlmöglichkeit zwischen zwei Rationen realisiert. Die Wahlmöglichkeit zwischen zwei Rationen zeigte im Projekt FeedWel einen um 8 % höheren Anteil an unversehrten, unkupierten Ferkelschwänzen zum Ende der Aufzucht.
Für die gesamte Aufzuchtdauer sind 47 Tage kalkuliert. In den ersten 33 Tagen werden in zwei separaten Trögen die betriebsüblichen Rationen Ferkelaufzuchtfutter I (FAFI) und Ferkelaufzuchtfutter II (FAFII) angeboten, in den letzten beiden Wochen der Aufzucht wird die Ration FAFI durch die Ration Anfangsmast (AM) ausgetauscht. Die Ferkel haben somit die Wahl zwischen den zwei verschiedenen Rationen. In den Rationen FAFII und AM ein Teil der Getreidekomponente durch Roggen ersetzt.

Datenerhebung

Vor und während den einzelnen Versuchsdurchgängen werden sowohl tierbezogene Parameter als auch stall- und managementbezogene Parameter kontinuierlich bzw. anlassbezogen erhoben:

Tierbezogene Parameter

  • Gewichtsentwicklung: Erfassung der tierindividuellen Lebendmasse an mehreren Zeitpunkten während der Säuge- und Aufzuchtphase
  • Veränderungen und Verletzungen am unkupierten Schwanz und weiteren Körperteilen nach dem Deutschen Schweine Boniturschlüssel (DSBS): tierindividuelle Bonitur im wöchentlichen Rhythmus
  • Tiersignale: Erfassung der Schwanzposition des unkupierten Schwanzes auf Buchtenebene zwei Mal wöchentlich als Frühwarnsignal für präventive Maßnahmen gegen Schwanzbeißen
  • Tiergesundheit: tierindividuelle Erfassung der Behandlungen
  • Verkaufsfähigkeit: Bewertung der Unversehrtheit des unkupierten Ferkelschwanzes und Vermarktungsfähigkeit

Managementbezogene Parameter

  • Aufwand an Beschäftigungsmaterial und -futter als Standardmaßnahme und als prophylaktische und kurative Maßnahme bei Schwanzbeißen
  • Futterhygiene und Nährstoffgehalte
  • Futteraufwand
  • Arbeitsaufwand

Stallbezogene Parameter

  • Buchtenverschmutzung
  • Stallklima und Schadgase
  • Aufwand an Verbrauchsmaterial

Ergebnisse

Die ersten Ergebnisse werden Ende 2026 für die erste Versuchsphase und der Projektbericht soll im Herbst 2028 vorliegen.

Projektinformation
Projektleitung: Magdalena Krebs, Dr. W. Preißinger
Projektbearbeitung: M. Krebs, S. Karnoll, P. Heubach, BaySG Staatsgut Schwarzenau
Laufzeit: 01.10.2025 – 31.12.2028
Versuchsort: Bayerische Staatsgüter, Staatsgut Schwarzenau
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus
Förderkennzeichen: A/25/09