Wildtiermanagement
Herdenschutzhunde zur Abwehr von Eindringlingen

Herdenschutzhund in einer gekoppelten Schafherde in Sachsen

Schutzhunde werden seit Jahrtausenden eingesetzt, um Nutztiere vor Großbeutegreifern und Diebstahl zu schützen. Ihre Schutzwirkung beruht dabei in den seltensten Fällen auf ihrer Überlegenheit im direkten Kampf mit den Großbeutegreifern.

Vielmehr ist die Kombination aus dem Markieren des Reviers, dem ständigen Ablaufen des Geländes, der erhöhten Aufmerksamkeit und dem aktiven Verbellen oftmals ausreichend, um Großbeutegreifer fern zu halten. In der Regel meiden diese einen unnötigen Kampf und suchen sich statt dessen leichter zugängliche Beute. In Zusammenarbeit mit einem Hirten und einem Nachtpferch stellen Herdenschutzhunde daher einen sehr effektiven Schutz dar. Da die Haltung von Herdenschutzhunden jedoch auch Probleme mit sich bringen kann, sollten die Vor- und Nachteile für den einzelnen Betrieb sorgfältig abgewogen werden. Eine erste Beratung und Vermittlung kann durch das Landesamt für Umwelt oder durch die staatlichen Fachberater für Schaf-, Ziegen und landwirtschaftliche Wildhaltung erfolgen.

Was unterscheidet einen Herdenschutzhund von einem Hütehund?

Hütehund (Border Collie) und Herdenschutzhund (Maremmano Abruzzese) auf einer BergweideZoombild vorhanden

Hütehund und Herdenschutzhund

Herdenschutzhunde unterscheiden sich grundlegend von Hüte- bzw. Koppelgebrauchshunden. Hütehunde (Altdeutsche Hütehunde, Deutsche Schäferhunde, Border Collies, vorn im Bild) werden für die Herdenführung eingesetzt. Sie sind auf den Hirten fixiert und erfahren von ihm eine intensive Ausbildung. Dagegen verstehen sich Herdenschutzhunde (z.B. Maremmano Abruzzese, Patou des Pyrénées, hinten im Bild) als Teil der Schafherde. Sie verteidigen diese und das entsprechende Gebiet vehement und werden ausschließlich für diesen Schutz gehalten. Die Wesensunterschiede und die verschiedenen Anforderungen an einen Hüte- bzw. Herdenschutzhund sind der Grund dafür, dass selbst erfahrene Hütehundehalter sich intensiv mit der Herdenschutzhundthematik auseinandersetzen müssen, um Probleme bei der Haltung dieser Tiere zu vermeiden.

Für welche Schafhaltungsformen eignen sich Herdenschutzhunde?

Herdenschutzhunde kommen in nahezu jedem Gelände zurecht und organisieren die Verteidigung der Herde selbstständig. Voraussetzung für die Schutzwirkung ist, dass die Hunde immer bei den Schafen verbleiben. Sie können sowohl in der Koppel- als auch in der Hüte- und Almhaltung eingesetzt werden. Auch wenn die Anwesenheit eines Hirten den Schutz verbessert, ist es inzwischen mit Hilfe von Futterautomaten möglich, die Hunde auch auf Koppeln und Almen ohne permanente Hirtenanwesenheit zu halten. Dies ist aus Kostengründen vor allem für kleinere Herden interessant. Auf solchen Flächen sollten jedoch nur besonders geeignete Hunde verwendet werden.
Die Größe der zu schützenden Herde (und die Anzahl der Großbeutegreifer in der Region) entscheidet darüber, wie viele Herdenschutzhunde benötigt werden. Dabei werden immer mindestens zwei Hunde zusammen gehalten, wenn möglich ein Welpe und ein erwachsener Hund. Ab einer Herdengröße von 500 Schafen sollten zwei bis drei, ab 1.000 Schafen eher drei bis vier Hunde eingesetzt werden. Die Haltung von einzelnen Hunden ist nicht nur aus tierschutzfachlichen Aspekten abzulehnen, sondern auch, weil der einzelne Hund nicht genügend Auslastung erfährt und in Folge dessen oftmals die Nutztiere belästigt.

Was macht einen guten Herdenschutzhund aus?

Herdenschutzhunde müssen eine gründliche Ausbildung erfahren. Neben der Befolgung der grundlegenden Befehle, ist vor allem die Leinenführigkeit sowie das Gewöhnen am Transport im Auto für die tägliche Arbeit wichtig. Der Hund muss außerdem seine Stellung im System Tierhalter – Schafe – Hütehunde – Herdenschutzhunde erkennen (Sozialisation). Dabei kann ihn der Tierhalter unterstützen, indem er bei richtigem Verhalten lobt (z.B. Knurren gegenüber Wildtieren) und bei unerwünschtem Verhalten korrigiert (z.B. zu großer Spieltrieb mit Schafen). Für die Beziehung zwischen Tierhalter und Herdenschutzhund muss ebenfalls das richtige Maß an Nähe gefunden werden. Dies macht deutlich, dass gerade zu Beginn der Hundehaltung viel Zeit für die Beobachtung und Erziehung der Hunde eingeplant werden muss.

Überblick: Wichtigste Anforderungen

  • Gehorsam gegenüber Halter
  • Zugehörigkeitsgefühl zur Nutztierherde
  • hohe Aufmerksamkeit
  • Erkennen und Fernhalten von Störungen
  • geringe Aggressivität gegenüber Menschen außerhalb der Herde
  • Verträglichkeit mit eventuell vorhandenen Hütehunden

Welche Probleme können durch Herdenschutzhunde entstehen?

Konfliktsituationen, die bei der Haltung von Herdenschutzhunden auftreten können, sind beispielsweise Drohungen und Angriffe gegenüber fremden Menschen, Ausbrechen der Hunde aus der Herde, Misshandlungen der Nutztiere, Aggressivität gegenüber Hütehunden, vermehrte Lärmbelästigung usw. Diese Probleme können sowohl auf den Halter (ungenügende Information und Motivation) als auch auf den Hund (ungeeignet, falsch erzogen) oder auf fremde Personen (z.B. Fehlverhalten von Touristen) zurück zu führen sein.
Viele dieser Konflikte können durch den Kauf bei einem anerkannten Züchter sowie einer intensiven Beschäftigung mit dem Wesen der Hunde und durch das Informieren der Öffentlichkeit vermieden werden. Zudem ist die Korrektur von Fehlverhalten mit Hilfe erfahrener Züchter prinzipiell möglich.
Ungeachtet dessen, muss sich der interessierte Nutztierhalter bewusst sein, dass selbst in Würfen von Herdenschutzhunden aus einer bewährten Arbeitslinie immer Einzelindividuen dabei sein können, welche nicht als Herdenschutzhunde geeignet sind. Diese Tiere müssen streng selektiert werden und sollten nicht zum Einsatz kommen. "Günstige" Privatangebote ziehen erfahrungsgemäß nicht nur Ärger, sondern auch hohe Folgekosten nach sich, da der Nutztierhalter für alle Schäden, die der Herdenschutzhund verursacht, haftet. Eine Aufnahme in die Betriebshaftpflichtversicherung ist in jedem Fall anzuraten.

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