Jahresbericht Pferdezucht 2016

Nizza BRVS

Die Siegerin ZLF 2016 bei den Sportponyrassen

Eine wichtige Aufgabe der Arbeitsgruppe Pferd besteht in der Zuchtleitung des Landesverband bayerischer Pferdezüchter, der die Rassen Warmblut, Süddeutsches Kaltblut, Haflinger, Edelbluthaflinger und Rottaler betreut und der Zuchtleitung des bayerischen Zuchtverband für Kleinpferde und Spezialrassen, der inzwischen über 50 Rassen betreut. Die Arbeit bedeutet Planung und Durchführung von Zuchtprogrammen. Hierbei spielt die Entwicklung der Herdbuchzucht eine entscheidende Rolle.

Mit der Mechanisierung in der Landwirtschaft und Transportwesen war der Pferdebestand in Bayern bis 1960 auf ca. 30.000 Tiere gesunken. Die Pferdezuchtverbände mussten sich umorientieren und die Zuchtziele neu definieren. Die Wandlung vom Militär- und Arbeitstier zum Sport und Freizeitpartner ging sehr rasant. Von 1970 nahm der Herdbuchbestand kontinuierlich zu, die Zahl der registrierten Fohlen hatte sich bis zum Höhepunkt Mitte der 90er Jahre beim Warmblut mehr als versechsfacht, bei den Haflingern verzehnfacht, um sich danach wieder deutlich zu verringern auf die Hälfte (Warmblut) bzw. ein Drittel (Haflinger). Nicht ganz so stark ist die Welle bei der Fohlenanzahl der Rasse Süddeutsches Kaltblut ausgeprägt, 1960 wurden nur noch 100 Fohlengeburten registriert, die Zahl stieg sehr kontinuierlich und hat mit jährlich über 600 registrierten Kaltblutfohlen seit Jahren die Haflinger überflügelt.

Warmblut, Haflinger, Edelbluthaflinger, Süddeutsches Kaltblut und Rottaler

Große Erfolge Bayerischer Züchter
Auch das Jahr 2016 war für die Züchter des Landesverbands Bayerischer Pferdezüchter e.V. geprägt von vielen züchterischen Höhepunkten und bayerische Züchter feierten auch über die Landesgrenzen hinaus große Erfolge mit ihren Pferden. Zu allererst zu nennen wäre hier die erfolgreiche Teilnahme zweier bayerischer Warmblüter an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Dies war zum einen der unter französischer Flagge startende After You v. Abanos – Ragazzo (Züchter: Clemens u. Ferdinand Helbach, Hilpoltstein) und der aus der Erfolgszucht von Martin Niedermair aus Aying stammende Lorenzo v. Lord Loxley – Rubin Royal. Letztere sorgte zusammen mit seinem spanischen Reiter Severo Jurado Lopez mit einem nahezu fehlerfreien, spektakulären Auftritt in der Kür am Finaltag für Aufsehen und platzierte sich schlussendlich auf einem hervorragenden 5. Platz vor internationalen Spitzenteams.
Fakten und Zahlen
Die Zahl der neu eingetragenen Tiere in das Herdbuch ist sicherlich auch ein Indikator für die Entwicklung der Herdbuchzucht der jeweiligen Rasse. Abb.1 zeigt die Anzahl der eingetragenen Stuten nach Regionalverbänden und Rassen und zeigt die Gesamtzahl der eingetragenen Stuten je Rasse im Vergleich zum Vorjahr auf (Stand 31.12.2016). Hier wird vor allem beim Warmblut, aber auch beim Kaltblut deutlich, dass wieder mehr Stuten im Vergleich zum Vorjahr eingetragen wurden. Beim Haflinger und Edelbluthaflinger hingegen sind die Zahlen seit einigen Jahren kontinuierlich rückläufig.
Stutenbestände Stand 31.12.2016
 Oberbayern2015Ndb./Opf.2015Schwaben2015Franken2015Schwaig.2015Gesamt2015
Warmblut96687457158546848938738733322.4252.376
Kaltblut14021.348152164214222596371318341.810
Haflinger170169565091933343  350355
Edelblutha.40041273712592811069964844867
Rottaler  2526      2526
Veranstaltungen
Aber auch im üblichen Jahresverlauf gab es große Veranstaltungen, bei denen die hohe Qualität der bayerischen Zuchtprodukte deutlich wurde. Los ging es Ende Januar mit der großen Süddeutschen Körung der Reitpferdehengste in München-Riem, die sich mittlerweile zu einem festen Termin im Kalender von Züchtern, Zuchtinteressierten und Hengsthaltern in Deutschland und darüber hinaus etabliert hat. Die Veranstaltung ist natürlich in erster Linie ein Marktplatz für potentielle Vatertiere, aber auch Hengste ohne positiven Selektionsentscheid können über diese Veranstaltung mit anschließender Vermarktung als potentielle Sportpferde erfolgreich gehandelt werden und erzielen teilweise sogar höhere Preise.
Im Mai starteten dann die regionalen Stutbuchaufnahmen aller Rassen, bei denen die besten Stuten eine Fahrkarte für die große Landesschau mit Vergabe der Staatsprämienanwartschaften in München-Riem Mitte Juni lösen konnten. Die Landesschau ist immer wieder ein besonderes Erlebnis, bei der die 20% besten Stuten eines jeden Eintragungsjahrgangs mit einer Staatsprämienanwartschaft ausgezeichnet werden können. Neben weiteren interessanten Zuchtschauen und Veranstaltungen rund um die verschiedenen Rassen, konnten bayerische Warmblüter auch zahlreiche sportliche Erfolge auf nationalem und internationalem Niveau erringen.
Das absolute Highlight der bayerischen Pferdezucht war das alle vier Jahre parallel zum Münchner Oktoberfest stattfindende Zentrallandwirtschaftsfest. Nach einer strengen Vorauswahl bei den Rassen Süddeutsches Kaltblut, Haflinger und Edelbluthaflinger konkurrierten insgesamt 74 Süddeutsche Kaltblüter und 58 ausgewählte Haflinger und Edelbluthaflinger um den begehrten Titel „Bayernsieger“ in der jeweiligen Rasse. Auch die Bayerischen Warmblüter traten zum Titelkampf an und feierten eine strahlende „Bayernsiegerin“. Neben dem großen Prämierungstag zeigten die bayerischen Pferdezüchter über die gesamte Dauer des Zentrallandwirtschaftsfests ihr volles Engagement während dem täglichen, auf dem großen Schauring stattfindenden Schauprogramm. Hier wurden eindrucksvoll die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten der in Bayern gezüchteten Pferderassen demonstriert, wie zum Beispiel die Süddeutschen Kaltblüter in verschiedenen traditionellen Anspannungen vom Almkarren über den festlich geschmückten Jagdwagen bis hin zur sportlichen Anspannung vor einer Wagonette. Das Zentrallandwirtschaftsfest vom 17. – 25.09.2017 war wieder eine tolle Plattform für die bayerische Pferdezucht und das täglich Schauprogramm ein Publikumsmagnet für Pferdefreunde und Zuchtinteressierte.
Kurz darauf reisten die Züchter und Freunde der Süddeutschen Kaltblüter zur Körung auf die Olympia-Reitanlage nach München-Riem. Bei traumhaftem Herbstwetter präsentierten die Züchter ihre hervorragend herausgebrachten Hengste zuerst zur Überprüfung der Korrektheit auf dem harten Boden, dann an der Hand im Schritt und Trab auf der Dreiecksbahn und anschließend im Freilaufen. Die gesamte Veranstaltung war getragen von einer tollen Stimmung und endete dann mit dem absoluten Höhepunkt, der Ergebnis- und Siegerbekanntgabe und der dazugehörigen Berichterstattung. Der Tag darauf und der „Tag der Deutschen Einheit“ stand im Zeichen der Haflinger und Edelbluthaflinger. Hier fand die große Süddeutsche Haflinger- und Edelbluthaflingerkörung mit Stutenprämierung „Blaues Band“ und dem Süddeutschen Fohlenchampionat. Bayerische Pferde konnten wieder erstklassige Erfolge in allen Wettbewerben erzielen und machten diese rundum erfolgreiche Veranstaltung zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Einführung der linearen Beschreibung
Neben den großen Veranstaltungen gab es auch einige Neuerungen und Beschlüsse in den entsprechenden Gremien des Landesverbands Bayerischer Pferdezüchter e.V., die ab 2017 umgesetzt werden sollen. Die wichtigste Neuerung ist die Einführung der „Linearen Beschreibung“ als Ergänzung zur Bewertung der einzelnen Merkmale anhand von Noten. Bei der „Linearen Beschreibung“ werden lediglich die auffälligen, von der Norm abweichenden, Merkmale des Exterieurs und der Bewegung beschrieben. Diese werden je nach Ausprägung mit der Abstufung 1, 2 oder 3 der entsprechenden Extreme innerhalb des Merkmals beschrieben. Die 0 bedeutet dabei, dass für das entsprechende Pferd bei diesem Merkmal keine besondere Auffälligkeit besteht. Dem Richtergremium steht hierfür eine Vielzahl von Merkmalen zur Beschreibung eines Pferdes zur Verfügung. Die Erfassung erfolgt mittels eines Tablet Computers. Die Stuten werden nun auf den Eintragungsterminen in 2017, nicht nur anhand von Noten beurteilt, sondern auch linear beschrieben. Die Züchter bzw. Besitzer erhalten die Beschreibung ihrer Stute in Form eines Ergebnisdiagramms direkt vor Ort oder können diese online über ihren ISPFERD-Zugang herunterla-den. Für 2017 sind zu dieser Thematik Lehrgänge für die Kommissionrichter und Seminare und Infoveranstaltungen für die Pferdezüchter geplant.

Kleinpferde und Spezialrassen

Pearl von Wendelstein
Im Wandel
Noch ist ein leichter Abwärtstrend der Zuchtpferde in Deutschland zu erkennen. Jedoch werden die Rückgänge von Jahr zu Jahr geringer und einige wenige Rassen bleiben bereits hinsichtlich der Zuchttierbestände stabil oder steigen sogar wieder leicht an. Es ist aber zu erwarten, dass die Zuchttierbestände im Pferde- und Ponybereich auf einem niedrigeren Niveau bleiben werden, als sie es in der Vergangenheit bereits waren. Die Gründe hierfür sind mehrschichtig und unter anderem in dem demographischen Wandel, dem wachsenden Angebot an attraktiven und teils auch günstigeren Freizeitangeboten und nicht zuletzt der voranschreitenden Technisierung zu finden. Die Pferdehaltung und die Pferdezucht werden jedoch immer bedeutende Teile der Landwirtschaft bleiben. Dient die Pferdehaltung doch einem nicht unwesentlichen Teil der landwirtschaftlichen Bevölkerung als Einkommensgrundlage.
Der Rückgang der Zuchttierbestände zwingt die Zuchtverbände als Heimat der Züchter zu Umstrukturierungen und Optimierungsansätzen. Aktivität und Kosten reduzieren um zu überleben stehen dabei im Konflikt. Zum einen muss auch der Bayerische Zuchtverband für Kleinpferde und Spezialpferderassen e.V. (BZVKS) gerade in den heutigen Zeiten zunehmender Bürokratie Kosten sparen, zum anderen möchte er aber seinen Züchtern eine gute Heimat bieten. Es wird jährlich nur noch eine Körung in Bayern angeboten, diese findet kundenorientiert abwechselnd im Süden (München) und im Norden (Ansbach) statt. Im Herbst wird zusätzlich die rotierende Süddeutsche Ponykörung durchgeführt. Diese war 2016 im thüringischen Oberpörlitz mit guter Beteiligung bayerischer Hengsten. Andere wichtige Termine wie Landesschau, Zuchtschauen und Messeauftritte finden ebenfalls weiterhin statt.
Fjordferd Malia
Zentrallandwirtschaftsfest
2016 fand wieder die „Olympiade der bayerischen Pferde- und Ponyzucht“, das ZLF, statt. Hier war das Mitwirken der bayerischen Züchter überwältigend! Sowohl im Schauprogramm als auch auf der Zuchtschau und beim Jungzüchterwettbewerb waren die verschiedenen Züchter mit ihren Rassen präsent. Erfreulich war der große Erfolg von Jungzüchterin Stefanie Abel, die wie bereits 2012 Siegerin innerhalb der Rassegruppe Ponys und Spezialrassen, und auch beste Teilnehmerin aller Pferde-Jungzüchterin war.
Stutbuchaufnahmen, Fohlenregistrierungen und Zuchtschauen
In allen Anschlussverbänden wurden neben den Stutbuchaufnahmen und Fohlenregistrierungstermine größere Zuchtveranstaltungen durchgeführt. Die größten und bedeutendsten Veranstaltungen waren die Hans-Schütz-Gedächnisschau auf dem Behrhof in Niederbayern, das Fränkische Fohlenchampionat in Gerolzhofen in Franken, die Bayerische Islandfohlentour, die schwäbischen Fohlenchampionate, die Zuchtschau auf dem Schrankenschneiderhof in Ebersberg, die Fiesta Criolla, der Leutstettener Tag 2016, das Alpenländische Welshfohlenchampionat in Teisendorf sowie die Fjordfohlenschau in Mauern.
Bronzemedaillengewinner der 5-jährigen Dressurponys der DKB Bundeschampionate
Züchter auf Veranstaltungen erfolgreich
Viele Züchter des BZVKS nutzten auch die Chance und präsentierten ihre Ponys und Pferde auf der Pferd International und auf der Faszination Pferd in Nürnberg. Nur wenn Zuchtpferde des BZVKS immer wieder professionell und beeindruckend präsentiert werden, bleibt der BZVKS im Gespräch. Sportlich war die Bronzemedaille des bayerisch gezogenen Daiquiri (von FS Don’t Worry – Don Joshi AT, Züchter und Besitzer: Gestüt Ammerland) unter seiner Reiterin Lily Bendig bei den DKB-Bundeschampionaten der 5-jährigen Dressurponys ein bedeutender Erfolg. Der BZVKS führt viele verschieden Leistungsprüfungen durch. Aufgrund der geringen Zuchtpferdedichte in Bayern müssen die LP-Termine zentral durchgeführt werden. Weite Wege für die Züchter sind hier nicht immer zu vermeiden.
Statistik
Schaut man sich die Statistik im BZVKS an, so ist ein leichter Anstieg der Mitgliedszahlen um 59 Züchter zu verzeichnen. Dieser Anstieg basiert in erster Linie auf der Tatsache, dass der BZVKS nun neben den englischen Shire Horse auch für die spanischen Pura Raza Espanola die Chipverwaltung übernommen hat. Der BZVKS betreut aktuell 77 verschiedene Rassen, davon 19 Pony-, 50 Spezial- und 8 Kaltblutrassen. Die Zuchttierbestände sind im Vergleich zum Vorjahr sowohl hinsichtlich der Stuten, der Hengste als auch der Fohlen nochmals leicht zurückgegangen (siehe Tabelle). Die Spezialrassen haben sich insgesamt relativ konstant gehalten. Erfreulicherweise waren in diesem Bereich 6 Stuten mehr eingetragen und es wurden 8 Fohlen mehr registriert als im Vorjahr. Bei den Ponyrassen kam es zu leichten Rückgängen. Lagen die Rückgänge vor wenigen Jahren noch bei 10% im Jahresvergleich, so flacht sich dieser Rückgang erfreulicherweise deutlich ab. Von 2015 auf 2016 ging er Stutenbestand lediglich um 1% (22 Stuten) und die Fohlenanzahl um 2% (12 Fohlen) zurück. Hinsichtlich der registrierten Fohlen haben sich die Rassen Welsh Pony und Cob, Shetland Pony, Kleines deutsches Pony und New Forest Pony ziemlich konstant gehalten. Erhebliche Rückgänge bei den registrierten Fohlen hatten die Rassen Deutsches Reitpony mit absolut 22 weniger registrierte Fohlen (35%) und das Islandpferd mit absolut 19 weniger registrierten Fohlen (8%) zu verzeichnen. Insbesondere der Rückgang der Deutschen Reitponys von 62 auf gerade mal 40 registrierte Fohlen ist beunruhigend! Leichte Zugänge bzgl. der registrierten Fohlen hatten die Rassen Connemara, Dt. Classic Pony, Dt. PB Shetland Pony, Fjordpferd und Leonharder.
Pferdebestand Bayerischer Zuchtverband für Kleinpferde und Spezialpferderassen e.V. Stand: 31.12.2016 mit (Stand: 31.12.2015)
 PonyrassenSpezialpferderassenKaltblutrassenGesamt
Eingetragene Stuten1689 (1711)345 (342)39 (36)2073 (2089)
Eingetragene Hengste320 (319)98 (109)10 (9)428 (437)
Registrierte Fohlen538 (550)96 (93)22 (17)656 (660)
Bedeckungen692 (688)122 (120)20 (21)834 (825)
Stutbuchaufnahmen238 (230)38 (55)6 (11)282 (296)
Hengstkörungen vorgestellt32 (62)3 (14)1 (7)36 (83)
Hengste gekört25 (30)1 (10)1 (7)27 (43)
Bei den verschiedenen Spezial- und Kaltblutrassen sind nach wie vor insgesamt sehr geringe Populationsgrößen festzustellen. Hier ist Zuchtberatung besonders wertvoll, denn auch in einer kleinen Population muss zur Erreichung des Zuchtfortschritts selektiert werden. Diese Selektion darf natürlich nicht auf Kosten der genetischen Vielfalt gehen. Doch auch die Pferdezucht wird immer globaler und so können wertvolle Zuchttiere mittels moderner Reproduktionstechniken bereits europaweit (und teils weltweit) ausgetauscht werden. Lediglich bei einer Rasse der 58 Spezial- und Kaltblutrassen wurden mehr als 10 Fohlen registriert. Im Jahr 2016 wurden insgesamt 29 Fohlen, und somit zwei Fohlen mehr als 2015, der Rasse Criollo aufgenommen. Nur vier weitere Rassen hatten mindestens zwischen fünf und zehn registrierte Fohlen. Diese waren Freiberger (8 Fohlen), Tinker (7 Fohlen), Paso Fino und Percheron (jeweils 6 Fohlen) sowie Achal Tekkiner und Ponys of he Americas (jeweils 5 Fohlen).
Über alle Rassen hinweg wurde von 45 der 77 vom BZVKS betreuten Rassen mindestens ein Fohlen registriert. Die restlichen 32 Rassen waren bezogen auf die Nachkommenzahlen inaktiv und hatten lediglich Elterntiere eingetragen.