Praxisinformationen
Änderungen zur Zuchtwertschätzung April 2016

In den Monaten April, August und Dezember jeden Jahres wird eine Zuchtwertschätzung basierend auf den vorliegenden Leistungsprüfungsdaten durchgeführt. Aktuelle Ergebnisse können in der Online-Anwendung BaZI-Rind abgerufen werden.
Die in der aktuellen Zuchtwertschätzung vorgenommenen Änderungen im Zuchtwertschätzverfahren und bei der Veröffentlichung der Zuchtwerte werden im Folgenden beschrieben.

Routinemässig wird die Basisgruppe für die Berechnung der Zuchtwerte bei jeder Zuchtwertschätzung aktualisiert. Dadurch ergeben sich Zuchtwertänderungen, die spezifisch für jedes Merkmal angegeben werden können. Weitere Änderungen sind in den verschiedenen Abschnitten aufgeführt.

Basisanpassung

Basistiere der aktuellen Zuchtwertschätzung:

Bullen mit mind. 10 Töchtern in mind. 5 Herden, geboren in folgenden Geburtszeiträumen:

  • Fleckvieh, Braunvieh: April 2005 bis März 2008 (8-10 Jahre alt)
  • Gelbvieh: April 2003 bis März 2008 (8-12 Jahre alt)
Bei dieser Zuchtwertschätzung wurde die Basis um 4 Monate vorgerückt. Für alle Zuchtwertschätzungsmerkmale gilt die gleiche Basis.

Zuchtwert-Änderungen, die sich durch die Basisanpassung ergeben haben: pdf 226 KB

Neuer Gesamtzuchtwert (Fleckvieh und Braunvieh)

Dr. Christian Fürst, ZuchtData Wien
Bei diesem ZWS-Termin wurden einerseits die neuen Gewichtungen und andererseits die methodischen Anpassungen hinsichtlich der neuen genetischen Korrelationen und der neuen Berechnungsmethode umgesetzt. Detailinformationen wurden mit dem Testlauf im Februar versendet und sind auch in den Unterlagen des ZAR-Seminars zu finden (www.zar.at – Downloads – ZAR-Seminar). Hier sollen nur die wichtigsten Punkte zusammengefasst werden.
Methodische Anpassungen
Die genetischen Beziehungen (Korrelationen) zwischen allen Merkmalen im GZW wurden neu geschätzt. Die Zusammenhänge zwischen den Milchmerkmalen und Fleisch- bzw. Fitnessmerkmalen ist überwiegend stärker negativ als bisher, andererseits sind die Fitnessmerkmale untereinander etwas stärker positiv korreliert.
Die bisherige Berechnungsmethode zeigte die Eigenschaft, dass sie zu überhöhten Streuungen der Gesamtzuchtwerte bei niedrigen bis mittleren Sicherheiten führte, weshalb eine Modifikation notwendig wurde. Mit der verbesserten Methodik wird die Streuung verringert, das heißt, die Gesamtzuchtwerte werden ‚gestaucht‘ und rücken enger zusammen. Die Stauchung der GZWe ist bei den NK-geprüften Stieren nur sehr gering, bei den genomischen Jungvererbern (GJV) und den Kühen allerdings deutlich ausgeprägt. Da sich die Stauchung auf die NK-Stiere kaum auswirkt, rücken sie in der Rangierung nach GZW merklich nach vorne.
Die geänderte Berechnungsmethode wird neben dem GZW auch bei den anderen Indexmerkmalen MW, FIT, ND und EGW angewendet. Die Stauchung ist beim MW relativ gering ausgeprägt, beim FIT allerdings auch deutlich. Die Stauchung beim FIT trifft auch die NK-Stiere, da die Fitness-Sicherheiten bei den jungen NK-Stieren noch relativ niedrig sind.

Änderungen in der Fitness-ZWS (Fleckvieh, Braunvieh)

Dr. Christian Fürst, ZuchtData Wien
Im Rahmen der gemeinsamen ZWS wurden in den letzten Monaten und Jahren zahlreiche Weiterentwicklungen in der Fitness-ZWS erarbeitet, die bei der April-ZWS eingeführt wurden.
In der ZWS wird im Fitnessbereich bereits eine sehr breite Palette an Merkmalen angeboten, der Zeitraum der gesamten Aufzuchtphase wurde in der ZWS aber bisher völlig vernachlässigt. Es geht dabei um die Zeit zwischen dem 3. Tag nach der Geburt und der Belegung bzw. Abkalbung. Datengrundlage für die ZWS sind Verendungsmeldungen aus der Tierkennzeichnung seit dem Jahr 2000.

Folgende Abschnitte werden definiert:

  • Tot geboren oder verendet bis 2. Tag (=Totgeburtenrate)
  • Aufzuchtphase 1: 3. bis 30. Tag (männlich und weiblich)
  • Aufzuchtphase 2: 31. Tag bis 10 Monate (männlich)
  • Aufzuchtphase 3: 31. Tag bis 15 Monate (weiblich)
Die Erblichkeiten (Heritabilitäten) liegen im Bereich von 1 bis 3%.
Aus den einzelnen Abschnitts-Zuchtwerten wird entsprechend der wirtschaftlichen Bedeutung der sogenannte Vitalitätswert (VIW) errechnet. Die Gewichtung der Totgeburtenrate und der drei Aufzuchtphasen ist dabei beim Fleckvieh 52 : 24 : 12 : 12% und beim Braunvieh 46 : 27 : 0 : 27%. Der VIW wird wie gewohnt als Relativ-ZW dargestellt, wobei Werte über 100 züchterisch wünschenswert sind und niedrigere Aufzuchtverluste bzw. höhere Überlebensraten bedeuten. Es wird nur der VIW veröffentlicht, die Einzelzuchtwerte werden in den RDV geladen, aber ansonsten nicht veröffentlicht.
Die Gesundheits-ZWS für die Merkmale Mastitis, frühe Fruchtbarkeitsstörungen, Zysten und Milchfieber wurde bisher ausschließlich basierend auf tierärztlichen Diagnosen aus Österreich und Baden-Württemberg durchgeführt. Mit der April-ZWS ist es jetzt möglich, tierärztliche Diagnosen aus Bayern und insbesondere auch die geburtsnahen Gesundheitsbeobachtungen aus Österreich, Bayern und Baden-Württemberg mit einzubeziehen.
In der neuen ZWS gehen Nachgeburtsverhaltungen aus Beobachtungen als Ergänzung der Diagnosen für frühe Fruchtbarkeitsstörungen ein, das Festliegen ergänzt die Milchfieber-Diagnosen. Die ZWS Fruchtbarkeit wird neu mit allen 7 Merkmalen (NR56 Kalbin/Kuh, Rastzeit, Verzögerungszeit Kalbin/Kuh, fFRU, Zysten) multivariat durchgeführt. Weiters wird der Zeitraum für die Einbeziehung der Merkmale in die frühen Fruchtbarkeitsstörungen von 30 Tagen auf 90 Tage nach der Abkalbung erweitert, um einen größeren Anteil an Gebärmutterentzündungen (Metritis) zu erfassen.
Außerdem wird jetzt neu die Besamungsart im ZWS-Modell berücksichtigt. Bei der Besamungsart wird zwischen Gefriersperma, Natursprung, Frischsperma und gesextem Sperma unterschieden. Für den Befruchtungswert für Stiere wird nur die Non-Return-Rate für das Gefriersperma verwendet.
Bisher erfolgte die Kalbeverlaufs-ZWS gemeinsam mit der Totgeburtenrate. Mit der April-ZWS wandert die Totgeburtenrate wie beschrieben zur neuen ZWS Aufzuchtverluste, der Kalbeverlauf wird jetzt gemeinsam mit der Trächtigkeitsdauer geschätzt. Es ist bekannt, dass eine längere Trächtigkeitsdauer zu größeren Kälbern führt und damit auch zu mehr Geburtsproblemen. Bei der neuen ZWS wird die Trächtigkeitsdauer als Hilfsmerkmal in diesem Zusammenhang zur Erhöhung der Sicherheit des ZW Kalbeverlaufs genutzt.

Der veröffentlichte Kalbeverlaufs-ZW wurde bisher als Durchschnitt der Zuchtwerte für erste und weitere Abkalbungen errechnet. Neu wird mit einer Gewichtung von 75 : 25% ein höheres Gewicht auf die erste Abkalbung gelegt. Der ZW Trächtigkeitsdauer dient als reines Hilfsmerkmal und wird nicht veröffentlicht.
Tschechien ist beim Fleckvieh bereits seit längerer Zeit mit den Merkmalen Milch, Fleisch, Exterieur, Zellzahl und Melkbarkeit Teil der gemeinsamen ZWS. Als nächstes Merkmal erfolgte die Einbeziehung der tschechischen Daten für die Nutzungsdauer-ZWS bei der April-ZWS. Die tschechischen Daten umfassen etwa 9% aller Daten in der gemeinsamen ZWS.

Die im Rahmen der Überarbeitung des GZW neu geschätzten genetischen Korrelation werden auch für die kombinierte Nutzungsdauer verwendet. Die teilweise deutlich höheren genetischen Korrelationen der Hilfsmerkmale zur Nutzungsdauer bewirken etwas höhere Sicherheiten für den offiziellen (kombinierten) Nutzungsdauer-ZW.

Gemeinsame Zuchtwertliste DE-AT-CZ (Fleckvieh)

Mit der Aufnahme der tschechischen Daten in die ZWS Nutzungsdauer liegen jetzt für einen weiten Bereich an Merkmalen auch Zuchtwerte für tschechische Besamungsbullen vor (siehe vorherigen Punkt). Mit der Veröffentlichung April 2016 werden erstmalig auch Bullen im Besitz von tschechischen Stationen in die Gemeinsame Zuchtwertliste (GZL) und die Onlineanwendungen BaZI-Rind und ZAR-DB mit aufgenommen. Bei den Einzelzuchtwerten aus den Komplexen Fruchtbarkeit, Vitalität und Kalbeverlauf wurden die entsprechenden genomischen Zuchtwerte bzw. Pedigreezuchtwerte zur Berechnung des Gesamtzuchtwertes und Fitnesswertes herangezogen.

Kennzeichnung des Mangels Nervosität im Balkendiagramm Exterieur (Fleckvieh, Braunvieh)

Dr. Dieter Krogmeier, ITZ
Grundlage für die Kennzeichnung des „Mangels Nervosität“ im Balkendiagramm ist ab der ZWS April 2016 bei geprüften Bullen der (unveröffentlichte) genomische Zuchtwert und nicht mehr die korrigierte Bewerterabweichung. Aufgrund der niedrigen Sicherheiten der genomischen Zuchtwerte erfolgt bei „Genomischen Jungvererbern“ keine Kennzeichnung.

Genomische Zuchtwertschätzung

In der aktuellen genomischen Zuchtwertschätzung wurde wie gewohnt eine Rekalibrierung des Systems unter Nutzung aller verfügbaren Genotypen und der aktuellen konventionellen Zuchtwerte vom April 2016 beim Fleckvieh und Braunvieh durchgeführt.

Mit dem Schätzlauf April 2016 wurden für alte nicht selektierte Kandidaten bei der Rasse Fleckvieh keine aktualisierten genomischen Zuchtwerte mehr berechnet. Betroffen sind männliche Kandidaten mit einem Geburtsdatum, das zum Zeitpunkt der Zuchtwertschätzung mehr als 2 Jahre zurückliegt, wenn gleichzeitig keine Kördaten, Besamungsdaten und KB-Zugehörigkeit vorliegen. Dies hat Auswirkungen auf die Halbgeschwisterrangierung („Rang innerhalb Vater“), die ausschließlich basierend auf den Kandidaten der aktuellen genomischen Zuchtwertschätzung berechnet wird.

Neue BaZI-Rind Internet-Anwendung

Kurz vor dem ZWS-Termin April 2016 wurde die neue Webseite von BaZI-Rind (Bayerische Zuchtwertinformationen-Rind) freigeschaltet. Der technische Hintergrund der Anwendung wurde vollständig überarbeitet und das Layout auf die Anforderungen des einheitlichen Auftrittes im Bereich des Bayerischen StMELF angepasst. BaZI-Rind wurde im sogenannten responsiven Webdesign erstellt, so dass sich die Seiten automatisch an die genutzten Endgeräte anpassen und so auch auf mobilen Endgeräten eine ansprechende Nutzung gewährleisten.

Es wurde versucht alle Funktionalitäten der alten Anwendung zu übernehmen und um einige nützliche neue Funktionen zu erweitern. Dazu gehören die Anzeige der nächsten/vorherigen Bullen einer Liste, einer Änderungsmöglichkeit der letzten durchgeführten Suche, einer erweiterten Darstellung der Historie der Zuchtwerte über die letzten vier ZWS-Termine, sowie eine erweiterte Suche von Nachkommen bekannter Vorfahren in der Auswahlmaske. Die vorhandenen Söhne von Bullenmüttern können außerdem über einen Klick neben der Kuh in der Stammbaumansicht angezeigt werden.

Die Navigation erfolgt über eine neu gestaltete Tabulatorleiste die einen schnellen Zugriff auf alle Informationen gewährleistet. Der bewährte Zuchtwertreport mit allen individuellen Bulleninformationen und die Zuchtwertkurven sind weiterhin als PDF-Dokumente für die Bullen verfügbar.

Termin nächste Zuchtwertschätzung

Der Veröffentlichungstermin der nächsten nationalen Zuchtwertschätzung ist Dienstag, der 09. August 2016.
Neben der dreimaligen konventionellen Zuchtwertschätzung werden monatliche Kandidatenläufe bei der genomischen Zuchtwertschätzung durchgeführt. An diesen Terminen gibt es für die jeweils neu aufgelaufenen Kandidaten genomisch optimierte Zuchtwerte, die über den Zuchtverband den Auftraggebern mitgeteilt werden und gleichzeitig auch in den RDV eingepflegt werden, so dass sie in Dokumenten (z.B. Stammbuchauszügen) oder Katalogen angedruckt werden können.

Änderungen zu historischen Zuchtwertschätzterminen