Tierzüchtung
Schweinemastversuch mit Nachkommen von bayerischen und Schweizer Endstufenebern

Schweinehälften die mit Messgerät geprüft werden

Schweinemastversuch mit Nachkommen von bayerischen und Schweizer Endstufenebern

Hohe Futtermittelpreise und Änderungen in den Abrechnungsmasken mehrerer Schlachtunternehmen fordern zunehmend wachstumsbetonte Masttiere mit guter Futterverwertung und Fleischigkeit. Diesen Anforderungen wird in Bayern durch das Zuchtziel 2010 Rechnung getragen, in welchem der Druck auf die täglichen Zunahmen und die Futterverwertung deutlich erhöht wurde, bei Sicherstellung eines hohen Muskelfleischanteils und sehr guter Fleischqualität.

Zur Einschätzung des Leistungspotentials der bayerischen Vaterrassenzucht wurden Endprodukte von wuchsbetonten bayerischen Pietrain-Ebern und Schweizer Endstufenebern der Zuchtrichtung PREMO® (Edelschwein Vaterlinie) miteinander verglichen. Die Sauengrundlage (Kreuzungstiere aus DE x DL) entstammte dem bayerischen Zuchtprogramm der EGZH. Die Prüfung erfolgte unter Stationsbedingungen an der Leistungsprüfungsanstalt (LPA) Grub. Auf Grund des anstehenden Verbotes der Kastration ohne Schmerzausschaltung ab dem Jahr 2019 wurden neben weiblichen Tieren und Kastraten auch unkastrierte männliche Wurfgeschwister aufgestallt. Bei allen Mastebern (Pietrain- und Premo-Nachkommen) wurden neben den Leistungsdaten der Mast- und Schlachtleistung bzw. der Fleischqualität auch die den Ebergeruch maßgeblich verursachenden Substanzen Androstenon und Skatol im Nackenspeck analysiert.
Die Tiere wurden nach Versuchsgruppen getrennt nach Geschlechtern aufgestallt. Die Fütterung der Tiere erfolgte zweiphasig (Umstellung nach sieben Wochen) mittels Einzeltierfütterung durch Transpondererkennung. Das mittlere Schlachtgewicht betrug für beide genetischen Herkünfte knapp 97 kg.

Deutliche Vorteile des bayerischen Pietrains beim Schlachtkörperwert

Die Ergebnisse der Mast- und Schlachtleistung sind in Tabelle 1 dargestellt. Die täglichen Zunahmen (TZ) bei den Pietrain-Nachkommen (Pi x F1) betrugen im Mittel über alle Tiere 877 g. Die Premo-Nachkommen (Premo x F1) zeigten mit 898 g etwas höhere Zunahmen als Pietrain.
Während bei den Ebern zwischen den Rassen kaum ein Unterschied in der Futterverwertung (FVW) festzustellen war, benötigten die Pi-Kastraten im Vergleich zu den Premo-Kastraten um 0,05 kg mehr Futter je kg Zuwachs. Bei den weiblichen Masttieren wurde dagegen eine um 0,18 kg/kg bessere Futterverwertung beobachtet, wenn sie einen Pietrain-Eber zum Vater hatten. Im Genetikvergleich über alle Tiere war mit 2,41 kg/ kg Zuwachs (Pietrain) zu 2,44 kg/ kg (Premo) ein geringerer Futterverbrauch bei den Pietrain-Endprodukten festzustellen.
Im Muskelfleischanteil (MFA) nach gesetzlicher Handelsklassenverordnung (Klassifizierung mit Hennessy) sowie dem Bauchfleischanteil (BAFL) nach Gruber LPA-Formel wurden sowohl zwischen den Geschlechtern als auch zwischen den Rassen deutliche Unterschiede ermittelt. Dabei hatten die Pietrain-Nachkommen mit Unterschieden von 2,2 %-Punkten im MFA (nach Hennessy) bzw. mit 1,3 %-Punkten im Merkmal BAFL deutlich höhere Fleischanteile als die Premo-Nachkommen. Auch beim Fleischmaß, das von einigen Schlachtunternehmen als zusätzliches Bezahlungskriterium verwendet wird, sticht der bayerische Eber mit im Mittel 71,6 zu 62,6 mm (Premo-Nachkommen) hervor. Ebenso sind die Pietrain-Endprodukte in der Kotelettfläche mit im Mittel 60,1 cm2 den Premo-Nachkommen mit 51,2 cm2 deutlich überlegen. Die Pietrain-Nachkommen zeigten im Mittel ein um 0,05 deutlich günstigeres Fleisch-Fett-Verhältnis (0,28 zu 0,33), was über alle Geschlechter hinweg festzustellen war. Dagegen sind die Premo-Schlachtkörper mit im Mittel 102,6 zu 100,2 cm (Pietrain) länger. Die größten Unterschiede sind hier bei den Kastraten und den weiblichen Tieren mit knapp 3 cm festzustellen, während bei den Ebern der Unterschied mit 1,2 cm kleiner ausfiel. Vorteile sind bei Premo in der Fleischqualität festzuhalten. Sowohl im Intramuskulären Fettgehalt (IMF) als auch beim Tropfsaftverlust (TSV) hat hier der Schweizer Eber die Nase vorn. Die Unterschiede über alle Nachkommen betragen beim IMF 0,3 %-Punkte und beim Tropfsaftverlust 0,7 %-Punkte. Diese Leistungsunterschiede zwischen den genetischen Herkünften konnten in jedem Merkmal statistisch abgesichert werden.
Tabelle 1: Rohmittelwerte der Mast- und Schlachtleistung bei Ebern, Kastraten und weiblichen Tieren nach Rasse des Vaters sowie der Gesamtvergleich (LSQ-Werte) der Vaterrassen
 Pietrain (PI)Pietrain (PI)Pietrain (PI)PremoPremoPremoGesamtGesamt
 EberKastratWeiblichEberKastratWeiblichPIPremo
Anzahl Tiere344141433846116127
Zunahmen (g)871927832885954864877898
Futterverwertung2,342,582,292,332,532,472,412,44
MFA Hennessy (%)60,258,461,457,856,159,160,057,8
- F-Maß (mm)69,272,272,960,862,964,071,662,6
- S-Maß (mm)14,216,913,515,417,714,514,915,8
Bauchfleisch (%)60,856,161,958,955,659,959,558,3
Kotelettfläche (cm2)57,858,663,549,550,053,760,151,2
Fleisch zu Fett (1:)0,270,340,230,320,390,280,280,33
Länge (cm)102,199,199,6103,3102102,4100,2102,6
IMF (%)1,141,621,221,402,171,531,341,68
Tropfsaftverlust (%)3,634,233,843,043,323,273,923,21
Im Gehalt der geruchsbestimmenden Substanzen im Nackenfett zeigten die Premo-Masteber mit im Mittel 738 ng Androstenon/g Fett etwas höhere Gehalte als die Nachkommen der Pietraineber mit 584 ng/g Fett. Beim Skatolgehalt konnten mit 79 (Pietrain) zu 87 ng (Premo)/ g Fett keine Unterschiede beobachtet werden. Exakte Schwellenwerte für diese Substanzen, ab wann ein Eberschlachtkörper als geruchsauffällig eingestuft wird, existieren bisher noch nicht. Es werden in der Literatur aber Grenzwerte von 1 000 bis 3 000 ng/ g Fett für Androstenon bzw. 100 bis 250 ng / g Fett für Skatol angegeben. Auf Grund von Genussuntauglichkeit wurde kein Schlachtkörper verworfen.

Schlussfolgerungen

Der bayerische Pietrain erfüllt die Bedürfnisse des bayerischen Marktes nach wüchsigen Mastendprodukten gepaart mit sehr guter Fleischausprägung und geringen Fettgehalten. Auch im, insbesondere bei hohen Futterkosten, wichtigen Merkmal Futterverwertung kann der bayerische Pietrain sehr gut mithalten. Der Schweizer Eber zeigt dagegen Vorteile in den Zunahmen und in der Fleischqualität. Auch in Punkto Ebermast scheint der bayerische Endstufeneber gut geeignet zu sein. Im Sommer dieses Jahres wird es zudem möglich sein, bayerische Eber nach ihrer Neigung hinsichtlich der Vererbung von Ebergeruch selektieren zu können. Dies ist in der Schweiz heute schon gegeben.

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