Praxisinformationen
Über 200.000 Schweine an der Leistungsprüfungsanstalt in Grub geprüft

Luftbildaufnahme der Leistungsprüfungsanstalt (LPA) Grub

Leistungsprüfungsanstalt (LPA) Grub (Foto: Luftbildverlag Bertram)

In Grub wird an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Tierzucht, mit über 2.100 Prüfplätzen die größte Leistungsprüfungsanstalt (LPA) für Schweine in der Bundesrepublik Deutschland unterhalten.

Als am 26. September 1956 die ersten Prüfgruppen an die neu errichtete Mastprüfanstalt Grub angeliefert wurden, ließ sich keiner der damals Verantwortlichen träumen, dass diese Einrichtung auch 57 Jahre später noch immer zu den wichtigsten Hilfsmitteln in der modernen Schweinezucht zählt. Genau 204.335 Tiere (Stand 17.10.2013) wurden seitdem an der LPA Grub einer gewissenhaften Prüfung unterzogen.
Dabei haben sich die Ziele der stationären Leistungsprüfung nicht geändert: Die Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen Betriebe zu stärken und die Forderungen des Marktes an die Genetik zu erfüllen. Der Verbraucherwunsch steht somit an erster Stelle. Während heute magere Teilstücke gefordert werden, waren in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts noch die „fetten Bäuche“ gefragt. So konnte in Bayern der Anteil Schweineschlachtkörper der Handelsklasse E (mind. 55 Prozent Muskelfleischanteil) im Vergleich zum Jahr 1990 von 68,7 auf knapp 87 Prozent (Handelsklassen E + S) gesteigert werden. Dieser Anteil liegt im Vergleich dazu im Bundesdurchschnitt bei lediglich etwa 70 Prozent.

Die Leistungsprüfung in der Praxis

Fleischqualität steht im Fokus

Zwei Schalen mit jeweils einer Kotelettscheibe

Kotelettscheiben in SB-Schalen zur Bestimmung des Tropfsaftverlustes (TSV)

In Bayern wird seit Gründung der Leistungsprüfungsanstalten in Grub und Schwarzenau intensiv daran gearbeitet, die Fleischqualität zu verbessern. So konnten die Anteile an sogenanntem PSE-Fleisch, das blass (Pale), weich (Soft) und wässrig (Exudative) ist, insbesondere durch die stationäre Leistungsprüfung stark reduziert werden. Waren im Jahre 1993 noch etwa 50 Prozent der Schlachtkörper von Mastendprodukten PSE verdächtig (charakterisiert durch einen pH-Wert im Rückenmuskel von < 5,8) sind es heute nur noch etwa 1,5 Prozent. Das Auftreten von dunklem, festem und trockenem Fleisch (DFD-Fleisch) spielt heute beim Schweinefleisch keine Rolle mehr. Der Intramuskuläre Fettgehalt (IMF) hat eine sehr große Bedeutung für die Zartheit, Saftigkeit und Aroma des Fleisches, da Fett wie bekannt der wichtigste Geschmacksträger ist.
Innerhalb der letzten 10 Jahre konnte der IMF-Gehalt bei der Deutschen Landrasse um 15 Prozent gesteigert werden, wie es dem Jahresbericht über Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung beim Schwein in Bayern (2012) zu entnehmen ist. Ein weiteres wichtiges Merkmal ist das Wasserbindungsvermögen des Fleisches. Dieses ist bedeutsam für die Fleischqualität, da der Flüssigkeitsverlust beim Kühlen und der Saftaustritt beim Auftauen sowie bei der Zubereitung im Wesentlichen von diesem Kriterium abhängen. Durch die Zunahme des Fleischverkaufs in sogenannten SB-Schalen hat das Safthaltevermögen in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Seit dem Jahr 2010 wird dieses Merkmal in den beiden Leistungsprüfungsanstalten erfasst und im bayerischen Zuchtprogramm bearbeitet. Mit der sogenannten "Gruber Methode" wird gemessen, wie viel Fleischsaft nach zweitägiger Lagerung aus einem unter Schutzgas verpackten Fleischstück ausgetreten ist. Der prozentuale Gewichtsverlust ist eine Maßzahl für das Safthaltevermögen. Für dieses Merkmal hat sich jedoch der Begriff Tropfsaftverlust, abgekürzt TSV, eingebürgert. Das Ziel ist ein TSV von weniger als 3-4 Prozent.

Die stationäre Prüfanstalt als Basis neuer Zuchtmethoden

Für die Schweinezüchter stellt die Leistungsprüfung nach wie vor das wichtigste und wertvollste Instrument für deren Selektionsentscheidungen dar. Ohne stationäre Leistungsprüfung wäre ein Zuchtfortschritt insbesondere bei Merkmalen wie Fleischbeschaffenheit oder auch Futterverwertung, die unter konventionellen Mastbedingungen schwer bis nicht zu erfassen sind, nicht zu erreichen gewesen. Neue Merkmale wie die Erfassung von Geschmacks- und Geruchsabweichungen bei der Mast von Ebern werden in der Schweinezucht eine bedeutende Rolle einnehmen. Erste Untersuchungen zu diesem Thema konnten mit dem Projekt Geruchsoptimierung durch Genomische Selektion (GOGS) erst kürzlich erfolgreich abgeschlossen werden. Der Aufbau der Genomischen Zuchtwertschätzung für den Routinebetrieb ist in vollem Gang. Dabei werden die stationären Prüfanstalten als Erfassungsorgan für Mast- und Schlachtleistungsmerkmale und nicht zuletzt für Parameter der Fleischbeschaffenheit auch weiterhin eine enorme Bedeutung einnehmen.

LPA Grub unter neuer Führung

Auch in der Führung der LPA Grub zeigt sich eine gewisse Beständigkeit. Erst vier LPA-Leiter zeichneten in den vergangenen 57 Jahren für die LPA Grub und damit für die Geschicke der Station verantwortlich. Von 1956 bis1964 war es Dr. Ludwig Schmidt, der spätere Referent für Schweinezucht im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, von 1964 bis 1990 Dr. Heribert Blendl, von 1990 bis 2013 Edgar Littmann und seit Mai 2013 Dr. Rudolf Eisenreich.
Stand: Oktober 2013

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