Fütterungstechnik

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Ein wesentlicher Arbeitsschwerpunkt in der Milchviehhaltung ist die Fütterung der Tiere. Hierauf werden etwa 15 % der Arbeitszeit verwendet. Bei insgesamt 50 Akh/Kuh und Jahr ergibt sich hier je Tier und Jahr ein Arbeitszeitaufwand von etwa 7,5 Stunden.
Die Kosten für die Fütterung belaufen sich auf etwa die Hälfte des Deckungsbeitrages. Eine wichtige Stellschraube liegt hier auch beim Controlling der Fütterung und der Futtervorlagetechnik.

Optimierung der Futtervorlage

Kompakt - TMR

Anzeige der MischdauerZoombild vorhanden

Anzeige der Mischzeit am Mischwagen

Seit 2016 wird das Futter in einer Art Kompakt-PMR vorgelegt. Das genaue Konzept wird auf der Seite „Milchviehfütterung Achselschwang“ genauer erklärt. Das bedeutet, die Reihenfolge der Befüllung des Mischwagens ist exakt definiert, ebenso wie die Vorgaben bezüglich Mischdauer und Drehzahlen bei der Mischereinstellung. Auf die Zugabe von Wasser und einer Einweichzeit für das Kraftfutter wird verzichtet. Ein gutes Anhaften der Kraftfutterkomponenten am Grobfutter wird durch die Befüllreihenfolge und eine verlängerte Nachmischzeit nach dem Einfüllen der Komponenten erreicht. Je nach Rationszusammenstellung wird in Achselschwang eine Nachmischzeit von 10 – 15 Minuten benötigt, in seltenen Fällen auch länger. Um die Nachmischzeit optimal einzuhalten, wird diese an der Waage des Mischwagens für jedes Futter-Rezept individuell einprogrammiert und läuft nach der letzten eindosierten Komponente automatisch ab.

Milchviehfütterung Achselschwang

Dank der Koppelung der Waage mit dem CAN-Bus (elektronische Steuerung in Fahrzeugen) des Mischwagens kann der Mischer nach Ablauf der Zeit automatisch ausgeschaltet werden. Der Fahrer kann in der Zwischenzeit die Tröge reinigen oder das Silo aufdecken, ohne sich ständig in der Nähe des Mischwagens zu befinden und die Waage zu beobachten. Durch die o.g. Kopplung kann eine gleichbleibend optimale Mischgenauigkeit erzielt werden. Durch ein Hupsignal wird der Fahrer auf das Ablaufen der Uhr hingewiesen.
Ziel dieser Rationsherstellung ist, die Futterselektion zu reduzieren, die Futteraufnahme zu erhöhen und in Folge die Leistung der Leistungsgruppen tierbedarfsgerecht zu steigern.

Rezepttreue

Darstellung der eingegebenen RezepteZoombild vorhanden

Programmierung der Auslademengen an den Abkalbebuchten

Eine optimal durchdachte Ration ist nutzlos, wenn sie nicht im Trog ankommt. Die Komponenten müssen nach Gewicht exakt eindosiert werden, um die prozentualen Anteile der Ration einzuhalten. Dies ist gerade in einem Versuchszentrum wichtig, da Fütterungsversuche stattfinden, die teilweise auf sehr geringe Einsatzmengen, von zu testenden Futtermitteln basieren. Grundvoraussetzung hierfür ist eine Waage am Mischwagen. In dieser Waage sollten die Rezepte und Komponenten auch gespeichert werden können und beim Eindosieren nach optimierter Reihenfolge abgerufen werden. Wiegesysteme, die diese Voraussetzungen mitbringen, speichern meist nicht nur die Soll-Werte der Komponenten sondern auch die täglich eingefrästen Ist-Werte, zusammen mit einem Zeitstempel. Dies ermöglicht dann eine detaillierte Auswertung der Rezepttreue beim Eindosieren.
Darstellung der Eindosierung verschiedener RezepteZoombild vorhanden

Fehler bei der Eindosierung werden sofort erkannt und können beseitigt werden.

Zur Datenkommunikation und Auswertung werden verschiedene Softwareprodukte angeboten. Mit Hilfe derer können nicht nur die Rezepte an den Mischwagen gesendet und Daten abgeholt und ausgewertet werden, sondern auch verschiedene Einstellungen wie Mischzeiten, Ausladepunkte oder die Zuordnung von Kraftfuttersilos zu den jeweiligen Komponenten getätigt werden.

Auswertungsmöglichkeiten

Werden die Silagekomponenten mit der Bezeichnung des jeweiligen Schnittes bzw. des Jahres bezeichnet, kann auf den Frischmasseertrag des Grundfutters geschlossen werden. Nach Zuschlag von Gär- und Berge-, Gär- und Lagerverlusten gelingt in der Praxis eine sehr genaue Schätzung des Futterertrages bei Mais und Grünland.
Da die Daten meist auch als Excel-Tabelle exportiert werden können, stehen dem Landwirt fast unbegrenzte Möglichkeiten zur Weiterverarbeitung zur Verfügung.
Für das Futtercontrolling bietet das Institut für Agrarökonomie der Landesanstalt für Landwirtschaft ein Excel-Tool an. In dieses sind einmal monatlich die Milchmengen, der Milchpreis, sowie die vorgelegten Futtermengen und die Futterreste einzugeben. Diese Werte werden mit den eingegebenen Futterkosten verrechnet.
Hieraus ergeben sich verschiedene Einzelwerte wie der Kraftfutteranteil an der Gesamtfutteraufnahme oder die Futtereffizienz der Gesamtration in kg TM je kg Milch. Diese Werte wiederum werden übersichtlich mit vorher gesetzten Zielwerten, sogenannten Benchmarks, verglichen, die schrittweise zu einer kostenoptimalen Fütterung führen.

Das unterjährige Controlling am Beispiel der Fütterungskontrolle: Excel-Tool mit 12 Monatsauswertungen

Automatisierung

Oben wurde der Arbeitszeitbedarf für das Füttern bereits erwähnt. Dieser kann durch die Automatisierung von Abläufen beim Füttern verringert werden. In Achselschwang steuert der Mischwagen die Schnecken der Kraftfuttersilos an. Steht der Futtermischer an den Schnecken muss der Fahrer nur das Eindosieren bestätigen. Der Mischwagen schaltet die Schnecke ein und beim Erreichen des voreingestellten Gewichtes wieder aus. Es wird eine Dosiergenaugkeit von +- 2 kg erzielt. Die jeweiligen Komponenten werden den Silos zugeordnet. Ein spezifisches Nachstromgewicht wird eingegeben. Der Mischwagen beherrscht die Steuerung von Schnecken mit Grob- und Feindosierung. Ist ein Silo leer, kann ein Ersatzsilo bestimmt werden, auf welches im Bedarfsfall automatisch umgeschaltet wird.
Der Fahrer wird entlastet, da er während der Kraftfutterdosierung bereits Mineralfutter und Viehsalz zugeben kann und die Dosierung umso genauer wird.

Fazit

Nicht die höchste Milchleistung ist der Schlüssel zu einem guten Betriebsergebnis, sondern der höchste Gewinnanteil. Nur der Landwirt, der die Zahlen seiner Produktion kennt, kann an den richtigen Stellen optimieren. Kenntnis über seine Zahlen erlangt man jedoch nur, wenn der Einsatz von Produktionsmitteln kontinuierlich erfasst wird. Dies alles ist eine Umschreibung für den alten Lehrsatz „wer schreibt, der bleibt“. Das „schreiben“ können heute überwiegend Maschinen übernehmen. Die Aufzeichnungsmöglichkeiten dieser sind in der Regel vielfältiger und exakter, als die des Menschen.
Jedoch ist der alte Lehrsatz nur der halbe Weg. Zusätzlich müsste es auch heißen: „Wer das geschriebene liest und seine Schlüsse daraus zieht bleibt nicht nur, sondern kommt voran“.
Die überall „gehypte und gefeierte“ Digitalisierung ist ein Werkzeug, dessen man sich bedienen kann. Jeder der die Möglichkeit hat, sollte möglichst viele Daten erheben und sich anschließend Fragen zu den Daten und seinem Betrieb stellen. Jeder der die Möglichkeit bisher nicht hat, sollte sie sich schaffen. Denn nur so ist ein ressourcenschonender, sowie tier- und umweltgerechter Einsatz von Betriebsmitteln in der Landwirtschaft der Gegenwart und Zukunft möglich.