Kuhsignale – Gesehen mit den Augen einer Kuh

Eine Kuh schlecht sich das Fell ab

Verstehen Sie Ihre Kühe und Kälber? Lesen Sie die Kuhsignale. Diese geben wertvolle Hinweise, ob es den Tieren gut geht.

Immer wieder liest man über Kuhsignale, ohne den Begriff richtig einordnen zu können. Bei den meisten Kuhsignalen handelt es sich um banale Situationen im Stall oder auf der Weide. Dinge, die Tag für Tag vorkommen, aus denen aber sehr wichtige Schlüsse gezogen werden können.
Alle Informationen, die Sie täglich von Ihrer Herde erhalten, sind Signale. Entscheidend dabei ist, dass Ihnen diese Hinweise überhaupt auffallen. Nehmen Sie sich regelmäßig und bewusst Zeit, Ihre Kühe und Kälber in ihrem alltäglichen Verhalten zu beobachten. Denn: Nur wer bemerkt, was nicht optimal ist, kann es verbessern. In Schlagworten zusammengefasst: erst (bewusst) beobachten, dann denken, dann handeln.
Ein klares Signal für einen trittsicheren Stallboden zeigt eine Kuh, die sich auf drei Beinen stehend in der Zwischenschenkelspalte putzt.
Mehr Informationen zum Thema Kuhsignale erhalten Sie vom zertifizierten Kuhsignale-Trainer Wolfgang Müller, der auch gerne zu Trainingstagen in Ihre Region kommt.

Wolfgang Müller
86919 Utting am Ammersee
Tel.: 08806 92030
E-Mail: LVFZ-Achselschwang@ LfL.bayern.de

Tierwohl – auch im Fokus unserer Unterrichtsinhalte

Tierwohl in der Diskussion
Tiergerechtheit und der Schutz der landwirtschaftlichen Nutztiere werden immer öfter Grundlage von Diskussionen in der Öffentlichkeit. Hinzu kommt, dass die Verbraucher häufig von der Berichterstattung in den Medien über tierschutzrechtlich kritische Tierhaltung in der Landwirtschaft beeinflusst werden. Die moderne Nutztierhaltung wird durch den meist fehlenden, persönlichen Bezug der Verbraucher negativ, häufig auch tierschutzwidrig wahrgenommen und daher abgelehnt. Im Gespräch mit selbst praktizierenden Landwirten werden eine geringe Nutzungsdauer und ein hoher Anteil an Tierverlusten häufig als Hauptprobleme angegeben.

Tierschutzgesetz §11

Seit dem Jahr 2014 ist laut dem Tierschutzgesetz §11 (8) eine Pflicht festgeschrieben, nach dieser der Nutztierhalter eine betriebliche Eigenkontrolle durchführen muss. Diese soll hinsichtlich der Tiergerechtheit im Stall verschiedene, tierbezogene Indikatoren überprüfen und bewerten.
Durch die jährliche Durchführung der Eigenkontrolle sollen vorhandene Tierschutzprobleme vom Tierhalter selbst erkannt und frühzeitig behoben werden. Der Landwirt wird ermuntert, von tierbezogenen Indikatoren Rückschlüsse auf die Haltungsumwelt zu machen, um diese dann so artgerecht und optimal wie möglich zu gestalten. Auf lange Sicht gesehen, kann der Tierschutz und das Wohl der Tiere im eigenen Stall verbessert werden.
Ziel der betrieblichen Eigenkontrolle des Tierschutzgesetzes ist die Sensibilisierung und damit eine größere Eigenverantwortung der Nutztierhalter bezüglich des Tierschutzes.
Aus diesem Grund haben verschiedene Organisationen Analysen, Eigenkontrollchecklisten und Merkblätter entworfen. Sie helfen dem Betriebsleiter, mit angemessenem Aufwand die Tiergerechtheit im eigenen Betrieb zu analysieren und aufgrund der Ergebnisse hin zu verbessern.

Umsetzung am LVFZ Achselschwang

Am LVFZ Achselschwang werden die Lehrgangsteilnehmer in speziellen Unterrichtseinheiten als angehende Nutztierhalter sensibilisiert, selbst Verantwortung für das Wohlbefinden ihrer Tiere zu übernehmen.Mit offenen Augen durch den eigenen Tierbestand zu Gehen und vorhandene Schwachstellen, Probleme und Auffälligkeiten objektiv zu Erkennen, zu Beurteilen und die Ursachen zu Beheben.
Das Ziel ist, den eigenen Nutzen und die Vorteile der notwendigen betrieblichen Eigenkontrolle für den Nutztierhalter zu vermitteln und herauszuarbeiten. So kann eine verbesserte Haltungsumgebung in einem Stall durchaus Auswirkungen auf Leistung und Nutzungsdauer der Tiere haben.
Zu diesem Zweck wird im Stall in Achselschwang des LVFZ Achselschwang mit den KTBL Tierschutzindikatoren: Leitfaden für die Praxis – Rind (KTBL: Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V.) gearbeitet. Jeder enthaltene Indikator wird hierbei ausführlich beschrieben und teilweise mit Fotos dargestellt. Auch Rechenformeln, die beispielsweise die Liegeplatznutzung definieren, sind enthalten. Der Leitfaden der KTBL ist für unterschiedliche Produktionsrichtungen erhältlich und ist eine gute Möglichkeit, die nach §11 des Tierschutzgesetzes geforderte betriebliche Eigenkontrolle durchzuführen.
Zusammen mit den Schülern werden die verschiedenen Indikatoren erarbeitet und im Stall ausgewertet. Dabei werden unter anderem die Körperkondition, Sauberkeit der Tiere, Verletzungen oder Schwellungen der Gliedmaßen oder eine Ausweichdistanz an einer Stichprobe laktierender und trockenstehender Kühen ermittelt. Bei der Ausweichdistanz wird beispielsweise festgestellt, ob die Kühe die Berührung des Flotzmauls zulassen, bzw. ab welcher Distanz sie ausweichen, wenn ein Schüler sich nähert.

KTBL Leitfaden Milchrinder Externer Link

Ergänzende Informationen

Cows and more – was die Kühe uns sagen

Eine weitere Möglichkeit, die das Bewusstsein dem Tierwohl gegenüber und ebenso das Verantwortungsbewusstsein des Tierhalters fördern kann, ist die Schwachstellenanalyse „Cows and more“. Diese zielt besonders auf Haltung und Management im Milchviehstall ab, um so die Gesunderhaltung und Leistung der Kühe zu stärken. Auch hier werden die Signale der Tiere, deren Ursache und in der Folge Gegenmaßnahmen bei Missständen ermittelt.

Managementhilfe Cows and more Externer Link

Das Tier im Blick – Milchkühe DLG-Merkblatt

Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) hat ein Merkblatt herausgegeben, das sich mit der systematischen Erfassung von Verhalten und Erscheinungsmerkmalen von Milchkühen befasst. Dieses ist auch als Hilfestellung zu verwenden, tier- und haltungsbedingte Indikatoren zu ermitteln und einzustufen und so die Haltung und das Management der Tiere zu bewerten.

Das Tier im Blick (DLG-Merkblatt) Externer Link

Projekt "INZEIT"

Die LfL beschäftigt sich im Rahmen einer Projektstudie mit der „Praxistauglichkeit von Indikatoren zur betrieblichen Eigenkontrolle der Tiergerechtheit in der Rinderhaltung“ – kurz INZEIT. Die Durchführung der Eigenkontrolle mit Hilfe von tierbezogenen Indikatoren haben zum Vorteil, dass über Verhalten bzw. die Gesundheit der Tiere unmittelbar auf das Wohlergehen der Tiere und die Tiergerechtheit des Haltungssystemes geschlossen werden kann.
Auch der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sieht in seinem Gutachten „Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung" (2015) routinemäßige betriebliche Eigenkontrollen anhand tierbezogener Indikatoren als wichtigen Aspekt für die Entwicklung einer zukunftsfähigen, in weiten Teilen der Bevölkerung akzeptierten Tierhaltung.

Details zum Projekt "INZEIT" Externer Link