Rückblick Schweinefachtagung am LVFZ Schwarzenau 2019

Kaltluftmaststall

Schweinehalter vor großen Herausforderungen: Düngeverordnung, tierfreundliche Stallungen und Ferkelkastration wurden auf Expertenebene diskutiert

Technischer Fortschritt und kostengünstige Produktionssysteme haben über Jahrzehnte Entwicklungen in der Nutztierhaltung bestimmt. In der laufenden Dekade rücken die gesellschaftlichen Forderungen nach mehr Tierschutz, Umwelt- und Ressourcenschutz immer stärker in den Vordergrund.
Insbesondere von Schweinehaltern wird eine große Bandbreite von Maßnahmen zur Verbesserung von Umwelt-, Klima- und Tierschutz gefordert.

Düngeranwendung im Fadenkreuz des Fachrechts

Lydia Salomon vom Fachzentrum Agrarökologie am AELF Karlstadt berichtete, dass nach der Düngeverordnung von 2017 die Auflagen bei der Berechnung des N- und P-Bedarfes von Feldfrüchten und bei der Ausbringung von Wirtschaftsdünger deutlich verschärft wurden. Für die fränkische Trockenplatte ist von Bedeutung, dass hier ein Großteil der Flächen als Gebiet mit besonderen Anforderungen an die Düngung ( sog. rotes Gebiet) ausgewiesen ist und somit zusätzliche Maßnahmen wie z. B. jährliche Bodenproben gefordert werden.

Mit ausgefeilter Fütterung die Vorgaben der Düngeverordnung in den Griff bekommen

Eine Möglichkeit zur Reduzierung der N-Belastung von Boden und Luft ist eine bedarfsoptimierte Fütterungsstrategie. Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, den Ammoniakausstoß bis 2030 um 29 % (Basis 2005) zu reduzieren. Dr. Wolfgang Preißinger stellte verschiedene Fütterungskonzepte vor, mit denen der N- und P-Ausstoß in der Schweinehaltung verringert werden kann. Versuche mit N- und P-reduzierten Futtermischungen werden seit einigen Jahren vermehrt in Schwarzenau durchgeführt.

Zukunftsfähige Stallsysteme für Ferkelaufzucht und Mast

Eine gesellschaftlich akzeptierte Nutztierhaltung ist geprägt von Stall- und Haltungsformen, welche dem Tierwohl mehr Beachtung schenken. Bernhard Feller von der Landwirtschaftskammer NRW stellte zukunftsfähige Stallsysteme für die Ferkelaufzucht und Mast vor, welche den Wünschen von Tierschützern und Verbrauchern entgegenkommen. Hierbei nehmen Einstreu und organisches Beschäftigungsmaterial eine bedeutende Rolle ein. Die Einrichtung von Ausläufen mit Außenklimareiz ist allerdings an vielen Standorten aus Emmissionsschutzgründen schwierig. Da sich die Produktionskosten bei solchen Stallformen deutlich erhöhen werden, wird deren Zukunftsfähigkeit an der Ladentheke entschieden. Martin Stamm aus Steinfeld hat sich bereits für ein alternatives Stallkonzept entschieden. Seine Beweggründe stellte er zur Diskussion

Qualitätsanforderungen in der Fleischverarbeitung und -vermarktung

Über die Anforderungen an die Schweinefleischqualität aus Vermarkter- und Verarbeitersicht berichtete Dr. Heinz Schweer vom international agierenden Schlachtunternehmen Vion. Nach seinen Erfahrungen wird Jungeberfleisch im Export und vom Metzgerhandwerk abgelehnt. Deshalb wird die Kastration männlicher Ferkel – allerdings mit Betäubung – auch in Zukunft einen großen Umfang einnehmen.
Der Stand der Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration wurde anschließend in 3 Kurzreferaten vorgestelllt und das weitere Vorgehen zu ihrer Etablierung diskutiert.