Bayerische Eiweißinitiative
Heimische Eiweißfuttermittel in der Öko-Legehennenfütterung

Mobiler Legehennenstall
Die Öko-Legehennenhaltung bringt besondere Herausforderungen mit sich. Speziell in der Fütterung sind folgende Punkte zu beachten: die begrenzte Verfügbarkeit von ökologischen Futtermitteln, der Gehalt an antinutritiven Substanzen im Futter und das Verbot zum Einsatz freier Aminosäuren sowie von Enzymen zur Spaltung von NSP-Verbindungen (Nicht-Stärke-Polysaccharide).

Anforderungen an Legehennenfutter

Durch ihr geringes Verdauungsvolumen haben Legehennen eine begrenzte Futteraufnahmekapazität sowie eine rasche Passagerate. Futtermittel sollten deshalb hochverdaulich sein und eine hohe Energie- und Nährstoffkonzentration aufweisen. Rohfaser- und Zuckerkomponenten können ebenfalls nur begrenzt verdaut werden. Ein weiteres wertbestimmendes Kriterium ist der Anteil an essentiellen Aminosäuren, der die Rohproteinqualität charakterisiert. Die essentiellen Aminosäuren Lysin, Methionin + Cystein, Threonin und Tryptophan sind dabei leistungsbegrenzend, wobei Methionin die erstlimitierende Aminosäure ist. Durch rein pflanzliche Futtermittel kann der Bedarf nur gedeckt werden, wenn andere Aminosäuren und Rohprotein im Übermaß enthalten sind. Werden ganze Körner verfüttert ist eine Steinchenvorlage notwendig. Eine homogene Futterstruktur ist wichtig, um eine selektive Futteraufnahme einzelner Komponenten zu vermeiden. Entscheidend für die aufgenommene Futtermenge ist deren Energiegehalt. Praxisübliche Gehalte liegen zwischen 10,2 und 11,0 MJ ME/kg. Abhängig von Entwicklungszustand und Legeleistung ändert sich der Nährstoffbedarf. Um die Stoffwechselbelastung gering zu halten und eine Überversorgung zu vermeiden, ist eine bedarfsgerechte Fütterung je nach Leistung und Futteraufnahme über eine Phasenfütterung sinnvoll. Bei einer Universalfütterung sollten älteren Herden zusätzlich Austernschalen und Grit angeboten werden.

Beschäftigungsmaterial

Auslöser für das Auftreten von Federpicken können sein: eine genetischen Disposition, eine ungeeignete Struktur oder Zusammensetzung des Futters, eine hohe Besatzdichte, ein ungünstiges Stallklima, ein Befall mit Ektoparasiten sowie das Fehlen von Beschäftigungsmaterial. Das wichtigste Beschäftigungsmaterial ist eine trockene, lockere und gut strukturierte Einstreu, die hygienisch einwandfrei bleiben muss. Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten wie zum Beispiel Picksteine, Sandbadeeinrichtungen sowie Luzerne-, Stroh- und Heuballen oder futtergefüllte Eimer.

Folgende Kriterien sollten erfüllt sein:

  • hohe, über einen langen Zeitraum andauernde Attraktivität
  • einwandfreier hygienischer Zustand
  • Inhaltsstoffe sind unbedenklich hinsichtlich Schadstoffe und Futtermittelrecht
  • Kosten sind vertretbar
  • ausreichend Menge an Material je nach Herdengröße
  • einfache Bereitstellung des Materials bei möglichst geringem Arbeitszeitaufwand
Der präventive Einsatz von Beschäftigungsmaterial wird empfohlen. Dabei sollten nicht alle Möglichkeiten vorbeugend eingesetzt werden, um beim Auftreten von Federpicken Möglichkeiten für Sofortmaßnahme zu haben. Zu beachten ist auch, dass das angebotene Beschäftigungsmaterial nicht die Aufnahme des eigentlichen Futters verdrängen darf.

Umstallen der Junghennen

In alternativen Legehennensystemen empfiehlt es sich, die Hennen bereits mit 16–17 Wochen umzustallen. Sowohl das Umstallen, als auch das Einsetzen der Legetätigkeit stellen eine Belastung für den Organismus des Tieres dar. Dies geht oft mit einer verminderten Futteraufnahme einher. Eine Nährstoffunterversorgung der Tiere bei Legebeginn ist zu vermeiden. Dies kann durch die Gabe eines Vorlegefutters mit einer höheren Nährstoffdichte erreicht werden werden.

Vorlegefutter

Der Umstieg von Junghennenfutter (geringer Kalzium- und Nährstoffgehalt) auf Legehennenfutter wird mit einer 8 bis 10 tägigen Gabe eines Vorlegefutters erleichtert. Legehennenfutter besitzt gegenüber dem Junghennenfutter einen dop-pelt so hohen Kalziumgehalt sowie höhere Protein- und Aminosäurengehalte. Der hohe Kalziumgehalt führt zu einem bitteren Geschmack, der den Hennen missfällt. Eine oft zu Legebeginn eintretende reduzierte Futteraufnahme kann durch das Vorlegefutter vermieden, die Uniformität der Herde verbessert werden. Eine zu lange Gabe sollte allerdings vermieden werden, da sonst den bereits entwickelten Hennen zu wenig Kalzium zur Verfügung steht. Sobald die Legeleistung einer Herde bei täglich 5 % liegt, sollte mit der Verfütterung des hochwertigen Legehennenfutters begonnen werden. Der Umstieg auf das Legehennenfutter ist immer herdenspezifisch zu gestalten. Sollten die betrieblichen Möglichkeiten nicht gegeben (zu kleine Herde, kein separates Silo, etc.) sein, kann auf die Fütterung des Vorlegefutters verzichtet werden.

Qualitätsuntersuchung Öko-Futtermittel

Die Nährstoffgehalte in Futterwerttabellen sind für eine bedarfsorientierte Rationsgestaltung nur bedingt geeignet, da die Werte ökologischer Futtermittel (insbesondere bei Getreide) deutlich abweichen können. Darüber hinaus sind die Tabellenwerte auf Grund standort- oder erzeugungsspezifischer Unterschiede nur bedingt repräsentativ. Die Gefahr einer Überschätzung der Nährstoffgehalte und damit einer Unterversorgung der Legehennen besteht. Angaben zu den Inhaltsstoffen für Öko Futtermittel sind zwar zunehmend verfügbar, für eine sichere Qualitätsbeurteilung sind Futteruntersuchungen nach jeder Ernte jedoch unbedingt zu empfehlen. Darüber hinaus ist eine Untersuchung des eigenen Getreides auf Mykotoxine ratsam, um gesundheitliche Schäden an den Legehennen zu vermeiden.

Heimische Eiweißfuttermittel

Als heimische Eiweißfuttermittel kommen Körnerleguminosen, (Erbse, Ackerbohne, Lupine, Soja), Sonnenblumen-, Raps- und Sojakuchen sowie Grünmehle in Betracht. Darüber hinaus wird ein hoher Anteil des benötigten Rohproteins durch Getreide gedeckt. Bei den Körnerleguminosen ist Phosphor zu einem hohen Anteil an Phytin gebunden, außerdem begrenzen antinutritive Stoffe deren den Einsatz. Durch eine thermische Behandlung können diese Inhaltstoffe gesenkt und die Futterqualität erhöht werden.
  • Heimisches Getreide: Da der Einsatz von NSP-spaltenden Enzymen nicht erlaubt ist, gibt es Grenzen beim Einsatz von NSP-haltigem Getreide (Gerste, Hafer, Triticale). Einsatzgrenzen: Mais und Weizen ohne Beschränkung, Triticale max. 30 %, Gerste max. 40 %, Roggen und Hafer max. 10 %.
  • Sojavollbohne: Nur getoastet füttern, um Trypsininhibitoren zu inaktivieren. Der hohe Fettgehalt von 18 % ist einsatzbegrenzend. Hoher Lysin-Gehalt, aber relativ wenig Methionin.
  • Erbse und Ackerbohne: Sekundäre Inhaltsstoffe begrenzen den Einsatz. Fütterung von tanninarmen bzw. vicin- und convicinarmen Sorten bevorzugen.
  • Lupine: hoher Eiweißgehalt; der hohe Energiegehalt resultiert aus dem relativ hohen Fettgehalt (9 %) und dem hohen Anteil an leichtverdaulichen Zellwandbestandteilen (Pektine). Begrenzend wirkt der geringe Methionin-Gehalt.
  • Sojakuchen: Energiekonzentration liegt durch hohen Trockenmasse- und Fettgehalt über dem Niveau von Getreide.
  • Sonnenblumenkuchen (SBK): fällt bei der Herstellung von Sonnenblumenöl an. Restanteil Schalen von 10–15 %. Begrenzend für den Einsatz sind Rohfett und Lysin.
  • Grünmehl aus Gras oder Luzerne: Proteinlieferant mit hohen Gehalten an gelbfärbenden Stoffen (β-Carotin) zur Dotterpigmentierung.

Herausforderungen in der Öko-Fütterung

Im Öko-Bereich unterliegt die Fütterung von Legehennen strengen Regelungen. Durch den Verzicht auf Extraktionsschrote und dem Einsatzverbot freier Aminosäuren ist die in der konventionellen Haltung übliche Rationsgestaltung nicht möglich.

Es ist zu beachten:

  • Verbot synthetischer Rotfarbstoffe führt zu hellerer Dotterfarbe: Hoffmann La-Roche Fächerwert 8–10 statt 13–14. Natürliche Rotpigmente (Paprika oder Krusten-Meerestiere) sind i.d.R. zu teuer.
  • Verbot gentechnisch veränderter Futtermittel und deren Derivate.
  • kein präventiver Einsatz chemisch-synthetischer allopathischer Tierarzneimittel (z.B. Kokozidiostatika).
  • wenige methioninreiche Komponenten und kein synthetisches Methionin, können zu Methionin-Mangel führen. Methionin-Unterversorgung reduziert Eigewicht.
  • niedrige Ausstallungsgewichte: Gefahr der latenten Nährstoffunterversorgung durch Überschätzung der Qualität und Verdaulichkeit ökologischen Getreides/Leguminosen.
  • niedrige Futteraufnahme durch ungünstige Geschmackskomponenten und suboptimaler Futterstruktur durch Einsatz von Maiskleber, Kartoffelpulver usw. sowie geringen Maisanteilen.
  • niedrige Aminosäurengehalte der Komponenten ziehen eine Erhöhung des Proteingehaltes im Futter einher. Problem: Rohprotein-Überschuss.
  • zur Entgiftung des Rohprotein-Überschusses und/oder antinutritiver Komponenten in den Leguminosen steigt die Wasseraufnahme.
  • erhöhter Anteil feuchter Einstreu und erhöhter Schmutzeianteil durch flüssigen Kot aufgrund hoher Wasseraufnahme sowie nachteilige Effekte auf Kotkonsistenz verschiedener Futtermittel (NSP-Gehalt, keine NSP-spaltenden Enzyme).

Rationen für die Öko-Legehennenfütterung

Die Ration kann entweder ein zugekauftes Alleinfuttermittel sein, in dem alle Komponenten bereits fertig vermischt sind, oder es werden hofeigene Futtermittel mit einem eiweißreichen Ergänzer, der zugekauft wird, kombiniert. Ergänzungsfuttermittel gleichen dabei die Nährstoffdefizite der betriebseigenen Futtermittel im Hinblick auf Rohprotein, Aminosäuren (v.a. Methionin), Mineralstoffe (v.a. Calcium) sowie weitere Wirkstoffe, wie zum Beispiel Farbstoffe oder Spurenelemente, aus. Um die absolute Nährstoffaufnahme zu erhöhen und den Bedarf an essentiellen Aminosäuren (v.a. Methionen) zu decken, kann die Futteraufnahme durch Absenken des Energiegehaltes gesteigert werden. Dieser Schritt ist jedoch insbesondere am Anfang der Legeperiode nicht zu empfehlen. Ein griffiges, homogen strukturiertes Futter ohne erhöhte Anteile an sehr feinen und sehr groben Partikeln gewährleistet eine hohe Futteraufnahme und vermindert selektives Fressen, Futterverluste und Futterentmischung.

Rationsgestaltung

Durch den Verzicht auf Extraktionsschrote und freie Aminosäuren ist eine in der konventionellen Fütterung nicht möglich. Neben Getreideerzeugnissen sind großkörnige Leguminosen, Sonnenblumen- und Sojakuchen sowie Grünmehle die Basis von Öko-Rationen. Konventionelle Eiweißfuttermittel, wie Maiskleber oder Kartoffeleiweiß, dürfen nur (bis 31. Dezember 2020) mit einem maximalen Anteil von 5 % an der Gesamtration eingesetzt werden.

Wirtschaftlichkeit

Wegen den hohen Kosten für Silos, Misch- und Mahltechnik, Fütterungscomputer etc., sind hofeigene Mischungen in der Regel erst ab 10.000 Legehennen rentabel. Die hofeigene Erzeugung von Getreide und Leguminosen sowie deren Verfütterung an die Legehennen in Kombination mit einem zugekauften Ergänzer kann jedoch sinnvoll sein.

Beispielrechnung: Flächenbedarf

Mit Hilfe einer groben Überschlagsrechnung kann der erforderliche Anbauumfang für Futter abgeschätzt werden:
– Futterbedarf/Legehenne (LH) und Jahr: 45 kg
– Futterherkunft: 50 % aus eigenem Anbau und 50 % zugekaufter Ergänzer, bei 40 % Ökoweizen und 10 % Ökoerbsen in der Ration sind dies 18 kg Ökoweizen/LH und Jahr sowie 4,5 kg Ökoerbsen/LH und Jahr.
Bei Erträgen von 43 dt/ha für Ökoweizen und 29 dt/ha für Ökoerbsen reichen 1 ha Weizen für 239 LH/Jahr und 1 ha Erbsen für 644 LH/Jahr. Bei einem Bestand von 1.000 LH, den oben unterstellten durchschnittlichen Hektarerträgen sowie 50 % der Ration, die durch einen zugekauften Ergänzer abgedeckt sind, werden als Fläche 4,2 ha Ökoweizen und 1,6 ha Ökoerbsen benötigt.

Notfallmaßnahmen bei Problemen

Treten die ersten Anzeichen von Problemen (z.B. Federpicken, erhöhter Anteil an Schmutzeiern, fehlen kleinere Federn in der Einstreu) auf, ist unverzüglich zu handeln. Mögliche Stressfaktoren sollten sowohl in der Haltung, als auch in der Fütterung und im Management geprüft und ggf. geändert werden. Es ist ratsam, die Gegenmaßnahmen mit dem zuständigen Berater abzustimmen.
  • Beschäftigungsmaterial: ungeachtet weiterer Maßnahmen und Überprüfungen sollte sofort zusätzliches und vor allem neues Beschäftigungsmaterial in den Stall gebracht werden, welches die Hennen „bearbeiten“ können. Hierzu zählen: Stroh-, Heu-, und Luzerneballen, Pickblöcke und Körbe mit Futtermöhren oder anderem Gemüse. Wichtige Maßnahme, die schnell durchführbar ist.
  • Sandbäder z.B. mit Urgesteins-, Silikat-, Lavamehl oder Sand für die Tiere aufstellen.
  • Separation der Picker oder Opfer: Diese Maßnahme ist nur bei kleineren Herden realisierbar.
  • Ergänzungsfuttermittel über die Tränke bereitstellen: hierzu zählen z.B. Kochsalz, Magnesium, essentielle Aminosäuren oder Vitamine.
  • eduktion der Lichtintensität: Absenken der Lichtintensität (max. 10% je Schritt). Umstellen auf rotes Licht kann ebenfalls Abhilfe schaffen. Achtung: Diese Maßnahmen sind nicht umkehrbar!
  • Beleuchtungsfehler abstellen: Helligkeit passend einstellen und Beleuchtung im Stall auf Fehler prüfen (z.B. helle Lichtflecken im Stall, flackerndes Licht).
  • Milben oder kleine Raubtiere/Schadnager: Bestand auf Milbenbefall untersuchen und prüfen, ob kleine Raubtiere/Schadnager für Unruhe oder Verluste verantwortlich sind.

Weiterführende Beratung

Für weitere Informationen stehen die Bayerische Eiweißinitiative, die Offizialberatung an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, die Fachzentren für Kleintierhaltung Pfaffenhofen und Kitzingen, das Fachzentrum für Ökologischen Landbau sowie die Berater der Öko-Verbände bzw. der Öko-Erzeugerringe zur Verfügung. Die Fütterung wird durch gesetzliche Rahmenbedingungen bestimmt. Darüber hinaus können die einzelnen Verbände zusätzliche Anforderungen haben. Es lohnt sich daher, bei den Öko-Verbänden nachzufragen.