Leistungsprüfung von Zweinutzungshühnern für den ökologischen Landbau

ÖTZ Caramel-Hennen.

In einem vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus geförderten Projekt wurde am Versuchs- und Bildungszentrum Geflügel, Staatsgut Kitzingen, ein Herkunftsvergleich von Zweinutzungshühnern durchgeführt. Es sollte gezeigt werden, welche Zweinutzungslinien aus ökonomischer und auch tierwohlrelevanter Sicht für die landwirtschaftliche Praxis interessant sein könnten. Das Projekt gliederte sich in zwei Durchgänge, in denen unter dem ökologischen Landbau nahen Bedingungen unterschiedliche Herkünfte getestet wurden.

Versuchsdurchführung

Voraussetzung für eine ökonomisch nachhaltige Nutzung von Zweinutzungshühnern ist die Kenntnis der Leistungsfähigkeit der jeweiligen Herkunft. Die Verfügbarkeit von Leistungsdaten verschiedener Zweinutzungshuhnherkünfte beiderlei Geschlechts, die unter einheitlichen Fütterungs- und Haltungsbedingungen erhoben wurden, sind gering. Deshalb erfolgte eine detaillierte Datenerfassung während der getrenntgeschlechtlichen Aufzucht von Junghennen und -hähnen sowie der sich anschließenden Legephase der Hennen. In zwei aufeinanderfolgenden Durchgängen wurden sieben verschiedene Herkünfte geprüft, darunter reine Zweinutzungsrassen, Gebrauchskreuzungen sowie Hybridtiere.
  • Herkünfte des 1. Durchgangs: Augsburger x Lohmann Brown-Classic, Lohmann Sandy, ÖTZ Coffee, Triesdorfer Landhuhn
  • Herkünfte des 2. Durchgangs: Lohmann Dual, ÖTZ Caramel, ÖTZ Cream, Triesdorfer Landhuhn
  • getrenntgeschlechtliche Aufzucht: Hähne in Bodenhaltung mit Wintergarten und alternierendem Grünauslauf (bis zum 98./112./140. Tag), Junghennen in Aufzuchtvoliere mit Wintergarten (bis zum 126./133. Tag)
  • Legehennenhaltung in ein-etagiger Voliere mit Wintergarten
  • semi-ökologische Bedingungen (Futtermischungen sowie Besatzdichte gemäß Vorgaben des ökologischen Landbaus
Weitere Informationen zum Versuchsaufbau sind in der Kurzfassung des Projektberichts sowie im vollständigen Projektbericht enthalten.

Herkünfte Durchgang 1

Augsburger x Lohmann Brown-Henne

Augsburger x Lohmann Brown-Henne

Augsburger x Lohmann Brown-Hahn

Augsburger x Lohmann Brown-Hahn

Lohmann Sandy-Henne

Lohmann Sandy-Henne

Lohmann Sandy-Hahn

Lohmann Sandy-Hahn

ÖTZ Coffee-Henne

ÖTZ Coffee-Henne

ÖTZ Coffee-Hahn

ÖTZ Coffee-Hahn

Triesdorfer Landhuhn-Henne

Triesdorfer Landhuhn-Henne

Triesdorfer Landhuhn-Hahn

Triesdorfer Landhuhn-Hahn

Herkünfte Durchgang 2

Lohmann Dual-Henne

Lohmann Dual-Henne

Lohmann Dual-Hahn

Lohmann Dual-Hahn

ÖTZ Caramel-Henne

ÖTZ Caramel-Henne

ÖTZ Caramel-Hahn

ÖTZ Caramel-Hahn

ÖTZ Cream-Henne

ÖTZ Cream-Henne

ÖTZ Cream-Hahn

ÖTZ Cream-Hahn

Triesdorfer Landhuhn-Henne

Triesdorfer Landhuhn-Henne

Triesdorfer Landhuhn-Hahn

Triesdorfer Landhuhn-Hahn

Ergebnisse

Im Folgenden werden die wichtigsten Ergebnisse der Leistungsprüfung genannt. Detaillierte Informationen sind der Kurzfassung sowie dem Projektbericht zu entnehmen.

Durchgang 1

Brut und Schlupf
Die numerisch höchste Befruchtungsrate von 96,6 % wurde bei ÖTZ Coffee ermittelt. Bei Triesdorfer Landhuhn war die Schlupfrate mit 83,0 % am höchsten.
Hähne
Die beiden schweren Herkünfte ÖTZ Coffee und Triesdorfer Landhuhn setzten sich im Tiergewicht schon frühzeitig von Lohmann Sandy und Augsburger x Lohmann Brown-Classic ab. Dabei waren am 98. Tag (1. Schlachttermin) die Hähne der Herkunft ÖTZ Coffee am schwersten (2.332 g), gefolgt von Triesdorfer Landhuhn, Lohmann Sandy und Augsburger x Lohmann Brown-Classic. Zum 2. Schlachttermin am 140. Tag erhöhte sich das Tiergewicht bei ÖTZ Coffee und Triesdorfer Landhuhn auf 2.863 bzw. 2.864 g. Lohmann Sandy und Augsburger x Lohmann Brown-Classic erreichten 1.959 g bzw. 1.889 g.
Junghennen
Die Junghennen wogen bis zum Ende der Aufzucht in Lebenswoche 18 (126. Tag) durchschnittlich 1.713 g.
Blick von einem „Hahnenabteil“ Richtung Grünauslauf

Blick von einem „Hahnenabteil“ Richtung Grünauslauf

Mehrere Küken in einem Abteil

Küken in der Junghennenaufzucht

Aufzuchtphase Tierwohlindikatoren
Insgesamt zeichnete sich bei den Bonituren in der Aufzuchtphase der Junghennen und Hähne ein deutlicher Herkunftseffekt auf den Zustand des Integuments ab. Die verlängerte Aufzucht der Hähne führte ab der 14. Lebenswoche verstärkt zu Rangkämpfen.
Eier und Messgeräte

Eiqualitätsmessstrecke

Legehennen
Es lagen bei fast allen Merkmalen Unterschiede zwischen den Herkünften vor. Während Lohmann Sandy bis zur 72. Lebenswoche eine Legeleistung je Anfangshenne von 85,0 % zeigte, war die Legeleistung je Anfangshenne mit 50,3 % bei der Herkunft Triesdorfer Landhuhn deutlich geringer. Die Eiqualitätsmessungen zeigten deutliche Herkunftseffekte.
Gefiederbonitur Durchgang 1 als SäulendiagrammZoombild vorhanden

Boniturergebnisse Gefieder 1. Durchgang

Legehennen Tierwohlindikatore
Insgesamt war der Zustand des Gefieders über die Legephase außer bei den Tieren des Triesdorfer Landhuhns sehr gut (Abbildung 1). Analog zu den Gefiederschäden war die Prävalenz an Hautverletzungen bei den Triesdorfer Landhühnern im Vergleich zu den anderen drei Herkünften höher
Ökonomische Bewertung
Zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit der Haltung von Zweinutzungshühnern ist die Kenntnis der zugrundeliegenden Annahmen notwendig (siehe Projektbericht). Es wird gezeigt, dass die Eier der untersuchten Herkünfte zwischen 44,5 Cent (Lohmann Sandy) und 77 Cent (Triesdorfer Landhuhn) je Ei kosten müssten, um die unterstellten Produktionskosten zu decken.

Durchgang 2

Brut und Schlupf
Die Befruchtungsrate lag bei durchschnittlich 95,5 %. Nach 21 Bruttagen schlüpften im Mittel über alle Herkünfte aus 74 % der eingelegten Bruteier Küken.
Hähne
Das durchschnittliche Kükengewicht zur Einstallung über alle Herkünfte betrug 38,3 g. Am 98. Tag wogen die Tiere durchschnittlich 2.212 g und am 112. Tag 2.569 g. Die Herkünfte zeigten zu allen Wiegezeitpunkten unterschiedliche Tiergewichte.
Junghennen
Die Junghennen wogen zum Ende der Aufzuchtphase am 133. Tag (19. Lebenswoche) durchschnittlich 1.887 g.
Mehrere Lohmann Dual-Hähne

Lohmann Dual-Hähne

Junge ÖTZ Cream-Junghennen am 16. Lebenstag

ÖTZ Cream-Junghennen am 16. Lebenstag

Aufzuchtphase Tierwohlindikatoren
Insgesamt zeichnete sich bei den Bonituren in der Aufzuchtphase der Junghennen und Hähne ein deutlicher Herkunftseffekt auf den Zustand des Integuments ab. Die Hähne waren bis zur Schlachtung gut lauffähig.
Legehennen
Die Tiere wurden bis zur 85. Lebenswoche gehalten. Unterschiede zwischen den Herkünften lagen vor allem in den Merkmalen Eizahl, mittlerem Eigewicht, Eigewichtsklassen, Futterverbrauch und -aufwand sowie den Eiqualitätsmerkmalen vor.
Gefiederbonitur Durchgang 2 als SäulendiagrammZoombild vorhanden

Boniturergebnisse Gefieder 2. Durchgang

Legehennen Tierwohlindikatoren
Bei den Bonituren in der Legephase zeichnete sich insgesamt ein deutlicher Herkunftseffekt auf den Zustand des Integuments ab. ÖTZ Caramel zeigte als einzige Herkunft deutliche Zehenverletzungen als Folge von Zehenpicken.
Ökonomische Bewertung
Die Eier der untersuchten Herkünfte hätten zwischen 51,4 Cent (Lohmann Dual) und 76,3 Cent (Triesdorfer Landhuhn) je Ei kosten müssten, um die unterstellten Produktionskosten zu decken.
Futteraufwand und Nährstoffeffizienz
Im gemeinsamen Futteraufwand von Henne und Hahn erreichten die vier Herkünfte Werte von 2,80 bis 4,43 kg Futter je kg Körper- und Eimasse. Zusammenfassend ließ sich feststellen, dass Lohmann Dual zwischen 13 und 59 % weniger Futter benötigte, um 1 kg Körper- oder Eimasse zu produzieren.
Gemäß der Nährstoffbilanzierung fallen in einem Haltungsverfahren mit Zweinutzungsherkünften je erzeugtem kg Körperzuwachs und Eimasse zwischen 15 und 44 % weniger N bei Lohmann Dual an als bei den anderen drei Herkünften. Die P-Bilanz fällt bei diesen Herkünften um zwischen 13 und 39 % höher als bei Lohmann Dual aus.

Schlussfolgerungen

Zweinutzungshühner repräsentieren einen züchterischen Kompromiss zwischen Mast- und Legeleistung und stellen eine mögliche Alternative zum Verbot des Tötens von Eintagsküken direkt nach dem Schlupf dar. Die vorliegende Studie zeigt, dass sich Zweinutzungsherkünfte im biologischen Leistungsprofil deutlich unterscheiden können. Allgemein kritisch zu betrachten ist der im Vergleich zu Hochleistungshybriden hohe Futteraufwand, der folglich zu einem erhöhten Ressourcenverbrauch pro kg Ei bzw. Fleisch führt.
Die gegenüber der Hochleistungshybride Lohmann Sandy stark nachteilige Ressourceneffizienz (N, P) der Zweinutzungsherkünfte ist von höchster Bedeutung für den Umweltschutz, da bekannterweise nachteilige Effekte von einer steigenden Fracht an N und P ausgehen. Somit besteht auch ein Zielkonflikt zu übergeordneten Prämissen der Landwirtschaft nach reduziertem Verbrauch natürlicher Ressourcen und Minimierung der Ausscheidung von Nährstoffen.
Die beobachteten Unterschiede zwischen den geprüften Herkünften in Merkmalen der Integumentkondition ergeben wichtige Hinweise für das Zuchtprogramm der Züchter der Zweinutzungshühner. Nachdem tierwohlassoziierte Merkmale und die Prädisposition für Verhaltensstörungen für Geflügelhalter eine immer stärkere Bedeutung bei der Wahl der passenden Genetik besitzen, unterstreichen die Resultate dieses Projekts auch die Notwendigkeit von Hühnerleistungsprüfungen als Entscheidungshilfe für Landwirte.
Die ökonomische Betrachtung zeigte, dass die Wirtschaftlichkeit der Zweinutzungshühner vor allem vom Leistungspotenzial der Henne, aber auch den Verkaufserlösen (Schalenei, Schlachtkörper) und Futterpreisen abhängig ist.
Weitere Informationen und Ergebnisse sind in der Kurzfassung des Projektberichts sowie im vollständigen Projektbericht zu finden.

Ansprechpartner

Linda Fitz
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)
Institut für Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft

Tel.: 08161 8640-1935
E-Mail: ITF@lfl.bayern.de

Dr. Philipp Hofmann
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)
Institut für Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft

Tel.: 08161 8640-1922
E-Mail: ITF@lfl.bayern.de

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