Forschungs- und Innovationsprojekt
Bewertung von Leistungen der Landwirtschaft für die Artenvielfalt (BeLLA)

grüne und braune Felder aus der VogelperspektiveZoombild vorhanden

Datenquelle: Orthophoto: Bayerische Vermessungsverwaltung - www.geodaten.bayern.de, Lizenz: CC BY 4.0

Die bayerische Landwirtschaft leistet wertvolle Beiträge zur Förderung der Artenvielfalt in Kulturlandschaften. Landwirtschaft, Abnehmer landwirtschaftlicher Produkte wie auch Konsumentinnen und Konsumenten haben ein gemeinsames Interesse an einer transparenten Darstellung dieser Leistungen. Doch wie lassen sich diese Leistungen für die Artenvielfalt objektiv bewerten? Hierfür fehlt in Deutschland bislang ein einheitlicher, allgemein anerkannter Ansatz.

Zielsetzungen

Im LfL-Projekt BeLLA wird derzeit ein maßnahmenorientiertes Bewertungssystem für Leistungen der Landwirtschaft für die Artenvielfalt entwickelt. Dieses soll die jeweils im landwirtschaftlichen Betrieb umgesetzten Maßnahmen bewerten und hierfür so weit möglich auf bereits vorhandene Geoinformation aufbauen. Damit wird eine in weiten Teilen automatisierte Bewertung umsetzbar.

Das Projekt strebt die folgenden Teilziele an:

  • Identifikation geeigneter Informationsgrundlagen und Bewertungsansätze
  • Entwicklung eines Konzepts zur Bewertung flächenbezogener Maßnahmen bzw. Maßnahmenkombinationen
  • Konzept zur transparenten Gesamtbewertung und Dokumentation der betrieblichen Leistungen für die Artenvielfalt
Das Bewertungskonzept wird schließlich veröffentlicht und kann als einheitliche Grundlage für die Implementierung entsprechender Anwendungen eingesetzt werden. Ziel hierbei ist es, den kompletten Prozess von den Ausgangsdaten bis hin zur gesamtbetrieblichen Bewertung zu skizzieren und damit einen einheitlichen und verbindlichen Bewertungsrahmen zu schaffen.

Ein Einsatz in unterschiedlichen Handlungsfeldern ist denkbar:

  • Transparente Kommunikation der Leistungen für die Artenvielfalt entlang der Wertschöpfungskette: So entstehen für Land- und Ernährungswirtschaft Chancen in der Vermarktung. Verbraucher erhalten eine hilfreiche Orientierung beim Einkauf.
  • Als Nachweis gegenüber Banken bei der Finanzierung von Investitionen
  • Unterstützung bei unternehmerischen Entscheidungen in der Landwirtschaft durch einen verständlichen Bewertungsmaßstab für Biodiversität
  • Optimierung von Betriebsberatungen zu Gemeinwohlleistungen
  • Dokumentation der landwirtschaftlichen Leistungen zur Erfüllung unterschiedlicher Zielvorgaben beim Biodiversitätsschutz in der Agrarlandschaft, u.a. Biotopverbund, EU-Wiederherstellungsverordnung

Grafik über ein Bewertungssystem für Leisungen der Landwirtschaft für die Artenvielfalt

Vorgehen und Methodik

Das Projekt baut auf dem bewährten und wissenschaftlich evaluierten Punktesystem Biodiversität der Schweizerischen Vereinigung integriert produzierender Bauern und Bäuerinnen (IP-SUISSE) auf. Dort basiert die Bepunktung insbesondere auf Agrarumweltmaßnahmen, die in der Schweiz gefördert werden.
Die Übertragung des Bewertungsansatzes auf bayerische Betriebe erfordert eine umfassende Übersetzung von verbindlichen Einzelleistungen im Zusammenhang mit der Agrarförderung – z.B. Verzicht auf mineralische oder organische Düngung oder verbindliche Regelungen zu Schnittzeitpunkten. Dadurch lassen sich den in Bayern im Rahmen der Agrarförderung angebotenen Maßnahmen letztendlich Bewertungspunkte zuschreiben.
Zunächst klärt das Projektteam, ob eine solch direkte Übersetzung in Bayern zu einem insgesamt aussagekräftigen Bewertungssystem führt oder ob hierfür Anpassungen an die bayrischen Verhältnisse erforderlich sind.
Nach eventuellen Anpassungen, die mit einem Gremium aus Experten abgestimmt werden, wird das Konzept mit Praxisbetrieben getestet und unter Umständen nachjustiert.
Schließlich sollen die Bepunktung sowie die zu Grunde liegende Nutzung von Daten in einem Konzept beschrieben werden. Dieses dient Softwareentwicklern als Basis zur Entwicklung von Online-Anwendungen. Im gesamten Vorgehen ist eine Übertragbarkeit auf andere Bundesländer berücksichtigt.

rosa Blumen und grüne Kräuter

Ergebnisse

Im Rahmen der Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) sowie der Ökoregelungen (ÖR) leistet die bayerische Landwirtschaft bereits deutliche Beiträge zum Erhalt und zur Förderung der Artenvielfalt. Die Maßnahmen des Bayerischen Kulturlandschaftsprogrammes (KULAP), des Vertragsnaturschutzprogrammes (VNP) und der Ökoregelungen (ÖR) bestehen jeweils aus einzelnen Bausteinen – zum Beispiel Düngeverzicht oder ein später Schnittzeitpunkt. Durch das Kombinieren dieser AUKM bzw. ÖR auf einzelnen Flächen entstehen zusätzliche Mehrwerte für die Artenvielfalt. Für eine umfassende Bewertung örtlicher Maßnahmenkombinationen sind die umgesetzten AUKM- und ÖR-Maßnahmen zunächst in Bausteine zu zerlegen und anschließend zu einer flächenbezogenen Gesamtleistung zusammenzuführen und zu bewerten.
Im interdisziplinären und institutsübergreifenden Projekt BeLLA wurden bereits erfolgreich AUKM- und ÖR-Maßnahmen in einzelne Bausteine untergliedert. Dadurch können einzelflächenbezogene Teilleistungen, wie zum Beispiel Düngeverzicht oder ein später Schnittzeitpunkt, betrachtet werden.
Als nächster Schritt werden diese standortbezogenen Teilleistungen zu Gesamtleistungen zusammengeführt und in einer Gesamtbetrachtung bewertet. Dadurch soll es in Zukunft Einzelbetrieben möglich sein, die erbrachten Leistungen für die Artenvielfalt auf Betriebsebene zu dokumentieren.

Projektinformation
Projektkoordination: Dr. Robert Schätzl
Fachliche Projektkoordination und -bearbeitung: Tessa Elliott, Lorenz Maurer
Technische Projektkoordination: Dr.-Ing. Thomas Machl
Erweiterte Arbeitsgruppe: Johannes Burmeister, Martina Halama, Dr. Sabine Heinz, Dr. Gisbert Kuhn, Dr. Franziska Mayer, Dr. Harald Volz, Dr. Christian Wagner, Roswitha Walter, Sebastian Wolfrum
Laufzeit: seit Juni 2025
Finanzierung: Eigenmittel der LfL