Kulturlandschaft und Biodiversität
Sortenwahl im Streuobstbau
von Stefan Kilian, Peter Jungbeck

Präsentation verschiedener Apfelsorten

Präsentation verschiedener Apfelsorten

Eine generelle Empfehlung für die Sortenwahl im Streuobstbau kann es aufgrund der großen Sortenvielfalt, den jeweils unterschiedlichen Standortbedingungen und der gewünschten Nutzung nicht geben.
Neu gepflanzt werden sollten bewährte Standardsorten, die um regionaltypische und neue, resistente Sorten ergänzt werden.

Allgemeine Hinweise zur Sortenwahl

Eine "gute" Standardsorte für den Streuobstbau zeichnet sich aus durch:

  • gute Baumeigenschaften auf stark wachsenden Unterlagen, z. B. gute Wuchseigenschaften, große Standfestigkeit, Robustheit gegen Krankheiten und Schädlinge, geringe Alternanz und eher geringe Standortansprüche
  • die Fruchteigenschaften, z. B. Zucker-, Säuregehalte und andere wertgebende Inhaltsstoffe, die für die spätere Verwendung ausschlaggebend sind. Für den wirtschaftlichen Anbau ist ein hoher und gleichmäßiger Ertrag gefragt
Der zukünftige Standort ist ein entscheidender Faktor für die Auswahl der Arten bzw. Sorten. Jede Sorte ist angepasst an ein bestimmtes Lokalklima (Höhenlage, Wärme, Luftfeuchtigkeit) und an einen bestimmten Standort (Nährstoffe und Feuchtigkeit im Boden, Bodenart und -mächtigkeit).
Die Auswahl hängt insbesondere auch von der späteren Nutzung ab. Streuobst wird heute vor allem als Verarbeitungsobst genutzt, z. B. für die Saft- bzw. Mostgewinnung, zum Brennen, für die Verarbeitung in der Küche (Backen, Kochen, Kompott) oder als Dörrobst. Viele Sorten eignen sich auch als lagerfähige Tafeläpfel.
Werden nur wenige Bäume gepflanzt sind auch die Befruchtungsverhältnisse zu beachten, da fast alle Kernobstsorten selbst unfruchtbar sind.

Regional- und Lokalsorten

Neben den überregional verbreiteten Obstsorten birgt jeder Landstrich regionaltypische Sorten und Lokalsorten.
Regionaltypisch ist eine Sorte, wenn sie eine besondere Bedeutung in der betreffenden Region hat oder überwiegend nur dort verbreitet ist. Eine Lokalsorte ist lediglich an einzelnen Orten zu finden.
Gerade diese Sorten bieten sich an, daraus regionaltypische Spezialitäten zu entwickeln (z. B. sortenreine Brände und Säfte oder andere "Schmankerl"), die der Gegend etwas Unverwechselbares geben. So wurden z. B. allein in der Bodenseeregion 230 regionaltypische Sorten gefunden. In der Schweiz sind 60 % der gefundenen Sorten Regionalsorten.

Weitere Informationen zur Bedeutung der Regionalsorten finden Sie z. B. unter:

Neue Apfelsorten für den Streuobstanbau

In den letzten 30 Jahren sind zahlreiche neue Apfelsorten auf den Markt gekommen, die mehr oder weniger ausgeprägte Resistenzen gegen Schorf, Mehltau und andere Krankheiten aufweisen. In einer aktuellen Versuchsreihe wird die Verwendungsmöglichkeit dieser neuen Apfelsorten im Streuobstbau getestet. Wie die Zwischenergebnisse zeigen, sind einige Sorten für den Streuobstanbau gut geeignet und sollten bei einer Neuanlage durchaus mit einem Anteil von 10 % und mehr berücksichtigt werden.

Streuobstsorten und Feuerbrand

Das Auftreten der Krankheit Feuerbrand in den letzten Jahren hat auch den Streuobstanbau massiv beeinträchtigt. Die Obstarten und -sorten reagieren durch ihre genetisch bedingte Variabilität sehr unterschiedlich auf den Befall durch das Bakterium.
In verschiedenen Projekten wird derzeit die Reaktion der verschiedenen Sorten auf den Erreger erforscht, um die Ergebnisse in der Sortenzüchtung und in Sortenempfehlungen verwenden zu können, z. B.:
Die wichtigste Maßnahme im Streuobstbau ist die Begrenzung des Feuerbranderregers durch die Verwendung robuster Sorten. Einheitliche Sortenempfehlungen hinsichtlich der Feuerbrandtoleranz gibt es noch nicht.