Management von Wildgänsen

Graugänse, Kanadagänse und Nilgänse breiten sich in Bayern aus. In einigen Regionen führt dies zu Konflikten in der Landwirtschaft oder im Tourismus. Deswegen wurde im Herbst 2014 an der LfL das dreijährige Umsetzungsprojekt Gänsemanagement gestartet. In dem Projekt sollen räumlich konkrete und gesellschaftlich akzeptierte Konzepte zur Minimierung von Konflikten mit Wildgänsen erarbeitet und umgesetzt werden.

Wildgänse in Bayern nehmen zu

Graugans auf einer WieseZoombild vorhanden

Junge Graugans (Anser anser) Foto: Christian Wagner

Die Populationen von Wildgänsen nehmen in Bayern seit Jahrzehnten - und verstärkt in den letzten Jahren - zu. So war die Graugans vor 1955 kein Brutvogel, brütete aber zum Ende des 20. Jahrhunderts schon mit zirka 250 bis 350 Paaren in Bayern. Bei der Brutvogelkartierung zwischen 2005 und 2009 (Rödl et al. 2012) wurde der bayerische Bestand der Graugans auf 1800 bis 3100 Paare geschätzt. Die Graugans hat sich in Bayern etabliert und ihr Bestand wird wahrscheinlich weiter zunehmen.
Neben Graugänsen sieht man auch immer häufiger Kanada- und Nilgänse. Kanadagänse brüteten zwischen den Weltkriegen im Raum München und wurden 1954 wieder im Nymphenburger Park ausgesetzt. Weitere Aussetzungen folgten. Die Nilgans brütete sogar erst 1996 erstmals in Bayern.

Wildgänse – ein hochwertiges Wildbret

Wildgänse haben Jagdzeit vom 1. August bis zum 15. Januar. Nicht überall ist bekannt, dass Wildgänse ein hochwertiges Wildbret sind. Nicht nur die Junggänse schmecken hervorragend, auch Gänse mit mehr Flugstunden geben einen exzellenten Braten. Wildgänse sind am Besten direkt von einem Jäger zu beziehen.

Die Zubereitung einer Wildgans unterscheidet sich in zwei Dingen von der einer Hausgans:
1) Man kann das Alter einer Wildgans oft nicht erkennen. Da ältere Gänse mehr Zeit benötigen, um gar zu werden, als junge Gänse, ist es wichtig, Wildgänse nicht unter Zeitdruck zu kochen.
2) Wildgänse besitzen keine ausgeprägte Fettschicht. Um zu vermeiden, dass das Fleisch zäh und trocken wird, muss man Wildgänse in einem geschlossenen Gefäß zubereiten. Die Feuchtigkeit kann nicht entweichen und das Fleisch bleibt saftig.

Konflikte mit Wildgänsen

Kanadagans von der Seite. Sie steht am Rand eines Gewässers im Nymphenburger Park.Zoombild vorhanden

Kanadagans (Branta canadensis) Foto: Christian Wagner

Viele Menschen freuen sich über die Beobachtung von Wildgänsen.
Das verstärkte Auftreten der Wildgänse in Bayern führt aber auch zu Konflikten.
So können Wildgänse in landwirtschaftlichen Kulturen Fraßschäden anrichten oder in Erholungseinrichtungen die Liegewiesen verkoten.
In München werden zusätzlich zur Verkotung von Grünanlagen auch Schäden an Blumenbeeten in Parks gemeldet.

Konflikte auf landwirtschaftlichen Flächen

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Tritt- und Fraßschäden
Foto: Christian Wagner

Landwirtschaftlich genutzte Flächen werden von Gänsen gerne zur Äsung aufgesucht. Beliebt sind Mähwiesen, aber auch Mais, Winterweizen und Sonderfrüchte wie Karotten werden beweidet. Je nach Feldfrucht und Äsungszeitpunkt können dem Landwirt finanzielle Einbußen in unterschiedlicher Höhe entstehen.

Konflikte in Freizeitanlagen

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Kanadagänse weiden auf einer Liegewiese.
Foto: Christian Wagner

Freizeitanlagen und hier vor allem Badestrände sind mit ihrem flachen Zugang zum Wasser und der kurz gehaltenen Liegewiese optimale Nahrungsflächen für Gänse. Konfliktträchtig ist hier vor allem der von den Gänsen ausgeschiedene Kot.

Maßnahmen zur Minimierung von Konflikten

Inselanbindung zur Reduzierung von Wildgansbruten

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Ein Baumstamm verbindet die Insel seit 2014 mit dem Festland. Foto: C. Wagner

Eine Möglichkeit, Brutbestände von Wildgänsen zu verringern, besteht darin, Inseln dauerhaft mit dem Land zu verbinden. Dies kann man z. B. durch Aufschüttungen oder durch Brücken erreichen. Fuchs und Co. können die Inseln erreichen; diese werden so für die Wildgänse als Brutplätze unattraktiv.
Im Maintal fanden wir einen starker Hinweis darauf, dass die Inselanbindung zu einer Reduzierung von Gelegen führen kann.
Im Baggersee nordöstlich von Sand am Main (Lkr. Hassberge) wurde eine der vier vorhandenen Inseln im Jahr 2014 mit dem Festland verbunden. 2015 wiederholte die LfL in diesem Bereich eine Gelegekartierung von 2013. Während bei den nicht angebundenen Inseln 2013 und 2015 vergleichbare Gelegezahlen gefunden wurden, wurden auf der angebundenen Insel 2015 keine Gelege mehr kartiert.

Ausführlicher Bericht: Inselanbindung zur Reduzierung von Wildgansbruten pdf 1,1 MB

Wildgänse in Bayern

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Ruhefläche bzw. -zone für Wildgänse
Foto: Christof Janko

Zum Jahreswechsel 2014/2015 wurde eine LfL-Information veröffentlicht. In dieser wird in kurzer Form erläutert, welche Möglichkeiten es gibt, Konflikte mit Gänsen zu entschärfen. Dabei wird unterschieden zwischen Maßnahmen, die dazu dienen das Verhalten der Gänse zu lenken (Verhaltenslenkung) und Maßnahmen, die Anzahl der Gänse zu reduzieren (Populationskontrolle).Wenn Gänse an einer Stelle vergrämt werden sollen, sollten im Gegenzug Flächen, die Gänsen Nahrung und Ruhe bieten (z. B. jagdliche Ruhezonen, angelegte Gänseweiden) zur Verfügung gestellt. Werden.
Eine bereits im Vorfeld enge Zusammenarbeit der betroffenen lokalen Akteure bei der Umsetzung von Maßnahmen ist für eine allgemein akzeptierte Lösung notwendig. Hauptakteure sind meist Landwirte, Naturschützer, Jäger, Behörden (Landratsämter) und Kommunen (Stadt- und Gemeinderäte).

Wildgänse in Bayern (LfL-Information)

Umsetzungsprojekt Gänsemanagement

Bayernkarte mit Verortung der beiden Modellregionen Gänsemanagement "Altmühlsee" und "Main zwischen Bamberg und Haßfurt"Zoombild vorhanden

Lage der Modellregionen Gänsemanagement

Im Herbst 2014 startete deswegen ein Projekt an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). In diesem sollen Gesamtkonzepte zur Minimierung von Konflikten mit Wildgänsen erarbeitet werden. Das Konzept soll regional verankert und gesellschaftlich akzeptiert sein.
Die Entwicklung von Konzepten erfolgt in zwei Modellregionen. Ausgewählt wurden der Main zwischen Bamberg und Haßfurt und der Altmühlsee.