Wildbienen in der Kulturlandschaft

Biene auf blauer Blume

Foto: B. Schönberger

Große Artenvielfalt

Weltweit sind über 20.000 Bienenarten bekannt, wobei allein in Deutschland über 580 Arten vorkommen. Während Honigbienen als staatenbildende Insekten mit zehntausenden von Individuen in einem Volk zusammenleben, sind Wildbienen weitestgehend Einzelgänger. Sie werden daher Solitärbienen genannt und stellen vielfältige Ansprüche an ihren Lebensraum.

Bestäubung

Biene an BlüteZoombild vorhanden

Honigbiene mit "Pollenhöschen" an den Hinterbeinen.

Bei der Blütenbestäubung durch Insekten spielen Honig- und Wildbienen die wichtigste Rolle. Mehrere Zehntausend Arbeiterinnen eines Honigbienenvolkes sammeln von Frühjahr bis Herbst Nektar und Pollen auf einem sehr breiten Blütenspektrum. Ihr Aktionsradius beträgt über zehn Kilometer.
Auch Wildbienen sind je nach Region, Wetter und Blütenbau wichtige Bestäuber. So fliegen einige Hummelarten und Arten der Sand- oder Mauerbienen sehr früh im Jahr, auch bei kühler Witterung, wenn die Honigbienenarbeiterinnen nicht aktiv sind. Bei Schlechtwetterperioden sind sie daher für die Bestäubung von Obst unverzichtbar.
Bestimmte Blüten mit tief verborgenem Nektar wie Eisenhut und Wiesenklee werden meist nur von speziell angepassten Wildbienen bestäubt. Eine besondere Bestäubungsform ist das sogenannte Vibrationssammeln, "buzzing" genannt. Insbesondere Hummeln beherrschen diese Technik. Sie schütteln durch die Vibration der Flugmuskulatur den Pollen aus den Staubbeuteln bestimmter Pflanzenarten.
Eine artenreiche Bienenfauna ist somit die wichtigste Voraussetzung für eine sichere Bestäubung von Blüten- und Kulturpflanzen vom Apfel bis zum Klee.

Strukturreiche Kulturlandschaft

Bienen verdeutlichen die Notwendigkeit, eine vielfältige, strukturreiche Kulturlandschaft zu erhalten und zu entwickeln. Blühflächen, artenreiches Grünland, Streuobst, Ackerwildkräuter, Hecken, Wegränder und Ackersäume sind agrarökologische Maßnahmen, die Bienen unterstützen.

Ansprüche an die Nistplätze

Ein vielfältiges und kontinuierliches Blütenangebot von März bis September sowie besonnten Kleinstrukturen, offene Bodenstellen und Pflanzenstängel als Wildbienen-Nistplatz sind für das Arten- und Individuenreichtum überlebenswichtig.

Nistplätze von Wildbienen

51 Prozent der Wildbienen graben Gänge in den Boden. 18 Prozent nutzen hohle Pflanzenstängel, rissiges Totholz, Schneckenhäuschen, Erd- oder Felsspalten sowie Mauerfugen als Nitzplätze. Rund 3 Prozent der Wildbienen graben Gänge in Pflanzenmarkstängel und morsches Holz. Freistehende Nester aus Pflanzenharz oder mineralischem Mörtel nutzen 1 Prozent und bei weiteren 3 Prozent sind die Nistplätze unbekannt. 24 Prozent entfallen auf Kuckucksbienen, diese parasitieren in Wildbienen-Nestern.

Lebensräume für Wildbienen

Hecken und Feldgehölze

Feldlandschaft mit HeckenZoombild vorhanden

Foto: E. Schweiger

Naturnahe Hecken und Feldgehölze sind nicht nur eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen, sondern aufgrund ihres Strukturreichtums auch ein wichtiges Nistplatzhabitat für Wildbienen. Diese haben sehr unterschiedliche und artspezifische Nistweisen. Stehendes, besonntes Totholz und Pflanzenstängel sind als Nistplätze besonders wertvoll. Meist nagen Käferlarven oder Schmetterlingsraupen die ersten Gänge in das Totholz. Zahlreiche Arten der Blattschneiderbienen, Pelzbienen oder Holzbienen nutzen diese Käferfraßgänge für die Anlage der Brutzellen. Auch Lesesteinhaufen, offene Boden- und Anrissstellen bieten der Wildbienenfauna unterschiedlichste Nistplätze.

Heimische Gehölze und KULAP-Maßnahme B49

Ackerwildkräuter

Getreidefeld mit KornblumenZoombild vorhanden

Foto: H. Volz

Nicht nur die angebauten Feldfrüchte können Bienen anziehen: Seit mehr als 7.000 Jahren, als der Ackerbau von Kleinasien und Südosteuropa kommend in Mitteleuropa Einzug hielt, begleiten Ackerwildpflanzen mit attraktiven Blüten unsere Kulturpflanzen. Diese Ackerbegleitflora ist an die häufigen Störungen wie Bodenbearbeitung und Ernte optimal angepasst und muss über eine sehr gute Regenerationsfähigkeit verfügen. Die meisten Arten sind nur unter diesen Bedingungen konkurrenzfähig und werden bei fehlender Störung (Nutzungsaufgabe) durch ausdauernde Arten wie Gräser, Stauden und Gehölze verdrängt.
Bis Mitte des 20. Jahrhunderts stammte die Honigernte in Ackerbaugebieten aus Wildkräutern der Getreideäcker und auch Wildbienen profitieren bis heute von den blühenden Kräutern zwischen den Getreidepflanzen.

Vegetation und Pflanzendiversität: Acker-Vegetation

Blühflächen

Bunte BlumenwieseZoombild vorhanden

Foto: H. Volz

Für Wildbienen bieten Blühflächen auf engstem Raum sehr vielfältige Strukturen mit einem breiten Angebot an Blütenpflanzen, Versteck-, Nist- und Überwinterungsplätzen. Die KULAP-Blühmischungen mit bis zu 40 Pflanzenarten und vielen heimischen Wildpflanzen bieten die unterschiedlichsten Pollen- und Nektarquellen und sichern so die Ernährung vieler Wildbienenarten. Wilde Möhre, Schafgarbe oder Glockenblumen sind beispielsweise wichtige Wirtspflanzen für Wildbienen. In intensiv genutzten Ackerbauregionen ist die Brückenfunktion durch Blühflächen für den Biotopverbund besonders wichtig. Insekten und Wildbienen können diesen Lebensraum über Jahre hinweg nutzen.

Blühflächen - Lebensraum auf Zeit

Ränder und Säume

blühender Feldsaum an einer StraßeZoombild vorhanden

Foto: H. Volz

Wildbienen haben durch ihre Artenfülle vielfältigste Ansprüche an ihren Lebensraum. Ein vielfältiges Angebot von begleitenden Rand- und Saumstrukturen fördert Wildbienen.
Artenreiche Säume dienen nicht nur als Nahrungs- und Brutraum, sondern sind elementare Verbindungsstrukturen. Sie vernetzen als linienhafte Strukturen die verschiedenen Lebensräume in der Kulturlandschaft. Wertvolle Säume für Wildbienen bestehen aus vielfältigen und heimischen Pflanzengesellschaften. Damit eine dauerhafte Nahrungsquelle für Wildbienen vorhanden ist, müssen auch frühblühende Arten vorkommen.

Streuobst

Wiese mit Bienen Zoombild vorhanden

Foto: H. Volz

Wildbienen finden im Streuobstbestand Nahrung und Nistmöglichkeiten in unmittelbarer Nachbarschaft. Für die Entwicklung überlebensfähiger Nachkommen sind enorme Pollenmengen, d.h. eine hohe Anzahl an besuchten Blüten, notwendig. Das garantiert die jährliche Massenblüte der Obstbäume, die sowohl von den Honigbienen als auch den Wildbienen im Frühjahr als unverzichtbare Nektar- und Pollenquelle genutzt wird.
Nach der Massenblüte im Frühjahr sorgen die blütenreichen Wiesen im Unterwuchs der Obstbäume für ein reichhaltiges und langandauerndes Pollen- und Nektarangebot bis in den Herbst. Durch diesen Reichtum wird eine Vielzahl an Wildbienen-Arten angelockt, bisher wurden mehr als 70 Arten in Streuobstwiesen festgestellt.

Wissenwertes rund um Streuobst

Artenreiches Grünland

bunt blühende WieseZoombild vorhanden

Foto: S. Heinz

Artenreiche Wiesen bieten mit ihrem umfangreichen Blütenangebot vielen Bienen einen hochwertigen Lebensraum. Verluste durch Mahd können durch bienenfreundliche Mahdtechniken und angepasste Mahdzeitpunkte deutlich minimiert werden.
So gibt es vergleichsweise viele Wildbienenarten, die streng auf Glockenblumenarten spezialisiert sind oder auf gelbe Korbblütler, auf gelbe Schmetterlingsblütler oder auf die Gruppe der Knautien und Skabiosen – alles Arten und Artengruppen der Kennartenliste für artenreiches Grünland.

Details zu artenreichem Grünland

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