Baukosten von Milchviehlaufställen

Neu gebauter Milchvieh-Laufstall

In den letzten Jahren wurden bundesweit zahlreiche Milchviehställe neu gebaut. Wie günstig oder teuer in den letzten Jahren in Bayern im Rahmen der Einzelbetrieblichen Investitionsförderung gebaut wurde, zeigt eine Auswertung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft.

Auch wenn die Strukturen im Süden Deutschlands nach wie vor deutlich kleiner als in den nördlichen und östlichen Bundesländern sind, entwickeln sich viele Betriebe weiter und investieren in neue Milchviehlaufställe. Jährlich wechseln in Bayern allein rund 25.000 Kühe vom Anbinde- in den Laufstall, dazu kommen noch die Laufställe der 2. und 3. Generation.

Bedeutung der Baukosten

Ob es im neuen Stall rund läuft, hängt in erster Linie von der durchdachten Planung, der professionellen Durchführung und der alltäglichen Betriebsführung ab. Die Kosten kommen allerdings bereits ins Spiel, wenn es um die Fragen der Finanzierbarkeit bzw. der Tragfähigkeit des Kapitaldienstes geht. Vor allem gilt das natürlich in Zeiten, in denen der Milchpreis unter 30 ct/kg liegt. Insofern sind die Baukosten für den dauerhaften Erfolg der Investition zwar nicht das einzige Kriterium, aber doch ein sehr wichtiges. Eine grobe Kalkulation dazu: Gelingt es, 1.000 € je Stallplatz einzusparen, ohne an Funktionalität oder Arbeitseffizienz zu verlieren, wird die Milcherzeugung dauerhaft um rund 1 ct/kg günstiger. Entsprechend spielen auch die staatlichen Zuschüsse beim Bau von Milchviehställen nach wie vor eine große Rolle, sind aber aufgrund der Förderauflagen und des Auswahlverfahrens keine Selbstverständlichkeit mehr.

Stallbauförderung in Bayern

Je nach geltender Förderrichtlinie und Investitionsvorhaben galten im Auswertungszeitraum unterschiedliche Fördersätze für die Stallbaumaßnahmen. Die Basisförderung betrug 20 %, wobei die meisten Betriebe höhere Fördersätze erreichten, weil sie ein höheres Auflagenniveau im Bereich Tierwohl akzeptierten. Dazu gehört beispielsweise die dauerhafte Einhaltung eines maximalen Tier-Fressplatzverhältnisses von 1,2:1. Die Förderkonditionen veränderten sich in den letzten Jahren immer wieder. Die meisten Stallbauwilligen nutzen die staatliche Investitionsförderung und ziehen zur finanziellen Abwicklung die bezuschussten Betreuer von der BBV-LandSiedlung oder der BBA-Baubetreuung Agrar hinzu. Die Investitionskonzepte werden in Abstimmung mit den zuständigen Ämtern für Landwirtschaft und Forsten erstellt und seit einigen Jahren von darauf spezialisierten Fachzentren bewilligt bzw. abgewickelt.

862 Betriebe in der Auswertung

In der Bayernkarte fällt auf, dass die meisten geförderten Milchviehställe bis 50 Kuhplätze im Alpenvorraum liegen.Zoombild vorhanden

Abbildung 1: Neu gebaute Kuhstallplätze (651 Stallbauprojekte bis 30.06.2016)

Insgesamt wurden 862 EIF-Projekte bzw. Stallbaumaßnahmen in die Auswertung mit einbezogen. Alle wurden nach dem Jahr 2010 bewilligt und bis Mitte 2017 fertiggestellt. Abbildung 1 gibt einen Überblick über die regionale Verteilung der Stallbauten und deren Größe der Stallbauten bis Mitte 2016. Deutlich wird die Konzentration der Baumaßnahmen für Ställe bis 50 Kühe im Alpenvorraum.

89 % der Fälle waren Neubauten, die teils mit Aussiedlungen verknüpft waren, in 11 % der Betriebe wurden Umbaulösungen realisiert, die alte Bausubstanz nutzen konnten. Im Mittel wurden Ställe für rund 76 Kühe geschaffen, was für viele eine deutliche Aufstockung bedeutete. Derzeit dominiert der Schritt in die Größenklasse 60-80 Kühe. Nur 15 % der Ställe bieten Platz für mehr als 100 Kühe. Aufgrund dieser Größenstruktur überrascht nicht, dass 46 % der neuen Ställe mit Automatischen Melksystemen ausgestattet wurden.

Die andere Hälfte der Bauherren setzte noch auf klassische Melkstände, die meist in den Stall integriert wurden. Etwas überraschend ist, dass bereits mehr als die Hälfte der Ställe als reine Milchviehställe ohne Jungviehseite konzipiert wurden. Offensichtlich konnten noch entsprechend oft alte Gebäude – auch auf der alten Hofstelle – für die Jungviehaufzucht genutzt werden.

10.000 Euro je Stallplatz – die neue Orientierungsgröße?

In der Baukostenauswertung wurde die eigentliche Stallbauinvestition von den Nebeninvestitionen in Futter- und Güllelager getrennt. Erfasst wurden die eingereichten Belege für die Investitionen in Gebäude und Technik inklusive der Baunebenkosten (von Planung über Erdaushub bis zur Dacheindeckung einschließlich der montierten Technik).
Damit beziehen sich die ausgewiesenen Kosten auf den einzugsfertigen Stall mit installierter Technik für Melken, Füttern bei automatischen Fütterungssystemen, Entmisten (Schieber) oder Einstreuen und dem Kälberbereich. Über alle vier Auswertungsjahre und über alle neugebauten Ställe wurden netto rund 8.400 € investiert. Umsatzsteuerpauschalierer haben natürlich die Mehrwertsteuer mitzufinanzieren. Hier stehen dann brutto rund 10.000 €/Stallplatz zu Buche, die mit Eigenmitteln, den Zuschüssen und Fremdmitteln (in aller Regel Bankdarlehen) zu finanzieren sind.

Extreme Kostenunterschiede zwischen den Betrieben

In der Gruppe der Stallbauten mit "reduziertem Jungvieh" kosten die meisten Ställe zwischen 10 und 12 Tausend Euro je Kuhplatz.Zoombild vorhanden

Abbildung 2: Baukostenspreizung in der Gruppe der Stallbauten mit "reduziertem Jungvieh"

Auffällig sind die extremen Unterschiede, wie teuer sich Stallbauprojekte in der Abrechnung darstellen. Beim Blick auf die Gruppe mit „reduziertem Jungvieh“ finden sich 11 Ställe in der Klasse unter 8.000 € (brutto) während in 19 Fällen mehr als 14.000 € abgerechnet wurden (Abbildung 2). Über die Ursachen geben die vorliegenden Zahlen keinen Aufschluss. Das häufig vorgebrachte Argument hoher Eigenleistungen kann dabei auch nach Auskünften der Betreuungsgesellschaften nur einen Teil der Differenz erklären. Offensichtlich liegen große Unterschiede im Verhandlungsgeschick, bei der Bauorganisation und der termingerechten Abstimmung zwischen den Gewerken.

Sind große Ställe günstiger?

Die Auswertung der Stallbaukosten zeigt, dass größere Ställe im Durchschnitt auf den Kuhplatz bezogen günstiger gebaut werden.Zoombild vorhanden

Abbildung 3: Einzelbetriebliche Baukosten und Stallgröße

Die Chancen der Kostensenkung in größeren Ställen wachsen, das bestätigt die Praxis. Das Durchschnittsniveau der Bruttobaukosten für den reinen Kuhstall ohne Jungviehseite sinkt von knapp 11.000 € auf unter 8.000 €/Kuhplatz (Abbildung 3).
Allerdings zeigen sich erhebliche Abweichungen vom Mittelwert von über 2.000 € in beide Richtungen – und das in allen Größenklassen.
Unter heutigen Zinsverhältnissen und bei durchschnittlichem Leistungsniveau hat das kostengünstigere Viertel damit einen Festkostenvorteil von über 4 ct/kg – es lohnt sich also dauerhaft, günstig zu bauen. Nur wenn teuer bauen heißen sollte, arbeitswirtschaftliche Vorteile zu haben, würde sich dieser Abstand unter Einbeziehung der Arbeitserledigungskosten verkleinern. Die Praxis zeigt aber, dass teurer nicht immer besser heißt.

Fazit

Die LfL-Baukostenauswertung für bayerische Milchviehställe aus den Jahren 2013/14 bis 2016/17 bestätigt ein hohes Niveau der Baukosten. Im Mittel wurden in Neubauten ohne Gülle- und Futterlager 10.000 €/Kuhplatz (brutto) investiert, reine Milchviehställe kosteten 1.000 €/Platz weniger, Ställe mit starker Nachzucht knapp 2.000 € mehr. Die Unterschiede zwischen den Betrieben sind enorm, wobei der Umfang der Jungviehnachzucht eine große Rolle spielt. Der Vergleich der Jahre 2013/14 bis 2016/17 zeigt, dass die extreme Baukostensteigerung der letzten Jahre endlich wieder abflachte, im aktuellen Auswertungsjahr mit 0,4 % sogar unter der Inflationsrate liegt. Gerade in Zeiten schwacher Milchpreise wird hier bewusst, wie wichtig es ist, in Planung, Ausschreibung und Bauorganisation viel Zeit zu investieren, um die Bau- und Finanzierungskosten im akzeptablen Rahmen zu halten um damit die Basis zu legen für eine tiergerechte, aber auch kostengünstige Milchproduktion.

Ansprechpartner:
Dr. Gerhard Dorfner und Guido Hofmann
Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur
Menzinger Str. 54, 80638 München
Tel.: 089 17800-108 bzw. -461
E-Mail: Agraroekonomie@LfL.bayern.de

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