Milchviehställe werden immer teurer

Neu gebauter Milchvieh-Laufstall

Nicht nur die Immobilienpreise sind in Deutschland explodiert. Auch beim Bau von Milchviehställen steigen die Kosten kontinuierlich an. Wie teuer oder günstig in Bayern im Rahmen der Einzelbetrieblichen Investitionsförderung gebaut wurde, zeigt eine Auswertung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft.

Auch wenn die Strukturen im Süden Deutschlands nach wie vor deutlich kleiner als in den nördlichen und östlichen Bundesländern sind, entwickeln sich viele Betriebe weiter und investieren in neue Milchviehlaufställe. Jährlich wechseln in Bayern allein rund 25.000 Kühe vom Anbinde- in den Laufstall, dazu kommen noch die Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen bei den Laufställen der 2. und 3. Generation.

Detaillierte Auswertung der Baukosten bayerischer Milchviehställe zum Download

Ausführliche Auswertungen und Antworten auf eine Vielzahl von Fragestellungen zu den Baukosten für bayerische Milchviehställe für die Jahre 2013/14 bis 2017/18 liefert folgendes Infoblatt:

Bedeutung der Baukosten

Ob es im neuen Stall rund läuft, hängt in erster Linie von der durchdachten Planung, der professionellen Durchführung und der optimierten Betriebsführung ab. Die Kuhstallplanung erfolgt im Spannungsfeld zwischen Tierwohl, arbeitswirtschaftlicher Optimierung und der notwendigen Kostenbegrenzung mit Blick auf die unternehmerische Gewinnerzielung. So wird die vermeintlich optimale Lösung oft bereits in der Planungsphase begrenzt durch die Fragen der Finanzierbarkeit bzw. der Tragfähigkeit des Kapitaldienstes.
Ein Beispiel: Der Kuhstall inklusive Nebenanlagen und Nebenkosten verursacht Baukosten in Höhe von 15.000 €/Kuhplatz. Werden die jährlichen Festkosten mit 7 % vom Neuwert kalkuliert, so entstehen über 1.000 € Gebäudekosten je Kuhplatz und Jahr bzw. 13 Cent je Kilogramm Milch bei 8.000 kg Milchleistung. Bei einem Umsatz von 50 ct/kg Milch würde rund ein Viertel davon von den Gebäudefestkosten gebunden werden.
Gelingt es, 1.000 € je Stallplatz bei der Investition einzusparen, ohne an Funktionalität oder Arbeitseffizienz zu verlieren, wird die Milcherzeugung dauerhaft um knapp 1 ct/kg günstiger. Gelingt es mit den gleichen Baukosten durch eine arbeitsoptimierte Anlagenplanung den Jahresarbeitsaufwand um 5 Stunden/Kuh zu reduzieren, sinken ebenfalls die Produktionskosten um 1 ct/kg Milch, wenn die Lohnkosten 16 € je eingesparter Stunde betragen.
Insofern sind die Baukosten für den dauerhaften Erfolg der Investition zwar nicht das einzige Kriterium, aber doch ein sehr wichtiges.

Stallbauförderung in Bayern

Die staatlichen Zuschüsse beim Bau von Milchviehställen spielen nach wie vor eine große Rolle in der Planung, die Inanspruchnahme ist aber aufgrund der Förderkonditionen, Förderauflagen und des Auswahlverfahrens keine Selbstverständlichkeit mehr. Je nach geltender Förderrichtlinie und Investitionsvorhaben galten im Auswertungszeitraum unterschiedliche Fördersätze für die Stallbaumaßnahmen:

  • Richtlinie 2013: Zuschuss 25 % (Basisvariante), 35 % (Variante besonders tiergerechte Haltung [btH]), max. 260.000 € Zuschuss bei Einzelunternehmen
  • Richtlinie 2015: Zuschuss 15 % (Basisvariante), 35 % (Variante Premium, erstmalige Umstellung auf Laufstall + 5 % Zuschuss), max. 300.000 € Zuschuss bei Einzelunternehmen
  • Richtlinie 2017: 25 % (nur btH-Ställe, keine Basisförderung), erstmalige Umstellung auf Laufstall + 5 % Zuschuss, max. 120.000 € Zuschuss bei Einzelunternehmen
Zur btH- bzw. Premiumförderung gehört beispielsweise die dauerhafte Einhaltung eines maximalen Tier-Fressplatzverhältnisses von 1,2:1, ab der Richtlinie 2017 ist ein Laufhof Pflicht. Viele Stallbauwillige nutzten die staatliche Investitionsförderung und wählten zur Baubetreuung und Antragsabwicklung die bezuschussten Betreuer der BBV LandSiedlung oder der BBA Baubetreuung Agrar. Die Investitionskonzepte werden in Abstimmung mit den zuständigen Ämtern für Landwirtschaft und Forsten erstellt und seit einigen Jahren von darauf spezialisierten Fachzentren bewilligt bzw. abgewickelt.

1.009 Betriebe in der Auswertung

In der Bayernkarte fällt auf, dass die meisten geförderten Milchviehställe bis 50 Kuhplätze im Alpenvorraum liegen.Zoombild vorhanden

Abbildung 1: Neu gebaute Kuhställe, Bayern, 2013 bis 2018

Abbildung 1 gibt einen Überblick über die regionale Verteilung der geförderten Stallbauten und deren Größe. Deutlich wird die Konzentration der Baumaßnahmen für Ställe bis 50 Kühe im Alpenvorraum. Insgesamt wurden 1.009 EIF-Projekte bzw. Stallbaumaßnahmen von BBV-LS und BBA in die Auswertung mit einbezogen. Alle wurden nach dem Jahr 2010 bewilligt und bis Mitte 2018 fertiggestellt. Im fünften Auswertungsjahr 2017/18 kamen nur 147 Projekte dazu.

89 % der Fälle waren Neubauten, die teils mit Aussiedlungen verknüpft waren, in 11 % der Betriebe wurden Umbaulösungen realisiert, die im größeren Stil alte Bausubstanz nutzen konnten. Im Mittel wurden Ställe für rund 78 Kühe geschaffen, was für viele eine deutliche Aufstockung bedeutete. Derzeit dominiert der Schritt in die Größenklasse 60-80 Kühe. Nur 15 % der Ställe bieten Platz für mehr als 100 Kühe. Aufgrund dieser Größenstruktur überrascht nicht, dass 49 % aller neuen Ställe mit Automatischen Melksystemen ausgestattet wurden.

Die andere Hälfte der Bauherren setzte noch auf klassische Melkstände, die meist in den Stall integriert wurden. Etwas überraschend ist, dass bereits bald 60 % der Ställe als reine Milchviehställe ohne Jungviehseite konzipiert wurden. Offensichtlich konnten noch entsprechend oft alte Gebäude – auch auf der alten Hofstelle – für die Jungviehaufzucht genutzt werden. Auch führt in wachsenden Betrieben nicht selten die knappe Fläche und die begrenzte Arbeitsmacht in Verbindung mit den hohen Personalkosten zur Konzentration auf das Kerngeschäft Milch – die Nachzucht wird ausgelagert oder zugekauft.

10.000 -13.000 €/Platz – die neue Orientierungsgröße?

Die Baukosten für einen Kuhstall sind in den letzten vier Jahren im Mittel jährlich um 5,1 % gestiegenZoombild vorhanden

Abbildung 2: Stallbaukosten und Baukostensteigerungen 2013/14 bis 2017/18

In der Baukostenauswertung wurde die eigentliche Stallbauinvestition von den Nebeninvestitionen in Futter- und Güllelager getrennt. Erfasst wurden die eingereichten Belege für die Investitionen in Gebäude und Technik inklusive der förderfähigen Baunebenkosten. Damit beziehen sich die ausgewiesenen Kosten auf den einzugsfertigen Stall mit installierter Technik für Melken, Füttern bei automatischen Fütterungssystemen (4 % der Fälle), Entmisten (Schieber) bei planbefestigtem Boden (37 %), Einstreuen sowie dem Kälberbereich.

Über alle fünf Auswertungsjahre und über alle 898 neu gebauten Ställe wurden brutto 10.000 € und netto rund 8.400 € in den Kuhplatz investiert – im Mittel inklusive 0,3 neu gebauten Jungviehplätzen je Kuhplatz.

Wer sich heute mit dem Stallbaugedanken trägt, muss für seine Kalkulation allerdings die Baukostensteigerungen mit berücksichtigen und deshalb das aktuelle Auswertungsjahr 2017/18 als Orientierung verwenden. Der reine Milchkuhstall ohne Jungvieh kostete 2017/18 10.000 € je Kuhplatz, die Kuhstallgruppe mit voller Jungviehseite kommt auf knapp über 13.000 € (siehe Abbildung 2).

Extreme Kostenunterschiede zwischen den Betrieben

In der Gruppe der Stallbauten mit "ohne Jungvieh" kosten die meisten Ställe zwischen 8 und 10 Tausend Euro je Kuhplatz.Zoombild vorhanden

Abbildung 3: Baukostenspreizung in der Gruppe der Stallbauten "ohne Jungvieh"

Auffällig sind die extremen Unterschiede, wie teuer sich Stallbauprojekte der letzten fünf Jahre in der Kostenauswertung darstellen. Beim Blick auf die Gruppe "ohne Jungvieh" finden sich 19 Ställe in der Klasse unter 6.000 € (brutto), während in drei Fällen mehr als 14.000 € abgerechnet wurden (siehe Abbildung 3).

Über die Ursachen geben die vorliegenden Zahlen keinen Aufschluss. Das häufig vorgebrachte Argument hoher Eigenleistungen kann dabei auch nach Auskunft der Betreuungsgesellschaften nur einen Teil der Kostendifferenz erklären. Offensichtlich liegen große Unterschiede im Verhandlungsgeschick, bei der Bauorganisation und der termingerechten Abstimmung zwischen den Gewerken.

Sind große Ställe günstiger?

Die Auswertung der Stallbaukosten zeigt, dass größere Ställe im Durchschnitt auf den Kuhplatz bezogen günstiger gebaut werden.Zoombild vorhanden

Abbildung 4: Einzelbetriebliche Baukosten und Stallgröße

Wie nicht anders zu erwarten, bestätigt auch diese Auswertung die stallplatzbezogene Kostendegression bei zunehmender Stallgröße. Das fünfjährige Durchschnittsniveau der Bruttobaukosten für den reinen Kuhstall ohne Jungviehseite sinkt von 11.000 € auf unter 8.000 €/Kuhplatz (siehe Abbildung 4). Allerdings zeigen sich erhebliche Abweichungen vom Mittelwert von über 2.000 € in beide Richtungen – und das in allen Größenklassen. So reicht die Spanne beim 70er Kuhstall von unter 7.000 €/Platz bis über 12.000 €/Platz.

Unter heutigen Zinsverhältnissen und bei durchschnittlichem Leistungsniveau hat das kostengünstigere Viertel damit einen Festkostenvorteil von über 4 ct/kg – es lohnt sich also dauerhaft, günstig zu bauen. Nur wenn die teurere Bauweise arbeitswirtschaftliche Vorteile bringt, würde sich dieser Abstand unter Einbeziehung der Arbeitserledigungskosten verkleinern. Die Praxis zeigt aber, dass teurer nicht immer besser heißt.

Fazit

Die LfL-Baukostenauswertung für bayerische Milchviehställe aus den Jahren 2013/14 bis 2017/18 bestätigt ein hohes Niveau der Baukosten. Im Mittel der letzten fünf Jahre wurden in Neubauten ohne Gülle- und Futterlager 10.000 €/Kuhplatz (brutto) investiert, reine Milchviehställe kosteten 1.000 €/Platz weniger, Ställe mit großem Nachzuchtanteil knapp 2.000 € mehr. Betrachtet man nur das Auswertungsjahr 2017/18, so sind die Kosten nochmal um rund 1.000 €/Kuhplatz höher: Im Durchschnitt 11.000 € Baukosten mit rund 0,3 Nachzuchtplätzen, der reine Milchviehstall kostete 10.000 €/Platz und Ställe mit hohem Jungviehanteil erreichten über 13.000 € je Kuhplatz mit 0,94 Jungviehplätzen.
Die Kostenunterschiede zwischen Projekten mit gleicher Stallgröße sind enorm und deren Ursachen vielschichtig.
Im Vierjahresdurchschnitt stiegen die Baukosten jährlich um rund 5 %, was deutlich über der Inflationsrate liegt. Gerade in Zeiten volatiler Milchpreise und knapper Gewinnspannen wird hier deutlich, wie wichtig es ist, in Planung, Ausschreibung und Bauorganisation viel Zeit zu investieren. Nur so sind die Bau- und in deren Folge die Finanzierungskosten in einem akzeptablen Rahmen zu halten – als Basis für eine tiergerechte, aber auch kostengünstige und damit konkurrenzfähige Milchproduktion.

Ansprechpartner:
Dr. Gerhard Dorfner und Guido Hofmann
Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur
Menzinger Str. 54, 80638 München
Tel.: 089 17800-108 bzw. -461
E-Mail: Agraroekonomie@LfL.bayern.de

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