Berufsausbildung
Ausbildung Fischwirt, Fischwirtin

Der Beruf Fischwirt, Fischwirtin ist traditionsreich und zugleich zukunftsorientiert. Er vereint seit 1972 die ehemaligen Berufe Fischer und Fischzüchter. Voraussetzungen für die erfolgreiche Absolvierung der Ausbildung und Ausübung des Berufes sind Naturverbundenheit, Tierliebe, Ausdauer und Freude an selbständiger Arbeit. Neben technischer Begabung und handwerklichem Geschick sollte auch betriebswirtschaftliches Verständnis vorhanden sein.

Ausbildungsberuf Fischwirtin, Fischwirt novelliert - neue Fachrichtungen, aktualisierte Inhalte und Prüfungsbestimmungen

Neue Verordnung Fischwirt
Die neue „Verordnung über die Berufsausbildung zum Fischwirt und zur Fischwirtin“ ersetzt die Verordnung aus dem Jahr 1972 und tritt rechtzeitig zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres am 1. August 2016 in Kraft.
Die Ausbildung wird auf eine aktuelle inhaltliche, strukturelle und prüfungstechnische Basis gestellt. Künftig können angehende Fischwirte in den Fachrichtungen „Aquakultur und Binnenfischerei“ sowie „Kleine Küsten- und Hochseefischerei“ ausgebildet werden. Wesentlich verändert wurden die Prüfungsbestimmungen, die künftig nach handlungs- und kompetenzorientierten Standards angelegt sind.
Folgendes ist zu beachten:
Berufsausbildungsverhältnisse, die bei Inkrafttreten der neuen Verordnung bereits bestehen, können nach den Vorschriften der neuen Verordnung unter Anrechnung der bisher absolvierten Ausbildungszeit fortgesetzt werden, soweit die Vertragsparteien dies vereinbaren.
Diese Auszubildenden haben ab 1.8.2016 die Wahlmöglichkeit, nach den Vorgaben der alten oder der neuen Verordnung die Zwischen- und Abschlussprüfung abzulegen.

Verordnung über die Berufsausbildung zum Fischwirt und Fischwirtin vom Februar 2016 pdf 105 KB

Fachrichtungen

Fischwirte werden in Bayern derzeit bis zum Auslaufen der Übergangsregelungen von alter zu neuer Verordnung noch in zwei Schwerpunkten ausgebildet:

Fischhaltung und Fischzucht

Ausbildung in der Fischerei
Die Überwachung und Kontrolle der Aufzucht und Vermehrung der Fischzucht steht im Zentrum der Ausbildungsrichtung. Regelmäßige Wasseraufbereitung, genügend Sauerstoffzufuhr, Kontrolle des ph-Wertes, Düngung der Gewässer und Bekämpfung von Algen und Unkraut, die Fütterung der Fische, die Abwehr von Fischfeinden sowie Bekämpfung auftretender Krankheiten sind weitere Ausbildungsinhalte.
Fischwirte mit dem Schwerpunkt Fischhaltung und -zucht arbeiten in der Teichwirtschaft, auf Fischgütern oder in Fischbrutbetrieben.

Seen- und Flussfischerei

IFI 5 Deixelfurter See
Beim Ausbildungsschwerpunkt Seen- und Flussfischerei steht die Nutzung des natürlichen Fischbestandes in stehenden und fließenden Gewässern im Vordergrund. Der Lebensraum der Fische wird gepflegt, ein Eingriff erfolgt, wenn das natürliche Gleichgewicht des Gewässers in Gefahr gerät. Die Regulierung des Fischbestandes durch künstlich erbrüteten Einsatz von Jungfischen oder Abfischung von überzähligem Fischbesatz gehören ebenso zum Aufgabenbereich wie Fischfang, Weiterverarbeitung, Verladung, Transport und Verkauf der Ware sowie die Pflege und Instandsetzung von Fanggeräten und Booten.

Fischwirte mit dem Schwerpunkt Seen- und Flussfischerei arbeiten hauptsächlich in Fischereibetrieben aber auch in Fischbrutanstalten. Darüber hinaus sind sie z.B. in Fischverarbeitungsbetrieben sowie im Fischhandel beschäftigt.
Für alle Ausbildungsverhältnisse, die ab 1. August 2016 beginnen, sind die zwei bisherigen Fachrichtungen zu einer Fachrichtung "Binnenfischerei und Aquakultur" zusammengefasst.

Ausbildungsdauer

Die Dauer der Ausbildung beträgt in der Regel drei Jahre. Sie kann unter bestimmten Voraussetzungen verkürzt werden. Dazu zählen eine bereits abgeschlossene Berufsausbildung, das allgemeine Abitur oder ein Fachabitur. Ein erheblicher Teil der Ausbildung findet in einem vom Auszubildenden selbst gewählten Ausbildungsbetrieb statt, mit dem für die Ausbildungszeit ein Ausbildungsvertrag abgeschlossen wird. Dieser Vertrag ist der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Insitut für Fischerei, zur Eintragung vorzulegen.
Nur anerkannte Ausbildungsbetriebe dürfen Fischwirte ausbilden. Bei der Berufsausbildung wirken Ausbildungsbetrieb, Berufsschule und überbetriebliche Ausbildungsstätten zusammen.

Überbetriebliche Ausbildung

Grundlage für die Durchführung der Berufsausbildung zum Fischwirt und zur Fischwirtin sind die geforderten Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten gemäß der Verordnung über die Berufsausbildung vom 26. Februar 2016. Zur Ergänzung und Vertiefung der betrieblichen Ausbildung werden am Institut für Fischerei (IFI) folgende sieben „Überbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen“ angeboten und in der Regel folgendermaßen auf die drei Ausbildungsjahre verteilt:

1. Ausbildungsjahr

  • Pflichtlehrgang
    • Technik in der Fischwirtschaft (Landsberg/Lech)

2. Ausbildungsjahr

  • Pflichtlehrgang
    • Verarbeitung und Vermarktung von Fischen (Starnberg)
    • Herstellung und Reparatur von Fischereigeräten (Starnberg)
  • Wahlpflichtlehrgang
    • Fluss- und Seenfischerei (Nonnenhorn)
Junge Burschen schauen in die Kamera mit Fisch in der HandZoombild vorhanden

Foto: Lukas Müller

Im Rahmen der überbetrieblichen Ausbildung am Institut für Fischerei besuchen die Auszubildenden die Dienststelle Nonnenhorn. Auf dem Bodensee lernen sie u. a. den praktischen Umgang mit Schwebnetz, Reuse, Trappnetz und Aalschnur. Und wenn Petrus gut gelaunt ist, dirigiert er als Höhepunkt vielleicht einen dicken Fisch in das Netz, einen Zander zum Beispiel.

3. Ausbildungsjahr

  • Wahlpflichtlehrgang
    • Karpfenteichwirtschaft (Höchstadt)
    • Forellenteichwirtschaft (Starnberg)
    • Kreislaufsysteme (Starnberg)
Im ersten betrieblichen Ausbildungsjahr erfolgt in der Regel die überbetriebliche Ausbildung im Bereich „Technik in der Fischwirtschaft“. Die überbetriebliche Ausbildung im zweiten betrieblichen Ausbildungsjahr umfasst die Lehrgänge „Verarbeitung und Vermarktung von Fischen“, „Herstellung und Reparatur von Fischereigeräten“ sowie „Fluss- und Seenfischerei“. Im dritten betrieblichen Ausbildungsjahr werden die Lehrgänge zur „Forellenteichwirtschaft“, „Karpfenteichwirtschaft“ sowie „Kreislaufsysteme“ besucht.

Bei verkürzter Ausbildungszeit werden die Termine individuell abgestimmt.
Verpflichtung zur Teilnahme
Die Pflichtlehrgänge sind für alle Auszubildenden grundsätzlich verpflichtend und bis zur Abschlussprüfung zu besuchen. Die Teilnahmepflicht für die Wahlpflichtlehrgänge ist abhängig von den betrieblichen Gegebenheiten und wird in Abstimmung zwischen Ausbildungsbetrieb und Zuständiger Stelle festgelegt. Wenn die Lehrinhalte im Betrieb vermittelt werden, ist ein Besuch dieser überbetrieblichen Lehrgänge nicht verpflichtend. Die Ausbildungsinhalte können evtl. auch in einem Koppel- oder Partnerbetrieb abgedeckt werden. Die betriebliche Ausbildung im Partnerbetrieb muss mindestens drei Wochen in der jeweiligen Hauptproduktionszeit erfolgen.
Ausbildungsinhalte, die ein Ausbildungsbetrieb nicht vermitteln kann, müssen überbetrieblich oder in anderen Betrieben abgedeckt werden. Es gibt Mindestanforderungen an die Einrichtung und den Bewirtschaftungszustand der Ausbildungsbetriebe. Zwischen Leitbetrieb, Partnerbetrieb bzw. Koppelbetrieb und der Zuständigen Stelle in Starnberg sind gute Abstimmungen nötig. Evtl. sind Ausbildungskooperationsverträge abzuschließen. Ein entsprechendes Vertragsmuster gibt es hier [Fehlende Textstellen sind zu ergänzen!]:

Vertragsmuster zur Ausbildungskooperation im Beruf Fischwirt pdf 1,3 MB

Bitte beachten Sie:
Dieses Vertragsmuster ist nur als beispielhafte Formulierungshilfe zu verstehen. Betriebliche Gegebenheiten oder besondere Umstände des Einzelfalls werden nicht berücksichtigt. Für eventuell enthaltene Fehler wird keine rechtliche Verantwortung übernommen.
Finanzielle Zuwendungen zum Besuch überbetrieblicher Maßnahmen
Die Förderung der Pflichtlehrgänge und der in Abstimmung mit der Zuständigen Stelle festgelegten Wahlpflichtlehrgänge erfolgt für Auszubildende in bayerischen Betrieben gemäß Teil 1 der Berufsbildungsförderungsrichtlinien (BiFöR). Es können maximal fünf überbetriebliche Lehrgänge gefördert werden. Die Kosten für weitere freiwillig besuchte Lehrgänge tragen die Ausbildenden.

Berufsbeschulung

Die Berufsbeschulung erfolgt am Staatlichen Beruflichen Zentrum Starnberg.
Der Berufsschulbesuch kann nur mit eingetragenem Ausbildungsvertrag erfolgen und ist der Berufsschule bei Schulbeginn vorzulegen.

Der Unterricht findet in Blöcken von zwei oder drei Wochen statt.
Berufsschulunterricht in Wochen:
im 1. Ausbildungsjahr: 13 Wochen
im 2. Ausbildungsjahr: 11 Wochen
im 3. Ausbildungsjahr: 10 Wochen

Prüfungen

Die Zwischenprüfung findet vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres jeweils im Mai bzw. Juni statt. Die Abschlussprüfung zum Fischwirt erfolgt vor dem Ende des dritten Ausbildungsjahres jeweils im Juli.

Kontakt

Ansprechpartner
Dr. Reinhard Reiter

Telefon:
08151 2692-125

Fax:
08151 2692-170

E-Mail:
ifi-aus-fortbildung@lfl.bayern.de

Adresse:
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Fischerei
Weilheimer Straße 8
82319 Starnberg