Rückblick: Info-Tag "Automatisches Melken"

Kuh am Fressgitter frisst Gras
Das Institut für Landtechnik und Tierhaltung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft veranstaltete am 15. März 2017 in Grub wieder einen Informationstag zum Thema Automatisches Melken.
In Vorträgen stellten Experten und Praktiker den aktuellen Stand des Wissens und praktische Erfahrungen zum Thema AMS vor. Anschließend bestand die Möglichkeit bei den Firmen BouMatic, DeLaval, GEA, Happel, Lely und Lemmer-Fullwood die neueste Technik vor Ort zu besichtigen, sich auf kurzem Wege umfassend zu informieren und mit den Experten zu diskutieren. Zudem war der TGD, das LKV, die ALB, die Bauberatung und das Institut für Landtechnik und Tierhaltung mit Informationsständen vertreten, so dass die Teilnehmer sich zum Angebot der verschiedenen Organisationen informieren konnten. Parallel bestand für alle Besucher die Möglichkeit, die Lehrschau in Grub zu besichtigen.

Zusammenfassungen der Vorträge

Automatisches Melken - Erfahrungen, Tipps und Tricks
Die Zahl landwirtschaftlicher Betriebe, die mit einem automatischen Melksystem (AMS) melken steigt nach wie vor stetig an. In Deutschland haben AMS die konventionellen Melksysteme bei den Verkaufszahlen schon seit längerer Zeit überholt, ca. 50 – 70% aller neu installierten Melkanlagen sind mittlerweile AMS. Auch in Bayern ist diese Entwicklung zu beobachten. Ende 2016 registrierte der LKV Bayern ca. 1.800 Mitgliedsbetriebe mit ein oder mehreren Melkboxen.
Automatische Melksysteme werden nach wie vor weiterentwickelt, die Geräte befinden sich mittlerweile meist in der 3 oder 4 Generation. In den letzten Jahren ergänzten darüber hinaus voll automatisierte Melkkarusselle die bisherigen Ein- und Mehrboxenanlagen, aber auch neue Konzepte für das Melken größerer Herden in Gruppen wurden vorgestellt.
Die Wirtschaftlichkeit von AMS ist stark von der möglichen Verwertung der eingesparten Arbeitszeit auf dem Betrieb abhängig. Zu beachten ist auch der notwendige höhere Investitionsbedarf für die Melktechnik sowie deren höhere Unterhaltskosten, auch wenn durch das geringere Gebäudevolumen Geld eingespart werden kann, was insbesondere beim Umbau zum Tragen kommt.
Hinsichtlich der Arbeitswirtschaft lassen sich durch AMS ca. 25 % Arbeitszeit einsparen. Darüber hinaus eröffnen AMS auch in kleineren Betriebsgrößen die Möglichkeit mehrmalig zu Melken, die Arbeitszeiten flexibler einzuteilen sowie die körperliche Belastung deutlich zu reduzieren. Auf der anderen Seite ist die Arbeitszeit schlechter planbar (24-h Rufbereitschaft).
Die Eutergesundheit in Betrieben mit AMS ist abgesehen von der Umstellungsphase nicht schlechter einzustufen als bei Betrieben mit konventionellen Systemen. Die Technik und auch das Gesundheitsmanagement bieten bei AMS zwar mehr Möglichkeiten, sind gleichzeitig aber auch anspruchsvoller.
In Bezug auf den Stallbau ist bei AMS zu beachten, dass die Tiere (unabhängig von der Umtriebsform) letztendlich immer freiwillig zum Melken kommen sollen. Fehler in der Gestaltung des Stalls kommen in dieser Hinsicht viel stärker zum Tragen als bei konventionellen Melksystemen. Die häufigsten Fehler bei der (Stall-)Planung für ein AMS sind: Zu wenig Platz, schlecht gelöste Details und eine nicht eingeplante Erweiterbarkeit. Auch die späteren Arbeitsabläufe finden in der Regel zu wenig Berücksichtigung. Bei der Planung des Selektionsbereichs sollte hinterfragt werden, warum Tiere selektiert werden müssen, wie viele Tiere dies betrifft und wie lange die Selektion erfolgen muss um auf dieser Basis die Selektionsbereiche zu planen.
Meist wird in der Planungs- und Bauphase der Fokus zu stark auf den Bau bzw. die Technik gelegt. Gerade in dieser Phase sollte aber auch ganz konkret an der Euter-/Tiergesundheit gearbeitet werden. In diesem Zusammenhang sollten Beratungsangebote in den Bereichen Bau, Haltung und Tiergesundheit unbedingt wahrgenommen werden.
Dr. Jan Harms
Mehrhäusige Stallkonzepte für Automatische Melksysteme
Beim Planen und Bauen von Stallanlagen müssen von den Landwirten als Bauherren viele Aspekte berücksichtigt werden: Neben dem Tierwohl sind insbesondere die Fragen des Umweltschutzes, der Einhaltung und Erfüllung des Baurechts, zum Standort, Investitionsbedarf, Ökonomie, Finanzierung und Förderung, Faktorausstattung und Arbeitswirtschaft sowie der Betreuung der Maßnahme im Rahmen des Förderantrags zu beachten. Bei der Beratung und Planung ist, abgesehen von den bereits erwähnten Kriterien, insbesondere die Erweiterbarkeit der Anlagen zu berücksichtigen, da Wachstum der Bestände Kennzeichen der meisten Betriebe in Bayern ist.
Im Rahmen des Vortrags wurden drei Stallmodelle für einen durchschnittlichen Tierbestand von 75 Tierplätzen mit eigener Nachzucht vorgestellt. Das Raumprogramm wurde im Rahmen der Modellplanungen für eine zwei-, drei- und vierreihige Aufstallung mit jeweils einem automatischen Melksystem im Stall und einem separaten Technikgebäude mit einem angegliedertem Bereich für die Kälber und die Abkalbebuchten umgesetzt. Bezüglich der Bauweise für die Gebäudehülle wurde jeweils ein mehrhäusiges Tragwerk nach dem ModulBauSystem Grub-WeihenstephanTM geplant, das auf alle drei Modelle angepasst wurde. Kennzeichen dieser Bauweise ist, an Stelle der in der Milchviehhaltung üblichen großvolumigen einhäusigen Gebäudehülle mit einem Satteldach mehrere schmale Pultdachgebäude mit geringer Gebäudehöhe zu errichten. Bei den Stallmodellen überdachen diese auf der einen Seite den Liegebereich für die laktierenden Kühe und Trockensteher sowie das automatische Melksystem. Auf der anderen Seite den Futtertisch mit dem integrierten Jungviehbereich in einer jeweils einreihigen Aufstallung. Zwischen diesen Baukörpern liegt ein integrierter, nicht überdachter Laufhofbereich.
Am Beispiel der vierreihigen Stallanlage wurden nochmals wesentliche Kriterien dargestellt, auf die bei der Planung und baulich-technischen Umsetzung ein besonderes Augenmerk geworfen werden sollte. Mit Blick auf das Tierwohl ist es zum einen wichtig, ausreichend Fläche und Funktionsmaße zur Verfügung zu stellen. Bei empfohlenen Liegeboxenbreiten und -längen von 1,30 m auf 2,70 m und Lauf- bzw. Fressgangbreiten von 3,0 m beziehungsweise 4,15 m ergeben sich zusammen mit Übergängen in einer Breite von 5,20 m durchschnittlich 12,5 m² Fläche pro Kuhplatz. In den Übergangsbereichen sind Tränken und Kuhbürsten angeordnet. Bezüglich der Fressplätze ergeben sich bei einem Achsmaß von 5,20 m sowie einer Fressplatzbreite von 0,75 m planerisch pro Binderfeld 6 Fressplätze und damit ein Fressplatz zu Tierverhältnis von 1 zu 1,4.
Ein wesentliches Kriterium im Rahmen der Premiumförderung beziehungsweise der Anerkennung der Stallanlagen nach der EG-Öko-Verordnung ist die Verfügbarkeit der bereits erwähnten, nicht überdachten Laufhofflächen. Diese entsprechen den Bedürfnissen der Rinder nach Bewegung im Freien und dem unmittelbaren Außenklimakontakt durch direkte Bewitterung und Besonnung. Bei einhäusigen Stallanlagen muss der Laufhof entweder giebel- oder traufseitig als zusätzlicher Funktionsbereich angeordnet werden. Durch die mehrhäusige Bauweise liegen diese Flächen innerhalb des Stalles. Bei den drei Stallmodellen fallen sie mit dem Fressgang zusammen. Vorteil dieser Anordnung ist die höhere Attraktivität des Laufhofs durch die Futtervorlage sowie die Einsparung an betonierter Stallfläche, die auch keine zusätzliche Entmistungstechnik erforderlich macht. Die nach den bayerischen Kriterien der einzelbetrieblichen Förderung bzw. der EG-Öko-Verordnung notwendigen Flächen von im Ergebnis 1,0 m² bzw. 1,125 m² nicht überdachter Laufhoffläche pro Kuhplatz sind bei der vierreihigen Modellanlage bei einem Dachabstand (inklusive Dachrinne) von 2,05 m erfüllt.
Bezüglich der Erweiterbarkeit liegt der Vorteil des mehrhäusigen Bauens in der Möglichkeit, jeden einzelnen Funktionsbereich bedarfsgerecht und unabhängig voneinander zu entwickeln. An Hand eines durch die Arbeitsgruppe Landwirtschaftliches Bauen am Institut für Landtechnik und Tierhaltung geplanten Pilotstalls kann gezeigt werden, wie hier zum Beispiel durch einen auf nur halber Länge gebauten Jungviehstall der Ausbau dieses Funktionsbereichs auf die gesamte Stalllänge für einen zweiten Bauabschnitt vorgehalten wird.
Der Gesamtinvestitionsbedarf liegt für die zweireihige Stallanlage mit 74 Kuhplätzen bei circa 739.000 € beziehungsweise circa 9.980 € pro Tierplatz. Die dreireihige Stallanlage mit 73 Kuhplätzen liegt bei circa 754.000 € beziehungsweise 10.300 € pro Tierplatz und die vierreihige Stallanlage mit 76 Kuhplätze bei 835.000 € bzw. 10.990 € pro Kuhplatz.
Jochen Simon | Dr. Jan Harms | Petra Moser | Ferdinand Oberhardt | Peter Stötzel
Erfahrungen aus der Praxis - Betrieb Straßer, Mühldorf a. Inn
Betriebsvorstellung
Der Betrieb Straßer gehört zur Stadt Mühldorf a. Inn Ortsteil Aham. Im Betrieb arbeiten der Betriebsleiter, sowie der Altenteiler (Vater und Mutter des Betriebsleiters).
Der Betriebsschwerpunkt liegt in der Milchviehhaltung. Auf den Betrieb werden ca. 65 Milchviehkühe Fleckvieh plus Nachzucht gehalten. Seit 2016 werden die Kühe mit einem Melkroboter gemolken.
Weitere Standbeine sind Bullenmast und Ackerbau bzw. Getreideanbau. Zum Betrieb gehören 82 ha LF mit Pachtflächen, davon sind 62 ha Ackerland und 20 ha Dauergrünland.

Beweggründe für ein automatisches Melksystem

  • Betriebliche Arbeitssituation
  • Gesundheitlicher Zustand Arbeitskräfte
  • Flexiblere Stallzeiten

Gründe für den Kauf einer GEA Monobox

  • Sehr guter Servicetechniker in unmittelbarer Nähe
  • Kompakte Bauweise und reparaturfreundlich
  • Sehr schnelles Ansetzen
  • Reinigen, Melken, Dippen: Alles im Melkbecher
  • Gute Zugänglichkeit zum Euter z.B bei einer Behandlung
  • Leichtes unproblematisches Abrichten von Kalbinnen da der Melkarm für das Tier nicht zu sehen ist

Nachteile

  • Hohe Arbeitsbelastung während der Umbauphase
  • Stresssituation für Mensch und Tier während des Umbaus
  • Wenig Schlaf während der Inbetriebnahme

Vorteile

  • Kühe viel ausgeglichener und zutraulicher
  • Besserer Überblick durch genauere Melkkontrolle
  • Flexiblere Stallzeiten
  • Arbeitsersparnis
Erfahrungen aus der Praxis - Betrieb Rudel, Scherstetten
Betriebsspiegel
Der Betrieb Rudel liegt ca. 1,5 km außerhalb des Ortskerns von Scherstetten, auf 560 Höhenmeter und erhält jährlich im Schnitt 857 mm Niederschlag. Der AK-Besatz liegt im Betrieb bei 2,4 AK (Betriebsleiterehepaar mit 1,5 AK, Altenteiler mit 0,9 AK). Der Betrieb verfügt über ca. 60 ha LF (Grünland ca. 40 ha; Ackerland ca. 20 ha). Es werden ca. 75 Fleckvieh-Milchkühe und 75 Tiere für die weibliche Nachzucht gehalten. 2014 wurde ein neuer Laufstall mit AMS und 98 Kuhplätzen errichtet.
Warum ein AMS?
Ein wichtiger Grund ist die flexible Arbeitszeit, z.B. keine festen Melkzeiten in der Ernte. In arbeitsreichen Zeiten ist für eine AK die Stallarbeit gut zu handhaben. Wenn der Altenteil wegfällt oder eine AK ausfällt, muss die Arbeit trotzdem zeitlich gut zu bewältigen sein. Ein weiterer wichtiger Grund ist die körperliche Entlastung bei der Stallarbeit. Wichtig ist für uns auch ein tiergerechtes Melken z.B. Häufigkeit, abhängig von Laktationsstand und Leistung. Der Melkroboter braucht weniger Platz als ein Karussell. Wir gehen gerne mit neuer Technik um, da der Betriebsleiter gelernter Mechatroniker ist.
Planung
Viele verschiedene Ställe zu besichtigen ist wichtig für die Stallplanung, vor allem bereits bezogene Ställe sind sehr informativ. Den Info-Tag AMS in Grub haben wir 2010 besucht. Wichtig ist die Frage: Passt meine Herde für ein AMS-Konzept (Melkbarkeit, Eutersitz, Fundament)? Wir haben bei unserer Planung einen hohen Kuhkomfort in den Mittelpunkt gestellt (der alte Stall war für Zuchtfortschritt viel zu klein dimensioniert). Die Arbeitsabläufe sind gut zu planen z.B. wie Kühe treiben; Abkalbebereich, Kälber u. Milchkammer nah beisammen. Dies ergibt eine hohe Arbeitswirtschaftlichkeit. Wichtig ist zu bedenken wo der Roboter optimalerweise steht und ob eine Separation, Anfütterung und Abkalbebereich im Stall gewünscht ist. Es ist zu überlegen ob ein gelenkter oder freier Kuhverkehr verwirklicht wird. Wird ein Wartebereich vor dem AMS gewünscht? Ebenso ist die Unterbringung der Kälber eine wichtige Überlegung. Sehr wichtig ist, nicht nach Fabrikat und Preis den Kauf zu entscheiden, sondern wie nah ist der Kundendienst am Betrieb!
Herdenmanagement mit AMS
Die Arbeitsabläufe und -aufteilungen sind neu zu strukturieren. Die erste Arbeit ist Morgens und Abends den Milchfilter zu wechseln. Danach werden die Melk- und Brunstdaten ausgewertet. Überfällige Kühe, die 12 h über der letzten Melkzeit sind, sind zu holen. Selektionskühe werden in den Warteraum getrieben und nacheinander gemolken. Unvollständige Kühe kontrollieren und brünstige Kühe anschauen und evtl. besamen. Kälberkühe extern in der Abkalbebucht melken und Kälber tränken.
Fazit
AMS-Melken heißt nicht: Nicht mehr in den Stall zu gehen. Wir haben trotzdem noch feste Stallzeiten und sind im Notfall oder bei Ernte trotzdem flexibel. Im Roboter gemolkene Kühe sind sehr ruhig und zutraulich. Die Stallarbeit besteht aus viel Kontrollarbeit, wird aber durch viele Daten erleichtert. Die körperliche Entlastung ist enorm. Kalbinnen werden in der Abkalbebucht abgerichtet, somit ist die Eingewöhnung am AMS einfacher. Die Leistung lag beim Einzug bei 8800 kg, nach ein dreiviertel Jahr liegt die Leistung bei 8400 kg, dieser Rückgang liegt aber daran, dass die Herde aus zweidrittel Jungkühe besteht. Eine Zwischendesinfektion ist zu empfehlen. Wichtig ist, dass der Betrieb hinter der Technik steht und damit umgehen will.
Wir würden diesen Schritt wieder wagen.
Besucher der Tagung im Foyer beim Kaffetrinken

Besucher des Infotages

Blick in die Zuschauerreihen beim Infotag

Tagungsteilnehmer im Forum

Referent am Stehpult

Begrüßung durch Hr. Dr. Wendl

Referent am Stehpult

Referent Hr. Dr. Harms

Referent vor Präsentationsfolie mit Stall stehend

Referent Hr. Simon

2 Referenten mit Bild von Hofstelle

Hr. Harms und Praktiker beim Vortrag

Vier Referenten als Gruppe

Die Referenten des Infotages

Automatisches Melksystem

AMS von Boumatic

Tagungsbesucher vor einem automatischen Melksystem

AMS-Stand von Lely

Automatisches Melksystem

AMS von Lemmer-Fullwood

Tagungsbesucher vor einem automatischen Melksystem

AMS-Stand von DeLaval

Automatisches Melksystem

AMS von Happel

Tagungsbesucher vor einem automatischen Melksystem

AMS-Stand von Lemmer-Fullwood

Tagungsbesucher vor einem automatischen Melksystem

AMS-Stand von GEA