Digitalisierung in der Landwirtschaft

Tabletnutzung in der Landwirtschaft, gezeichnet

(Quelle iStock)

Hintergrund

Digitalisierung ist einer der Megatrends in der Landwirtschaft und im Agribusiness und betrifft alle Akteure landwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten - vom vorgelagerten Bereich über Produktion, Handel, Verarbeitung und Lebensmitteleinzelhandel (LEH) bis zum Konsumenten. Neben diesen Akteuren sind aber auch die Bereiche Forschung, Bildung, Beratung und die Verwaltung von den rasanten Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung sowie Landwirtschaft 4.0 maßgeblich tangiert. Zur Illustration zeigt die folgende Abbildung aktuelle Fragestellungen bzw. Herausforderungen für die verschiedenen Akteure in landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten exemplarisch auf.

Fließdiagramm landwirtschaftliche Wertschöpfungskette mit Einfluss der Digitalisierung

Einfluss der Digitalisierung und Landwirtschaft 4.0 auf die Akteure landwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten
(Wertschöpfungskette verändert nach Burose 2014)
Was aber bedeutet eigentlich Landwirtschaft 4.0? Ein zentrales Kernelement von Landwirtschaft 4.0 ist die intelligente Vernetzung von Produktionsprozessen nicht nur auf dem landwirtschaftlichen Betrieb, sondern über die gesamte Wertschöpfungskette - also auch im vor- und nachgelagerten Bereich. Die Lenkung dieser vernetzten Produktionsprozesse soll zudem vom Konsumenten- bzw. Gesellschaftsinteresse aus erfolgen (vgl. Positionspapier des Leibniz-Forschungsverbunds Nachhaltige Lebensmittelproduktion & gesunde Ernährung).

Landwirtschaft 4.0 bestimmt bereits jetzt die Entwicklung der Branche maßgeblich und es ist davon auszugehen, dass sich diese Entwicklung verstärkt fortsetzen wird. Für die einzelnen Akteure werden sich dabei vielfältige Chancen bieten, es bestehen aber auch Risiken und Herausforderungen. Klassischerweise werden an dieser Stelle Aspekte der Datensicherheit und Datenhoheit aufgeführt. Und natürlich sind ein leistungsfähiger Internetzugang und ein schnelles Mobilnetz im ländlichen Raum von herausragender Bedeutung. Für die landwirtschaftlichen Betriebe besteht aktuell jedoch die große Herausforderung eher darin, den Überblick über die verschiedenen technologischen Entwicklungen zu behalten und sinnvolle Investitionsentscheidungen zu treffen. Dazu benötigen sie belastbare Informationen zu den ökonomischen, ökologischen wie auch zu den sozialen Effekten dieser Technologien - also eine moderne Nachhaltigkeitsbewertung. Für alle Akteure der Wertschöpfungskette stellt sich zudem die Frage ihrer zukünftigen Stellung sowie Macht in der Kette. Die jüngere Entwicklung zeigt, dass die Digitalisierung einerseits die Möglichkeiten schafft, dass Start-ups mit begrenztem Kapitalbedarf neu in den Markt eintreten und andererseits branchenfremde Player die Landwirtschaft für sich entdecken. Beide Entwicklungen stellen die etablierten Größen wie z.B. Agrarhandelsunternehmen oder landwirtschaftliche Softwareentwickler vor große Herausforderungen.

Miniroboter beim Unkraut hacken

Agrarroboter für Unkraut

Leistungsdaten einer Kuh im Laufstall auf Diagramm im Handy

Abruf von Tierdaten über digitale Medien

Trotz aller Digitalisierungseuphorie sollte nicht vergessen werden, dass die gesellschaftliche Akzeptanz für Landwirtschaft 4.0 von großer Bedeutung ist. Dieser Aspekt steht jedoch auf so gut wie keiner Agenda der aktuell so zahlreich stattfindenden Veranstaltungen zu Digitalisierung und Landwirtschaft 4.0. Politik, Interessensvertreter und Branche erhoffen sich teilweise viel von den technologischen Entwicklungen, wie z.B. mehr Tierwohl oder die Entschärfung der Nährstoffproblematik und damit letztlich auch eine höhere gesellschaftliche Akzeptanz der landwirtschaftlichen Produktion. Es stellt sich jedoch aktuell die Frage, wie Konsumenten bzw. die Gesellschaft diese Innovationen wahrnehmen und bewerten. Die Herausforderung besteht schließlich darin, die Vorteile von Landwirtschaft 4.0 in einer Weise zu kommunizieren, sodass Konsumenten und die gesamte Gesellschaft diese Innovationen auch positiv wahrnehmen und bewerten. Darüber hinaus muss auf negative Effekte aufmerksam gemacht und entsprechende Lösungsansätze müssen entwickelt werden.
Zielsetzung
Die Projektgruppe Digitale Landwirtschaft wird sich vielen der aufgeworfenen Fragestellungen widmen und dazu beitragen, dass gerade auch die bayerischen Betriebe an den Vorteilen der Landwirtschaft 4.0 partizipieren können. So beinhaltet das Arbeitsprogramm eine detaillierte Marktanalyse und Bewertung der verfügbaren Technologien vor dem Hintergrund der in Bayern vorherrschenden Strukturen. Besonders vielversprechende Ansätze werden auf den Lehr-, Versuchs- und Fachzentren der LfL sowie auf Pilotbetrieben erprobt und bewertet. Dies gilt auch für Technologien, für die das verfügbare Wissen nicht ausreichend bzw. nicht belastbar ist. Zusätzlich wird sich die Projektgruppe mit Akzeptanzhemmnissen auf Seiten der Landwirtschaft sowie mit der gesellschaftlichen Akzeptanz der Digitalisierung in der Landwirtschaft beschäftigen
Projektinformation
Projektleitung: PD Dr. Markus Gandorfer (markus.gandorfer@lfl.bayern.de, 08161 71 3798)
Projektbearbeitung: M. Sc. Johanna Pfeiffer, B. Sc. Sebastian Heuser, B. Sc. Sebastian Schleicher
Laufzeit: 01.06.2017 – 31.05.2020
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Förderkennzeichen: D/17/01