Entwicklung eines Systems für die schonende Ernte von Baldrianwurzeln

Da die Rodetechnik für Baldrian nicht zufriedenstellend gelöst ist, ist die Entwicklung eines Systems für die schonende Ernte bzw. Reinigung von Baldrianwurzeln Ziel dieser Arbeit.

Zielsetzung

Im Rahmen des FNR Demonstrationsprojektes Arzneipflanzen leistet dieses Projekt einen Beitrag zur Verbesserung der Erntetechnik für Baldrianwurzeln. Dabei soll die schonende Ernte der in Pflanzkultur angebauten Wurzeln bei verbesserter Produktqualität sichergestellt und die Ernte von im Direktsaatverfahren angebauten Wurzeln ermöglicht werden. Vorrangiges Ziel sind die Minimierung der Ernteverluste und die schonende Wurzelbergung mit geringem Erdbesatz.

Methode

Zuerst erfolgten eine Technikrecherche und die Beurteilung des herkömmlichen Ernteverfahrens. Darauf aufbauend wurden verschiedene Ansätze der Wurzelreinigung genauer analysiert. Zur quantitativen Analyse wurde ein geeignetes Rodesystem (Kartoffelroder Grimme DLS 1700) beschafft und so umgebaut bzw. erweitert, dass verschiedene Reinigungsmethoden unter Praxisbedingungen direkt verglichen werden konnten. Dazu wurden in einer Versuchsanlage bei 3 Varianten in 5 Wiederholungen zu 3 verschiedenen Erntezeitpunkten Erdbesatz, Verluste und Inhaltsstoffe des Erntegutes direkt ermittelt.

Ergebnisse

Untersucht wurden die Reinigungssysteme Siebband (verbreitete Methode bei der Baldrianernte), Rotieren (bei der Recherche als effizient erkannte Methode, zu der es noch keine speziell ausgeprägte Technik gibt) und Siebstern (in der Rübenernte verwendete aggressive Reinigungsmethode). Dabei zeigen Rotieren und Siebstern effizientere Reinigungswirkungen (Abbildung 1) gegenüber dem herkömmlichen Verfahren, jedoch bei erhöhten Wurzelverlusten.

Diagramm Vergleich der Reinigungsysteme beim Baldrianroder

Abbildung 1: Erdanhang beim System "Rotation" und "Siebstern" in Relation zum "Siebband".
Zwischen den Systemen waren an den einzelnen Ernteterminen mehrfach signifikante Unterschiede hinsichtlich der Wurzelverluste (Abbildung 2) messbar.

Diagramm Durchschnittliche Ertragsverteilung über drei Erntetermine.

Abbildung 2: Durchschnittliche Ertragsverteilung über drei Erntetermine.
Insgesamt liegen die Wurzelverluste der geprüften Systeme aber auf einem sehr niedrigen Niveau. Die Inhaltsstoffgehalte werden durch die Reinigungssysteme nicht negativ beeinflusst. Bei der weiteren Entwicklung der Erntemaschine sind somit alle drei Systeme verwendbar. Eine Kombination in der die vorteilhaften Eigenschaften der einzelnen Systeme genutzt werden, konnte in die Praxis umgesetzt werden. Die Rodemaschine hat sich im Praxiseinsatz (8 ha) bewährt und wird derzeit für die kommende Erntekampagne weiter optimiert.
Volltextalternative zum Video "Baldrianernte - Universalrodemaschine"
Im Bild werden mit einer gezogenen Erntemaschine Baldrianwurzeln bei optimalen Bedingungen gerodet und auf einen nebenherfahrenden Anhänger übergeladen. In Zeitlupe wird die Funktionsweise der Reinigungssysteme gezeigt. Dabei werden die Wurzelstöcke zum Rotieren gebracht, die Erde wird herausgeschleudert und sofort ab gesiebt. Im Anschluss daran wird Baldrian unter widrigsten Bedingungen gerodet, bei Matsch, Schnee und wassergesättigtem Boden. Die Funktionsweise der Reinigung ist uneingeschränkt. Nach 1 Minuten 40 werden mit der Rodemaschine wieder unter trockenen Bedingungen mehrere Reihen (2 Reihen bei der Hinfahrt und 2 Reihen bei der Rückfahrt) gerodet und auf einen Schwad zusammengelegt. Anschließend werden der Schwad und die darunter liegenden Wurzeln, also insgesamt 6 Reihen, gleichzeitig aufgenommen und übergeladen. Nach 2 Minuten 05 wird die Reißtrommel gezeigt, welche in die Aufnahme der Rodemaschine über den Spitzscharen integriert ist und die Wurzeln aus dem teppichartigen Wurzelverbund einzeln herauslöst. Ab 2 Minuten 28 werden mit der Erntemaschine andere Kulturen gerodet. Im Film sind jeweils Ausschnitte des Gutflussverlaufs zu sehen. Als erstes wird Kalmus gerodet. Bei der Ernte blockieren die stark verwachsenen teppichartigen Wurzeln die Reinigungssysteme. Die Blockade wird durch den hydraulisch hochklappbaren Siebstern beseitigt. Bei der Pfefferminzstolonenernte ab 3 Minuten 31 wickeln sich die Pfefferminzstolonen um die Reißtrommel. Die Stolonenernte erfolgt deshalb im Anschluss daran ohne Reißtrommel. Auch die Ernte von Meerrettich ist mit der Universalrodemaschine möglich. Nach der Rodung wird ein Bild mit dem geernteten Meerrettich auf dem Anhänger eingeblendet. Zuletzt ab 4 Minuten 40 werden mit der Maschine im Versuchsbetrieb wieder Baldrianparzellen direkt in big bags gerodet. Das Reinigungssystem „Siebstern“ ist dabei ausgeschaltet bzw. hochgeklappt. Zeitgleich wird eine Zugkraftmessung durchgeführt. Hierbei wird der Traktor, welcher die Rodemaschine antreibt, von einem vorgespannten Traktor gezogen. Am Ende des Films wird der Überladearm der Rodemaschine während der Fahrt über den Acker für den Straßentransport eingeklappt.
Gefördert durch BMELV
Projektinformation
Projektleitung: Dr.-Ing. Georg Fröhlich
Projektbearbeitung: Georg Neumaier, ILT 1c
Laufzeit: 08.2010-07.2013
Finanzierung: FNR
Projektpartner: Agrarprodukte Ludwigshof e.G., IPZ 3d
Projektstatus: abgeschlossen