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Ökologischer Anbau von Äpfeln ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln

Der Pflanzenschutz stellt im ökologischen Apfelanbau nach wie vor ein großes Problem dar. Die Folge der unzureichenden Bekämpfungsmaßnahmen sind Qualitätsminderungen und hohe Ertragseinbußen. Um dieser Problematik entgegenzuwirken und den ökologischen Apfelanbau zu unterstützen, wurde im Rahmen eines Projektes ein neues Apfelanbausystem entwickelt.

Technisches Schutzzentrum vor pilzlichen und tierischen Schaderregern im Apfelanbau

Um dem ökologischen Anspruch in hohem Maße gerecht zu werden, sollen bei diesem neuen Apfelanbausystem keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.
Das Projekt wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gefördert.

- Temperaturmessungen

- Pilzliche Erreger

- Tierische Schaderreger

- Ertrag

- äußere Qualität

- innere Qualität

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Einleitung

Zur Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen dürfen im ökologischen Obstanbau nur Pflanzenschutzmittel angewandt werden, die in der Verordnung (EWG) Nr. 2092/91 des Rates vom 24. Juni 1991 im Anhang II Teil B aufgeführt und vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit als Pflanzenschutzmittel zugelassen sind. Die geringe Anzahl an Pflanzenschutzmitteln natürlichen Ursprungs stellt nicht für jeden ökologisch orientierten Praktiker eine befriedigende Lösung dar. Zudem sind bestimmte für den ökologischen Apfelanbau zugelassene Pflanzenschutzmittel für den Anwender problematisch, wie z.B. Schwefelkalkbrühe, oder belasten die Umwelt in einem nicht unerheblichen Maße, wie z.B. Kupferpräparate. Wegen der oft unzureichenden Mittel zur Bekämpfung der Schaderreger kann es zu hohen Ertrags- und Qualitätseinbußen kommen.

Auf Grund dieser Problematik wurde erstmals der Versuch unternommen, die Apfelbäume durch ein technisches Schutzsystem vor pilzlichen und tierischen Schaderregern zu schützen. Die Schaderreger wurden somit lediglich abgewehrt und nicht mit Hilfe von Pflanzenschutzmitteln bekämpft.

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Material und Methoden

Das Schutzsystem besteht aus einer Folienüberdachung mit seitlicher Einnetzung. Die Folienüberdachung schützt die Bäume vor Niederschlag und verhindert somit das Auskeimen von Pilzsporen, besonderes des Schorfs. Durch das Kulturschutznetz mit einer Maschenweite von 1,35 mm werden tierische Schaderreger von den Apfelbäumen ferngehalten. Das Schutzsystem wurde so konstruiert, dass es auch Schneebelastungen aushält und somit ganzjährig nutzbar ist. Außerdem sollte es Schutz vor Hagelschlag bieten.

Schneebelastung des technischen Schutzsystems

Es wurden die folgenden Apfelsorten aufgepflanzt: 'Elstar Elshoff', 'Red Elstar Michielsen', 'Jonagold Novajo', 'Jonagored', 'Golden Delicious', 'Gala Galaxy', 'Braeburn', 'Rubinette', 'GoldRush', 'Granny Smith', 'Pink Kiss' und 'Fuji KIKU 8'. Zudem wurde der Versuch unternommen, die Sorte 'Gala Galaxy' in Containern anzubauen.

Ökologischer Anbau von Apfelsorten ohne den Einstz von Pflanzenschutzmitteln

Einsatz von Hummeln innerhalb des technischen Schutzsystems

Zum Vergleich wurden die Sorten auch außerhalb des Schutzsystems gepflanzt und integriert sowie ökologisch bewirtschaftet.

Die Äpfel wurden mit organischen Düngern nach der Verordnung (EWG) Nr. 2092/91 des ökologischen Anbaus gedüngt. Zur Bestäubung der Apfelblüten wurden Hummeln eingesetzt.

Schwerpunkt der Untersuchungen war das Auftreten von Schaderregern sowie die Ermittlung der Qualität und des Ertrags der Äpfel unter Folie im Vergleich zum herkömmlichen ökologischen Anbau.

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Ergebnisse

Das Schutzsystem hat sich bei allen Wetterlagen, sowohl im Sommer als auch im Winter, als ausreichend stabil erwiesen. Hagelschlag konnte über den Zeitraum von 5 Jahren ohne erkennbare Schäden an der Folie abgewehrt werden.

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- Temperaturmessungen

zeigten, dass sich innerhalb des Schutzsystems nur geringfügig höhere Temperaturen als außerhalb einstellten. Diese geringen Unterschiede in der Temperatur lassen sich dadurch erklären, dass es sich um ein halboffenes System handelt, bei dem ein Luftaustausch durch das Netz stattfindet.

Temperaturverhältnis innerhalb und außerhalb des technischen Schutzsystems

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- Pilzliche Erreger

Trotz der hohen Niederschlagsmengen im Bodenseegebiet konnte unter dem Schutzsystem kein Schorfbefall und kein Befall durch die Regenfleckenkrankheit oder durch Fruchtfäulen beobachtet werden. Lediglich die Sorte 'Jonagored' zeigte einen geringen Befall durch Mehltau.


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- Tierische Schaderreger

Starker Befall durch die Blutlaus

konnten durch den seitlichen Schutz mit einem Kulturschutznetz nicht in vollem Umfang von den Apfelbäumen ferngehalten werden. Auffällig waren besonders die Blutlaus und die Grüne Apfelblattlaus. Diese Schädlinge wurden vermutlich über das Pflanzmaterial in das System eingeschleppt. Dagegen wurde kein Schaden durch den Apfelwickler an den Früchten festgestellt.


Drahtgeflecht zum Schutz vor Wühlmäusen

Große Schäden und Pflanzenausfälle wurden zu Beginn des Projektes durch die Wühlmaus verursacht. Diese Gefahr konnte durch den Einsatz von Drahtgeflechten behoben werden.


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- Ertrag

Ertragsvergleich zwischen den Anbausystemen

konnte aufgrund der kurzen Laufzeit des Projektes nur bis zum 4. Standjahr ermittelt werden und bietet somit nur eine eingeschränkte Aussagekraft.
In der integriert bewirtschafteten Parzelle wurde bis zum 4. Standjahr ein Gesamtertrag von 23 kg / Baum an vermarktungsfähigen Äpfeln erzielt. Im ökologischen Anbau konnte dagegen trotz des technischen Schutzsystems nur ein Gesamtertrag von 15 kg / Baum geerntet werden. Der Wühlmausbefall, der das Wachstum der Bäume erheblich beeinträchtigte und die starke Verschmutzung der Früchte durch die Blutlaus führten hier zu dem schwächeren Ertrag an vermarktungsfähigen Äpfeln.
Im Vergleich zum herkömmlichen ökologischen Anbau ergab sich jedoch mit Hilfe des technischen Schutzsystems ein deutlich höherer Ertrag.
Die Ursache für den niedrigen Ertrag an vermarktungsfähigen Äpfeln in der herkömmlich ökologisch bewirtschafteten Vergleichsparzelle lag in dem extrem hohen Schorfbefall, der in einem Jahr, trotz zahlreicher Behandlungen mit Schwefelkalkbrühe, zum Totalausfall führte.

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- äußere Qualität

war den Äpfeln aus der integriert bewirtschafteten Parzelle vergleichbar

Vergleich der äußere Qualität der Äpfel zwischen den Anbausystemen

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- innere Qualität

zeigte bei den Äpfeln unter der Folie einen etwas geringeren Zucker- und Säuregehalt als in der herkömmlich ökologisch bzw. integriert bewirtschafteten Vergleichsparzelle. Dieser Unterschied machte sich in manchen Jahren auch im Geschmack bemerkbar.

Vergleich der inneren Qualität der Äpfel zwischen den Anbausystemen

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Zusammenfassung

In diesem Projekt wurde der Versuch unternommen, den Pflanzenschutz im ökologischen Apfelanbau zu verbessern, um somit den Ertrag und die Qualität der Äpfel zu steigern. Da dieses Ziel mit den dem ökologischen Anbau zur Verfügung stehenden Mitteln nur schwer zu erreichen ist, wurde ein neuer Ansatz in der Bekämpfung bzw. Abwehr der Schaderreger gewählt. Der Ansatz bestand im Einsatz eines technischen Schutzsystems, das die Apfelbäume vor Schaderregern und abiotischen Schadfaktoren schützt.

Die Ergebnisse des Projektes zeigen, dass mit Hilfe des technischen Schutzsystems pilzliche Schaderreger und hier insbesondere Schorf, Regenfleckenkrankheit und Fruchtfäulen sehr gut abgewehrt werden können. Dagegen bereiteten tierische Schaderreger und hier insbesondere die Blutlaus und die Grüne Apfelblattlaus erhebliche Probleme. Zudem wirkte sich die ganzzeitige Folienüberdachung negativ auf die innere Qualität der Früchte aus.

Es sind weitere Entwicklungsarbeiten am technischen Schutzsystem und in der Anwendung des Systems notwendig, um dem ökologisch orientierten Obstanbauer eine befriedigende Lösung zu bieten. Die ersten Erkenntnisse aus diesem Projekt bieten hierfür eine Grundlage.



Oktober 2009
Karlheinz Geipel, Dr. Wolfgang Kreckl
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Pflanzenschutz
Tel.: 08161/71-5651 • Fax: 08161/71-5735