Kartoffelkrebs: Biologie, Maßnahmen, Quarantäne

Der Kartoffelkrebs ist eine gefährliche Quarantänekrankheit

Der Erreger des Kartoffelkrebses trägt den wissenschaftlichen Namen Synchytrium endobioticum. Er gehört zu den Quarantäneschaderregern und verursacht die in nebenstehender Abbildung zu sehenden typischen Wucherungen an den Kartoffelknollen. Eine befallene Fläche bleibt jahrzehntelang verseucht und für den Kartoffelanbau gesperrt.

Biologie des Erregers

Wucherung KartoffelkrebsZoombild vorhanden

typische Wucherung

Es handelt sich dabei um einen einzelligen, bodenbürtigen, obligat parasitisch lebenden Pilz, der ausschließlich die Kartoffel befällt. Charakteristischerweise bildet der Organismus kein typisches Myzel. Eine Primärinfektion erfolgt immer über bewegliche Zoosporen, die in sog. Dauersori (dickwandige Überdauerungsform) gebildet werden und zum Schlüpfen sowie zur Verbreitung Wasser bzw. Feuchtigkeit benötigen. Während der Vegetationsperiode bilden sich auch Sommersori, in denen ebenfalls Zoosporen erzeugt werden.

Infektionsgeschehen:
Eine Primärinfektion erfolgt immer über bewegliche Zoosporen, die in sog. Dauersori (dickwandige Überdauerungsform) gebildet werden und zum Schlüpfen sowie zur Verbreitung Wasser bzw. Feuchtigkeit benötigen. Während der Vegetationsperiode bilden sich auch Sommersori, in denen ebenfalls Zoosporen erzeugt werden.

Die Gefährlichkeit des Organismus liegt u.a. darin begründet, dass die Dauersori bis zu 40 Jahre im Boden keimfähig bleiben. Es können darin bis zu 300 Zoosporen gebildet werden, welche die Epidermis der Knolle, der Blätter, des Stängelgrundes, weniger die der Wurzel befallen. Die Zoosporen sind in der Lage bei Bodentemperaturen zwischen 1 °C und 30 °C die Pflanzen zu infizieren.
Es kommt dann zur Bildung von Sommersori, durch welche die benachbarten pflanzlichen Zellen zu einer extrem verstärkten Teilungsaktivität angeregt werden, was zu den typischen Wucherungen führt.
beige Flecken unterm Mikroskop

Dauersori

beiger Fleck unterm Mikroskop

Einzelner Dauersorus

Pathotypen

Es sind verschiedene Pathoypen des Organismus bekannt, wobei in Bayern nur die Rassen 2, 6, 8 und 18 nachgewiesen sind.

Überdauerung, Risiken und Verbreitungswege

  • Lange Lebensdauer der Dauersori (bis zu 40 Jahren) im Boden
  • Große Hitze- und Kältetoleranz der Dauersori
  • Keine Bekämpfungsmöglichkeiten
  • Verbreitung durch verseuchtes Pflanzgut, Landmaschinen, Wasch- und Schälrückstände der kartoffelverarbeitenden Industrie
  • Verschleppung von lebensfähigen Dauersori in Exkrementen bei Verfütterung von befallenen Kartoffeln

Vorsichts- und Gegenmaßnahmen

  • Auf gesundes und zertifiziertes Pflanzgut achten
  • Betriebshygiene; im Verdachtsfall Reinigung der Landmaschinen
  • Bodenbearbeitung, damit evtl. vorhandene Sori eher der Witterung ausgesetzt sind und nicht zu lange im schützenden Boden verbleiben
  • Anbau resistenter Kartoffelsorten (siehe Liste vom Bundessortenamt oder BBA)
  • Konsequente Beachtung der Quarantänemaßnahmen

Quarantänemaßnahmen bei Befall

  • Unbefristete Sperrung der Befallsfläche für den Kartoffelanbau (Sicherheitszone)
  • In der Sicherheitszone dürfen keine Pflanzen, die zum Verpflanzen auf andere Flächen bestimmt sind, angebaut, eingeschlagen oder gelagert werden
  • Einrichtung eines Sicherheitsbereiches um die Sicherheitszone, in dem nur resistente Kartoffeln angebaut werden dürfen
  • Bestimmung des Pathotyps auf der Befallsfläche
  • Vernichtung von befallenen Kartoffeln und Kraut
  • Frühestens 20 Jahre nach Befallsfeststellung Untersuchung der Fläche auf Befallsfreiheit mittels mikroskopischer Bodenanalyse und Biotest nach EPPO-Richtlinien
  • Grundlage: Verordnung zur Bekämpfung des Kartoffelkrebses und der Kartoffelnematoden vom 06. Oktober 2010 (BGBl. S. 1383)
  • Unbefristete Sperrung der Befallsfläche für den Kartoffelanbau (Sicherheitszone)

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