Führung und Verbesserung von Grünlandbeständen
Wiesenpflege

Die Wiesenpflege gehört zu den pflanzenbaulichen Maßnahmen, die zur Verbesserung der Grünlandfläche eingesetzt werden können. Sie umfasst Walzen, Abschleppen, Eggen/Striegeln und die Nachmahd.
Im Folgenden sind die wichtigsten Gesichtspunkte zusammengefasst.
Stand: Januar 2013

Warum wird gewalzt?

Prismenwalze für Grünland
Das Walzen dient der mechanischen oberflächigen Verdichtung, stellt gegebenenfalls Bodenschluss her, sorgt für eine gleichmäßige und ebene Bodenoberfläche und damit für eine intakte Narbe beim Mähen und Werben.

Das Walzen verbessert die Wasser- und Wärmeleitung des Bodens und schränkt zu intensive Mineralisierung der organischen Masse ein. Es wird die Bestockung der Gräser angeregt und die Narbendurchwurzelung gefördert. Zudem kann es auch einen Beitrag zur Unkrautregulierung leisten (z.B. bei Umbeliferen wie z.B. Bärenklau)

Eine zu lockere Bodenstruktur -wie es oft auf Moorböden gegeben ist- bringt eine zu starke Durchlüftung mit sich. Dies wiederum hat eine Abnahme der wertvollen Gräser zur Folge sowie eine Zunahme von groben Obergräsern und wertlosen Kräutern.

Was muss beim Walzen beachtet werden?

Der Boden darf beim Walzen weder zu nass noch zu trocken sein. Bei nassem Boden besteht die Gefahr zu hoher Verdichtung, bei zu trockenem Boden bleibt das Walzen wirkungslos. Die beste Wirkung wird auf leicht feuchtem Boden erzielt. Nicht gewalzt werden darf auf bereits stark wachsenden Beständen oder auf durch Nachtfrost erstarrten Pflanzen.

Der Wirkungsgrad der Wiesenwalze hängt vom Wasser- und Humusgehalt ab.

Die verwendeten Walzen sollten einen Durchmesser von über 1 m, geringe Breite und ein ausreichendes Gewicht von 700 bis 1000 kg pro Meter Arbeitsbreite haben.

Die Fahrgeschwindigkeit soll 4 km/h nicht überschreiten.

Wann wird gewalzt?

  • Im Frühjahr in der Regel zum Herstellen von Bodenschluss.
    Hier ist meist darauf zu achten, dass der Boden nicht zu nass ist.
  • Bei der Saatbeetbereitung.
    Hier ist es wichtig, ein feines ebenes Saatbeet mit gutem Saathorizont zu erreichen.
    Zu intensiver Einsatz bei instabilen Böden kann zu Verschlämmungen führen.
    Ein zu grobes Saatbeet führt hingegen oft zu ungenügendem/unruhigen Aufgang
  • Nach dem 1. Schnitt,
    wenn die Stängel des Bärenklaus gut geknickt werden können und
    andererseits dem Gras hinreichend Zeit zur Regeneration vor dem Schnitt bleibt.
  • Im Rahmen einer Nach- und Übersaat,
    um den Bodenschluss der Saat sicherzustellen.
    Hier sind Profilwalzen wie Güttler-, Cambridge-, oder Prismenwalzen zu verwenden.

Walzen dient also

  • der Rückverfestigung auf zur Selbstauflockerung neigenden Moorböden
  • der Festigung von leichten, lockeren oder aufgefrorenen Böden
  • der Bekämpfung von druckempfindlichen Unkräutern wie Bärenklau (Heracleum sphondylium) oder Wiesenkerbel (Anthriscus silvestris)
  • dem Einwalzen von Steinen
  • dem Anwalzen nach dem Abschleppen und erfolgter Über- oder Durchsaat
  • der Rückverfestigung des Saatbetts bei Neuansaat ( = besserer Bodenschluss und geringere Verschmutzung des Futters bei der ersten Nutzung)

Warum wird abgeschleppt?

Wühlmausschäden im Grünland
Das Abschleppen im Frühjahr ist eine auf vielen Wiesen und Weiden notwendige Maßnahme.

Es sorgt für die Beseitigung von durch Bodentieren verursachten Unebenheiten der Oberfläche (Maulwurfhügel, Wühlmäuse etc.) und die Verteilung von Mistresten.

Dadurch wird die Futterverschmutzung reduziert und der Verunkrautung vorgebeugt.
Die zusätzliche Durchlüftung der Narbe und kleinere Verletzungen der Pflanzen sorgen für eine bessere Bestockung und einen günstigeren Neuaustrieb.

Was ist zu beachten?

Der günstigste Zeitpunkt zum Abschleppen ist das Frühjahr. Aber auch im Sommer, wenn der Maulwurf befall hoch ist, kann abgeschleppt werden.
Ungünstig wirkt sich ein Abschleppen vor Frostnächten oder bei reifbedeckten Beständen aus.
Es ist auf jeden Fall darauf zu achten, dass es zu keinen deutlichen Narbenverletzungen kommt.

Womit wird abgeschleppt?

Schleppe für Grünland
Es gibt viele verschiedene Geräte, die zum Abschleppen genutzt werden: Metallringe, Autoreifen etc.
Bei Maulwurfhügel sollte die narbenschonende Reifenegge zum Einsatz kommen.

Allgemein ist darauf zu achten, dass die Geräte keine scharfen Zinken enthalten, die die Grasnarbe verletzen können.
Die Schleppe kann auch direkt mit einem aufgebauten Nachsaatgerät verwendet werden. Diese Kombigeräte ermöglichen die Wiesenpflege und Nachsaat in einem Arbeitsgang.

Warum wird gestriegelt?

Leichtes Durcheggen bzw. –striegeln im Frühjahr fördert die Bestockung der Gräser. Das Wachstum wird durch die Narbenlüftung angeregt.
Das Striegeln kann zum Herausreißen von abgestorbenem Altgras und Gemeiner Rispe eingesetzt werden, sollte dann aber nur in Verbindung mit einer Nachsaatmaßnahme erfolgen, da dabei häufig Narbenschäden entstehen können.

Was ist zu beachten?

Bei einem professionellen Grünlandstriegel können die Zinken durch ihre federnde Wirkung auch bei Unebenheiten immer an der Bodenoberfläche arbeiten. Hierbei sollten die Abmessungen der Striegelfelder wie auch deren Führung so ausgelegt sein, dass eine gute Anpassung an Bodenunebenheiten erfolgen kann.
Grünlandstriegel
Normalerweise sollte zur Grünlandpflege der untere Teil des Striegelzinkens senkrecht zum Boden stehen, um narbenschonend zu arbeiten und eine effektive Belüftung der Grasnarbe zu erreichen. Mit der Höhenverstellung des Striegels kann der gewünschte Zinkendruck eingestellt werden. Der Druck sollte so gewählt werden, dass die Grasnarbe nur so stark bearbeitet wird, dass sich keine Grasnarben lösen. Ist dies dennoch der Fall ist die Geschwindigkeit zurückzunehmen bzw. die Zinkeneinstellung per Hand auf „schleppend“ gestellt werden, wodurch eine sanftere Bearbeitung erfolgt.
Ist andererseits die Grasnarbe stärker (z.B. mit Gemeiner Rispe) verfilzt (oder auch Moos vorhanden), kann durch die Verstellung des Eingriffswinkels der Zinken oder höhere Geschwindigkeit eine aggressivere Bodenbearbeitung erreicht werden.
In der Regel ist nach solchen - die Narbe stark öffnenden - Maßnahmen eine zeitlich möglichst nah folgende Übersaat (incl. Anwalzen des Saatgutes) erforderlich.
Hinweis
Bei stärkerem Auftreten von "Gemeiner Rispe" können zum Entfernen des Filzes stärkere Zinken verwendet werden, wobei das herausgeggte Pflanzenmaterial vom Feld gefahren werden sollte.
Beim Eggen ist zu beachten, dass es in der Regel auch (oft unerwünschte) Lichtkeimer aus der Bodenreserve zur Keimung anregt, so dass hierauf bei der Wahl der Folgemaßnahmen
  • Nachsaat (bei hohem Anteil schwarzen Bodens, um rasche Bodendeckung zu erreichen)
  • früher Folgeschnitt (bei hohem Anteil an aufgelaufenen Unkraut -> Effekt eines Schröpfschnittes)
gegebenfalls geachtet wird.

Warum wird nachgemäht und was ist zu beachten?

Mähwerk
Das Nachmähen nach einer Weidenutzung dient in den Systemen klassische Standweide, Umtriebsweide und Portionsweide der Beseitigung von Unkräutern, überständigem Futter und Geilstellen. Durch den rechtzeitigen Schnitt nach dem Beweiden wird das Aussamen der Unkäuter vermieden. Untergräser werden gefördert, da sie entstehende Lücken schließen können.

Ziel ist es größeren Umschichtungen im Bestand entgegenzuwirken.
Empfohlen wird die Nachmahd, besonderes nach der ersten Weidenutzung.

Unkräuter wie Ampfer und schnellwüchsige Gräser (Knaulgras) werden so am Absamen gehindert, die Qualität des 2. Aufwuchses wird verbessert.
Einmalige Nachmahd im Jahr ist in der Regel ausreichend, nur stark verunkrautete Bestände erfordern eine höhere Intensität dieser Maßnahme.

Hinweis

  • Bei hohen Anteilen an Samenunkräutern sollten die Weidereste kompostiert werden.
  • Das Nachmähen darf nicht zu tief erfolgen, die Länge der Stoppeln sollte etwa 5 -7 cm erreichen.

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