Trockenheit bei Silomais – wann ernten und was beachten?

Trockenschaden bei Mais
Durch die lang anhaltende Trockenheit in einigen Regionen Bayerns und die insgesamt starke Sonneneinstrahlung und Hitze kommen bereits jetzt Fragen, ob und wann eine Ernte beim Silomais erfolgen sollte und welche Punkte dabei beachtet werden müssen. Ferner stellt sich zum Teil die Frage, ob Körnermais auch als Silomais genutzt werden sollte.
Die Bestände sind über Bayern hinweg extrem unterschiedlich entwickelt. Teilweise sind die Bestände hervorragend. Hier muss ganz normal die Siloreife abgewartet werden, die dann eingetreten ist, wenn der Kolben mindestens 55 Prozent TM (Trockenmasse) (die Restpflanze 23 bis 25 Prozent) erreicht hat. Ab 58 Prozent TM im Korn ist keine weitere Stärkeeinlagerung zu erwarten. Hat die Restpflanze mehr als 25 Prozent TM ist die Verdichtung oft problematisch. Dieser Zeitpunkt kann bei weiter anhaltender intensiver Sonneneinstrahlung, Hitze und Trockenheit heuer auch schon im August eintreten.
Bei manchen Beständen beginnt die Kolbenfüllung jetzt erst. Solange die Maispflanze noch ausreichend grüne Blätter aufweist, kann sie noch assimilieren, d.h. Zucker bilden und als Stärke im Kolben einlagern. "Ausreichend" heißt, solange mindestens die halbe Pflanze noch grün ist.

Hinweise und Empfehlungen für trockenheitsgeschädigten Silomais:

Erntezeitpunkt

  • Sollte aufgrund ausbleibender Niederschläge kein Zuwachs bzw. keine weitere Kornbildung mehr erfolgen, so sollte der Bestand ab einem TM-Gehalt von 30 Prozent in der Gesamtpflanze gehäckselt werden.
  • Der TM-Gehalt kann entweder über eine Nagelprobe am Kolben, mittels eines Trockenschranks oder per Mikrowelle erfolgen. Für die Mikrowelle wiegt man 100 g Frischmasse ab, zerkleinert diese mit einem Mixer und lässt diese Probe für 15 Minuten in der Mikrowelle bei Auftaustufe trocknen. Diesen Vorgang wiederholt man so oft, bis nach einem weiteren Trocknungsvorgang keine Gewichtsreduzierung mehr erfolgt. Das Endgewicht entspricht dann dem TM-Gehalt.
  • Für die Häcksellänge gilt: je trockener desto kürzer, um eine ausreichende Verdichtung im Silo sicher zu stellen, bei TM-Gehalten über 37 Prozent zirka 5 mm. Bei alternativen Verfahren von über 20 mm theoretischer Häcksellänge z. B. Shredlage ist eine optimale Einstellung der Körneraufbereitungsaggregate unverzichtbar z.B. Spaltenweiten von einem mm. Die Verdichtungsarbeit auf dem Silo muss erhöht werden. Die Silobefüllung sollte wegen der Verdichtung in gleichmäßigen Schichten (nicht über 30 cm) über die gesamte Silofläche erfolgen.

Silierung

  • Bei trockenen Silagen oder Silagen ohne Kolben oder schlechter Verdichtung oder wenig Vorschub (unter 2,50 m im Sommer und 1,50 m im Winter) sollten geprüfte Siliermittel der Wirkungsrichtung 2 zur Verbesserung der aeroben Stabilität d. h. zur Vermeidung der Nacherwärmung am Anschnitt nach Empfehlung eingesetzt werden. Dies sind chemische Silierhilfsmittel z. B. auf Basis von Propionsäure oder Kaliumsorbat oder biologische Siliermittel mit heterofermentativen Milchsäurebakterien. Bei einer kontinuierlichen Befüllung und Verdichtung des Silos kann auch nur die obere Hälfte behandelt werden, da hier das Risiko zur Nacherwärmung erheblich höher ist.
  • Grundsätzlich sollten die Silos sechs bis acht Wochen geschlossen bleiben, damit der Siliervorgang (Milch- bzw. Essigsäurebildung) abgeschlossen ist. Dies gilt insbesondere bei einem Einsatz von heterofermentativen Milchsäurebakterien und bei Silagen ohne Kolben. Um eine ausreichende Silierung zu gewährleisten sollte bei Bedarf ein Behelfssilo in Form eines kleinen Haufens angelegt werden, das früher geöffnet werden kann.
  • Bei kolbenlosem Silomais ist ein höherer Zuckergehalt zu erwarten, da hier noch keine Umwandlung von Zucker in Stärke stattgefunden hat. Um eine Nacherwärmung sowie damit verbundene Qualitäts- und Futterverluste zu vermeiden, ist der Einsatz von Siliermitteln und das Geschlossenhalten des Silos für mindestens acht Wochen dringend erforderlich. Zudem ist der Zuckergehalt in der Fütterung zu berücksichtigen (Futteruntersuchung).

Nutzung der Bestände

  • Viehhalter mit Körnermaisbeständen sollten sich überlegen, ob sie Körnermaisbestände, die keine weitere Entwicklung mehr erwarten lassen, besser als Silomais für die Fütterung nutzen könnten.
  • Generell sollte Tierfütterung vor Energiegewinnung gehen! An erster Stelle steht die Deckung des Grobfutterbedarfs in der Region. Die Einrichtung von Futterbörsen sollte daher unterstützt werden, um Körner- und Biogasmais für die Fütterung nutzen zu können.
  • Die Ernteplanung sollte sich nicht an dem Kalender sondern an der Situation auf dem einzelnen Feld orientieren. In jedem Fall muss der eigene Bestand in Ruhe betrachtet werden.