Forschungs- und Innovationsprojekt
Anpassung der Beweidung auf Almen und Alpen aufgrund des fortschreitenden Klimawandels

Weideflächen um die Haaralm

Auf vielen Almen und Alpen wird eine kontinuierliche Degradierung der Weideflächen beobachtet.

Teilflächen werden nicht mehr ausreichend abgeweidet und als Folge tritt eine zunehmende Verunkrautung der Fläche ein.

Zielsetzung

Aufbauend auf den Erkenntnissen aus dem Projekt „Weidesanierung durch gezielte Beweidung auf der Haaralm, Ruhpolding“ (2012-2014) sollen die positiven Auswirkungen eines rechtzeitigen Auftriebs, einer Anpassung der Tierzahlen sowie einer gelenkten Weideführung eine Umsetzung auf weiteren Almen erfahren.

Methode

Auf der Haaralm im Landkreis Ruhpolding wurden in den Jahren 2012 -2014 Untersuchungen zur Anpassung der Beweidung an geänderte klimatische Voraussetzungen durchgeführt. Der Auftrieb des Weideviehs erfolgte zu Vegetationsbeginn, etwa 3 Wochen früher als bisher üblich. Der Tierbesatz wurde entsprechend dem Weideaufwuchs angepasst. Die gewonnenen Ergebnisse wurden seit 2013 auf die Rossfeldalm in Berchtesgaden und die Hemmersuppenalm in Reit im Winkl übertragen. Die Weiden der Rossfeldalm (25 ha) erstrecken sich von 1.350 – 1.550 m NN. Die Flächen sind überwiegend nach Nord – Osten ausgerichtet und dienen im Winter weitgehend als Skipiste. Die Hemmersuppenalm besitzt etwa 80 ha Lichtweide und weist als Plateaualm nur einen Höhenunterschied von 100 m (1.200 – 1.300 m NN) auf. Dies bewirkt nur geringe höhenbedingte Wachstumsabstufungen und stellt eine besondere Herausforderung hinsichtlich gezielter Beweidung dar.

Ergebnisse

Aufgrund des rechtzeitigen Weidebeginns und der Erhöhung der aufgetriebenen Tierzahlen wurde der Aufwuchs im jungen Zustand von den Tieren gefressen. Dadurch konnte auf allen Almen eine deutliche Unkrautreduktion beobachtet werden. Eine gelenkte Weideführung mittels Elektrozaun führte zu einer gleichmäßigen Beweidung der gesamten Almflächen und es konnten bis zu drei Umtriebe realisiert werden. Die Auftriebstermine wurden entsprechend der Vegetation deutlich nach vorne verlegt. Da die Abtriebstermine weitgehend gleichblieben, verlängerte sich die Gesamtweideperiode und konnten so der Vegetationsdauer angepasst werden
Mittlere Auf- und Abtriebszeiten sowie Gesamtweidetage vor und während der Projektlaufzeit
Alm Jahresmittel vor Projekt 3-Jahresmittel während
Projektlaufzeit
Veränderung
Auftriebsdatum - Abtriebsdatum Weidetage Auftriebsdatum - Abtriebsdatum Weidetage Tage
Haaralm 17.6. - 22.9. 2 98 25.5. - 21.9. 119 + 21
Hemmersuppenalm 10.6. - 19.9. 1 101 22.5. - 15.9. 116 + 15
Rossfeldalm 13.6. - 17.9. 2 97 31.5. - 16.9. 109 + 12
1 5-Jahresmittel
2 10-Jahresmittel
Die Erhöhung der durchschnittlichen Jahrestemperatur führt neben einer Verlängerung der Vegetationsphase auch zu einem intensiveren Biomassezuwachses auf den Hochweiden. Die erforderliche Anpassung (Erhöhung) der aufgetriebenen Tierzahlen betrug 17 % auf der Hemmersuppen- und 40 % auf der Haar- bzw. Rossfeldalm.
Von entscheidender Aussage bezüglich des umgesetzten Weidemanagements sind jedoch die Weidetage bzw. die genutzte Futtermenge je Hektar Weidefläche. Zur Kalkulation wurden für die aufgetriebenen Rinder Altersklassen gebildet und diesen eine spezifische Futteraufnahme in kg/Tag unterstellt. Diese Futtermengen werden mit den Weidetagen des jeweiligen Tieres multipliziert. Die Summe entspricht den kalkulierten Futterverzehr während eines Almsommers. Die erzielten Ergebnisse zeigen das enorme Potential (bis zu 70 %) an nutzbaren Futterreserven.
Kalkulierter Futterverzehr in dt TM/ha bzw. dt TM/Alm vor und während der Projektlaufzeit
Alm Jahresmittel vor Projekt 3-Jahresmittel während
Projektlaufzeit
Veränderung
kalk. Futterverzehr in dt/ha kalk. Futterverzehr in dt/Alm kalk. Futterverzehr in dt/ha kalk. Futterverzehr in dt/Alm %
Haaralm 162 8502 27 1420 + 67
Hemmersuppenalm 191 14801 23 1830 + 24
Rossfeldalm 172 4302 28 660 + 60
1 5-Jahresmittel
2 10-Jahresmittel

Fazit

Die Umsetzung einer gezielten Beweidung sowie eine Anpassung des Auftriebszeitpunktes sowie der Tierzahlen führten zu einer deutlichen Verbesserung der Weidenutzung. Die gleichmäßige Beweidung der Alm-/Alpflächen verhindert eine drohende Verunkrautung und sichert den Erhalt der Almen und Alpen als Kulturlandschaft.
Projektinformation
Projektleitung: Prof. Dr. H. Spiekers
Projektbearbeitung: S. Steinberger
Laufzeit: Januar 2012 – Dezember 2018