Nachhaltigkeit
Der Ökologische Gesamtzuchtwert August 2016

Kühe liegend auf der Weide
Der Ökologische Gesamtzuchtwert (ÖZW) ist ein Gesamtzuchtwert, der den Zielsetzungen und Rahmenbedingungen des ökologischen Landbaus in besonderer Weise Rechnung trägt.

Im ÖZW sind alle Abstammungs- und Leistungsdaten der Besamungsbullen aus den Bereichen Konstitution (Nutzungsdauer, Kalbung und Vitalität, Form und Euter) und Leistung (Ökologischer Milchwert, Persistenz und Leistungssteigerung, Fleischwert) mit unterschiedlicher Gewichtung in einem Wert zusammengefasst.

Neuerungen beim Ökologischen Gesamtzuchtwert

Im Rahmen der Arbeiten für das neue konventionelle Zuchtziel bei Braunvieh und Fleckvieh wurde die Berechnung des Gesamtzuchtwerts (GZW) neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst. Diese Neuerungen werden jetzt ebenfalls bei der Berechnung des ÖZW für Braunvieh und Fleckvieh umgesetzt. Beim Gelbvieh ergeben sich keine Veränderungen.

Ökologische Zuchtwerte auch für Genomische Jungvererber

Rind grast auf Weide

Das Zuchtverfahren "Genomische Selektion" hat in einer rasanten Geschwindigkeit Einzug in die Rinderzucht gehalten. Es wird fast die Hälfte aller Besamungen mit sog. Genomischen Jungvererbern, d.h. von Bullen ohne Töchterleistungen, durchgeführt, wobei es allerdings deutliche Unterschiede zwischen den Besamungsstationen gibt. Dies führt jetzt auch zu einigen wichtigen Neuerungen in den Publikationsreihen LfL-Informationen „Der Ökologische Gesamtzuchtwert“ für Fleckvieh und Braunvieh.   Mehr

Ergebnisse der Zuchtwertschätzung vom August 2016

Fleckvieh

Ökologische Bullenliste

Die Bullenlisten enthalten je nach Sicherheit die drei folgenden Bullengruppen:

  • Nachkommengeprüfte Bullen mit hoher Sicherheit (klassische ÖZW-Bullen): Diese Bullen haben bereits viele Nachkommen und damit sehr sichere Zuchtwerte. Diese Bullen werden besonders für den Zuchteinsatz empfohlen.
  • Nachkommengeprüfte Bullen mit mittlerer Sicherheit: Diese Bullen haben eine eingeschränkte Anzahl an Töchtern und Laktationen, die Zuchtwerte haben daher eine mittlere Sicherheit.
  • Genomische Jungvererber mit geringer Sicherheit: Bei diesen Bullen sind die Zuchtwerte praktisch ohne Töchterleistungen und unter Berücksichtigung genomischer Informationen vorgeschätzt. Bei Besamungen mit genomischen Jungvererbern sollen diese auf mehrere verschiedene Bullen verteilt werden.

Braunvieh

Gelbvieh

BaZI-Rind
Der Ökologische Gesamtzuchtwert ist auch im BaZI-Rind, den "Bayerischen Zuchtwert-Informationen" abrufbar. Für alle Bullen, für die ein Ökologischer Gesamtzuchtwert gerechnet wird, kann dieser in der Anwendung "Ökologischer Zuchtwert" aufgerufen werden.

Hintergrundinformation

Der Ökologische Gesamtzuchtwert für die süddeutschen Rinderrassen Braunvieh, Fleckvieh und Gelbvieh wird vom Institut für Tierzucht der LfL in enger fachlicher Zusammenarbeit mit den Fachgruppen ökologischer Landbau, Arbeitsgruppe ökologische Rinderzucht und den Verbänden Biokreis, Bioland, Demeter und Naturland erstellt und veröffentlicht.
Wie bisher werden in der LfL-Information "Der Ökologische Gesamtzuchtwert" für die jeweilige Rasse die besten Bullen nach ÖZW ausführlich beschrieben. Zur weiteren Orientierung wird eine Bullenliste mit den Einzelzuchtwerten aller aktuellen Besamungsbullen, die die Kriterien des Ökologischen Gesamtzuchtwerts erfüllen, veröffentlicht. Für die in dieser Liste enthaltenen Bullen kann per Mausklick ein Bullenblatt mit allen Informationen erstellt werden.
Seit der Zuchtwertschätzung Dezember 2011 gelten sowohl bei Fleckvieh als auch bei Braunvieh genomisch optimierte Zuchtwerte als offizielle Zuchtwerte. Die genomisch optimierten Zuchtwerte werden deshalb als Grundlage für die Berechnung des ÖZW verwendet.
Nach Beschluss des beratenden Ausschusses Zuchtwertschätzung und der ICAR-Anerkennung des genomischen Zuchtwertschätzverfahrens für Deutschland und Österreich werden ab der Zuchtwertschätzung Dezember 2011 bei Fleckvieh und Braunvieh als offizielle Zuchtwerte genomisch optimierte Zuchtwerte veröffentlicht. Dies gilt für jedes Tier, für das ein gültiger Genotyp zum Zeitpunkt der genomischen Zuchtwertschätzung vorgelegen hat. Bei allen in der Bullenliste mit "g" gekennzeichneten Bullen, liegen der Berechnung des ÖZW und der Zuchtwerteile Konstitution und Leistung genomisch optimierte Zuchtwerte zugrunde. Mit Ausnahme des Zuchtwerts Leistungssteigerung und des kombinierten Zuchtwerts „Persistenz und Leistungssteigerung“ sind auch alle Einzelzuchtwerte genomisch optimierte Zuchtwerte.

Was sind genomisch optimierte Zuchtwerte?

Die genomische Selektion beim Rind ermöglicht die Auswahl der genetisch besten Tiere durch die Untersuchung ihres Erbguts aus einer Blut- oder Gewebeprobe. Dabei wird der Zuchtwert eines Tieres direkt aus seinen Erbanlagen – dem genetischen Code – abgeleitet. Hierzu werden die gewonnenen DNA-Informationen mit den Ergebnissen der konventionellen Zuchtwertschätzung kombiniert, wozu eine große Referenzgruppe (Lernstichprobe) von Bullen mit sicheren Zuchtwerten benötigt wird. Aufgrund der analysierten Zusammenhänge zwischen den Ergebnissen der DNA-Typisierung und den Zuchtwerten wird dann eine "Formel" entwickelt, mit der "direkte genomische Zuchtwerte" von Tieren ohne jegliche Eigen- oder Nachkommenleistung geschätzt werden können. Um alle vorliegenden Informationen zu nutzen wird, anschließend dieser "direkte genomische Zuchtwert" mit Abstammungs- und Leistungsergebnissen kombiniert.
Der hieraus resultierende genomisch optimierte Zuchtwert ist der offizielle Zuchtwert beim Fleckvieh und wird veröffentlicht. Durch die Kombination von DNA-Informationen, Abstammungsinformationen und Leistungsinformationen ist er genauer als der bisherige rein auf Abstammung und Leistung basierende konventionelle Zuchtwert.
Bei der genomischen Selektion werden also Informationen aus dem Erbgut genutzt, um die Vererbungsleistung eines Tieres genauer zu schätzen. Es handelt sich also um eine Erweiterung der bisherigen Zuchtverfahren, bei denen die Vererbung nur aus Abstammungs- und Leistungsinformationen abgeleitet wurde.
Bei diesem Verfahren kommt es zu keinen Eingriffen in das Erbgut und zu keiner Manipulation des Erbguts.

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Arbeitsschwerpunkt LfL

Ökologischer Landbau

Die Forschung und Entwicklung zum ökologischen Landbau wird an der LfL seit ihrer Gründung im Jahr 2003 als Querschnittsaufgabe (Arbeitsschwerpunkt) organisiert. An den 9 Instituten der LfL wurden im Zeitraum 2008-2013 rund 50 Forschungsprojekte zum ökologischen Landbau in enger Zusammenarbeit mit ausgewählten Praxisbetrieben und der Ökolandbau-Beratung in Bayern bearbeitet. Mehr