Forschungsprojekte
Auswirkungen verschiedener Methoden des Schwanzkupierens bei Lämmern

Lamm mit Bauchgurt steht im Stroh

Lamm mit Bauchgurt

Das Kupieren des Schwanzes bei Lämmern gerät zunehmend in die Kritik. Daher ist eine wissenschaftliche Abwägung zwischen einerseits der Belastung durch das Kupieren und andererseits der Vermeidung von Problemen durch den Verzicht auf diesen Eingriff dringend geboten.

Die Tradition des Schwanzkupierens reicht, historischen Schriftstücken zu Folge, bis ins 14. Jahrhundert zurück. Die Gründe für das Kürzen des Schwanzes haben sich jedoch bis heute kaum verändert:
  • Vermeidung von Fliegenmadenbefall durch starke Verschmutzung des Analbereichs mit Kot bei langen Schwänzen
  • erleichterter Deckakt
  • besseres Erkennen der bevorstehenden Geburt
  • schnelleres Auffinden des Euters für die Lämmer nach der Geburt
Gerade bei Böcken dürfte auch die Ausstellungskondition ein nicht zu unterschätzender Grund für das Kupieren sein, da die Ausprägung der Keulen bei gekürztem Schwanz wesentlich stärker erscheint.
Derzeit ist es Schafhaltern in Deutschland gemäß Tierschutzgesetz erlaubt, den Lämmern bis zu einem Alter von 8 Tagen den Schwanz durch Applikation eines Gummiringes zu kupieren. Zu einem späteren Zeitpunkt (> 8Tage) muss dieser Eingriff von einem Veterinär vorgenommen werden. Während die Technik des Kupierens gesetzlich vorgeschrieben ist, existiert zum Ausmaß des Kupierens lediglich eine Haltungsempfehlung. Dementsprechend stark variiert die Kupierlänge in der Praxis. Traditionell wird die Mehrzahl der weiblichen Lämmer kupiert sowie Bocklämmer, die sich für die Zucht eignen könnten.

Ziele

Es soll überprüft werden, ob und in wie weit das Schwanzkupieren für die Lämmer eine akute, schmerzhafte Belastung darstellt und welche langfristigen Folgen es möglicherweise nach sich zieht. Des Weiteren wird untersucht, ob das Management unkupierter Tiere unter unseren Haltungsbedingungen praktikabel ist und der Verzicht auf das Schwanzkupieren zu einem höheren Tierwohl führt. Hierzu fehlen jedoch unter unseren Standort- und Haltungsbedingungen, sowie akuten Witterungsbedingungen systematische Daten.

Methode

Die derzeit zulässige Methode des Kupierens mittels Gummiring wurde in unterschiedlichen Varianten untersucht. Alternierend in der Reihenfolge der Geburt wurden die männlichen Lämmer folgenden Behandlungsgruppen zugewiesen:

Standard

  • Kupieren auf eine Standardlänge von 7 cm ohne weitere Hilfsmittel
    (die Kupierlänge von 7 cm ist so gewählt, dass bei weiblichen Tieren die Vulva vollständig bedeckt wird)

Eisspray

  • Kupieren auf Standardlänge mit Applikation von Kältespray auf Kupierstelle

Metacam

  • Kupieren auf Standardlänge mit Gabe des Schmerzmittels Metacam

Langvariante

  • Kupieren auf etwa doppelte Standardlänge (15 cm)

Kontrolle

  • unkupierte Tiere
Zur Beurteilung der akuten Belastung der Lämmer durch das Setzen des Gummirings dienten die Parameter Cortisol im Urin und das Verhalten nach dem Kupieren. Die zur Messung des Hormons Cortisol nötigen Urinproben wurden mit einer Art Bauchgurt gesammelt. Um die mittelfristigen Auswirkungen des Kupierens abschätzen zu können, wurden Leistungsparameter der Lämmer erhoben und der Kupierverlauf dokumentiert. Hierbei interessierte die Dauer bis zum Abfallen des Kupierrestes, der Zustand des verbleibenden Schwanzstückes und die Größe sowie der Zustand der Wunde. Für die Einschätzung langfristiger Konsequenzen der Kupierlänge bzw. eines vollständigen Kupierverzichtes werden in mehreren Betrieben in Bayern systematisch Daten erhoben hinsichtlich Schwanzlänge bzw. Kupierstatus und Zustand des Schwanzes.
Lamm von hinten mit kupiertem Schwanz

Kupierter Schwanz ohne Verschmutzung

Bild in Originalgröße

Lamm von hinten mit unkupiertem langen Schwanz ohne Verschmutzung

Unkupierter langer Schwanz ohne Verschmutzung

Bild in Originalgröße

Lamm von hinten mit Kot verschmutzte Schwanzunterseite

Stark mit Kot verschmutzte Schwanzunterseite

Bild in Originalgröße

Projektinformation
Projektleitung: Dr. Christian Mendel
Projektbearbeitung: Elena Kuhnle, Dr. Chr. Mendel, Prof. Dr. Klaus Reiter, apl. Prof. Dr. U. Weiler
Laufzeit: 15.03.2017 bis 31.12.2019
Projektpartner: LfL-Institut für Landtechnik und Tierhaltung, Institut für Verhaltensphysiologie von Nutztieren, Universität Hohenheim, Schafgesundheitsdienst des Tiergesundheitsdienstes Bayern e.V. (TGD).
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, München
Fördernummer: A/17/07