Praxisinformationen
Jahresbericht 2017 über Leistungsprüfungen und Zuchtwertschätzung beim Schwein

Ferkelgruppe

In der stationären Leistungsprüfung beim Schwein werden unter standardisierten Bedingungen Leistungsdaten von Nachkommen aus der Herdbuchzucht und der künstlichen Besamung ermittelt, die im Rahmen der Zuchtwertschätzung die Grundlage für die spätere Selektionsentscheidung bilden.

In Bayern wird die Leistungsprüfung an den Stationen Grub und Schwarzenau durchgeführt. Im vergangenen Jahr wurden 6.335 Tiere geprüft, bei welchen neben den klassischen Prüfmerkmalen auch das Safthaltevermögen im Kottelet, der Intramuskuläre Fettgehalt, der Ebergeruch und auch Hilfsschleimbeutel an den Extremitäten routinemäßig erfasst werden. Mit einem Anteil von 60,5 Prozent dominiert dabei weiterhin die Herdbuch-Prüfung. Zusätzlich zur klassischen Stationsprüfung wird das Datenpotential in Praxisbetrieben mit bayerischen Hybridsauen konsequent weiter erschlossen. Auf Basis dieses europaweit einzigartigen Datenpools in den organisierten Ferkelerzeugerbetrieben ist es so gelungen, den Zuchtfortschritt in der Fruchtbarkeit und Aufzuchtleistung bei den Mutterrassen deutlich zu steigern. Beides, die hervorragende Leistungsprüfung in den Prüfanstalten und die konsequente Nutzung von Felddaten, sind in Verbindung mit der genomischen Zuchtwertschätzung die Garanten für die hervorragende züchterische Entwicklung der in Bayern gezüchteten Rassen Piétrain, Duroc, Deutsche Landrasse und Deutsches Edelschwein.
Der vorliegende Bericht enthält neben den Stationsergebnissen noch Zusatzauswertungen, vor allem hinsichtlich der Fleischbeschaffenheit, die Ergebnisse der Feldprüfungen sowie die aktuellen genetischen Trends anhand der Entwicklung der Zuchtwerte der letzten 10 Jahre. Zudem gibt er einen Überblick über aktuelle Forschungsaktivitäten im Bereich der Schweinezucht.

Das Prüfungsjahr 2017

Mit 6.335 Prüfabschlüssen bildete die Mast- und Schlachtleistungsprüfung an den beiden Standorten Schwarzenau und Grub wieder das zentrale Rückgrat des bayerischen Zuchtprogrammes. Sowohl der Umfang der erhobenen Leistungsprüfdaten als auch die Datenqualität ist unter den am Markt befindlichen Zuchtprogrammen einmalig.
Gemeinsam mit der genomischen Zuchtwertschätzung wird so eine hohe Sicherheit bei den geschätzten Zuchtwerten erreicht. Durch den Rückgang des Prüfaufkommens um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr werden Kapazitäten für Forschungsaktivitäten im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung des Zuchtverfahrens freigesetzt.
Die aktuellen Forschungsthemen mit überwiegend gesellschaftlicher Relevanz befassen sich mit Ebermast, Gesundheits- und Verhaltensmerkmalen. Das erarbeitete Datenmaterial bildet die Basis dafür, dass diese funktionalen Merkmale künftig noch umfangreicher in das Zuchtziel mit aufgenommen werden können. Darüber hinaus wurde im Rahmen des Projektes „Integrierte Genomische Forschung und Anwendung in der bayerischen Schweinezucht“ (InGeniS) u. a. eine genomische Kalibrierungsstichprobe und Sequenzierung für die bayerische Schweinepopulation erarbeitet.
Die konsequente Einbeziehung der organisierten Ferkelerzeugerbetriebe in das Zuchtprogramm führte dazu, dass der genetische Trend bei der Fruchtbarkeit der Mutterrassen seit Jahren kontinuierlich um rund 0,2 aufgezogene Ferkel je Wurf jährlich gesteigert werden konnte. Gleichzeitig genießt die Wurfqualität in Form ausgeglichener Geburtsgewichte höchste Priorität im aktuellen Zuchtprogramm.
Die Mast- und Schlachtleistungsergebnisse konnten bei allen Prüfarten auf dem hohen Niveau der Vorjahre gehalten bzw. leicht verbessert werden. Die Tageszunahmen im Prüfabschnitt erreichten 831 g bei der Rasse Piétrain, 1.014 g bei den Mutterrassen (Kastraten) und 897 g bei den weiblichen Endproduktetieren. Der Magerfleischanteil (LPA-Formel) im Schlachtkörper lag mit 68,0 Prozent bei Piétrain und 63,1 Prozent bei PIxDL-Kreuzungen (weiblich) ebenfalls auf einem ausgesprochen hohen Niveau.

Projekte im Rahmen der Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung

Ermittlung der Ebergeruchssubstanzen Androstenon und Skatol

Seit dem Jahr 2015 werden für die züchterische Bearbeitung des Ebergeruchs auch männliche, nicht kastrierte Tiere der Prüfart 4 (Mutterrassen) der Prüfung unterzogen und auf den Gehalt der Ebergeruchssubstanzen Androstenon und Skatol im Nackenfett untersucht.
Für die Rasse Piétrain besteht schon seit dem Jahr 2013 eine genomische Zucht-wertschätzung gegen Ebergeruch, welche im Rahmen des Projekts „Geruchsoptimierung durch genomische Selektion (GOGS)“ entwickelt wurde. Um die Reduzierung des Ebergeruchs züchterisch weiter zu entwickeln, werden seit Januar 2016 auch die Piétrain-Besamungseber (Prüfart 2) zu 50 Prozent mit Eberferkeln geprüft. Von etwa 100 Piétrain-Besamungsebern werden jährlich je 6 Nachkommen auf Androstenon und Skatol im Nackenspeck beim TGD Bayern untersucht. Die Auswahl dieser PI-Eber erfolgt auf Basis des genomisch optimierten Zuchtwertes (GZW bzw. Ebergeruchsindex).
383 Eber wurden demzufolge in diesem Jahr bei den Mutterrassen und 1.243 Eber bei den Vaterrassen der Prüfung unterzogen. Tabelle 1 zeigt, dass die Endprodukte-Eber (Prüfart 2) mit im Mittel 409 ng/ g Fett deutlich geringere Androstenongehalte aufweisen als die Eber der Mutterrassen (Prüfart 4; 771 ng/ g Fett). Dies verdeutlicht, dass nicht nur der Endstufeneber sondern auch die Mutterrassen züchterisch bear-beitet werden müssen. Mit Erblichkeiten für Androstenon von 0,5 bis 0,6 und Skatol von etwa 0,4 sind hier gute Voraussetzungen gegeben. Die Ebergeruchsanalytik wird finanziert durch die Bayern-Genetik GmbH, dem Besamungsverein Neustadt an der Aisch und die EGZH.
Tabelle 1: Mittlere Gehalte an Ebergeruchssubstanzen im Nackenfett bei den Ebern der Prüfarten 2 und 4
Merkmal Ø bei der Prüfart 2
(Pi x Mutterrassen)
Ø bei der Prüfart 4
(Mutterrassen-Kreuzungen)
Androstenon
(ng/ g Fett)
409 771
Skatol
(ng/ g Fett)
80 111
Indol
(ng/ g Fett)
25 32

Untersuchungen zum Auftreten von Hilfsschleimbeuteln

Seit April 2015 wurden an den Schlachthöfen der beiden bayerischen Leistungsprüfungsanstalten Grub und Schwarzenau knapp 17.500 Prüftiere auf das Vorhandensein von Hilfsschleimbeuteln überprüft (Stand Herbst 2017). Nach dem Entbluten stuften die Techniker der Schlachthöfe jedes Bein auf einer von OBERLÄNDER (2015) entwickelten Skala von 0 bis 3 ein. Dabei bedeutet 0=kein Befund, 1=geringgradig ausgeprägter Hilfsschleimbeutel, 2=mittelgradig ausgeprägter Hilfsschleimbeutel und 3=stark ausgeprägter, entzündeter Hilfsschleimbeutel mit eröffneter Haut. Lagen an einer Gliedmaße mehrere Befunde vor, so wurde nur der schwerste Befund für die Analysen verwendet.
Um den Einfluss verschiedener Faktoren auf das Auftreten von Hilfsschleimbeuteln zu untersuchen, wurden die vier Einzelergebnisse je Tier (Vorder- und Hintergliedmaßen sowie links und rechts) zu einem Wert zusammengefasst. Die Summe der Schweregrade eines Tieres geteilt durch vier ergab das Merkmal „Befundmittel“, welches den mittleren Schweregrad über alle Gliedmaßen eines Tieres beschreibt.
Knapp 82 Prozent der untersuchten Tiere wiesen Hilfsschleimbeutel auf. Dabei gab es deutliche Rasseunterschiede (siehe Tabelle 2). Während Tiere der Deutschen Landrasse nur zu etwa 71 Prozent betroffen waren, wiesen knapp 91 Prozent der reinrassigen Piétraintiere Bursen auf. Über die Hälfte aller Befunde entfielen auf eine geringgradige Ausprägung der Bursen (Grad 1). Weniger als 1 Prozent der Befunde waren schwerwiegend (Grad 3).
Tabelle 2: Prävalenz und Befundmittel nach Rasse
Rasse Anzahl
Bursagrad in %
0
Bursagrad in %
1
Bursagrad in %
2
Bursagrad in %
3
Prävalenz (Grad 1-3)
in %
Befundmittel
DE 287 11,5 59,2 28,6 0,7 88,5 0,62
DL 3191 29,2 53,0 17,5 0,3 70,8 0,43
PI 815 9,3 57,2 32,1 1,3 90,7 0,68
DLxDE
1819 20,7 55,8 22,8 0,7 79,3 0,52
DExDL 4543 16,1 54,8 28,7 0,5 83,9 0,58
PIxDL 4034 14,7 56,2 28,5 0,5 85,3 0,59
PI x (DE x DL) 2811 16,2 54,1 28,7 1,1 83,8 0,61
Gesamt 17500 18,3 55,0 26,2 0,6 81,7 0,56
Die Hintergliedmaßen sind dabei im Vergleich zu den Vordergliedmaßen deutlich stärker betroffen. Zudem waren die Befunde der Hintergliedmaßen häufig auch schwerwiegender als die der Vordergliedmaßen.
Eine Varianzkomponenten- und Zuchtwertschätzung erfolgte getrennt für Nachkommen von Piétrainebern und Tiere der Mutterrassen, wobei für erstere ein Vatermodell und für letztere ein Tiermodell verwendet wurde. Für das Merkmal Befundmittel wurden Erblichkeiten von 0,26 bei Piétrain und 0,33 bei den Mutterrassen geschätzt. Bei beiden Rassegruppen lag die Erblichkeit des Befundmittels der Hintergliedmaßen deutlich über der Erblichkeit des Befundmittels der Vordergliedmaßen.
Ausfälle auf Grund von Hilfsschleimbeuteln wurden an den LPAs nicht verzeichnet. Die Korrelationen mit den konventionellen Leistungsmerkmalen sind als gering einzustufen. Die züchterische Ausrichtung ist daher vermutlich nicht verantwortlich für die hohen Prävalenzen. Auf Grund der guten Beziehung zu den Merkmalen des Jungsauenselektionstests werden die Zuchtwerte gegen das Auftreten von Bursen bei den Mutterrassen verwendet.
Der Erfolg züchterischer Maßnahmen gegen das Auftreten von Bursen hängt vor-nehmlich von der ökonomischen Gewichtung des Merkmals im Zuchtziel ab.

Projekt „Technopathien der Gliedmaßen bei Mastschweinen: Ursachen - Entstehung - Tierschutzrelevanz“

Weiter ist das Institut für Tierzucht am Projekt „Technopathien der Gliedmaßen bei Mastschweinen: Ursachen - Entstehung – Tierschutzrelevanz“ der Ludwig-Maximilians-Universität München beteiligt. In diesem wird die Problematik von Technopathien der Gliedmaßen beim Mastschwein und deren Tierschutzrelevanz (Aus-wirkungen auf Tiergesundheit und Schweineproduktion) beurteilt. Dazu wurden etwa 200 Tiere ab Beginn Quarantänestation (8 kg LG) bis Mastende (LPA Grub) wöchentlich auf das Auftreten von Bursen und Lahmheiten bonitiert. Ausfälle wurden beim TGD Bayern e.V. untersucht.
Eine Publikation über diese Versuchsphase am Baumannshof und in Grub ist gerade in der Umsetzung. Weitere Informationen zu diesem Projekt sind bei der Klinik für Schweine der Ludwig-Maximilians-Universität München erhältlich.

Bonitur von Eberpenissen

Zudem wurden im Jahr 2017 vom TGD Bayern e.V. insgesamt 704 Penisse von Ebern aus der LPA Grub nach der Schlachtung pathologisch-anatomisch auf Verletzungen untersucht. Anhand der Anzahl der Wunden wurden die Penisse in Anlehnung an die Publikation von Weiler et al. (2016) einem Score von 0-IV zugeordnet.

Folgend das Ergebnis der Beurteilung (nach Rostalski, 2018):

  • 248 x Score 0 (keine Verletzung) = 35,2 Prozent
  • 275 x Score I (1-3 Wunden am Penis) = 39,1 Prozent
  • 141 x Score II (4-6 Wunden) = 20,0 Prozent
  • 35 x Score III (7-10 Wunden) = 5,0 Prozent
  • 5 x Score IV (>10 Wunden) = 0,7 Prozent

Somit wurden bei etwa Zweidrittel der Eber Penisverletzungen ermittelt, bei etwa 25 Prozent der Tiere sogar mehr als 3 Wunden am Penis. Weiter wurden 248 Kastratenpenisse bonitiert. Bei diesen wurden keine Verletzungen festgestellt.

Schaffung einer umfassenden Datenbasis und Entwicklung züchterischer Strategien zur nachhaltigen Reduzierung des Schwanzbeißens in der Schweinezucht (PigsWithTails)

In einem länderübergreifenden Projekt sollen mögliche genetische Ursachen für das Schwanzbeißen bei Mastschweinen erforscht werden. Hierzu werden in den Leistungsprüfungsanstalten Grub, Schwarzenau und Boxberg Daten zum Schwanzbeißen erfasst und anschließend genetisch ausgewertet.
Eine gezielte züchterische Bearbeitung der Problematik wird bislang dadurch erschwert, dass eine im Routinebetrieb praktikable Merkmalserfassung nicht verfügbar ist. Daher fehlen auch Erkenntnisse über den Grad der Erblichkeit, genetische Korrelationen zu anderen Merkmalskomplexen und Wechselwirkungen der Inzidenz des Schwanzbeißens mit Faktoren des Haltungssystems unter den in Deutschland verbreiteten Haltungsbedingungen in Zucht‐ bzw. Produktionsbetrieben.
Daher ist die Hauptzielrichtung des Projekts die Entwicklung geeigneter Bonitierungsmethoden für die massenhafte Erfassung von Schwanzverletzungen, die genetisch-statistische Auswertung dieser Daten und die Entwicklung von Züchtungsstrategien.

Alle bayerischen Prüftiere in Grub und Schwarzenau werden dabei fünfmal zu folgenden Zeiten bonitiert:

  • Einstallung Ferkelaufzucht: Alter ~ 28 Tage
  • Ferkelaufzucht: Alter~ 42 Tage
  • Einstallung Prüfstation: Alter~ 77 Tage
  • Prüfstation: Alter~105 Tage
  • Prüfstation: Alter ~133 Tage

Die Bonitur erfolgt nach dem Deutschen Schweine Boniturschlüssel (DSBS). Dabei werden folgende Merkmale betrachtet:

  • Originale Schwanzlänge
  • Längenverlust
  • Durchbrechung der Haut
  • Blut
  • Nekrose
  • Schwellung
  • Jeweils Lokalisation (Schwanzbasis, 1. Drittel, …) und Schweregrad
An den drei Versuchsstandorten Baumannshof, Grub und Schwarzenau wurden seit Anfang Dezember 2016 bisher 27.136 Bonituren an 6.398 Prüftieren durchgeführt 4.247 Prüftiere wurden bereits vollständig bonitiert (Stand April 2018). Weiter werden Datenerhebungen an etwa 1.600 Kreuzungsnachkommen von Ebern der Rassen Bavarian Piétrain, German Piétrain, BHZP 77 und BHZP 08 durchgeführt. Die dafür notwendigen Verknüpfungsanpaarungen wurden im März 2018 abgeschlossen.
Zusätzlich werden ergänzende Untersuchungen zum erstmaligen Auftreten von Schwanzbeißverhalten an der Landesanstalt für Schweinezucht in Boxberg durchgeführt.

Weitere Informationen:

Projekt InGeniS

Im Projekt InGeniS (Integrierte Genomische Forschung und Anwendung in der bayerischen Schweinezucht), das 2017 abgeschlossen wurde, standen drei Schwerpunkte im Mittelpunkt. Dies waren zum einen der Aufbau einer genomischen Kalibrierungsstichprobe von rund 2.400 Tieren für die bedeutendste Vaterrasse Piétrain sowie die Sequenzierung der 30 wichtigsten Ahnen in der Landrasse- und Piétrainpopulation.
Als Drittes sollten die neuen Methoden zur züchterischen Bearbeitung innovativer Merkmale wie beispielsweise zur Anomalienbekämpfung genutzt werden.
Für die Rasse Piétrain wurde ein wesentliches Ziel im Jahr 2015 bereits erreicht: die Einführung der genomischen Zuchtwertschätzung. So wurden Ende 2015 die ersten genomischen Zuchtwerte für Piétrain-Eber veröffentlicht. Die offizielle Einführung der genomischen Zuchtwertschätzung mit dem Ein-Schritt-Verfahren erfolgte für Piétrain im Mai und für die Deutsche Landrasse im Dezember 2016.
In der Bekämpfung der Anomalien konnte ein Erfolg in der Sauenfruchtbarkeit er-reicht werden. Ein Abgleich mit den Sequenzdaten ermöglichte es, eine verdächtige Region hierfür einzugrenzen. Eine Stoppmutation im Genort BMP15 (Bone morpho-genetic protein 15) wurde als Ursache für Unfruchtbarkeiten bei weiblichen Tieren erkannt.

Weitere Informationen:

Beteiligung an den Bundesprojekten STRAT-E-GER und GI-F-ER

Im Rahmen eines bundesweiten Forschungsprojektes zur Entwicklung von „Strategien zur Vermeidung von Geruchsabweichungen bei der Mast unkastrierter Schweine“ (STRAT-E-GER) wurden u. a. an der LPA Schwarzenau seit 2013 ca. 1.000 Jungeber unter LPA-Bedingungen auf Mastleistung geprüft und anschließend am Schlachtkörper Gewebeproben zur Ermittlung von Geruchs- und Geschmacksabweichungen entnommen.
Dabei wurden die Androstenon- und Skatol-Konzentrationen im Rückenspeck gemessen und diese Proben zusätzlich durch qualifizierte Prüfpersonen am Schlacht-band sowie im Sensorik-Labor der Universität Göttingen human-sensorisch (HNS) bewertet.
An der Universität Bonn wurden unter Verwendung von Genotyp-(Illumina Porciner 56 K + SNP Beadchip) und den genannten Phänotyp-Daten genomische Schätzformeln entwickelt, die von den beteiligten Zuchtorganisationen zur Zuchtwertschätzung und Selektion geruchsreduzierter Eber genutzt werden können. Modellberechnungen zeigen, dass der Anteil von Tieren, die vermehrt Geruchsstoffe einlagern, durch gezielte Selektion erheblich verringert werden kann.
Seit Herbst 2016 werden für das Nachfolgeprojekt G-I-FER (Genomische Indikatoren für Ebergeruch, Fruchtbarkeit und Robustheit in Landrasse- und Edelschweinpopulationen) Mutterrasseneber in der Leistungsprüfung aufgestallt. Mit Hilfe von deren Leistungsergebnissen soll unter Berücksichtigung ihrer Geruchsindikatoren und mehrerer Blutparameter von diesen Ebern und deren Vollschwestern die Möglichkeiten einer Zuchtwertschätzung für Ebergeruch bei Mutterrassen unter Einbeziehung der Fruchtbarkeit und Robustheit erarbeitet werden.

Umsetzung eines Konzepts zur Verbesserung der Datengrundlage bei den Mutterrassen

Durch die Erfassung der aus der Herdbuchzucht in die Ferkelerzeugerstufe ausgelieferten Jungsauen mittels ihrer Abstammungsnummern konnte die Datengrundlage für die Zuchtwertschätzung der Mutterrassen in Bayern deutlich erweitert werden.
LiniendiagrammZoombild vorhanden

Abbildung 1

In der Spitze konnten über diesen Erfassungsweg jährlich etwa 12.000 Sauen zusätzlich zum Herdbuch für die Zuchtwertschätzung auf Fruchtbarkeit mit erfasst und ausgewertet werden. Der Rückgang für den Geburtsjahrgang 2014 ergibt sich aufgrund des Rückganges des Sauenbestandes in Bayern.

Stand der Basiszucht bei Mutterrassen

Aufgrund von Bestandsveränderungen im bisherigen Reservebetrieb für die Deut-sche Landrasse wurden zwei weitere Betriebe zur Erzeugung von Ebern unter Vertrag genommen. Sie dienen als weitere Reservebetriebe, falls es auch im Hinblick auf die Afrikanische Schweinepest zu hygienischen Problemen in der bisherigen Basiszucht kommen sollte. Aktuell entstammen alle Landrasseeber der Basiszucht oder sind Nachkommen eines Basiszuchtebers. Dies verdeutlicht den nachhaltigen Erfolg der Basiszucht in Bayern.
Beim Edelschwein wurde ein weiterer Eberaufzuchtbetrieb eingebunden. Um die Variabilität in der Edelschweinzucht weiter zu verbessern, wurden wiederum Eber aus der Schweiz angekauft. Aufgrund der dort verwendeten Genomischen Selektion verspricht man sich eine Intensivierung des Zuchtfortschrittes. Zugleich finden Anpaarungen mit BHZP-DE-Ebern statt, um insbesondere in der Fruchtbarkeit Reserven zu eruieren.

Erfassung der Wurfhomogenität und Verhaltensmerkmale über den LKV-Sauenplaner

Vorerhebungen in den bayerischen Fleischerzeugerringen zur Wurfhomogenität beim Absetzen der Ferkel zeigten die Problematik einer subjektiven Beschreibung zu diesem Zeitpunkt auf. Seit 2016 wird daher die Wurfhomogenität zum Geburtszeitpunkt erhoben. Hierbei wird der Anteil der Ferkel unter 1 kg Geburtsgewicht erfasst. Dies soll insbesondere auch als Merkmal für „paternale Wurfhomogenität“ der Rasse Piétrain dienen.
Die Vorerhebungen zum Verhalten der Sauen gegenüber Menschen, Artgenossen und ihren Ferkeln in den bayerischen Fleischerzeugerringen führte zur Erfassung des Verhaltens als Abgangsursache im Sauenplaner des LKV Bayern. Der Start dieser Datenerfassung wird aber noch hinausgeschoben, da eine bundeseinheitliche Definition der Abgangsursachen erarbeitet wird und das LKV Bayern im Jahr 2018 einen neuen Sauenplaner einführen wird.
Durch die im Rahmen eines Projektes im ökologischen Landbau (ÖkoSauMüt) durchgeführte Erfassung verschiedener Verhaltensausformungen erhofft man sich, eine verbesserte Rückmeldung zum Verhalten von Sauen insbesondere im Hinblick auf Erdrückungsverluste und mögliche Aggressionen gegen das Betreuungspersonal zu erhalten.

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Über 200.000 Schweine an der Leistungsprüfungsanstalt in Grub geprüft

Im Jahr 1956 ging die damalige Mastprüfanstalt für Schweine in Grub in Betrieb. An über 200.000 Prüftieren wurden seitdem Merkmale zur Mast- und Schlachtleistung und insbesondere zur Fleischqualität ermittelt. Die stationäre Leistungsprüfung stellt somit eine der wichtigsten Säulen zur Verbesserung dieser Merkmale und somit zur Stärkung der bayerischen Schweineproduktion dar. Mehr