Nährstoffvergleich im landwirtschaftlichen Betrieb

Die Basis für eine langfristig gesunde Entwicklung des Betriebs und der Umwelt ist die optimale Nährstoffnutzung im landwirtschaftlichen Betrieb. Der betriebliche Nährstoffkreislauf aus Nährstoffzufuhr und Nährstoffabfuhr muss dazu möglichst ausgewogen sein. Um zu prüfen, ob die Nährstoffe fehler- und verlustfrei fließen, schreibt die Düngeverordnung und das Düngegesetz die Bilanzierung der Nährstoffströme vor. Die sogenannte Nährstoffbilanz und die Stoffstrombilanz beschreiben verschiedene Nährstoffkreisläufe im Betrieb.

Nährstoffbilanz nach Feld-Stall-Ansatz

Die Nährstoffbilanz, auch Feld-Stall-Bilanz oder Nährstoffvergleich genannt, ist der Vergleich von Nährstoffzufuhr und Nährstoffabfuhr auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen eines Betriebs. Den Flächen werden in Form von Stickstoffbindung von Leguminosen sowie mineralischen und organischen Düngern Nährstoffe zugeführt. Bei Gülle, Jauche und Festmist sind dabei die Nährstoffgehalte nach Abzug von Stall-, Lager- und Aufbringungsverluste anzusetzen. Über Ernteerträge, die für den Verkauf oder die Fütterung abgefahren werden, wird den Flächen Nährstoffe entzogen.

Der Kontrollwert für die Nährstoffvergleiche bis zum Kalenderjahr 2017 bzw. Wirtschaftsjahr 2016/17 ist

  • bei Stickstoff maximal 60 kg Stickstoff je Hektar im dreijährigen Betriebsdurchschnitt
  • bei Phosphat maximal 20 kg Phosphat je Hektar im sechsjährigen Betriebsdurchschnitt.
Ausnahme in alter DüV: Für Betriebe, die im Betriebsdurchschnitt über alle Flächen eine Bodenversorgung unter 20 mg Phosphat haben, gilt der Kontrollwert 20 kg Phosphat je Hektar nicht.

Ab dem Kalenderjahr 2018 bzw. Wirtschaftsjahr 2017/18 ist sicherzustellen, dass der Kontrollwert

  • in den 2018, 2019 und 2020 und später begonnenen Düngejahren 50 kg Stickstoff je Hektar und Jahr nicht überschreitet
  • in den ab 2018, 2019, 2020, 2021, 2022, 2023 und später begonnenen Düngejahren 10 kg Phosphat je Hektar und Jahr nicht überschreitet.
Nach § 8 der Düngeverordnung muss jeder Betriebsinhaber (Ausnahme kleine Betriebe), der wesentliche Nährstoffmengen auf einen Schlag ausbringt, jährlich die Nährstoffbilanz berechnen. Bis spätestens 31. März muss für den Fall einer Betriebskontrolle auf landwirtschaftlichen Betrieben für Stickstoff und Phosphat die Nährstoffbilanz für das abgelaufene Düngejahr erstellt, ausgedruckt und abgelegt werden. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) stellt hierfür das kostenlose Programm "Nährstoffbilanz Bayern" zur Verfügung.
Das Kalenderjahr 2017 wird noch nach den Vorgaben der alten Düngeverordnung bilanziert. Die Bilanz für das Wirtschaftsjahr 2017/18 und Kalenderjahr 2018 muss erstmalig nach den Vorgaben der neuen Düngeverordnung erstellt werden.

Plausibilisierte Nährstoffbilanz für wiederkäuerhaltende Betriebe nach Feld-Stall-Ansatz

Die abgefahrenen Ernteerträge von Flächen, auf denen für Wiederkäuer Grobfutter erzeugt wird, sind für die meisten Futterbaubetrieben nicht konkret messbar. Daher wird nach der neuen Düngeverordnung der Ernteertrag von Grobfutterflächen über die Grobfutteraufnahme der Wiederkäuer bestimmt (plausibilisiert). Über die Grobfutteraufnahme der Tiere und die Anrechnung von Verlusten bei der Futterbergung und -vorlage errechnet sich der abgefahrene Ernteertrag.

Die plausibilisierte Nährstoffbilanz ist für folgende Betriebe vorgeschrieben:

  • Rinderhaltende Betriebe
  • Lammfleischerzeugung
  • Schaf- und Ziegenhaltung
  • Gehegewildhaltung
Das Kalenderjahr 2017 wird noch nach den Vorgaben der alten Düngeverordnung bilanziert. Die Bilanz für das Wirtschaftsjahr 2017/18 und Kalenderjahr 2018 muss erstmalig nach den Vorgaben der neuen Düngeverordnung erstellt werden.

Stoffstrombilanz nach Hof-Tor-Ansatz

Die Stoffstrombilanz, auch Hof-Tor-Bilanz genannt, ist die Gegenüberstellung von Nährstoffzufuhr und Nährstoffabfuhr im landwirtschaftlichen Gesamtbetrieb. Im Vergleich zur Feld-Stall-Bilanz werden zusätzlich noch alle Nährstoffströme in und aus dem Stall erfasst. Dazu zählen der Zukauf von Futtermittel und Tieren und die Abgabe von Tieren, Milch, Eier und Wolle. Bei der Stoffstrombilanz dürfen weder Stall- und Lagerungsverluste noch Aufbringungsverluste abgezogen werden. Der Stickstoffsaldo der Stoffstrombilanz darf entweder 175 kg N/ha oder den betriebsspezifisch berechneter Grenzwert (plus 10 %) nicht überschritten.
Wer muss eine Stoffstrombilanz rechnen?
Die Stoffstrombilanz muss ab 2018 von folgenden Betrieben gerechnet werden:
Grafik

Muss ich ab 2018 eine Stoffstrombilanz erstellen?

Schema in einer Detailsansicht und höheren Auflösung

Ab 2023 muss die Stoffstrombilanz drüber hinaus gerechnet werden von Betrieben mit:

  • mehr als 20 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche oder
  • mehr als 50 Großvieheinheiten (GV) je Betrieb.
Im Moment muss die Stoffstrombilanz zwar von bestimmten Betrieben erstellt werden, das Ergebnis der Stoffstrombilanz hat aber noch keine rechtlichen Konsequenzen. Allerdings wird dringend empfohlen, sich mit dem Bilanzergebnis auseinanderzusetzen und Optimierungsmöglichkeiten zu prüfen bzw. umzusetzen. Auch für Betriebe, die erst 2023 stoffstrompflichtig werden, ist schon jetzt eine Berechnung und Prüfung der Stoffstrombilanz ratsam.
Nur so kann frühzeitig auf die Anforderungen der Stoffstrombilanz reagiert werden und in Problemfällen rechtzeitig Lösungsansätze gefunden werden.

Kontrolle des Bilanzergebnisses

Bisher spielte das Bilanzergebnis keine Rolle. Der Nährstoffvergleich musste nur vorliegen, richtig und rechtzeitig berechnet sein. Jetzt hat das Überschreiten der vorgegebenen Grenzwerte Folgen. Wenn bei einer Betriebskontrolle festgestellt wird, dass die Grenzwerte nicht eingehalten wurden, muss sich der Betrieb durch ein anerkanntes Beratungsunternehmen beraten lassen. In den folgenden Jahren wird der Betrieb erneut kontrolliert.
In Bayern erfolgt diese Beratung durch das Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung in Bayern e.V. (LKP). Wird die Beratung nicht in Anspruch genommen, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit. Werden die Kontrollwerte auch nach einer Beratung wieder überschritten, ist auch die Überschreitung eine Ordnungswidrigkeit.

Programm "Nährstoffbilanz Bayern"

Bei Fragen zum Programm wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF).

Liste der AELF Externer Link

Hinweise zur Programmnutzung

  • Als Landwirt erhalten Sie nach Eingabe der Betriebsnummer und der gleichen PIN wie bei HI-Tier, ZID und dem Mehrfachantrag-Online Zugang zum Programm.
  • Bitte beachten Sie, dass die Betriebsnummer 12-stellig ohne Leerzeichen angegeben werden muss z. B.: 091781110001. Haben Sie weiterhin Probleme bei der Anmeldung, ist evtl. Ihre PIN abgelaufen. Sie können auf der Anmeldeseite links unter "Passwort ändern" Ihre PIN aktualisieren.
  • Falls Sie bisher noch keine PIN haben, können Sie diese unter Bereithaltung Ihrer Betriebsnummer beim LKV unter 089/544348-71 telefonisch beantragen.
  • Die im Mehrfachantrag bereits angegeben Daten zu den Flächen und der Tierhaltung werden automatisch in das Programm eingelesen. Zusätzlich werden die Tiere aus der HI-Tier Datenbank eingelesen.
  • Die Navigation durch die verschiedenen Erhebungsblätter erfolgt im Programm über die zwei Schaltflächen "Weiter" und "Zurück".
    Mit "Weiter" gelangen Sie auf das nächste Erhebungsblatt und die eingegeben Daten werden gespeichert, wohingegen mit "Zurück" Änderungen auf dieser Seite nicht übernommen werden.
  • Die Schaltfläche "Mehrfachantrag neu laden" löst einen erneuten Import der ausgewählten Daten aus dem Mehrfachantrag (Hauptfrüchte, Stilllegung, Grünland, Vieh) aus.
    Durch den erneuten Import werden Ihre bisherigen abgeänderten Angaben gelöscht und ersetzt.
  • Wenn das Programm 30 Minuten nicht bedient wird, werden Sie automatisch abgemeldet. Kehren Sie dann bitte auf die LfL-Seite (www.lfl.bayern.de/naehrstoffbilanz/) zurück und melden sich erneut an.
  • Der Ergebnisausdruck wird als PDF-Dokument ausgegeben und macht es erforderlich, dass ein entsprechendes Programm zur Anzeige von PDF-Dateien installiert ist.

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