Demonstrationsnetzwerk Erbse/Bohne
Chemische und mechanische Unkrautregulierung in Ackerbohnen und Fütterung von fermentierten Ackerbohnen in der Schweinemast

Ackerbohnenpflanze

Feldtag auf dem Betrieb Lorenz

Bei strahlendem Sonnenschein konnten Tabea Pfeiffer (Demonstrationsnetzwerk Erbse/Bohne) und Anja Gain (LfL-Eiweißinitiative) rund 50 Interessierte auf dem Betrieb der Familie Lorenz in Bad Griesbach begrüßen. Am Ende Mai 2018 veranstaltete die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) im Rahmen des Demonstrationsnetzwerks Erbse/Bohne (DemoNetErBo) in Kooperation mit der Bayerischen Eiweißinitiative einen Feldtag zu den Themen chemische und mechanische Unkrautregulierung in Ackerbohnen und Fütterung von fermentierten Ackerbohnen in der Schweinemast. Martin Schäffler vom Institut für Tierernährung in Grub, Albert Bauer vom AELF Passau-Rotthalmünster, Pflanzenbauberater Markus Halser vom Erzeugerring Niederbayern sowie Ringberater Josef Eiblmaier vom LKV informierten zu den Fachthemen und standen Rede und Antwort.

Motivation

Robert Lorenz ist mit seinem Betrieb einer von sechs Demonstrationsbetrieben des DemoNetErBo in Bayern. Motivation und Argumente für den Anbau von knapp 18 ha Ackerbohnen sind für den Betrieb Lorenz:

  • Produktion eigener Futtermittel für GVO-freies Schweinefleisch
  • Auflockerung der Fruchtfolge
  • Guter Vorfruchtwert der Ackerbohne
  • Teilnahme am KULAP „Vielfältige Fruchtfolge mit großkörnigen Leguminosen“
  • Hygienisches Futter

Unkrautregulierung in Ackerbohnen – chemisch und mechanisch

Eine Fragestellung der Demoflächen war der Vergleich chemischer und mechanischer Unkrautregulierung. Hintergrundgedanke dabei sind die geänderten Greeningvorgaben, wonach auf Ökologischen Vorrangflächen keine Pflanzenschutzmittel mehr eingesetzt werden dürfen. So unterschiedlich die Verfahren chemischer und mechanischer Unkrautbekämpfung auch sein mögen, ein Problem haben sie in diesem Jahr gemeinsam: die Trockenheit. Für die chemische Variante wäre mehr Bodenfeuchte nötig gewesen, damit die Bodenherbizide ihre Wirkung besser entfalten hätten können. Ebenso war es für die mechanische Variante zu trocken. In der Hoffnung auf Regen und damit besseren Voraussetzungen für einen erfolgreichen Striegeleinsatz, verpasste man den Zeitpunkt für ein erneutes Striegeln nach dem Auflaufen und es blieb beim einmaligen Blindstriegeln im Vorauflauf.
„Im Nachhinein ist es leicht, zu sagen, man hätte einfach die schlechtere Striegelwirkung auf dem festen, trockenen Boden in Kauf nehmen sollen. Aber die Entscheidung in der Situation ist natürlich viel schwieriger“, so der Betriebsleiter. Zudem ist der Betrieb auf die Hilfe des Nachbarn angewiesen, da er selbst keinen Striegel besitzt. Der Einsatz kann dadurch erst nach Absprache und Planung erfolgen. Insgesamt war man sich einig, dass der Striegeleinsatz viel Erfahrung erfordert. Bei der Saat ist auf eine möglichst tiefe Kornablage zu achten. Eine Tiefe von 10 cm sei mit einer Schleppschar-Drillmaschine nicht machbar. Der Betrieb arbeitete deshalb mit einer Scheibenschar-Säkombination. Bisher gibt es keine Exaktversuche zur mechanischen Unkrautregulierung in konventionellen Anbausystemen. Im Einzelfall kann jedoch gerade im Hinblick auf die Erfüllung der Greeninganforderungen die mechanische Unkrautregulierung auch ökonomisch sinnvoll sein.

Leguminosenanbau auf ökologischen Vorrangflächen - Striegeln statt Herbizide?

Ackerbohnen fermentieren

Eine Besonderheit des Betriebs von Robert Lorenz ist die hofeigene Fermentationsanlage. In zwei Behältern mit je 10 t Fassungsvermögen werden im Wechsel täglich Ackerbohnen zusammen mit Rapsschrot und Weizen fermentiert. Durch den Zusatz von Milchsäurebakterien wird eine sichere Ansäuerung gewährleistet, sodass am Ende ein pH-Wert von 3,5 bis 3,6 erreicht wird. Nach Beobachtung der Familie Lorenz schmeckt den Schweinen das Futter trotz der Säure und wird sehr gern gefressen. Vermutlich wird durch den Prozess auch ein möglicherweise für die Schweine unangenehmer Geschmack der Ackerbohnen übertüncht, so Herr Lorenz.
Das komplette System der Fermentation läuft automatisch und muss nur auf Störungen überwacht werden. Der Betrieb Lorenz ist mit der Investition in die Anlage sehr zufrieden, auch wenn es einige Zeit gedauert hat, herauszufinden, wie die Fermentation optimal zu fahren ist. Hygiene sei ein sehr wichtiger und nicht zu vernachlässigender Punkt. Doch die routinemäßige Reinigung der Anlage funktioniere sehr gut, sodass keinerlei Probleme mit Salmonellen bestünden. Die Leistungszahlen der Mastschweineproduktion sind nach Aussage des Betriebsleiters auch nach der Futterumstellung gleich geblieben und nach subjektivem Eindruck der Familie zeigen die Schweine ein höheres Wohlbefinden. Durch die viermal täglich warme Fütterung konnte zudem der Heizaufwand im Winter reduziert werden.

Heimische Eiweißfuttermittel in der Region

Einen Überblick zum Anbau heimischer Eiweißfuttermittel im Beratungsgebiet des Fachzentrums Schweinezucht und -haltung Passau lieferte Albert Bauer vom AELF Passau-Rotthalmünster. Die Entwicklung des Körnerleguminosenanbaus in den Landkreisen Passau und Deggendorf war von 2013 bis 2017 insgesamt steigend. Insbesondere die Anbaufläche von Ackerbohnen und Sojabohnen war in der Tendenz steigend. Erbsen sind im Landkreis Deggendorf in deutlich größerem Umfang vertreten, als in Passau, erlitten jedoch durch starken Lagerdruck zuletzt einen deutlichen Einbruch. Die Ackerbohne hat höhere Ansprüche an die Wasserversorgung als die Erbse, daher sind für die Ackerbohne tiefgründige Böden besser geeignet. Die Erbse gedeiht auch auf leichteren Böden, reagiert jedoch empfindlicher auf Bodenverdichtungen. Weder Ackerbohne noch Erbse benötigen eine Impfung des Saatguts, da die benötigten Knöllchenbakterien im Boden vorhanden sind. Anders sieht es bei der „neuen“ heimischen Eiweißfrucht Sojabohne aus. Diese muss unbedingt geimpft werden, da deren Knöllchenbakterien in unseren Böden noch nicht vorhanden sind und ansonsten keine Stickstofffixierung aus der Luft möglich ist. Die Sojabohne hat außerdem höhere Wärmeansprüche als Ackerbohne und Erbse, für den Anbau sind Körnermaislagen zu bevorzugen. Der Anbau der Körnerleguminose Lupine spielt im Gebiet des Fachzentrums Passau-Rotthalmünster keine Rolle.

Schweinefütterung mit heimischen Eiweißfuttermitteln

Da bei der Fütterung von Schweinen nicht der Eiweißgehalt an sich entscheidend ist, sondern die Gehalte der verschiedenen Aminosäuren, gab Martin Schäffler vom Institut für Tierernährung (LfL) in Grub zunächst einen Überblick zu den Aminosäurenkonzentrationen in Körnerleguminosen im Vergleich zu Extraktionsschroten. Der prozentuale Gehalt an Lysin im Rohprotein von Ackerbohnen und Erbsen ist höher als in Soja 44. Umgekehrt sieht es beim Methioningehalt aus, in Ackerbohne und Erbse ist dieser relativ gering. Stellt man diese Gehalte an Lysin und Methionin denen in Rapsextraktionsschrot (RES) gegenüber, so stellt man fest, dass sich diese gut ergänzen. RES hat hohe Gehalte an Methionin, aber weniger an Lysin. Auch ist der Anteil von Threonin und Tryptophan am Rohprotein in RES deutlich höher als in Ackerbohnen und Erbsen. Eine Fütterung von heimischen Körnerleguminosen in Kombination mit (ebenso heimischem) RES ist also machbar und vor dem Hintergrund GVO-freier Fütterung eine auch wirtschaftliche Alternative zu GVO-freiem Sojaextraktionsschrot.

Heimische Körnerleguminosen in der Mast von Schweinen

Einsatzempfehlung
Wichtig ist, den höheren P-Gehalt von Raps im Auge zu behalten. Durch die Verwendung von Mineralfutter ohne oder mit wenig Phoshpor lassen sich die P-Ausscheidungen jedoch in Grenzen halten. Die Einsatzmenge des RES und dadurch die P- und N-Ausscheidung lässt sich zudem durch einen höheren Gehalt des Mineralfutters an Lysin verringern. Standard-Mineralfutter passen also für solche Rationen nicht, da die Aminosäuremuster der Futtermittel wenig ausgeglichen sind. Zu beachten sind auch die Einsatzempfehlungen bei der Verfütterung von Körnerleguminosen, da sich ansonsten antinutritive Substanzen verzehrs- und leistungshemmend auswirken.
Einsatzempfehlungen Erbsen Ackerbohnen Lupinen
Ferkel 10/20 % 5 % 5 %
Mast 20/25 % 15/25 % 15/20 %
Zuchtsauen, tragend 8 % 8 % 8 %
Zuchtsauen, säugend 20 % 15 % 10 %
Bei Einhaltung der Einsatzempfehlungen ist die Verfütterung von heimischen Körnerleguminosen unproblematisch. Um sie ohne Leistungseinbußen in der Schweinefütterung einzusetzen, ist die Wahl einer geeigneten Sorte der erste Schritt (u. a. tanninarme Ackerbohnen, weißblühende bzw. eiweißreiche Erbsen, Süßlupine). Des weiteren sind Futteruntersuchungen auf Eiweiß- und Aminosäuregehalte nötig. Nur so kann eine exakte Rationsplanung (mit Zifo2 durch den Ringberater) sowie das dazu passende Mineralfutter erfolgen.

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Die Eiweißversorgung in der Schweinefütterung wird zu einem überwiegenden Teil mit importiertem Sojaextraktionsschrot (SES) sichergestellt. Es bieten sich jedoch heimische Alternativen an, welche die Importabhängigkeit reduzieren können, ökonomisch rentabel sind und eine bedarfsgerechte und eiweißsparende Aminosäurenversorgung der Tiere ermöglichen. Zudem wurden auch durch „Greening“ und „KULAP“ neue Impulse für den Anbau heimischer Eiweißpflanzen und deren Einsatz in der Fütterung gesetzt. Mehr