Agrarforschung hat Zukunft - Wissenschaftstagung der LfL 2013

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Die Imagebroschüre der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) ist überschrieben mit dem Satz „Forschung, die jeden berührt“. Die Agrarwissenschaften beschäftigen sich mit vielen elementaren Bedürfnissen des menschlichen Daseins. Nahrungs- und Futtermittel, regenerative Energien, Umweltfragen, Kulturlandschaft als Lebens- und Erholungsraum, Biodiversität sind nur einige Begriffe, die diese Aussage untermauern. Das Besondere an der praxisorientierten Agrarforschung ist, dass sie sich mit diesen für die Menschen so wichtigen Fragestellungen unmittelbar auseinandersetzt.
Seit der Gründung der LfL vor 10 Jahren ist viel passiert. Die Welternährungssituation hat sich eher verschlechtert als verbessert, der Klimawandel ist unübersehbar geworden, die Meinungen über die künftige Energieversorgung und über die Gentechnik in der Landwirtschaft triften immer weiter auseinander, der Pflanzenschutz und Fragen des Tierwohls werden heiß diskutiert.
Die Landesanstalt für Landwirtschaft will in diesem schwierigen Umfeld Orientierung geben und auf der Basis wissenschaftlich exakter und neutraler Forschungsergebnisse eine sichere Informationsbasis bieten. Um die komplexen Zusammenhänge zu verstehen, sind ein Denken in Systemen und ein Brückenschlag zwischen Grundlagenforschung und praxisorientierter Forschung zwingend notwendig. Die Struktur der LfL, die projektbezogene Forschung, die institutsübergreifende Zusammenarbeit in Arbeitsschwerpunkten, die Weitergabe unmittelbar anwendbarer Ergebnisse und deren verständliche Interpretation erfüllen diese Voraussetzungen.
Jakob Opperer, Präsident der LfL

Tagungsband

Zusammenfassungen der Implusvorträge

„Sicherung der globalen Lebensmittel- und Energieversorgung“ − Ein Ausblick bis 2050 und darüber hinaus (Josef Schmidhuber, FAO Rom)
Der langfristige Ausblick der FAO auf Welternährung und -agrarmärkte kommt zum Schluss, dass die Weltlandwirtschaft durchaus das Potenzial hat ausreichend Nahrungsmittel für alle Menschen zur Verfügung zu stellen, heute und in Zukunft. Unabhängig vom globalen Produktionspotenzial wird das Problem der globalen Unter- oder Fehlernährung allerdings weiterbestehen und nur sukzessive mit weiteren Anstrengungen in der Armutsbekämpfung in den Griff zu bekommen sein.
Die Landwirtschaft spielt interessanterweise bei der Armutsbekämpfung wiederum eine zentrale Rolle. Die Lebensgrundlage der meisten Armen hängt direkt oder indirekt von der Landwirtschaft ab und eine Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktivität nimmt damit eine zentrale Rolle ein, die Lebensgrundlage der Armen nachhaltig zu verbessern. Investitionen in Agrarforschung sind und waren damit schon immer ein wichtiger Ansatz zur Hunger- und Armutsbekämpfung. Gleichzeitig waren solche Investitionen auch immer ein wichtiger Beitrag zur Schonung der globalen Ressourcen. Höhere Erträge haben immer geholfen, Flächen zu schonen, Wasser zu sparen und die Artenvielfalt zu erhalten.
Dieser Artikel diskutiert mit der Rolle der Energiemärkte auch eine wichtige Neuentwicklung in den Weltagrarmärkten, die im globalen Ausblick der FAO noch nicht ausreichend berücksichtigt ist. Die Energiemärkte werden sowohl in ihrer Rolle für die Preisfindung als auch im Hinblick auf die Auswirkungen der Investitionen in die Agrarforschung erörtert. Es wird insbesondere gezeigt, wie die Energiemärkte über die Verwendung von Rohstoffen für die Bioenergiegewinnung ein Mindestpreisniveau für Nahrungs- und Agrarprodukte schaffen. Es wird auch gezeigt, wie ein Übergang in der Nachfragestruktur von unelastischen und gesättigten Märkten hin zu elastischer Nachfrage und kaum zu sättigenden Märkten auch die Auswirkungen der Agrarforschung ändern. Dieser Prozess wird als Übergang von einem Cochrane Szenario zu einem Jevons Szenario charakterisiert. Sollte sich ein solcher Übergang fest etablieren, könnte dies die Wirkungsweise von Agrarforschungsinvestitionen nachhaltig und grundsätzlich ändern. Mehr Agrarforschung und mithin höhere Produktivität können unter den Voraussetzungen eines Jevons Szenarios ressourcenzerstörend statt ressourcenschonend wirken. Die daraus folgende Empfehlung an die Politik sollte allerdings nicht zu einer Reduzierung der Agrarforschungsausgaben führen, sondern vielmehr die Verwendung von Agrarrohstoffen für den Bioenergiemarkt begrenzen.
Die Bedeutung der angewandten Systemforschung im Agrarbereich (Prof. Friedhelm Taube, Universität Kiel)
Das Leitbild der Landwirtschaft hat sich in den letzten 50 Jahren dramatisch verändert. Bis in die 1980er Jahre stand allein die Produktionsfunktion im Zentrum, nachdem seit den 1950er Jahren in Verbindung mit Forschung und Beratung erhebliche Produktionssteigerungen erreicht wurden. Diese Produktionssteigerungen gingen einher mit einem überproportional steigenden Betriebsmitteleinsatz, was in der Konsequenz gleichermaßen zu Überschüssen an Agrarrohstoffen und Umweltproblemen führte. Als Reaktion darauf wurden Politiken in Richtung Extensivierung entwickelt (z.B. obligatorische Flächenstilllegung), die ihrerseits seit Beginn des neuen Jahrhunderts hinterfragt werden, da Agrarrohstoffe weltweit zunehmend zu knappen Gütern werden. Daraus resultiert ein neues Leitbild der „ökologischen Intensivierung“, welches auf eine optimierte Ressourceneffizienz zielt, um das Zielbündel aus der Produktion von Agrarrohstoffen und dem Schutz abiotischer und biotischer Ressourcen (Wasser, Klima, Biodiversität) regionalspezifisch optimalen Lösungen zuzuführen.
Zusätzlich sind zunehmend weitere gesellschaftliche Ziele wie Tierwohl und Verbraucherpräferenzen in diese Lösungen einzubeziehen. Ein solches umfassendes Zielbündel stellt neue Anforderungen an die Agrarforschung, die nicht mehr allein mit Optimierungen innerhalb eines Produktionssystems befriedigt werden können, sondern die bestehenden Systeme hinterfragen müssen, um daraus neue Systemansätze zu entwickeln. Am Beispiel der Milcherzeugung werden die Grundlinien innovativer angewandter Systemforschungsansätze skizziert und es wird aufgezeigt, dass diese Ansätze nur durch ein hohes Maß an Interdisziplinarität und intensive Zusammenarbeit zwischen Forschungsinstitutionen (Universitäten, Landesanstalten) einer überzeugenden Lösung zugeführt werden können. Angewandte Systemforschung ist somit der Schlüssel zur Entwicklung tragfähiger Agrarproduktionssysteme im Sinne nachhaltiger Intensivierung.
Zukünftige Aufgaben im Bereich Forschung: Pflanzenbau (Dr. Peter Doleschel, Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung (LfL)
Pflanzenbauliche Forschung umfasst ein breites Feld von Grundlagen- und Spezialdisziplinen. Die Wissensgewinnung im Pflanzenbau stützt sich zum großen Teil auf Feldversuche, wobei neue Technologien wie Bildauswertung und Fernerkundung an Bedeutung gewinnen. Forschungsfragen der Zukunft leiten sich aus mehreren Innovationstreibern ab:
  • Klimawandel
  • Informationstechnologie
  • Pflanzenschutz
  • Biotechnologie und Pflanzenzüchtung
  • technische Entwicklungen
  • technische Entwicklungen
In der Gesamtheit bleiben Ertrag und Qualität pflanzlicher Produkte im Fokus. Für die Umsetzung der speziellen Fragen bildet das Feldversuchswesen die wichtigste Grundlage. Neben den rein fachlichen Innovationstreibern wirken auch administrative und gesellschaftliche Faktoren als Auslöser pflanzenbaulicher Forschungsthemen.
Die thematische Vielfalt des Pflanzenbaus ist die größte Herausforderung für eine effiziente Forschungsarbeit. Hier dürften die größten Potentiale in einem optimalen Austausch der Fachleute innerhalb und zwischen forschenden Einrichtungen sowie mit Beratung und Praxis liegen.
Zukünftige Aufgaben im Bereich Forschung: Erzeugung von Milch und Fleisch (Dr. Kay-Uwe Götz, Institut für Tierzucht (LfL)
Die Erzeugung von Milch und Fleisch wird auch in absehbarer Zukunft die wesentliche Einkommensquelle unserer Landwirte bleiben. Die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen, aber auch der technische Fortschritt bedingt in allen drei Disziplinen der tierischen Erzeugung einen steigenden Forschungsbedarf. Der angewandten öffentlichen Forschung kommt dabei eine wichtige Rolle zu, weil sie in besonderer Weise gesellschaftliche Anliegen in die Produktionspraxis transferieren kann und moderne interdisziplinäre Ansätze sehr gut verwirklichen kann. Die Betrachtung der Forschungsperspektiven der drei Disziplinen zeigt, dass die Verflechtungen in Zukunft noch deutlich enger werden und dass sich aus den Interaktionen neue Möglichkeiten zur Verbesserung der Leistung, der Gesundheit, der Ressourceneffizienz und des Wohlbefindens unserer Nutztiere ergeben werden. Die zunehmende Komplexität der Fragestellungen wird dabei auch neue Anforderungen
an die Qualifikation der Forscher und an deren Ausstattung stellen.

Präsentationen des Arbeitsschwerpunktes effiziente und nachhaltige Grünlandbewirtschaftung

Zuhörer bei einem Vortrag

Flächenmäßig stellt das Dauergrünland in Bayern mit rund einem Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche den größten Anteil. In der Bewirtschaftung ergeben sich eine Vielzahl von Fragen zur Bestandsführung, zur Umweltwirkung und der Verwertung beim Tier, so dass die meisten Institute der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in der Grünlandforschung tätig sind. Der Arbeitsschwerpunkt stellte bei der Wissenschaftstagung fünf Projekte als Beispiele für die interdisziplinäre Zusammenarbeit vor.  Mehr

Bildergalerie von der Wissenschaftstagung

Programm

Plenum im Max-Joseph-Saal der Residenz

  • Beginn: 9:15 Uhr
    • Begrüßung und Eröffnung Jakob Opperer, Präsident der LfL
    • Sicherung der globalen Lebensmittel- und Energieversorgung Josef Schmidhuber, FAO Rom
    • Die Bedeutung der angewandten Systemforschung im Agrarbereich Friedhelm Taube, Universität Kiel
    • Zukünftige Aufgaben im Bereich Forschung: Pflanzenbau Peter Doleschel, LfL-Institut für Pflanzenbau
    • Erzeugung von Milch und Fleisch Kay-Uwe Götz, LfL-Institut für Tierzucht
    • Die Agrar- und Ernährungswirtschaft in der gesellschaftsethischen Diskussion Clemens Dirscherl, EKD Ratsbeauftragter für soziale Fragen
    • Diskussion
  • Mittagspause: 12:30 Uhr bis 14:00 Uhr
  • Vier zeitgleiche Arbeitskreise: 14:00 Uhr bis 16:30 Uhr

Programm der Arbeitskreise

Arbeitskreis 1: Eiweißstrategie Bayern – heimische Eiweißquellen gezielt nutzen
Moderation: Robert Schätzl, LfL-Institut für Agrarökonomie
  • Anthracnose bei Rotklee: Ansätze zur Züchtung resistenter Sorten - Irene Jacob und Stephan Hartmann, LfL-Institut für Pflanzenbau
  • Vergleich der Verfahrenstechnik zur Sojaaufbereitung - Stefan Thurner, LfL-Institut für Tier und Technik, Robert Zeindl, TUM Freising und Ludwig Asam, FIBL Frankfurt
  • Ölpresskuchen als heimische Eiweißquelle im Forellenfutter - Reinhardt Reiter und Alexander Greiling, LfL-Institut für Fischerei
Kaffeepause
  • Einsatz von Rapsextraktionsschrot beim Schwein - Wolfgang Preißinger, Hermann Lindermayer, Günther Propstmeier und Simone Reindler, LfL-Institut für Tierernährung
  • Heimisches Eiweißfutter und Verbraucher: Umfrageergebnisse und Expertenbewertungen - Anne Uhl und Josef Schnell, LfL-Institut für Märkte
Arbeitskreis 2: Regenerative Energien - Biogas effizient erzeugen
Moderation: Andreas Weber, LfL-Institut für Tier und Technik
  • Optimierte und nachhaltige Biogasfruchtfolgen - Dorothea Hofmann, LfL-Institut für Pflanzenbau
  • Mikrobiologische Prozesse steuern und nutzen - Michael Lebuhn, LfL-Abteilung Qualitätssicherung und Untersuchungswesen
Kaffeepause
  • Biogasgärreste effizient und nachhaltig einsetzen - Fabian Lichti, LfL-Institut für Agrarökologie
  • Biogas als Baustein der Energiewende - Martin Strobl, LfL-Institut für Agrarökonomie
Arbeitskreis 3: Pilzbefall und Mykotoxine in Futter- und Nahrungsmitteln vermeiden
Moderation: Helmut Tischner, LfL-Institut für Pflanzenschutz
  • Vorkommen und Analyse von Mykotoxinen in pflanzlichen Erzeugnissen - Josef Rieder, LfL-Abteilung Qualitätssicherung und Untersuchungswesen
  • Vermeidung von Mykotoxinbildung in Silagen - Johannes Ostertag, LfL-Institut für Tierernährung
  • Bedeutung der Sortenzüchtung und Sortenauswahl für den Fusarium-Befall von Getreide - Lorenz Hartl und Ulrike Nickl, LfL-Institut für Pflanzenbau
Kaffeepause
  • Fusarium-Monitoring und gezielter Fungizideinsatz zur Fusarium-Bekämpfung in Getreide - Stephan Weigand, Peter Büttner und Peter Eiblmeier, LfL-Institut für Pflanzenschutz
  • Strategien zur Vermeidung von Fusarium-Pilzen und Mykotoxinbildung in Mais - Joseph-Alexander Verreet und Christoph Algermissen, Universität Kiel; Joachim Eder, LfL-Institut für Pflanzenbau; Michael Zellner, LfL-Institut für Pflanzenschutz
Arbeitskreis 4: Grünland effizient und nachhaltig bewirtschaften
Moderation: Hubert Spiekers, LfL-Institut für Tierernährung
  • Erträge, Nährstoffgehalte und Pflanzenbestände bayerischer Grünlandflächen - Michael Diepolder, Sven Raschbacher, Sabine Heinz und Gisbert Kuhn, LfL-Institut für Agrarökologie
  • Alternativen zu Mais im Futterbau – Aktuelle Ergebnisse von Feldversuchen in Gunstlagen - Stephan Hartmann und Andrea Wosnitza, LfL-Institut für Pflanzenbau
  • Effiziente Futterwirtschaft auf Betriebsebene - Brigitte Köhler, Michael Diepolder, Hubert Spiekers und Stefan Thurner, LfL-Institute für Tierernährung, Agrarökologie sowie Tier und Technik
Kaffeepause
  • Weide zur effizienten Grünlandnutzung - Siegfried Steinberger und Hubert Spiekers, LfL-Institut für Tierernährung
  • Milcherzeugung auf Grünland aus ökonomischer Sicht - Gerhard Dorfner, LfL-Institut für Agrarökonomie
Die vier Arbeitskreise verteilen sich je nach Teilnehmerzahl auf die verschiedenen Säle. Diese werden vor Ort bekanntgegeben.

Aus anderen Rubriken

Arbeitsschwerpunkt der LfL

Eiweißstrategie

Landwirtschaftliche Nutztiere werden in hohem Maße mit Eiweißträgern aus Übersee gefüttert. Insbesondere der Import von Sojabohnen und Sojaschrot gleicht derzeit die Unterversorgung Europas an Eiweißfutter aus. Prinzipiell lässt sich der Einfuhrbedarf an Futtereiweiß vermindern. Hilfreich dafür sind Anstrengungen in unterschiedlichen Bereichen der Tierernährung und des Pflanzenbaus. Mehr

Arbeitsschwerpunkt der LfL

Regenerative Energien

Die Endlichkeit fossiler Energieträger und die Notwendigkeit, zum Schutze der Umwelt vor dem Klima, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, zwingen zu konsequentem Energiesparen und kontinuierlichen Effizienzverbesserungen im Energieeinsatz, verbunden mit einem forcierten Ausbau Regenerativer Energien. Regenerative Energieerzeugung tangiert in besonderem Maße die Landwirtschaft. Aufgabe des Arbeitsschwerpunktes ist es, Forschungsaktivitäten der LfL auf diesem Gebiet zu bündeln, zu kommunizieren und Defizite aufzuzeigen; mit dem Ziel die Effizienz der regenerativen Energieerzeugung und -nutzung in der Landwirtschaft zu verbessern und nachhaltige Landnutzungsstrategien zu fördern. Mehr

Arbeitsschwerpunkt der LfL

Effiziente und nachhaltige Grünlandbewirtschaftung

Flächenmäßig stellt das Dauergrünland in Bayern mit rund einem Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche den größten Anteil. In der Bewirtschaftung ergeben sich eine Vielzahl von Fragen zur Bestandsführung, zur Umweltwirkung und der Verwertung beim Tier, so dass die meisten Institute der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in der Grünlandforschung tätig sind. Die Aktivitäten der einzelnen Institute und Abteilungen werden im Arbeitsschwerpunkt gebündelt. Mehr