Triticale – aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Triticale-Feld in Nahaufnahme

Heuer erzielte die Praxis in Bayern mit 55 dt/ha ein unterdurchschnittliches Ergebnis, das mit
rund 5 dt unter dem Schnitt der letzten 10 Jahre lag. Während in Südbayern etwa durchschnittliche Erträge erreicht wurden, verfehlten die Landwirte aus Nordbayern das Ertragsmittel der Region um etliche Doppelzentner. Die extreme Trockenheit in einigen Gebieten von Franken und der Oberpfalz ist hauptverantwortlich für das schwache Ergebnis. 2008, 2010 und 2011 bewegten sich die Erträge in Nordbayern auf ähnlichem Niveau wie heuer.
Der Krankheitsdruck war in diesem Jahr jedoch aufgrund der Trockenheit bayernweit meist gering und auch Lager trat eher selten auf.

In Bayern stand heuer nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Statistik auf knapp 74.000 ha Wintertriticale zur Körnernutzung und damit um einige Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Auf weiteren rund 16.000 ha wurde Wintertriticale zur Erzeugung von Ganzpflanzensilage angebaut. Die Fläche der Sommerform ist gering und umfasste ca. 2.000 ha.

Landessortenversuche

Ein geringer Krankheitsdruck zeigte sich auch in den Landessortenversuchen (LSV). Auf acht Orten standen über Bayern verteilt, vierzehn Sorten zur Prüfung, wobei alle Standorte auswertbar waren.
Alle Kandidaten wurden in zwei Intensitätsstufen geprüft, in einer extensiven Stufe 1 (ohne Fungizide; ohne/reduziert Wachstumsregler) und einer intensiven Stufe 2 (Fungizid- und Wachstumsreglereinsatz nach Bedarf). Die Unterschiede zwischen den beiden Varianten waren erwartungsgemäß gering. Im Mittel über alle Triticaleversuche wurden nur Mehrerträge von knapp 7 dt/ha erzielt. Wie auch im Vorjahr rentierte sich die Intensitätssteigerung somit häufig nicht.
Ganz gegensätzlich fielen die Ergebnisse 2015 und 2016 aus. In beiden Jahren traten Krankheiten oftmals massiv auf und der zusätzliche Pflanzenschutz brachte meist hohe Mehrerträge. In den LSV betrug der Stufenunterschied in beiden Jahren im Mittel 17 dt/ha (21 %) und der Zusatzaufwand lohnte sich an fast allen Orten.
Die Versuche von heuer und dem Vorjahr zeigen jedoch, dass es bei geringem Krankheits- und Lagerdruck oftmals nicht wirtschaftlich ist, Fungizide und Wachstumsregler einzusetzen. Dies trifft besonders beim Anbau gesunder und standfester Sorten zu. Bei feucht-warmer Witterung zur Blüte, vor allem in Verbindung mit Maisvorfrucht, kann eine Fusariumspritzung zur Senkung des Toxinrisikos allerdings sinnvoll sein.

Sortenwahl

Bei der Sortenwahl sollte neben dem Ertrag der Intensivvariante auch das Ergebnis der extensiven Stufe 1 sowie die Standfestigkeit und die Resistenzausstattung berücksichtigt werden. Denn Sorten mit ausgeglichen guten Anbaueigenschaften sind in der Regel problemloser in der Bestandesführung und kommen auch mit einem weniger intensiven Pflanzenschutz gut zurecht.
Da ein Großteil der Fruchtart Triticale verfüttert wird, ist der Gehalt an Fusariumtoxinen, zu denen das Deoxynivalenol (DON) gehört, im Erntegut von Bedeutung. Diese Toxine führen vor allem in der Schweinefütterung immer wieder zu gesundheitlichen Problemen. Besonders Schweinhalter sollten deshalb Sorten mit einer guten Fusariumresistenz wählen. Das Toxinrisiko lässt sich weiter senken, wenn zusätzliche ackerbauliche Maßnahmen wie z.B. die Vermeidung von Maisvorfrucht, die sorgfältige Zerkleinerung und Einarbeitung der Ernterückstände der Vorfrucht, eine wendende Bodenbearbeitung nach Maisvorfrucht sowie eine gezielte Fusariumspritzung zur Blüte bei Infektionsgefahr, ergriffen werden.
Die derzeit zugelassenen Sorten unterscheiden sich in ihrer Neigung zur DON-Bildung etwa um den Faktor fünf.
Soll Triticale vermarktet werden, fordert die aufnehmende Hand oftmals einen Mindestwert beim Hektolitergewicht. Dieser liegt meist zwischen 70 und 72 kg/hl. Auch in diesem Merkmal variieren die Sorten. In den Versuchen betragen die Unterschiede zwischen der besten (Cedrico) und der schwächsten Sorte (Temuco) 3-4 kg.
Die Erträge werden im Folgenden nach Stufe 1 und 2 getrennt ausgewiesen. Die extensive Stufe dient der Beschreibung der Resistenzeigenschaften und der Lagerneigung der Sorten. Die intensive Stufe mit bedarfsgerechtem Wachstumsregler- und Fungizideinsatz gibt dagegen Auskunft über das Ertragsvermögen bei intensiver Bestandesführung.

Aktuelle Ergebnisse und Sortenempfehlung