Forschungs- und Innovationsprojekt
Betriebliche Eigenkontrolle der Tiergerechtheit in der Rinderhaltung - Projekt "INZEIT"

INZEIT - Praxistauglichkeit von Indikatoren zur betrieblichen Eigenkontrolle der Tiergerechtheit in der Rinderhaltung

Seit 2014 verpflichtet das Tierschutzgesetz [§11(8)] Nutztierhalter, neben der täglichen Routinekontrolle, eine betriebliche Eigenkontrolle durchzuführen. Im Projekt INZEIT sollen auf 16 bayerischen Milchvieh- und Mastbetrieben zwei Systeme zur Durchführung der Eigenkontrolle auf ihre Praxistauglichkeit untersucht werden.

Gesetzlicher Hintergrund

Tierschutzgesetz [§11(8)]
"Wer Nutztiere zu Erwerbszwecken hält, hat durch betriebliche Eigenkontrolle sicherzustellen, dass die Anforderungen des § 2 eingehalten werden. Insbesondere hat er zum Zwecke seiner Beurteilung, dass die Anforderungen des § 2 erfüllt sind, geeignete tierbezogene Merkmale (Tierschutzindikatoren) zu erheben und zu bewerten."
Bei der betrieblichen Eigenkontrolle soll der Tierbestand systematisch beurteilt werden. Dies ermöglicht die rechtzeitige Erkennung möglicher Tierschutzprobleme und erleichtert bei Bedarf die fundierte Umsetzung von Maßnahmen.
Bis dato gibt das Gesetz bezüglich der Umsetzung der Eigenkontrolle keine Angaben vor.

Überblick Projekt "INZEIT"

Im vorliegenden Projekt „Praxistauglichkeit von Indikatoren zur betrieblichen Eigenkontrolle der Tiergerechtheit in der Rinderhaltung“ – kurz INZEIT, wird die Durchführung der Eigenkontrolle mit Hilfe von tierbezogenen Indikatoren verfolgt. Diese haben zum Vorteil, dass über Verhalten bzw. die Gesundheit der Tiere unmittelbar auf das Wohlergehen der Tiere und die Tiergerechtheit des Haltungssystemes geschlossen werden kann.
Auch der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sieht in seinem Gutachten „Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung" (2015) routinemäßige betriebliche Eigenkontrollen anhand tierbezogener Indikatoren als wichtigen Aspekt für die Entwicklung einer zukunftsfähigen, in weiten Teilen der Bevölkerung akzeptierten Tierhaltung.
Zu Beginn des Projektes INZEIT, werden die teilnehmenden Landwirte befragt, wie sie bisher die Eigenkontrolle durchführen. Im Projekt sollen zwei Systeme zur Durchführung der Eigenkontrolle auf ihre Praxistauglichkeit untersucht werden:
  • der „Tierschutzindikatoren“-Leitfaden für die Praxis – Rind des KTBL sowie
  • das für eine Schwachstellenanalyse entwickelte digitale Beratungstool „Cows And More“ der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.
Im Projekt sollen kleinstrukturierte Rinderbetriebe mit typisch bayerischen Bedingungen abgebildet werden. Ziel des Projektes ist es, eine Methode zur Durchführung der betrieblichen Eigenkontrolle empfehlen zu können, die in der Praxis funktioniert.
Die Erfahrungen aus dem Projekt INZEIT werden in die bundesweite Diskussion zur betrieblichen Eigenkontrolle einfließen. Zudem soll das Projekt die Basis für weitere politische Entscheidungen zur Eigenkontrolle darstellen.

Vorgehensweise

Zunächst werden 16 bayerische Betriebe mit jeweils 10-50 Rindern ausgewählt, hiervon

  • 4 Milchviehbetriebe mit Anbindehaltung
  • 4 Milchviehbetriebe mit Laufstallhaltung
  • 4 Milchviehbetriebe mit Almhaltung
  • 4 Rindermastbetriebe auf Vollspalten bzw. Tretmist.
Landwirt mit Tablet in der Hand bei der Eigenkontrolle in StallZoombild vorhanden

Eigenkontrolle durch den Landwirt

Die Betriebsleiter der teilnehmenden Praxisbetriebe erhalten vor Ort oder per Online-Seminar eine Schulung zur Durchführung der betrieblichen Eigenkontrolle. Über einen Zeitraum von zwei Jahren führt der Landwirt selbstständig die betriebliche Eigenkontrolle im Verlauf der Jahreszeiten durch. Dabei erfasst er die Daten mithilfe des KTBL-Leitfadens und der Managementsoftware „Cows And More“ auf einem Tablet.

Bei mehreren Betriebsbesuchen wird der Landwirt intensiv durch die Projektmitarbeiter unterstützt, wozu auch Paralleldatenerfassungen und Erfahrungsaustausch zählen. Zusätzlich werden die Tierhalter bei einem Interview zur Praktikabilität, zur methodischen Nachvollziehbarkeit sowie zum Nutzen der Eigenkontrolle befragt. Anhand des Feedbacks sowie der Ergebnisse zur Beobachterübereinstimmungen der Tierhalter werden die Leitfäden und das Schulungskonzept weiterentwickelt.

Nutzen für teilnehmende Projektlandwirte

  • Aktives Mitgestalten in der Durchführung der betrieblichen Eigenkontrolle
  • Proaktiver Zugang zur Tierwohldebatte
  • Vorzeigeprojekt für transparente Kommunikation mit der Öffentlichkeit
  • Frühzeitiges Erkennen von möglichen Tierschutzproblemen / Frühwarnsystem: Einzelbetriebliches Herdenmanagement
  • Ableitung betriebsindividueller Optimierungsmaßnahmen
  • Überbetriebliches, anonymes Benchmarking
  • Kostenfreie Nutzung der digitalen Systeme während der Projektlaufzeit
  • Erfüllen der gesetzlichen Pflicht

Projektziele

  • Erprobung und Beurteilung verschiedener digitaler Systeme zur betrieblichen Eigenkontrolle bzw. Schwachstellenanalyse unter bayerischen Bedingungen
  • Untersuchung der Effekte unterschiedlicher Schulungsarten auf Qualität und Nutzbarkeit der erhobenen Daten
  • Abstimmung spezieller Anforderungen unter bayerischen Bedingungen mit dem bundesweiten BLE-Projekt „Eigenkontrolle Tiergerechtheit“, um zukünftig ein einheitliches Vorgehen zu ermöglichen
  • Einbringung der Ergebnisse in einen nationalen Bewertungsrahmen
Projektinformation
Projektleitung: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
Projektleitung an der LfL: Dr. Jan Harms
Projektbearbeitung: Martina Leißner, Sarah Seiler
Laufzeit: 2017 - 2020
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV), Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF)
Projektpartner: Thünen-Institut Trenthorst, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
Förderkennzeichen: 72238