Forschungs- und Innovationsprojekt
Unversehrte Ferkelschwänze durch optimierte Fütterung

Ferkel mit Ringelschwanz steht auf Rostboden.

Unversehrte Ferkelschwänze in konventionellen Ställen durch eine optimierte Fütterung bewahren (FeedWel)

Die erfolgreiche Haltung unkupierter Ferkel muss zukünftig auch in konventionellen Ställen gelingen, da nicht alle Landwirte auf Premium-Tierwohlställe mit Außenklimareiz und Einstreu umstellen können. Eine Schlüsselrolle könnte hierbei dem Futter zukommen. Ansatzpunkte sind die Faserzusammensetzung der Futterkomponenten und die individuelle Wahlmöglichkeit der Ferkel bezüglich der Nährstoffzusammensetzung.

Zielsetzung

Im Rahmen des Projekts wurden drei verschiedene Futterkonzepte erprobt und ihre Wirkung auf das Auftreten von Schwanzverletzungen und Schwanzbeißen bei unkupierten Aufzuchtferkeln, auf Wachstum, Tiergesundheit und Futterverbrauch beobachtet. Durch eine Optimierung von Futter und Fütterungsstrategie soll die erfolgreiche Haltung unkupierter Ferkel auch in konventionellen Ställen ermöglicht werden.

Methode

Folgende Futterkonzepte wurden geprüft:

  • "Roggen + Wahl"
    Ferkelaufzuchtfutter mit Gerste und Roggen als Getreidekomponenten, Wahlfütterung, stark-NP-reduziert. Die Ferkel können jederzeit zwei gleichzeitig angebotene Futtermischungen mit unterschiedlicher Nährstoffkonzentration nach individueller Wahl aufnehmen.
  • "Weizen"
    Ferkelaufzuchtfutter mit Gerste und Weizen als Getreidekomponenten, Phasenfütterung, stark-NP-reduziert. Im Übergang zwischen zwei Phasen werden die Futtermischungenen verschnitten.
  • "Roggen"
    Ferkelaufzuchtfutter mit Gerste und Roggen als Getreidekomponenten, Phasenfütterung, stark-NP-reduziert. Im Übergang zwischen zwei Phasen werden die Futtermischungen verschnitten.
Abb. 1 Zusammensetzung der Futterrationen

Im konventionellen Stall standen zur Verfügung:

  • Je Futtervariante vier Buchten mit 20 unkupierten Ferkeln
  • 0,5 m² Buchtenfläche je Ferkel
  • Perforierter Boden mit Heizfläche, ohne Einstreu
  • Geschlossener Stall, technische Lüftung, eine Klimazone
  • Heu ad libitum aus Raufe
  • Zwei Beckentränken und zwei Tränkenippel

Folgende Daten wurden erfasst

  • Tierwohl anhand tierbezogener Indikatoren, vor allem Verletzungen und Teilverluste an Schwänzen und Ohren
  • Körpermasseentwicklung, Futteraufwand und Wasserverbrauch
  • Stallklima
  • Tierverhalten

Ergebnisse

Im folgenden sind im Überblick die Versuchsergebnisse der tierbezogenen Parameter, wie auch der stall- und managementbezogenen Parameter dargestellt.

Ergebnisse der tierbezogenen Parameter

Veränderungen und Verletzungen an Schwanz, Ohren und Integument - Bonitur nach dem Deutschen Schweine Bonitur Schlüssel (DSBS)
Der Deutsche Schweine Bonitur Schlüssel (DSBS) erfasst eine Reihe verschiedener Veränderungen und Verletzungen an den Schwänzen und Ohren sowie am Integument der Tiere. Die unkupierten Ferkel wurden wöchentlich einmal über die gesamte Dauer der Ferkelaufzucht mittels des DSBS sehr detailliert untersucht. Bewertet wurden unter anderem die Durchbrechungen der Haut (DB) in den Schweregraden 1 bis 3 (DB1 etc.), nekrotische Veränderungen (N) und Längenverluste unterschiedlicher Schweregrade (LV1: Verlust bis 1/3 der Gesamtlänge, LV2: Verlust bis 2/3 der Gesamtlänge). Weitere Parameter waren flächige Veränderungen, wie beispielsweise Krusten oder Verfärbungen, oder Schwellungen. Insgesamt wurden 5671 Einzelbonituren durchgeführt, die sich gleichmäßig über die drei Versuchsvarianten verteilten.
Im gesamten Versuchsverlauf waren geringgradige, oberflächliche Hautdurchbrechungen (DB1) in allen Versuchsvarianten sichtbar, welche als Technopathien zu deuten sind und nicht zwangsläufig im weiteren Verlauf zu schwereren Verletzungen führen (s. Abb. 2 bis Abb. 4). Die großflächigeren, tieferen Verletzungen (DB2) traten im Verlauf der Aufzuchtphase meist ab der dritten Aufzuchtwoche vermehrt auf, wobei der Anteil betroffener Tiere zwischen den Versuchsgruppen unterschiedlich hoch war: die Tiere der Roggen+Wahl-Variante wiesen einen geringeren Anteil auf als die beiden Phasenfütterungen mit Roggen bzw. Weizen. In der Roggen-Gruppe traten in der zweiten und dritten Woche und in der Weizen-Gruppe in der vierten Woche ein erhöhter Anteil an Nekrosen auf. Der höhere Anteil an Hautdurchbrechungen und Nekrosen wirkte sich später auf den Anteil an Längenverlusten aus: In den Varianten der Phasenfütterung war der Anteil Ferkel, die einen Längenverlust am Schwanz aufwiesen, höher.
Abb. 2 Roggen+Wahl - prozentuale Häufigkeit ausgewählter Parameter des DSBS im Verlauf der Ferkelaufzucht
Abb 3 Weizen - prozentuale Häufigkeit ausgewählter Parameter des DSBS im Verlauf der Ferkelaufzucht
Abb. 4 Roggen - prozentuale Häufigkeit ausgwählter Parameter des DSBS im Verlauf der Ferkelaufzucht
Die Erfassung des Grades der Hautdurchbrechung umfasste deren Lokalisation am unkupierten Schwanz (s Abb. 5). Über die Hälfte der erfassten, schwerwiegenderen Hautdurchbrechungen befanden sich im dritten Drittel, der Spitze bzw. an mehreren Abschnitten des Schwanzes.
Abb. 5 Lokalisation der Hautdurchbrechungen Grad 2 und 3 am unkupierten Schwanz
Befunde an den Ohren (6 % der insgesamt 5671 Einzelbonituren) und am Integument (0,2 %) traten nur sehr selten auf.
Bewertung der Verkaufsfähigkeit

Zum Abschluss der Ferkelaufzucht wurden alle Ferkel durch einen unabhängigen LKV-Berater praxisnah auf ihre Verkaufsfähigkeit als ‚Langschwanz‘ bewertet. Diese Bewertung umfasste die Kategorien:

  • Verkaufsfähig als unversehrter Langschwanz
  • Verkaufsfähig als Langschwanz mit geringfügiger Verletzung
  • Verkaufsfähig mit abgeheiltem Längenverlust, kein Langschwanz
  • Nicht verkaufsfähig, verletzt
Abb. 6 Anteil der Bewertung der Verkaufsfähigkeit
Die praxisnahe Bewertung der Verkaufsfähigkeit basierte auf weniger strengen Kriterien als der DSBS, woraus Unterschiede in der Kategorisierung der Längenverluste entstanden. Der Anteil der nach LKV unversehrt als Langschwanz verkaufsfähigen Ferkel betrug in der Gruppe Roggen+Wahl 89 %, in der Weizen-Gruppe 84 % und in der Roggen-Gruppe 76 %. Der Anteil an leicht verletzten, aber als Langschwanz verkaufsfähigen Ferkel lag in der Roggen+Wahl- und der Weizen-Gruppe bei 2 %, in der Roggen-Gruppe bei 7 %. Verkaufsfähig, aber durch einen Längenverlust nicht als Langschwanz vermarktbar, waren in der Roggen+Wahl-Gruppe 9 %, in der Weizen-Gruppe bei 15 % und in der Roggen-Gruppe bei 14 % (s. Abb. 6).
Körpermasseentwicklung und Futteraufwand
Die Körpermasse der Versuchsferkel wurde im Verlauf der Datenerhebung mehrfach erhoben: am 21. Lebenstag (LT) zur Einteilung in die Versuchsbucht, am 28. LT zur Einstallung in die Ferkelaufzucht, am 61. LT zur Futterumstellung und am 75. LT zur Ausstallung. Die Differenz der Wiegeergebnisse wurde für jedes Ferkel individuell berechnet und für die jeweilige Fütterungs-Variante zu einem Mittelwert zusammengefasst.
Das mittlere Einstallgewicht lag bei 6,3 kg, das mittlere Ausstallgewicht lag bei 30,7 kg. Daraus ergab sich über alle Abteile und Durchgänge hinweg ein mittlerer Zuwachs von 22,7 kg und eine tägliche Zunahme von 489 g, wobei hier eine erkennbare Differenz zwischen der Roggen-Ration in den Abteilen Roggen+Wahl (494 g) und Roggen (492 g) und der Weizen-Ration in Abteil Weizen (480 g) sichtbar war (s. Tab. 1).
Tab. 1 Körpermasseentwicklung – mittleres Gewicht zu den Wiegeterminen im Verlauf des Versuchs, berechneter Zuwachs und tägliche Zunahme
VarianteLT21 [kg]LT28 [kg]LT61 [kg]LT75 [kg]Zuwachs [kg]tgl. Zunahme [g]
Roggen+Wahl6,37,821,531,023,2494
Weizen6,37,721,530,322,5480
Roggen6,37,721,430,823,1492
MW6,37,821,530,723,0489
Der Futteraufwand wurde aus der ausdosierten Menge je ad. lib. Trockenfutterautomat in Kilogramm erfasst. Basierend auf diesem Wert wurde mittels der taggenauen Anzahl Ferkel, die an diesen Automaten fraßen, der Futteraufwand pro Tier und Tag, pro Woche und für die gesamte Dauer der Aufzucht ermittelt. Daraus wurde der mittlere Futteraufwand für die entsprechende Versuchs-Variante berechnet.
Im Mittel betrug der Futteraufwand pro Ferkel 39,4 kg für die gesamte Dauer der Aufzucht, wobei zwischen den Versuchs-Varianten eine Differenz von bis zu 1,2 kg auftrat (s. Tab. 2). Diese Differenz ist ebenfalls im Futteraufwand pro Tier und Tag in den einzelnen Wochen im Verlauf der Aufzucht sichtbar: der Unterschied im Aufwand pro Tier und Tag lag bei bis zu 160 g.
Tab. 2 Futteraufwand – mittlerer Futteraufwand pro Tier und Tag [kg] nach Woche im Verlauf der Ferkelaufzucht, Futteraufwand [kg] pro Ferkel über die gesamte Aufzucht
VarianteWoche 1Woche 2Woche 3Woche 4Woche 5Woche 6Woche 7gesamt / Ferkel [kg]
Roggen+Wahl0,4600,5370,7971,0031,0631,2991,46340,6
Weizen0,2960,4480,6780,8500,9731,2341,40738,7
Roggen0,2950,4330,6850,8520,9641,2691,41638,9
MW0,3500,4720,7200,9021,0001,2671,42839,4
Die Futteraufwand pro Kilogramm Zuwachs für die Versuchsvariante ergab sich aus dem Quotienten des mittleren Futteraufwands pro Ferkel und dem mittleren Zuwachs. In der Variante Roggen+Wahl wurde je Ferkel 40,6 kg Futter vorgelegt und der Zuwachs betrug im Mittel 23,2 kg, woraus sich ein Futteraufwand pro Kilogramm Zuwachs von 1,75 ergab (s. Tab. 3). In der Weizen-Gruppe lag der Futteraufwand bei 38,7 kg, der Zuwachs bei 22,5 kg und de4r Futteraufwand je kg Zuwachs bei 1,72. In der Roggen-Gruppe lag der Futteraufwand bei 38,9 kg, der Zuwachs bei 23,1 kg und der Futteraufwand je kg Zuwachs bei 1,68.
Tab. 3 Futteraufwand pro Kilogramm Zuwachs – mittlerer Futteraufwand pro Ferkel [kg] gegenüber dem mittleren Zuwachs [kg], sowie der daraus berechnete Quotient
VarianteFutteraufwand pro Ferkel [kg]Zuwachs [kg]kg Futter pro kg Zuwachs
Roggen+Wahl40,623,21,75
Weizen38,722,51,72
Roggen38,923,11,68
Tiersignale
Die aufmerksame und genaue Beobachtung der Ferkel hinsichtlich ihres Verhaltens, kann ein hilfreicher Indikator für Unruhe, Stoffwechselbelastung, Verletzungen und ein sich möglicherweise anbahnendes Schwanzbeißen sein. Für die Einschätzung der ‚Stimmung‘ auf Buchtenebene wurden verschiedene Parameter definiert: die Position des unkupierten Schwanzes, der Haarverlust an der Kuppe und Schwanzbasis, die Darstellung der Körperoberflächentemperatur mittels Thermografie und das Auftreten von Kratzern am Integument. Die Position des Schwanzes wurde unterteilt in geringelt (optimal), hängen (verminderte Muskelspannung), wedeln (Unruhe) und eingeklemmt (Hinweis auf Verletzung). Die übrigen Parameter wurden binär nach vorhanden oder nicht vorhanden erfasst. Die Anzahl der Ferkel je Bucht, die den entsprechenden Parameter aufwiesen, wurden zwei Mal pro Woche dokumentiert. Daraus wurde der prozentuale Anteil je Erhebungstermin im Verlauf der Ferkelaufzucht ermittelt.
Grundsätzlich war ein Anstieg der Abweichungen der Schwanzposition von der optimalen Position (geringelt) ein Anzeichen für Unruhe und zeigte einen ähnlichen zeitlichen Verlauf wie die Ergebnisse des DSBS. Je schwerwiegender die Veränderungen am Schwanz waren (DSBS DB2+3, Nekrosen), desto höher war der Anteil der hängenden, wedelnden oder eingeklemmten Schwänze. Der Verlauf des Anteils der auffälligen Ferkel in den Thermografieaufnahmen deckte sich stark mit der visuellen Beurteilung der Haarlosigkeit an Kuppe und Schwanz. Der Anteil der Ferkel, die Kratzer am Integument aufwiesen stieg in der Regel kontinuierlich an und könnte einen Zusammenhang mit der zunehmenden Ressourcenknappheit zum Ende der Ferkelaufzucht aufzeigen.
Der Anteil der Ferkel, die bezüglich verschiedenen Tiersignale Abweichungen und Auffälligkeiten zeigten, waren in der Roggen+Wahl-Gruppe am geringsten und in der Weizen Gruppe am höchsten. Die Abweichungen und Auffälligkeiten waren in allen Versuchsbehandlungen in der dritten und vierten Aufzuchtwoche am höchsten.
Werden einzelne Buchten betrachtet , zeigte sich ein sehr deutlicher Unterschied in der Verteilung der Häufigkeit des Auftretens der Parameter (s. Abb. 7 und Abb. 8). Im Vergleich der einzelnen, erhobenen Parameter zeigte sich, dass die Betrachtung der Schwanzposition ein hilfreicher und einfach zu erfassender Anhaltspunkt war, um Veränderungen am Schwanz und Unruhe frühzeitig zu erkennen und entsprechende prophylaktische Maßnahmen zu ergreifen.
Abb. 7 Tiersignale - Anteil der Verteilung der Parameter im Verlauf der Ferkelaufzucht in der Weizen-Gruppe DG1, V163
Abb. 8 Tiersignale - Anteil der Verteilung der Parameter im Verlauf der Ferkelaufzucht in der Weizen-Gruppe DG1, V165

Ergebnisse der stall- und managementbezogenen Parameter

Lufttemperatur
Über die gesamte Versuchsdauer wurde die Lufttemperatur in den Versuchsabteilen kontinuierlich in 15-Minuten-Intervallen aufgezeichnet. Das Liegeverhalten der Ferkel wurde beobachtet und die Soll-Temperatur bei Bedarf nachgesteuert. Die 96 Einzel-Messwerte pro Tag wurden als Tagesmittel zusammengefasst und für die 47 Aufzuchttage neben der Soll-Temperatur dargestellt.
Die Tagesmittelwerte der einzelnen Versuchsabteile lagen grundsätzlich in einem ähnlichen Temperaturbereich, allerdings wies das Weizen-Abteil im Vergleich der Versuchsabteile durchweg eine leicht höhere Lufttemperatur auf, das Roggen-Abteil niedrigere Werte. Im ersten Durchgang lag das Tagesmittel anfangs unter, ab LT38 über der Soll-Temperatur (s. Abb. 9). Die Ferkel zeigten keine Haufenlage, bzw. später Streulage als mögliche Anzeichen von Kälte oder Hitze, und die Soll-Temperatur wurde nicht angepasst. Der zweite Durchgang wies zunächst sehr eng an der Soll-Temperatur liegende Temperaturwerte auf, wobei die Differenz der Lufttemperatur in allen Abteilen zu der Soll-Temperatur ab ca. den LT48 anstieg (s. Abb. 10). Durch die abfallende Außentemperatur, fielen auch die Lufttemperaturen in den Stallungen um den LT60 ab. Eine Anpassung der Lüftungsrate war auch in diesem Versuchsdurchgang auf Grund des Liegeverhaltens der Tiere nicht nötig. Im dritten Durchgang lag die Lufttemperatur in den Stallungen durchgehend enger an der soll-Temperatur, da hier regelmäßig die Lüftungsrate angepasst wurde, nachdem die Tiere eine deutliche Streulage, ein Hinweis auf Hitzebelastung, zeigten (s. Abb. 11). Dies erfolgte in enger Absprache und Kontrolle, um Atemwegsproblematiken durch Zugluft zu vermeiden.
Abb. 9 Verlauf der Lufttemperatur (Tagesmittel) über die Ferkelaufzucht in DG1 (27.03. - 13.05.2025)
Abb. 10 Verlauf der Lufttemperatur (Tagesmittel) über die Ferkelaufzucht in DG2 (29.05. - 15.07.2025)
Abb. 11 Verlauf der Lufttemperatur (Tagesmittel) über die Ferkelaufzucht in DG3 (31.07. - 16.09.2025)
Schadgase
Analog zur Erfassung der Lufttemperatur wurde die Konzentration der Schadgase Ammoniak und Kohlenstoffdioxid in der Luft erfasst. Die erhobenen Werte wurden für die einzelnen Versuchsdurchgänge und -abteile aufbereitet. Zur Übersicht wurde die relative Häufigkeit der gemessenen Konzentrationen in Klassen und über alle Durchgänge zusammengefasst (s. Tab. 4 und Tab. 5).
Über 80 % der gemessenen Ammoniak-Konzentration im Weizen-Abteil lagen zwischen 6 – 10 ppm, im Roggen+Wahl- und Roggen-Abteil zwischen 0 – 6 ppm. Im Weizen-Abteil lagen 0,8 % der Werte über 20 ppm.
Die Messwerte der CO2-Konzentration zeigten eine weniger abweichende Verteilung, zumal die Einordnung der Werte über einen deutlich größeren Messbereich bis zu 3000 ppm eingeordnet wurde. Die Versuchsabteile Roggen+Wahl und Roggen zeigten eine breitere Verteilung der Messwerte über den dargestellten Bereich bis 3000 ppm als das Weizen-Abteil. Der Grenzwert von 3000 ppm wurde im Roggen+Wahl-Abteil bei 1,2 % und im Roggen-Abteil bei 13,7 % der Messwerte überschritten.
Der relative Anteil der Messwerte in der Versuchsbehandlung Weizen lag ca. zu Hälfte im Konzentrationsbereich von 1000 ppm bis 1600 ppm. In den Versuchsbehandlungen Roggen+Wahl und Roggen lagen über die Hälfte der Messwerte im Konzentrationsbereich von 1200 ppm bis 1400 ppm.
Tab. 4 Relative Häufigkeit der Werte der gemessenen Ammoniakkonzentrationen über alle Versuchsdurchgänge (n = 39.262)
Ammoniak [ppm]Roggen+WahlWeizenRoggen
>2000,80
18-200,30,60
16-182,11,00,2
14-165,01,80,6
12-143,82,83,3
10-126,23,83,0
8-1027,04,45,4
6-854,35,45,3
4-6010,58,2
2-4029,516,6
0-21,239,557,6
Messwerte [n]135391353912184
Tab. 5 Relative Häufigkeit der Kohlendioxidkonzentration über alle Versuchsdurchgänge (n = 39.262)
Kohlendioxid [ppm]Roggen+WahlWeizenRoggen
> 30001,2013,7
2900-30000,500,9
2800-29000,400,7
2700-28000,500,8
2600-27000,800,7
2500-26001,200,7
2400-25001,500,8
2300-24002,100,9
2200-23002,401,0
2100-22002,101,0
2000-21002,301,1
1900-20002,502,5
1800-19002,60,21,1
1700-18002,81,50,3
1600-17003,13,81,0
1500-16004,714,01,8
1400-15005,818,07,4
1300-14006,129,818,2
1200-13009,432,540,1
1100-120011,10,25,3
1000-110011,000
900-10009,800
800-9008,400
700-8005,700
600-7001,900
< 6000,100
Messwerte [n]135391353912184
Aufwand und Beschäftigungsmaterial
Als prophylaktische und kurative Maßnahme bei Schwanzbeißen wurden den Ferkeln, wie in der Praxis üblich, verschiedene Beschäftigungsmaterialien angeboten. Insgesamt zeigte sich der Bedarf bzw. der Aufwand an zusätzlichem Beschäftigungsmaterial sehr buchtenindividuell.
Die insgesamt aufgewendete Menge an Beschäftigungsmaterial und -futter wurde im Mittel je Bucht und Durchgang berechnet (s. Tab. 6). Die Menge an Heu je Bucht und Durchgang schwankte zwischen den Versuchsbehandlungen geringfügig um 4,2 kg. Deutlicher zeigte sich ein Unterschied im Aufwand von Heucobs als zusätzlichem Beschäftigungsfutter: die aufgewendete Menge schwankte zwischen den Versuchsbehandlungen zwischen 2,5 kg (Roggen+Wahl) und 9,7 kg (Roggen) je Bucht und Durchgang. Dadurch dass die Wühlerde lediglich in der Roggen+Wahl-Gruppe standardmäßig vorgelegt wurde belief sich der mittlere Aufwand je Bucht und Durchgang hier auf 2,3 Säcke, in den Versuchsbehandlungen Weizen und Roggen wurde lediglich in einer Bucht der Weizen-Gruppe kurzfristig Wühlerde als Beschäftigungsmaterial angeboten. Fischmehl wurde in der Einheit ‚halbe Schaufel‘ vorgelegt. Ähnlich dem Aufwand der Menge Heucobs, zeigte sich ein Unterschied in der Häufigkeit der Vorlage: in der Versuchsbehandlung Roggen+Wahl wurden im Mittel 1,6-mal eine halbe Schaufel Fischmehl pro Bucht und Durchgang vorgelegt, in der Weizen-Gruppe 2,9 Mal und in der Roggen-Gruppe 4,7-mal. Der Aufwand an Jutesäcken und Sisalseilen zeigte eine ähnliche Verteilung des Aufwandes zwischen den Versuchsgruppen: der Versuchsbehandlung Roggen+Wahl wurde der geringste Anteil an zusätzlichem Beschäftigungsmaterial (0,7 Jutesäcke und 0,4 Stück Sisalseil pro Bucht und Durchgang) vorgelegt. In der Weizen-Gruppe belief sich der Aufwand auf 1,3 Jutesäcke und 1,4 Stück Sisalseil und in der Roggen-Gruppe auf 1,9 Jutesäcke und 2,3 Stück Sisalseil.
Der Aufwand an Heu als Standardraufutter belief sich auf im Mittel 4,8 g pro Tier und Tag, wobei die Werte zwischen den Versuchsbehandlungen geringfügig schwankten. Der Aufwand an Heucobs als zusätzliches Beschäftigungsfutter belief sich auf 7,4 g pro Tier und Tag und zeigte einen deutlichen Unterschied zwischen den Versuchsbehandlungen: in der Roggen+Wahl-Gruppe wurde ein Aufwand von 2,8 g pro Tier und Tag im Mittel errechnet, in der Weizen-Gruppe von 8,6 g und in der Roggen-Gruppe von 10,9 g.
Tab. 6 mittlere, aufgewendete Menge an Beschäftigungsmaterial und Futter je Bucht und Durchgang
BeschäftigungsmaterialRoggen+Wahl WeizenRoggenMW
Heu [kg]4,14,14,54,2
Heucobs [kg]2,57,79,76,6
Wühlerde [Sack]2,30,10,00,8
Fischmehl [0,5 Schaufel]1,62,94,73,1
Jutesack [Stück]0,71,31,91,3
Sisalseil 1,2 m [Stück]0,41,42,31,4

Fazit und Schlussfolgerungen

Die im FeedWel-Projekt untersuchten Versuchsbehandlungen mit den verschiedenen Fütterungs-Varianten zeigten unterschiedliche Anteile an Verletzungen und Veränderungen am Schwanz und im Anteil ihrer Verkaufsfähigkeit als ‚intakten Langschwanz‘: die Variante der Wahlfütterung mit Roggen-Anteil wies die wenigsten Befunde nach dem DSBS und den höchsten Anteil an unversehrten, unkupierten Ferkelschwänzen auf. Dies lässt auf einen positiven Effekt der Wahlfütterung mit Roggen-Anteil auf die Haltung unkupierter Ferkel schließen.
Der gesamte Futteraufwand in der Ferkelaufzucht war in der Variante Wahlfütterung mit Roggen pro Ferkel (40,6 kg) um bis zu 2 kg höher als in den anderen Varianten, wobei nicht nachvollzogen werden kann, ob der Mehraufwand in einer erhöhten Futteraufnahme oder in einem höheren Futterverlust begründet ist. Neben dem höchsten Futteraufwand war die tägliche Zunahme in der Wahlfütterung mit Roggen (494 g) am höchsten, in der Roggen-Gruppe geringfügig niedriger (492 g), Weizen-Gruppe wies niedrigere Zunahmen (480 g) auf.
Die Erhebung der Tiersignale zeigten sich als praktikables und hilfreiches Mittel zur Einschätzung der ‚Stimmung‘. Sie gaben einen soliden Hinweis auf Unruhe und beginnende Verletzungen an den unkupierten Schwänzen, wodurch frühzeitig prophylaktische Maßnahmen gegen weitere Verletzungen und Schwanzbeißen ergriffen werden konnten, der auch in der Praxis angewandt werden kann.
Die Lufttemperatur in den konventionellen Stallungen war zeitweise erhöht und die Ferkel zeigten Anzeichen von Hitzebelastung. Die Klimatechnik bedarf einer Überprüfung und Anpassung, um den Temperaturanforderungen der Tiere, vor allem in den Sommermonaten, gerecht zu werden und Hitzebelastung zu vermeiden. Die Belastung der Stallluft mit Schadgasen zeigte punktuelle Spitzen, steht in diesem Versuch allerdings nicht im Verdacht eine relevante Belastung für die Ferkel dargestellt zu haben.
Der Aufwand an Beschäftigungsmaterial richtete sich nach dem Bedarf der Ferkel bzw. erfolgte Vorlage nach subjektiver Einschätzung bei Unruhe und Verletzungen.

Ausblick

Die Wahlfütterung mit Roggen-Anteil zeigte erste Erfolge in der Haltung unkupierter Ferkel in konventionellen Stallungen, allerdings noch nicht an die Erfolge in alternativen Ferkelaufzuchtsystemen anschließen kann. In einem anschließenden Projekt PigWel sollen die Versuchsergebnisse aus dem Tierwohl Ferkelaufzucht und FeedWel-Projekt zusammengeführt werden: Die konventionellen Buchten werden um einen Auslauf ins Freie erweitert und den Ferkeln so der Zugang zum Außenklima ermöglicht. Dies stellt eine für viele Landwirte interessante Umbaulösung dar. Eine weitere Umbauvariante, bei der im geschlossenen Stall eine erhöhte Ebene eingebaut und so die Buchtenfläche deutlich erhöht wird, wird ab 2027 untersucht werden.

Projektinformation
Projektleitung: Dr. C. Jais, Dr. W. Preißinger
Projektbearbeitung: M. Krebs, A. Schiefer, P. Heubach, Staatsgut Schwarzenau
Laufzeit: 01.01.2025–31.12.2025
Versuchsort: Bayerische Staatsgüter, Staatsgut Schwarzenau
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus
Förderkennzeichen: A/24/05