Einsatz von Zwischenfrüchten in der Wiederkäuerfütterung

Klee-Zwischenfrucht im Feldbestand

Zwischenfrüchte helfen dabei, die Futterversorgung abzusichern.

Als Bestandteil von Sandwichsilagen kann die Fütterung gleichmäßiger gestaltet werden und gerade in trockenen Gebieten dient ein Kleeanteil dem Risikoausgleich. Durch Zwischenfrüchte kann zum einen mehr Eiweiß aus dem Grobfutter erzielt werden, was kostensenkend wirkt, weil weniger Eiweißkraftfutter zugekauft werden muss. Obendrein wird durch geschickte Auswahl an Zwischenfrüchten auch Stickstoff eingespart. Zum anderen sind Zwischenfrüchte auch ein Risikoausgleich vor allen Dingen in Trockenjahren und der Boden ist besser ausgenützt. Nicht zuletzt ist die Humusbildung aufgrund der Wurzelmasse höher, was sich nicht nur im Wasserhaushalt, sondern auch in der Bearbeitbarkeit bemerkbar macht.

Welche Auswahl besteht bei den Zwischenfrüchten?

Die Auswahl der Zwischenfrüchte richtet sich nach Fruchtfolge, Nutzungszeitpunkt (selbes oder nächstes Jahr?) und natürlich nach der Wasserversorgung. Für die Nutzung im selben Jahr, d.h. als Sommerzwischenfrucht, muss der Anbau noch im Juli, spätestens Anfang August erfolgen, so dass für das Heranwachsen noch 8 – 10 Wochen Vegetationszeit verbleiben. Hauptvoraussetzung hierfür sind genügend Niederschläge in dieser Zeit, insbesondere für Gräser.
Ist dies nicht gegeben, so sollte der Anbau von Winterzwischenfrüchten geplant werden. Hierfür kommen Welsches- bzw. Bastard-Weidelgras, Landsberger Gemenge, Grünhafer, -roggen, -weizen, -triticale oder die spätere Ernte der Zwischenfrucht-Getreide als GPS in Frage. Hierbei sind die Wartezeiten der Pflanzenschutzmittel (v.a. Fungizide) zu beachten. Ob das Getreide als Korn oder GPS genutzt werden soll, muss daher früh genug entschieden werden.
Bei unsicherer Wasserversorgung ist ein mehr oder weniger hoher Kleeanteil bei Gräsern als Risikoausgleich immer ratsam. In eher trockenen Gebieten sind Grüngetreide als Zwischenfrüchte besser geeignet und haben einen höheren Futterwert als GPS. Sommerungen von Roggen und Hafer können bei früher Saat noch im Anbaujahr genutzt werden. Grünroggen sollte für einen hohen Energiegehalt spätestens im Ährenschieben geerntet werden und bietet gegenüber GPS den Vorteil, dass er ab Mitte bis Ende April genutzt werden kann und damit auch einen nachfolgenden Maisanbau ermöglicht. Alle Zwischenfrüchte sollten im optimalen Reifezustand geerntet werden, da sich im fortgeschrittenen Vegetationsstadium die Nährstoffgehalte verringern.
Futterwerte und verfütterbare Mengen einiger Zwischenfrüchte
 TM aNDFom 1) Rohprotein Nutzbares Rohproteinpansenabb. Zucker/StärkeEnergieVerfütterbare Menge
(g/kg FM)(g/kg TM)(g/kg TM)(g/kg TM)(g/kg TM)(MJ NEL/ kg TM)(kg FM pro Kuh u. Tag)
Grünfutter
Grünhafer, Risp.Schieben2205201421351506,2635
Weidelgras 1. Schnitt Ährensch.1704901651401506,3360
Landsberger Gem., Ährensch.170460194140806,0150
Grünroggen, Ährenschieben2205551501381206,3435
Kleegras, 1. Schnitt vorKnospe150405230155806,6840
Silagen
Weidelgras, Ährenschieben350505162136356,1225
Landsberger Gem., Ährensch.350520165130305,7025
Grünhafer, Rispenschieben35052511213226,3420
Kleegras, Beginn Knospe350455195146256,4120
Grünroggen, Ährenschieben25053015013926,4225
GPS Gerste, Korn mittel400490981172005,4615
1) aNDFom - Neutrale Detergentien Faser – aschefreier Rückstand nach der Behandlung mit neutralen Lösungsmitteln und Amylase
Weitere häufig verwendete Zwischenfrüchte sind Raps, Rübsen und Senf.
Achtung: Raps, Rübsen und Senf können im Herbst hohe Nitrat-Gehalte aufweisen. Nitrat wird im Pansen zu Ammoniak abgebaut, das dann über die Leber als Harnstoff ausgeschieden oder über den Speichel wieder in die Verdauung eingeschleust wird. Bei zu hohem Nitratgehalt oder bei Erwärmung des Futters entsteht aus Nitrat das weitaus giftigere Nitrit. Mögliche Symptome bei überhöhten Nitratgehalten im Futter (über 5000 mg/kg TM Alleinfuttermittel) sind akute Vergiftungserscheinungen mit Atemnot und Verfärbung der Scheidenschleimhaut, sowie längerfristig Fruchtbarkeitsstörungen.
Weitere Nachteile sind eine höhere Verschmutzungsgefahr bei der Nutzung im Spätherbst, verbunden mit negativen Folgen für Konservierung und Fütterung und mögliche Folgeschäden für den Boden durch das wiederholte Befahren beim Schnitt.
Zudem treten bei der Silierung hohe Gärsaftverluste auf. Ihre Eignung liegt daher schwerpunktmäßig bei der Gründüngung.

Wieviel kann man davon verfüttern?

Feld mit gemähter und nicht gemähter Zwischenfrucht
In der obigen Tabelle sind die Futterwerte einiger Zwischenfrüchte und Hinweise bzw. maximale Einsatzmengen in der Milchviehfütterung dargestellt. Bis auf Grünhafer und GPS weisen Zwischenfrüchte einen relativ hohen Rohproteingehalt auf. In der Grundration ist deshalb eine Kombination mit Maissilage günstig.
Weitere Rationsbeispiele mit Zwischenfrüchten sind in der folgenden Tabelle aufgeführt (Ration für ca. 25 kg Milch). Die hier angegebenen Tagesfuttermengen bei Grünfutter sollten zweimal am Tag frisch vorgelegt werden, um eine Erwärmung des Futters zu verhindern und die Gefahr der Nitritbildung zu reduzieren. Die Rationen müssen noch mit einem entsprechenden Mineralfutter ergänzt werden.
Der Einsatz von GPS wird vor allen Dingen durch den niedrigen Energiegehalt begrenzt (rund 15 % niedriger als bei Maissilage). Bei der Kraftfutterergänzung muss der hohe Gehalt an pansenabbaubaren Kohlenhydraten (Zucker und Stärke) bei einigen Sommer-Zwischenfrüchten und bei GPS beachtet werden. Deshalb darf nicht nur mit Getreide ausgeglichen werden, sondern es müssen bereits zur Ergänzung der Grundration Kraftfutter Berücksichtigung finden, die relativ stärkearm sind und/oder einen hohen Anteil an beständiger Stärke aufweisen. Hierzu zählen Trocken- oder Pressschnitzel, Körnermais usw. Gleiches gilt natürlich verstärkt für Leistungskraftfutter (hofeigene Mischungen oder Zukauf).
Rationsbeispiele mit Zwischenfrüchten für ca. 25 kg Milch
 Weidelgras, frisch Landsberger Gemenge KleegrassilageGrünhafersilage Grünroggensilage Getreide-GPS
Rationsanteile in Frischmasse
Zwischenfrucht (kg)605020202012
Grassilage (kg)///151518
Maissilage (kg)101415/65
Heu (kg)11111/
Stroh (kg)0,50,50,50,50,50,5
Getreide (kg)0,51,52,33,32,52,2
Körnermais (kg)2,01,01,51,521,5
Trockenschnitzel (kg)2,01,5///1
Rapsextraktionsschrot (kg)0,50,51,71,51,21,8
Rationskenndaten
Milchleistung NEL (kg)262525252525
Milchleistung nXP (kg)262626262626
RNB (g/kg TM) 1)063120
aNDFom (GF) (%) 2)343636393935
pansenabb. Zucker und Stärke (%)201920141618
1) RNB – Ruminale Stickstoff Bilanz
2) Anteil an aNDFom aus dem Grobfutter (Neutrale Detergentien Faser – aschefreier Rückstand nach der Behandlung mit neutralen Lösungsmitteln und Amylase)

Bei der Fütterung beachten:

  • Langsamer Futterwechsel über 8 - 14 Tage.
  • Bei Bedarf (Kotkonsistenz!) Heu und/oder Stroh als Strukturausgleich
  • Kraftfutter mit relativ niedrigen Gehalten an Zucker und Stärke einsetzen.
  • Bei Jungvieh unter einem Jahr Zwischenfrüchte (bis auf Weidelgras) auf ca. 20 % der TM beschränken.
  • Bei Grünfütterung auf Anzeichen einer Nitritvergiftung (z.B. Durchfall, vermehrter Speichelfluss) achten und ggf. sofort Zwischenfruchtmenge zurücknehmen.
  • Eine Futteruntersuchung liefert genaue Zahlen zu den Inhaltsstoffen.

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