LfL-ZukunftsKongress | Praxiskonzepte: So wird Zukunft greifbar

Bericht von Projekt-Betrieben der LfL

20 Jahre nach der Gründung ist die LfL als Dienstleister und interdisziplinäre Zukunftswerkstatt gefragt und gefordert: Klimawandel, Tierwohl und Biodiversität sind nur einige von ganz vielen Themen und Schlagworten, die zu immensen Herausforderungen und zu Handlungsdruck in der gesamten Branche und auf den einzelnen Betrieben führen.
In dieser Situation ist die LfL Problemlöser und Partner der Landwirtinnen und Landwirte, stellt Expertise für Praxis und Verwaltung bereit und entwickelt die eigene Arbeit kontinuierlich weiter.

Details zum Projekt "Bayerisches Fleckvieh auf dem Weg zu noch mehr Gesundheit und Robustheit"

Person zieht mit Hand eine Probe am Kopf eines Kalbes.

Foto: Ariane Haubner, Rinderzucht Fleckvieh

Das Fleckvieh ist die leistungsstärkste Doppelnutzungsrasse der Welt und vereint in idealer Weise Milch, Fleisch, Fitness und geringe Umweltbelastung. Die Sammlung von Gesundheitsdaten von genomisch untersuchten Kühen stehen in aktuellen Projekten im Vordergrund. Das Ziel ist es, das Handwerkszeug für die züchterische Bearbeitung von Gesundheitsmerkmalen und Klauengesundheit den Fleckviehzüchtern in hoher Qualität zur Verfügung zu stellen.  Mehr

Betrieb Fragner-Hußmann

Blick in einen StallZoombild vorhanden

Foto: Verena Hußmann

Der Betrieb Fragner-Hußmann in Feuchtwangen-Bretzenberg ist ein Pionier der ersten Stunde im Projekt FleQS, das im Jahr 2019 gestartet wurde und mit FleQS-GuR in den Jahren 2023 bis 2025 fortgesetzt wird. erena Hußmann ist Milchviehhalterin und engagierte Fleckviehzüchterin und bewirtschaftet mit Ihrer Familie einen Betrieb mit 150 Milchkühen und 182 Hektar Fläche.
Blick in einen Stall

Foto: Verena Hußmann

Die Projektteilnahme passt optimal zum modernen Betriebskonzept der Familien Fragner-Hußmann: Der Betrieb setzt auf langlebige Kühe und eine niedrige Bestandsergänzung, daher wird nur wenig Jungvieh als Nachersatz in der Herde benötigt. Mit der Genotypisierung (genomische Untersuchung anhand einer Ohrstanzprobe) und den daraus resultierenden Zuchtwerten, wird ein wichtiges Hilfsmittel bereitgestellt, mit der das Jungvieh für die Weiterentwicklung der eigenen Herde gruppiert und selektiert werden kann. Laut Frau Hußmann hat sich über die Jahre herausgestellt, dass das genomische Ergebnis in Kombination mit der Abstammung eines Tieres ein sehr hilfreiches Selektionskriterium ist.
Herausforderungen in der Umsetzung
Die Umsetzung in die Praxis war eine Herausforderung für den Betrieb, was Frau Hußmann folgendermaßen beschreibt: "Wir mussten uns selbst zuerst umgewöhnen, die Anwendung der genomischen Zuchtwerte bei den weiblichen Tieren hat sich letztendlich als richtig erwiesen. Tiere, denen eine schlechte Eutergesundheit im Zuchtwert vorausgesagt wurde, haben dies meist auch bestätigt. Wir selektieren daher nach der Eutergesundheit, Milchmenge und auch nach Exterieur. Hier konnten wir beispielsweise feststellen, dass die Kälber, bei denen aufgrund der geschätzten Zuchtwerte zu kurze und zu dünne Striche zu erwarten wären, diese dann im Jungkuhalter auch hatten. Wir schauen uns deshalb fragliche Tiere genauer an. Die Selektion wird im Alter von sechs Monaten getroffen, ob ein Tier aufgezogen wird oder eben nicht. Das genomische Zuchtwertprofil erleichtert uns auch die Anpaarung von Jungrindern, da wir besser beurteilen können, welcher Bulle der passende Partner ist. Die Schwachstellen sind konkreter, man muss sich nicht mehr allein auf sein Bauchgefühl verlassen, so wie es früher ohne Genotypisierung der Fall war. Wir setzen viele unterschiedliche Bullen ein, um auch in der Herde einheitlicher zu werden."
Blick in einen Stall

Foto: Verena Hußmann

Plattform ProGesund
Auch die Erfassung und Nutzung der erhobenen Gesundheitsdaten wird auf dem Betrieb Fragner-Hußmann sehr ernst genommen. Die Daten werden in der Plattform ProGesund erfasst, die vom Institut für Tierzucht federführend entwickelt wurde und jetzt vom LKV-Bayern verantwortlich betrieben wird. Umfangreiche Webdarstellungen und Auswertungen zum Gesundheitszustand der Herde werden im Rahmen von ProGesund an die Betriebe rückgeliefert. Diese Darstellungen werden im Betrieb sehr geschätzt und bewusst im Betriebsmanagement genutzt.
Blick in einen Stall

Foto: Verena Hußmann

Zuchtwerte für die Eutergesundheit und Fruchtbarkeit
Ein großer Meilenstein des Projektes FleQS war die Einführung der genomischen Zuchtwerte für die Eutergesundheit (Mastitis) und Fruchtbarkeit (Störungen bzw. Zysten). Hier fließen die Daten der an FleQS bzw. FleQS-GuR teilnehmenden Betriebe direkt ein und die Erfassung im Rahmen der Projekte führen zum Aufbau eines Datengrundstocks für die Fleckviehpopulation in Bayern. In der Fortsetzung des Projektes zur weiteren Verbesserung der Gesundheit und Robustheit liegt der Schwerpunkt auf der Erfassung der Klauenpflegedaten, die aktuell zum Aufbau einer Zuchtwertschätzung für Klauenerkrankungen dienen. Diese Daten erfasst der Betrieb Fragner-Hußmann direkt und digital über den Klauenpfleger. Die kontinuierliche Lieferung ist zwar eine Herausforderung für den Betrieb, die regelmäßige Eingabe ist jedoch das A und O für die züchterische Verwertung der Daten. Mit dem aktuellen Datenbestand und den Auswertungen im Rahmen von Pro Gesund kann man damit Schwachstellen erkennen, die früher oft nur gefühlt festzustellen waren.
Viernutzungsrasse
Frau Hußmann ist überzeugt, dass man mit dem Projekt FleQS-GuR den Fokus auf fitnessstarke Tiere erhöhen wird, die ihren Besitzern Freude an der täglichen Arbeit bereiten. Fleckvieh ist so auf bestem Wege, eine Viernutzungsrasse zu werden: Milch, Fleisch, Fitness und eine gesellschaftlich akzeptable Rinderzucht ohne Extreme.

Demonet-KleeLuzPlus
Details zum Projekt "Demonstrationsnetzwerk Kleinkörnige Leguminosen"

Logo des Demonstrationsnetzwerkes "Kleinkörnige Leguminosen"

Das Demonstrationsnetzwerk "Demonet-KleeLuzPlus" verfolgt im Rahmen der Eiweißpflanzenstrategie des BMEL das Ziel, durch ein bundesweites Netzwerk von Praxisbetrieben den Anbau und die Verwertung von kleinkörnigen Leguminosen zu optimieren und auszuweiten.   Mehr

Demonstrationsbetrieb Peter Oberhofer

Der familiengeführte Milchviehbetrieb Oberhofer liegt in der Gemeinde Bruckberg im niederbayrischen Landkreis Landshut. Die Bewirtschaftung erfolgt ökologisch, seit 2019 mit Naturland-Zertifizierung. Neben 80 Milchkühen mit eigener Nachzucht gehören rund 20 Hektar Grünland und 80 Hektar Ackerland zum Betrieb. Davon sind rund 25 Hektar als Weideland eingesät und werden von Milchkühen und Jungvieh ab Anfang April bis Ende Oktober – je nach Witterung – im Vollweidesystem genutzt – 24 Stunden täglich. Einen Teil der frischen Weidemilch vermarktet die Familie direkt im Dorf. Die Winterfütterung besteht hauptsächlich aus hofeigenem Gras und Mais ohne Einsatz von Kraftfutter. Die Abkalbung findet saisonal in den Wintermonaten statt.
Einsatz heimischer Eiweißfuttermittel und eine intakte Kreislaufwirtschaft
Für seine Milchkühe setzt Peter Oberhofer auf heimisches Eiweißfutter. Klein- sowie großkörnige Leguminosen kommen auf den Futtertisch. Das reduziert den Zukauf importierten Eiweißes, hat aber z.B. im Fall der Luzerne den zusätzlichen Vorteil von Schmackhaftigkeit und Struktur in der Ration. Diese kommt in Form von Luzerneheu auch bei den Kälbern ab ca. der fünften Woche zum Einsatz.
Die hofeigene Biogasanlage wird mit Gülle und Mist gefüttert. Der entstandene Gärrest dient als wertvoller Dünger für Acker- und Grünland. Die Abwärme wird als Strom vermarktet und als Heizung für die Betriebsgebäude genutzt. Unter anderem die hofeigene Trocknung für beispielsweise Luzerne profitiert davon. So werden im Gegensatz zur Feldtrocknung die Bröckelverluste bei der Luzerne wesentlich reduziert und das proteinreiche Blatt landet im Futter, anstatt auf dem Acker zu verbleiben.

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Luzerne fürs Milchvieh - aus eigener Trocknung
Logo der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung und des Projektträgers Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
Gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Rahmen der BMEL Eiweißpflanzenstrategie.

Leguminosen

Luzernesaatgut mit Größenvergleich, Foto: Andrea Wosnitza

Luzerne

Luzerne, Foto: Vanessa Engelhart

Wurzeln

Wurzel mit Knöllchen der Knöllchenbakterien für die N-Sammlung, Foto: Philip Köhler