§§ AVDüV
Ausführungsverordnung DüV – rote Gebiete, gelbe Gebiete

Luftbild einer Agrarlandschaft. Einzelne Felder sind rot oder gelb eingefärbt.Zoombild vorhanden

AVDüV-Gebietskulisse

Die Düngeverordnung (DüV) verpflichtet die Landesregierungen in § 13 a DüV, in Gebieten mit einer hohen Stickstoffbelastung des Grundwassers (sogenannte "rote Gebiete") oder einer Eutrophierung von Oberflächengewässern mit Phosphor (sogenannte "gelbe Gebiete") per Landesverordnung auszuweisen und für diese Gebiete zusätzliche Auflagen bei der Landbewirtschaftung und Düngung zu erlassen. Bestimmte Betriebe in wenig belasteten Gebieten können im Gegenzug Erleichterungen erhalten.

Rechtliche Vorgaben

Mit der "Verordnung über besondere Anforderungen an die Düngung und Erleichterungen bei der Düngung (Ausführungsverordnung Düngeverordnung – AVDüV)" kommt die bayerische Landesregierung ihrer Pflicht nach, eine Gebietskulisse auszuweisen und Maßnahmen festzulegen. Die AVDüV wurde erstmals am 22.12.2020 vom Ministerrat beschlossen und zum 01.01.2021 in Kraft gesetzt.
Mit der Neufassung der allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Ausweisung von mit Nitrat belasteten und eutrophierten Gebieten (AVV GeA) vom 10.08.2022 (BAnz AT 16.08.2022) wurde durch den Bund die von der Europäischen Kommission bemängelte Vorgehensweise bei der Ausweisung von mit Nitrat belasteten und eutrophierten Gebieten zur Umsetzung der EU-Nitrat-Richtlinie geändert und weiter vereinheitlicht. Nach AVV GeA hat die Überprüfung der Ausweisung nach den geänderten Vorgaben durch die Länder zum 30. November 2022 zu erfolgen, womit eine Änderung der AVV DüV einhergeht.
Titelbild der Videos zur Ausweisung der Gebietskulisse.
Filmreihe: Ausweisung von mit Nitrat belasteten und eutrophierten Gebieten
Drei kurze Videos erklären die Ermittlung der Gebietskulisse, die einzuhaltenden Auflagen sowie mögliche Anpassungsmaßnahmen an die neuen Vorgaben.

Videos zur Ausweisung der roten und gelben Gebiete (AVDüV)

Ausweisung der Gebietskulissen

Ausweisung der mit Nitrat belasteten Gebiete in Bayern (rote Gebiete)

Landkarte von Bayern mit grau, grün oder rot markierten Feldstücken.Zoombild vorhanden

Karte der mit Nitrat belasteten Gebiete 2021 in Bayern

Grundwasser ist eine unverzichtbare Lebensgrundlage für Mensch und Natur. Zum Schutz des Grundwassers werden Gebiete mit einer hohen Stickstoffstoffbelastung im Grundwasser als sogenannte "mit Nitrat belastete Gebiete" (rote Gebiete) ausgewiesen.
Die Gebietsausweisung erfolgt auf den Vorgaben der DüV und der AVV DüV in mehreren Schritten.

Ausweisung der mit Nitrat belasteten Gebiete 2021

Ausweisung der eutrophierten Gebiete (gelbe Gebiete)

Landkarte von Bayern mit grau, grün oder gelb markierten Feldstücken.Zoombild vorhanden

Karte der eutrophierten Gebiete 2021 in Bayern

Eutrophierung ist ein verstärktes Wachstum von Wasserpflanzen und Algen in Gewässern, das durch eine Anreicherung des Wassers mit Nährstoffen, vor allem durch Phosphor, hervorgerufen wird. Zum Schutz von Oberflächengewässern werden Gebiete mit einer Eutrophierung in Flüssen und Seen als sogenannte "eutrophierte Gebiete" (gelbe Gebiete) ausgewiesen. Die Gebietsausweisung erfolgt nach den Vorgaben der DüV und der AVV DüV.

Ausweisung der eutrophierten Gebiete 2021 (LfU) Externer Link

Anforderungen bei der Flächenbewirtschaftung

In Gebieten mit einer hohen Stickstoffbelastung des Grundwassers (rote Gebiete) oder einer Eutrophierung von Oberflächengewässern mit Phosphat (gelbe Gebiete) müssen zusätzliche Auflagen bei der Düngung eingehalten werden. Bestimmte Betriebe ohne Fläche in den belasteten Gebieten können im Gegenzug Erleichterungen erhalten. Die Maßnahmen und Erleichterungen sind in der bayerischen "Verordnung über besondere Anforderungen an die Düngung und Erleichterungen bei der Düngung (Ausführungsverordnung Düngeverordnung – AVDüV)" festgeschrieben.
Ein Traktor mit Mineraldüngerstreuer fährt über ein Feld.

Düngereduzierung

Gülleausbringung auf einer Ackerfläche

Grenze 170 kg N/ha

Ein Luzernefeld.

Zwischenfrucht­anbau

Bodennahe Gülleausbringung im Getreide-Stoppelacker.

Herbstdüngung

Verblühte Fläche im Schnee mit Tierspuren.

Sperrfrist

Ein Mann zieht eine Nmin-Bodenprobe auf dem Acker.

Stickstoff­bodenprobe

Untersuchung einer Gülle-Probe: Ein Laborbehältnis wird umgefüllt.

Wirtschaftsdünger-Untersuchung

Gewässerrandstreifen am Bach.

Gewässerabstand

Anforderungen im mit Nitrat belastetem Gebiet (rotes Gebiet)

Warnschild: Achtung! Rotes Gebiet nach AV DüV.
Bei der Düngung im mit Nitrat belasteten Gebiet müssen die Landwirte auf allen landwirtschaftlich genutzten roten Flächen ihres Betriebs neun zusätzliche Auflagen einhalten. Sieben Maßnahmen sind bundeseinheitlich (I–VII), und mindestens zwei Maßnahmen (VIII–IX) muss jedes Bundesland mittels der AVDüV selbst festlegen.
Auf den bayerischen roten Flächen sind folgende neun Maßnahmen einzuhalten:
Reduzierung der Gesamtsumme des ermittelten Stickstoffdüngebedarfs im Betriebsdurchschnitt der roten Flächen um 20 % (I)
  • Der Stickstoffdüngebedarf ist für alle landwirtschaftlich genutzten roten Flächen bis zum Ablauf des 31. März des laufenden Düngejahres zusammenzufassen und im Betriebsdurchschnitt der roten Flächen für alle Haupt- und Zweitfrüchte um 20 Prozent zu reduzieren.
    Somit darf im Schnitt der roten Flächen maximal 80 Prozent des errechneten N-Düngebedarfs gedüngt werden.
  • Wird der Düngebedarf einzelner Kulturen (z. B. Mais) oder Flächen später ermittelt, kann der Stickstoffdüngebedarf entweder einzelflächenbezogen um 20 Prozent gekürzt oder nachträglich in die gesamtbetriebliche Bedarfsermittlung aufgenommen werden. Bei letzterem muss jeweils ein neuer Durchschnitt gebildet werden.
  • Der Abzug der -20 % der gesamtbetrieblichen Bedarfsermittlung der roten Flächen muss am Ende des Düngejahres komplett verrechnet sein. Eine ausgebrachte Herbstdüngung fließt in die gesamtbetriebliche Bedarfsermittlung ein.
  • Rote Flächen, die nicht gedüngt, aber genutzt werden (z. B. Leguminosen, Kulap) fließen in den Betriebsdurchschnitt der roten Flächen ein.

Ausnahmen:

  • Von dieser Auflage befreit sind Betriebe und Flächen, die nach Düngeverordnung von der Düngebedarfsermittlung ausgenommen sind.
  • Von dieser Auflage sind zudem Betriebe ausgenommen, die im Durchschnitt der roten Feldstücken je Jahr maximal 160 kg Gesamtstickstoff je Hektar und davon maximal 80 kg je Hektar über mineralische Düngemittel ausbringen (160/80-Regelung). Bei organischen Düngern ist dabei der Gesamtstickstoff, nicht der verfügbare Stickstoff, anzusetzen.
    • Die 160/80-Regelung ist auch bei 0 kg N mineralischer und 160 kg N organischer Düngung eingehalten.
    • In manchen Betrieben ist die Reduzierung der 20 Prozent leichter umzusetzen als die 160/80-Regelung.
  • Bei roten Dauergrünland-Flächen muss die Stickstoffdüngung nicht reduziert werden, sofern das Dauergrünland nicht mehr als 20 Prozent der roten Fläche umfasst.
    • Die Grünlandflächen, die weiterhin nach Bedarf gedüngt werden dürfen, sind in iBalis entsprechend gekennzeichnet.
    • Die Ausnahme gilt nur für Dauergrünland, nicht für Feldfutterbau (Ackerfläche).

Berechnungshilfen:

  • In den beiden LfL-Programmen zur Düngebedarfsermittlung wird, neben der Obergrenze für die Stickstoffdüngung, eine auf die einzelbetrieblichen Anbauverhältnisse angepasste Düngeempfehlung unter Berücksichtigung der 20 Prozent Abschlag ausgeben. Gleichzeitig kann die Anwendung der 160/80-Regelung für den Betrieb überprüft werden.
Grenze 170 kg N/ha schlagbezogen (II)
  • Die Obergrenze 170 kg N/ha für die Ausbringung von organischen Düngemitteln ist im roten Gebiet nicht betriebsbezogen, sondern separat für jeden roten Schlag bzw. jede Bewirtschaftungseinheit eines Betriebes schlagbezogen einzuhalten.
  • Das Bezugsjahr der schlagbezogenen Grenze 170 kg N/ha ist das Düngejahr.
    • Das Düngejahr beginnt nach der Ernte der Hauptfrucht und endet mit der Ernte der nächsten Hauptfrucht. Bei Grünland und Feldfutterbau endet das Düngejahr mit der letzten Nutzung. Das Düngejahr innerhalb eines Betriebs kann auch mehr als 12 Monate umfassen.
  • Auf jedem Schlag bzw. jeder Bewirtschaftungseinheit dürfen im Mittel von zwei Düngejahren maximal 170 kg Stickstoff/ha und Jahr aus organischen Düngemitteln und organisch-mineralischen Düngemitteln aufgebracht werden.
  • Bei Kompost darf die aufgebrachte Menge auf drei Jahre aufgeteilt werden und somit je Schlag bzw. je Bewirtschaftungseinheit 510 kg/Hektar nicht überschreiten.

Ausnahme:

  • Von dieser Auflage sind Betriebe ausgenommen, die im Durchschnitt der roten Feldstücken je Jahr maximal 160 kg Gesamtstickstoff je Hektar und davon maximal 80 kg je Hektar über mineralische Düngemittel ausbringen (160/80-Regelung). Bei organischen Düngern ist dabei der Gesamtstickstoff, nicht der verfügbare Stickstoff, anzusetzen.
    • Die 160/80-Regelung ist auch bei 0 kg N mineralischer und 160 kg N organischer Düngung eingehalten.
    • In manchen Betrieben ist die Reduzierung der 20 Prozent leichter umzusetzen als die 160/80-Regelung.

Berechnungshilfe:

  • In den beiden LfL-Programmen zur Düngebedarfsermittlung "LfL Düngebedarf" ist die Berechnung der schlagbezogenen Obergrenze 170 kg N/ha möglich.
Verlängerung der Sperrfristen (III, IV)
  • Die Sperrfrist für Dauergrünland, Grünland und Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau beginnt auf roten Schlägen am 1. Oktober und endet mit Ablauf des 31. Januar.
    • Die Verschiebung der Sperrfrist für Dauergrünland, Grünland und Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau ist auch für rote Feldstücke um bis zu vier Wochen später möglich. Hierzu sind die Bekanntmachungen des zuständigen AELF zu beachten.
  • Die Sperrfrist für Festmist von Huf- und Klauentieren oder Kompost beginnt am 1. November und endet mit Ablauf des 31. Januar.

Tabellarische Übersicht zu Sperrfristen auf roten Flächen

Einschränkung der Stickstoffdüngung im Sommer/Herbst (V, VI)
  • Verbot der N-Düngung von Wintergerste im Herbst
  • Verbot der N-Düngung von Winterraps im Herbst, wenn der verfügbare Bodenstickstoffgehalt mehr als 45 kg N je Hektar beträgt.
    • Der Nachweis erfolgt über eine Stickstoff-Bodenuntersuchung, die je Bewirtschaftungseinheit gezogen werden kann. Bei Winterraps ist im Sommer bei Nmin eine Probenahmetiefe von 60 cm festgelegt, bei EUF wie gewohnt 30 cm.
    • Alternativ zur Stickstoff-Bodenuntersuchung besteht die Möglichkeit, den Raps-Nmin-Wert zu simulieren. Das Ziehen einer Stickstoff-Bodenprobe entfällt bei dieser N-Simulation.
    • Für die Abgrenzung der Bewirtschaftungseinheit ist in diesem Fall ausschließlich die Vorkultur relevant. Im Sinne dieser Regelung zählen alle Getreidearten als eine Vorkultur; ebenso können alle Leguminosenarten als eine Vorkultur betrachtet werden.
    • Die Düngebedarfsermittlung muss für die betreffenden Winterrapsflächen erst vor der Frühjahrsdüngung (unter Berücksichtigung der Herbstdüngung) gemacht werden. Dabei ist der Frühjahrs-Nmin zu verwenden.
  • Über Festmist von Huf- und Klauentieren oder Komposte darf auf Zwischenfrüchten ohne Futternutzung nicht mehr als 120 kg N/Hektar gedüngt werden.
  • Auf Grünland und Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau darf im Zeitraum von 1. September bis Sperrfristbeginn maximal 60 kg N/Hektar aus flüssigen organischen Düngemitteln ausgebracht werden.
  • Verbot der Düngung von Zwischenfrüchten ohne Futternutzung
    • Der Einsatz der Zwischenfrucht als Gärsubstrat in Biogasanlagen stellt keine Futternutzung dar.
    • Eine Zwischenfrucht mit Futternutzung kann auch zur Abgabe an andere Betriebe angebaut werden.
    • Eine Ausnahmegenehmigung zur Düngung von Zwischenfrüchten ohne Futternutzung im Sommer/Herbst ist nicht möglich.
Anbau von Zwischenfrüchten vor allen Sommerkulturen (VII)
  • Sommerungen dürfen nur mit Düngemitteln mit einem wesentlichen Gehalt an Stickstoff gedüngt werden, wenn im Herbst des Vorjahres eine Zwischenfrucht angebaut und diese nicht vor 15. Januar umgebrochen wurde. Ziel ist ein gut entwickelter Zwischenfruchtbestand mit ausreichender Bodenbedeckung. Es gibt jedoch keine Vorgaben zur Saatenzusammensetzung, Mindestbodenbedeckung und Saatdatum.
    • Als Umbruch sind alle Bodenbearbeitungen zu verstehen, die zu einer Zerstörung der Wurzelschicht und damit zu einer Mineralisierung führen (z. B. Pflügen, Grubbern).
    • Die oberflächige Bearbeitung/Zerstörung des Pflanzenbestands ohne Eingriff in den Boden (z. B. Mulchen, Schlegeln, Walzen, Messerwalze) stellt keinen Umbruch dar.
    • Im Sinne des mit der Regelung bezweckten Gewässerschutzes sollte die Zwischenfrucht so lange wie möglich nicht oberflächlich bearbeitet/zerstört werden.
  • Ob in roten Gebieten eine Zwischenfrucht angebaut werden muss, betrifft nur die Düngung der Hauptfrucht-Sommerung. Die Düngung nach der Sommerung ist unwesentlich.
  • Saatgutbelege sollten für den Fall, dass die ZWF nicht gelingt, als Nachweis aufbewahrt werden.
    • Misslingt die Zwischenfrucht, sodass im Winter/Frühjahr keine Zwischenfrucht erkennbar sein wird, ist dies dem örtlichen AELF durch Vorlage der Saatgutbelege bis 15. November zu melden.
  • Ausfallrapsbestände nach Winterraps können als Zwischenfrucht gewertet werden, wenn der Pflanzenbestand bzw. das Massenwachstum einem normalem Zwischenfruchtbestand entspricht.
  • Anders lautende Vorgaben, wie z. B. bei Erosionsschutz in CC2 oder Greening werden durch die Regelungen zur verpflichtenden Zwischenfrucht nicht aufgehoben.

Ausgenommen sind:

  • Flächen mit Vorfruchternte/Zweitfruchternte nach dem 1. Oktober sowie
  • Flächen mit einem langjährigen Niederschlagsmittel unter 550 mm
    • In Bayern gibt es nur sehr vereinzelt Gebiete mit weniger als 550 Millimeter Niederschlag. Die Gebiete werden von der LfL auf Gemarkungsebene bekannt gemacht werden. Die Ermittlung erfolgt nach den Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) (10jähriges Mittel). Die Liste gilt auch für das Jahr 2022.
Zusätzlich sind auf den roten Feldstücken in Bayern folgende zwei Maßnahmen einzuhalten:
Bodenstickstoffuntersuchung (VIII)
  • Der im Boden verfügbare Stickstoff ist grundsätzlich bei Hauptfrüchten auf allen Feldstücken bzw. Bewirtschaftungseinheiten (ausgenommen mehrschnittiger Feldfutterbau und Grünland) jährlich zu ermitteln.
  • Die zugelassenen Untersuchungsverfahren zur Ermittlung des im Boden verfügbaren Stickstoffs sind die Nmin-Methode und die Elektro-Ultrafiltrations-Methode (EUF).
  • Für jede Hauptfrucht-Kultur ist mindestens eine Nmin- oder EUF-Probe zu ziehen. Das Ergebnis ist bei der Düngebedarfsermittlung des beprobten Feldstücks bzw. der beprobten Bewirtschaftungseinheit zu verwenden.
    • Die Bodenstickstoffuntersuchung muss von einer bayerischen roten Fläche stammen.
    • Die gleiche Fruchtart (z. B. Winterweizen mit unterschiedlichen Produktionsverfahren oder Körnermais und Silomais oder Speise-, Stärke-, Früh-, Veredelungskartoffeln) benötigt nur eine Probe, aber zwei Düngebedarfsermittlungen.
    • Nur bei Gemüse: Im Rahmen der Kleinflächenregelung (Zusammenfassung von Kulturen unter 0,5 ha bis max. 2,0 ha) müssen entweder ein durchschnittlicher N-Bedarfswert gebildet werden oder für drei ausgewählte Gemüsekulturen Düngebedarfsermittlungen vorliegen. Pro Düngebedarfsermittlung muss eine Bodenprobe gemacht werden.
  • Für die weiteren nitratgefährdeten Feldstücke einer Kultur kann die Ermittlung des im Boden verfügbaren Stickstoffs mit dem N-Simulationsverfahren der LfL unabhängig einer Bodenprobe erfolgen.
    • Die simulierten Nmin-Werte sind in der Düngebedarfsermittlung nur für die jeweilige Fläche zu verwenden.
  • Für Hopfen, Wein, Spargel und einige Sonderkulturen kann der Nmin-Wert nicht simuliert werden, sondern muss immer über eine Nmin-Probe untersucht werden.
  • Bei Gemüse (mit Schnittlauch und Petersilie, aber ohne Spargel und Kartoffel) ist eine Nmin-Untersuchung mit Schnellmessmethoden auf Reflektometerbasis (z. B. RQ-Flex-Gerät, Nitracheck) möglich. Zusätzlich ist die ionenselektive Nitratbestimmungsmethode der Erzeugerringe zugelassen.

Ausnahme:

  • Von dieser Auflage befreit sind Betriebe und Flächen, die nach § 10 Abs. 3 DüV von der Verpflichtung zur Düngebedarfsermittlung ausgenommen sind.
  • Fruchtarten auf roten Flächen, die auf weniger als einem Hektar (Summe aller roten Flächen mit dieser Fruchtart) im Betrieb angebaut werden, benötigen nicht zwingend eine N-Bodenuntersuchung. In diesen Fällen ist eine N-Simulation für diese Fläche/Flächen ausreichend.
  • Wenn im roten Gebiet das Bodenstickstoff-Untersuchungsergebnis noch nicht vorliegt, kann mit dem veröffentlichten vorläufigen Nmin-Wert gerechnet werden. Die Bodenprobe muss aber vor der Düngung gezogen worden sein. Der untersuchte Wert muss dann in der Düngebedarfsermittlung nachgetragen werden.
Wirtschaftsdüngeruntersuchung (IX)
  • Der bezogen auf die Stickstoffmenge (kg N) mengenmäßig bedeutendste Wirtschaftsdünger oder Gärrückstand des Betriebes ist vor dem Aufbringen jährlich nasschemisch auf Gesamtstickstoff, verfügbaren Stickstoff und Phosphat im Labor zu untersuchen. Alternativ können die im LfL-Lagerraum-Programm bzw. Biogasrechner berechneten Werte verwendet werden.
  • Die Nährstoffgehalte müssen zum Zeitpunkt der Ausbringung bekannt sein.
  • Die ermittelten Inhaltsstoffe sind für die Düngebedarfsermittlung (DBE) aller roten Flächen des Betriebes zu verwenden und nach der Düngung in der Dokumentation zu berücksichtigen.
  • Ist der aufgenommene Wirtschaftsdünger der bedeutendste Dünger und wird dieser auf roten Flächen ausgebracht, muss für diesen Dünger eine Untersuchung vorliegen.
  • Das vorliegende Untersuchungsergebnis darf grundsätzlich nie älter als ein Jahr sein.
    • Wenn die Gülleuntersuchung noch nicht vorhanden ist, kann mit Standardwerten gerechnet werden. Die DBE muss korrigiert werden, wenn die Untersuchungswerte vorliegen.

Ausnahme:

  • Von dieser Auflage befreit sind Betriebe bis max. 750 kg Anfall an Gesamtstickstoff aus Wirtschaftsdüngern pro Jahr, die gleichzeitig keinen Wirtschaftsdünger aufnehmen.

Anforderungen im eutrophierten Gebiet (gelbes Gebiet)

Fotomontage: Warnschild an einem Bach: gelbes Gebiet nach AV DüV
Betriebe müssen für alle eutrophierten Feldstücke folgende zwei zusätzliche landesspezifische Maßnahmen durchführen:
Anbau von Zwischenfrüchten vor allen Sommerkulturen (I)
  • Sommerungen dürfen nur mit Düngemittel mit einem wesentlichen Gehalt an Phosphat gedüngt werden,
    • wenn eine Stoppelbrache einer Getreidevorfrucht nicht vor 15. Januar umgebrochen wurde oder
    • wenn im Herbst des Vorjahres eine Zwischenfrucht angebaut und diese nicht vor 15. Januar umgebrochen wurde. Ziel ist ein gut entwickelter Zwischenfruchtbestand mit ausreichender Bodenbedeckung. Es gibt jedoch keine Vorgaben zur Saatenzusammensetzung, Mindestbodenbedeckung und Saatdatum.
    • Als Umbruch sind alle Bodenbearbeitungen zu verstehen, die zu einer Zerstörung der Wurzelschicht und damit zu einer Mineralisierung führen (z. B. Pflügen, Grubbern). Die oberflächige Bearbeitung/Zerstörung des Pflanzenbestands ohne Eingriff in den Boden (z. B. Mulchen, Schlegeln, Walzen, Messerwalze) stellt keinen Umbruch dar. Eine oberflächige Bearbeitung ist ebenso auf Stoppelbrache-Flächen zulässig, um das Aussamen der Unkräuter zu verhindern. Im Sinne des mit der Regelung bezweckten Gewässerschutzes sollte die Zwischenfrucht so lange wie möglich auch nicht oberflächlich bearbeitet/zerstört werden.
  • Ob in gelben Gebieten eine Zwischenfrucht angebaut werden muss, betrifft nur die Düngung zu Hauptfrucht-Sommerung. Die Düngung, die nach der Sommerung folgt, ist unwesentlich.
  • Saatgutbelege sollten für den Fall, dass die ZWF nicht gelingt, als Nachweis aufbewahrt werden.
    • Misslingt die Zwischenfrucht, sodass im Winter/Frühjahr keine Zwischenfrucht erkennbar sein wird, ist dies dem örtlichen AELF durch Vorlage der Saatgutbelege bis 15. November zu melden.
  • Ausfallrapsbestände nach Winterraps können als Zwischenfrucht gewertet werden, wenn der Pflanzenbestand bzw. das Massenwachstum einem normalem Zwischenfruchtbestand entspricht.
  • Anders lautende Vorgaben, wie z. B. bei Erosionsschutz in CC2 oder Greening werden durch die Regelungen zur verpflichtenden Zwischenfrucht nicht aufgehoben.

Ausgenommen sind:

  • Flächen mit Vorfruchternte/Zweitfruchternte nach dem 1. Oktober sowie
  • Flächen mit einem langjährigen Niederschlagsmittel unter 550 mm
    • In Bayern gibt es nur sehr vereinzelt Gebiete mit weniger als 550 Millimeter Niederschlag. Die Gebiete werden von der LfL auf Gemarkungsebene bekannt gemacht werden. Die Ermittlung erfolgt nach den Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) (10jähriges Mittel). Die Liste gilt auch für das Jahr 2022.
Erweiterte Abstände zu Oberflächengewässern (II)

Tabelle mit den Gewässerabständen und Auflagen bei der Düngung

Hangneigung < 5 %
Bei der Aufbringung von phosphathaltigen Düngemitteln auf ebenen Feldstücken sind grundsätzlich 5 Meter Gewässerabstand zur Böschungsoberkante einzuhalten.
  • Beim Einsatz von Exakttechnik (Streubereite = Arbeitsbreite/Grenzstreueinrichtung) reduziert sich der Abstand auf 1 Meter bzw. auf 3 Meter bei 5 % bis < 10 % Hangneigung
Hangneigung von 5 % bis < 10 %
Auf geneigten Feldstücken mit 5 % bis < 10 % Hangneigung innerhalb der ersten 20 Meter gelten im Abstand von 3 bis 20 Metern folgende zusätzlichen Vorgaben:
  • auf unbestellten Ackerflächen nur bei sofortiger Einarbeitung innerhalb des Abstands,
  • auf bestellten Ackerflächen
    • mit Reihenkultur mit einem Reihenabstand von 45 Zentimetern und mehr, bei entwickelter Untersaat oder bei sofortiger Einarbeitung;
    • ohne Reihenkultur nach Buchstabe a nur bei hinreichender Bestandsentwicklung
    • nach Anwendung von Mulch- oder Direktsaatverfahren.
Hangneigung von 10 % bis < 15 %
Auf stark geneigten Feldstücken mit 10 % bis < 15 % Hangneigung innerhalb der ersten 30 Meter zur Böschungsoberkante darf auf den ersten 10 Metern keine Düngung erfolgen. Im Abstand von 10 bis 30 Metern gelten folgende zusätzlichen Vorgaben:
  • auf unbestellten Ackerflächen nur bei sofortiger Einarbeitung innerhalb des Abstands,
  • auf bestellten Ackerflächen
    • mit Reihenkultur mit einem Reihenabstand von 45 Zentimetern und mehr, bei entwickelter Untersaat oder bei sofortiger Einarbeitung;
    • ohne Reihenkultur nach Buchstabe a nur bei hinreichender Bestandsentwicklung
    • nach Anwendung von Mulch- oder Direktsaatverfahren.
  • Auf Acker- und Grünlandflächen darf eine Düngegabe nicht größer als 80 kg/ha sein. Ist der Düngebedarf höher, sind die Düngegaben entsprechend aufzuteilen.
Hangneigung ab 15 %
Auf stark geneigten Feldstücken mit mindestens 15 % Hangneigung innerhalb der ersten 30 Meter zur Böschungsoberkante darf auf den ersten 10 Metern keine Düngung erfolgen. Im Abstand von 10 bis 30 Meter gelten folgende zusätzlichen Vorgaben:
  • auf unbestellten Ackerflächen nur bei sofortiger Einarbeitung innerhalb der Gesamtfläche,
  • auf bestellten Ackerflächen
    • mit Reihenkultur mit einem Reihenabstand von 45 Zentimetern und mehr, bei entwickelter Untersaat oder bei sofortiger Einarbeitung;
    • ohne Reihenkultur nach Buchstabe a nur bei hinreichender Bestandsentwicklung
    • nach Anwendung von Mulch- oder Direktsaatverfahren.
  • Auf Acker- und Grünlandflächen darf eine Düngegabe nicht größer als 80 kg/ha sein. Ist der Düngebedarf höher, sind die Düngegaben entsprechend aufzuteilen.

Erleichterungen im wenig belasteten Gebieten

Schild "Wasserschutzgebiet" steht neben einem Bach.
Betriebe ohne rote oder gelbe Feldstücke können von Erleichterungen Gebrauch machen, sofern weniger als 20 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF) des Betriebes in Wasserschutzgebieten liegt.
  • Anhebung der Grenzen für Aufzeichnungspflichten (Düngebedarfsermittlung, Dokumentation) von 15 auf 30 ha LF (ohne Flächen nach § 10 Abs. 3, Nr. 1 und 2 DüV), sofern max. 110 kg Gesamt-N/ha LF aus Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft jährlich anfallen, max. 3 ha Gemüse, Hopfen, Wein oder Erdbeeren angebaut und keine Wirtschaftsdünger oder Gärrückstände aufgenommen werden.
  • Rinderhaltende Betriebe > 3 GV/ha mit ausreichend Grünland brauchen mindestens sechs Monate Gülle-Mindestlagerkapazität. Die genaue Berechnung der erforderlichen Lagerkapazität erfolgt auf Basis der Anteile der Rinderhaltung sowie des Grünlandes der Betriebe im Rahmen des Lagerraumprogrammes der LfL.

Umsetzung in der Praxis/im eigenen Betrieb

Betriebsbezogene Informationen für Landwirte durch iBALIS

Landschaft mit landwirtschaftlichen Betrieb im Hintergrund.

Landwirtschaftlicher Betrieb

Im öffentlich zugänglichen Kartenviewer Agrar sowie in der Feldstückskarte des zugangsgeschützten Bereichs von iBALIS gibt ein Layer Auskunft zur Betroffenheit einer Fläche. Die Gebietskulissen können unter "rote/gelbe Gebiete (AVDüV)" in der Feldstückskarte eingesehen werden.
Jeder Betrieb erhält in iBALIS eine Übersicht seiner roten und gelben Feldstücke sowie Informationen zu den zusätzlichen Maßnahmen. Die roten Feldstücke sind zudem im FNN mit dem Zusatz "rot (AVDüV)", die gelben Feldstücke mit dem Zusatz "gelb (AVDüV)" gekennzeichnet. Zudem werden auf einer eigenen Übersicht alle betroffenen Feldstücke angezeigt. So hat der Landwirt einen schnellen Überblick, auf welchen Feldstücken die zusätzlichen Auflagen einzuhalten sind.
Die Auflistung der betroffenen Feldstücke wird durch Informationen zu den zusätzlichen Auflagen ergänzt.

iBalis – betriebsbezogene Flächeninformationen Externer Link

Betriebliche Anpassungsmöglichkeiten an die rechtlichen Anforderungen im Bereich Düngung und Nährstoffhaushalt

Ausgaben des Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatts.

Aktuelle Informationen im Bayerischen Landwirt­schaft­lichen Wochen­blatt

Über das Jahr hinweg werden jahreszeitlich aktuelle Themen im Bereich Düngung und betrieblicher Nährstoffhaushalt im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt erläutert. Neuerungen im Düngerecht werden zeitnah bekannt gegeben.

DüV-Artikelserie im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt (BLW)

Forschungsergebnisse zur Umsetzung der rechtlichen Anforderungen im Bereich Düngung und Nährstoffhaushalt

Nährstoffkreislauf im landwirtschaftlichen BetriebZoombild vorhanden

Nährstoffkreislauf im land­wirt­schaft­lichen Betrieb

An der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft werden regelmäßig Forschungsprojekte durchgeführt, im Rahmen der Düngegesetzgebung den Nährstoffhaushalt landwirtschaftlicher Betriebe zu optimieren. Dazu zählen vor allem der effiziente Einsatz von Dünge- und Futtermitteln und die Vermeidung von Nährstoffverlusten.

Forschungsergebnisse im Bereich Nährstoffhaushalt