§§ DüV
Sperrfristen – in welchen Zeiträumen ist Düngen verboten?

Bodennahe Gülleausbringung auf Getreidestoppel

Das Düngen von Acker- und Grünland ist nur in bestimmten Zeiträumen und zu bestimmten Kulturen erlaubt. In den sogenannten Sperrfristen ist das Düngen nach Düngeverordnung § 6 (8) + (9) verboten.

Die optimale Verwertung der Gülle hängt wesentlich vom richtigen Ausbringzeitpunkt ab. In der Regel ist eine Ausbringung von Oktober bis Januar auf Ackerflächen mit schlechteren Ausnutzungsgraden durch Festlegung oder Verlagerung des Stickstoffs in tiefere Bodenschichten verbunden.

Allgemeine Übersicht zu den Sperrfristen

Die Sperrfristen gelten für alle Dünger, die einen wesentlichen Gehalt an Stickstoff (> 1,5 % N in der TM) enthalten. Ebenso gibt es eine Sperrfrist für Dünger mit einem wesentlichen Gehalt an Phosphat (> 0,5% Phosphat in der TM) sowie für Festmist von Huf- und Klauentieren und Kompost. Die Sperrfristen betreffen also nicht nur die organischen Dünger wie z. B. Gülle und Mist oder Klärschlamm, sondern auch die mineralischen Dünger.
In den mit Nitrat belasteten Gebieten (sogenanntes „rotes Gebiet“) sind gesonderte Sperrfristen zu beachten.

Übersicht über Sperrfristen auf nicht roten Flächen

Auf Ackerland beginnt die Sperrfrist generell nach der Ernte der letzten Hauptfrucht und dauert bis einschließlich 31. Januar.
Hauptfrucht ist grundsätzlich die Frucht, die im Mehrfachantrag angegeben ist. Es kann jedoch auch eine Kultur sein, die vor dem 1. August gesät wurde und noch im Ansaatjahr geerntet wird (z. B. Ackergras nach Getreidevorfrucht).

Folgende Ausnahmen gibt es (wenn ein Düngebedarf gegeben ist):

  • Zu Zwischenfrüchten und Winterraps dürfen bis zu 30 kg Ammonium- bzw. 60 kg/ha Gesamtstickstoff bis zum Ablauf des 1. Oktober gedüngt werden, wenn die Saat bis zum Ablauf des 15. September erfolgt.
  • Zu Wintergerste nach einer Getreidevorfrucht dürfen bis zu 30 kg Ammonium- bzw. 60 kg/ha Gesamtstickstoff bis zum Ablauf des 1. Oktober gedüngt werden, bei einer Aussaat bis zu diesem Termin.
  • Zu Gemüse-, Erdbeer- und Beerenobstkulturen darf bis zum Ablauf des 1. Dezember gedüngt werden.
  • Mehrjähriger Feldfutterbau hat die gleiche Sperrfrist wie Grünland, wenn die Aussaat bzw. Ernte der Deckfrucht vor 15. Mai stattgefunden hat.
Eine Verschiebung der Sperrfrist auf Ackerland ist nicht möglich.
Die Sperrfrist für Grünland und Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau beginnt am 1. November und dauert bis einschließlich 31. Januar.

Zusätzlich gilt:

  • Ab 1. September bis zum Sperrfristbeginn dürfen max. 80 kg N/ha ausgebracht werden.
    • Nach der letzten Nutzung bis zum Sperrfristbeginn dürfen max. 30 kg Ammonium- bzw. 60 kg/ha Gesamtstickstoff ausgebracht werden. Dies ist aber nur möglich, wenn im Zeitraum von 1. September bis Sperrfristbeginn die 80 kg N/ha noch nicht ausgeschöpft sind und im kommenden Frühjahr eine Nutzung des Aufwuchses erfolgt (Werden z.B. am 2.9. 60 kg N/ha ausgebracht, dann können nach der letzten Nutzung am 30.9. nur noch 20 kg N/ha ausgebracht werden).
  • Definition mehrjähriger Feldfutterbau: Saat vor 15. Mai und mindestens zwei Hauptnutzungsjahre (nach Mehrfachantrag).
Verschiebung der Sperrfrist auf Grünland und mehrjährigen Feldfutterbau:
Die Sperrfrist für Grünland und mehrjährigen Feldfutterbau kann um 2 oder 4 Wochen nach hinten verschoben werden. Die Dauer der Sperrfrist von drei Monaten bleibt dabei unverändert.
Sperrfrist bei 2 Wochen-Verschiebung: 15. November bis einschließlich 14. Februar
Sperrfrist bei 4 Wochen-Verschiebung: 29. November bis einschließlich 28. Februar
Die Vorgehensweise der Verschiebung ist wie folgt:
Die Verschiebung muss jährlich vom BBV-Kreisverband für den jeweiligen Landkreis beim zuständigen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) beantragt werden. Das zuständige AELF entscheidet über die Verschiebung und den Verschiebungszeitraum nach regionaltypischen Gegebenheiten. Insbesondere Witterung oder Beginn und Ende des Pflanzenwachstums sowie Ziele des Boden- und des Gewässerschutzes werden dabei herangezogen.
Ob und für welche Zeitspanne eine Sperrfristverschiebung in einem Landkreis erfolgt ist, ist dem jeweiligen Amtsblatt und auch der Internetseite des zuständigen AELF zu entnehmen.

Sperrfristverschiebung im Herbst 2021 (BLW, 21. Jg. (2021), Heft 37, Seite 34) pdf 330 KB

Festmist und Kompost
Nur für Festmist von Huf- oder Klauentieren und Kompost ist die Sperrfrist für alle Flächen von 1. Dezember bis zum 15. Januar.
Für alle anderen Düngemittel, z. B. Geflügelfestmist, gilt diese Regelung nicht.
  • Wenn eine 30/60-Düngegabe über Gülle oder Gärrest erfolgt ist, darf im Herbst kein Festmist mehr ausgebracht werden.
  • Auf einer unbestellten Fläche ohne Bewuchs mit nachfolgender Sommerung darf im Herbst nach der Ernte der Vorfrucht kein Festmist oder Kompost ausgebracht werden (erst im Frühjahr mit Sperrfristende).
Phosphat-Dünger
In der Zeit vom 1. Dezember bis zum Ablauf des 15. Januar dürfen Düngemittel mit wesentlichem Gehalt an Phosphat (> 0,5% Phosphat in der TM) auf keiner Fläche aufgebracht werden.

Sperrfristprogramm – Darf ich im Herbst düngen?

Eingabe des mehrjährigen Feldfutterbaus im ersten StandjahrZoombild vorhanden

Blick ins Sperrfristprogramm

Die Excelanwendung „Sperrfristprogramm“ zeigt in Abhängigkeit der angebauten Kultur, ob die Fläche im Sommer/Herbst noch gedüngt werden darf. Gleichzeitig berücksichtigt das Programm, ob es sich um eine rote oder gelbe Fläche handelt.

Details Sperrfristprogramm

Fachlicher Hinweis zur Herbstdüngung

Aus fachlicher Sicht sollte eine Herbstdüngung zu Dauergrünland und mehrschnittigem Feldfutterbau so weit wie möglich vermieden werden. Dies insbesondere deshalb, da auf solchen Flächen im Herbst nach der letzten Nutzung kaum mehr Düngebedarf besteht und der Stickstoff bei einer Düngung im Frühjahr in der Regel besser als bei einer Herbstdüngung verwertet wird. Ist eine Herbstdüngung aus betrieblichen Gründen unvermeidbar, so sollte diese nur zu leistungsfähigen Beständen mit tiefgründigen Böden erfolgen.
Die starke Einschränkung der Herbstausbringung kann vor allem bei tierhaltenden Betrieben und Biogasanlagenbetreibern zu weitreichenden Konsequenzen führen. Betriebe, die größere Mengen organischer Dünger einsetzen, müssen darauf bedacht sein, Ausbringtermine mit guter Ausnutzung und optimalen Ausbringbedingungen zu wählen. Anders sind die Vorgaben der Düngeverordnung kaum einzuhalten. Dafür ist ein ausreichender Lagerraum unabdingbar.