Forschungs- und Innovationsprojekt
Gelegebehandlung bei Wildgänsen

Zwei Personen in einem Kanu entfernen sich auf einem Baggersee von einer Insel, auf der sie gerade Gelege behandelt haben. Im Hintergrund schwimmen einige Kanadagänse.
Die Behandlung der Gelege von Grau-, Kanada- und Nilgänsen kann einen wichtigen Beitrag zur Minimierung der Konflikte leisten, die durch die Zunahme und Ausbreitung der ursprünglich nicht heimischen Wildgänse entstehen. Sie wird in Bayern seit 2016 erfolgreich erprobt und evaluiert. Eine Überführung in die Praxis kann nur durch eine Änderung des Jagdgesetzes erfolgen.

Ziel

Viele Menschen freuen sich über die Beobachtung von Wildgänsen. Im Gegenzug können Wildgänse aber auch Konflikte in Freizeitanlagen und auf landwirtschaftlich genutzten Flächen auslösen. Mit jagdlichen Handlungen alleine ist es oft schwierig, die Konflikte zufriedenstellend zu managen. Hier soll die Gelegebehandlung als begleitende Maßnahme den Erfolg des Managements erhöhen.
Die Gelegebehandlung ist eine Managementmaßnahme, die in den Fortpflanzungserfolg der Wildgänse eingreift. In zwei Projekten an der LfL wurden in ausgewählten Gebieten im Maintal (Landkreise Bamberg und Haßfurt), im Straubinger Raum und im Bereich Altmühlsee zwischen 2016 und 2018 umfangreiche Gelegebehandlungen durchgeführt. Es wurde eine praktikable, den Tierschutzvorgaben entsprechende Behandlungsmethode durch Anstechen der Eier entwickelt und praktisch angewandt. Die mittleren Familiengrößen in Gebieten mit Gelegebehandlung waren gegenüber den Familiengrößen in unbehandelten Gebieten je nach Evaluierungsmethode um 1,5 Gössel (Zählung von Familien) beziehungsweise 2,4 Gössel pro Familie (Auswertung Wildkameradaten) verringert.
Ziel ist, die wirksame Maßnahme Gelegebehandlung, die bisher nur mit jagdrechtlicher Ausnahmegenehmigung im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts zulässig ist, in Bayern zu etablieren.

Methode

Es wird ein praxistaugliches, geregeltes Verfahren für eine bayernweite, ordnungsgemäße Durchführung von Gelegebehandlungen erarbeitet. Dazu wird insbesondere auf die Erfahrungen der Gelegebehandlungen in verschiedenen Regionen seit 2016 zurückgegriffen. Um möglichst viele Fallkonstellationen in Bayern abbilden zu können, werden weitere Gebiete in das Projekt aufgenommen und die Datenerhebung in allen Gebieten zur Validierung des Verfahrens fortgeführt (z.B. Populationsentwicklung, Akzeptanz der Maßnahmen in der Öffentlichkeit, Art und Umfang der Konflikte, usw.). Ein Schwerpunkt wird die Entwicklung einer Schulung von „Zertifizierten Gelegebehandlerinnen und Gelegebehandlern“ zur tierschutzgerechten Behandlung von Gelegen sein.
Ein weiteres Ziel des Projekts ist die Schaffung von fachlichen Voraussetzungen für eine etwaige Jagdrechtsänderung.

Ergebnisse

Die Gelegebehandlung ist eine wirksame Methode zur Begrenzung des Populationswachstums bei Wildgänsen in Bayern. Sie ergänzt die Jagd durch den Eingriff in den Fortpflanzungserfolg. Die Gelegebehandlung ist mit Abschluss des Projekts in ein geregeltes Verfahren überführt und kann bayernweit unter bestimmten Vorgaben und mit Genehmigung durch die Unteren Jagdbehörden zur Verringerung der Gänsepopulationen und damit der Schäden und Konflikte eingesetzt werden.
Projekinformation
Projektleitung: Dr. Christian Wagner
Projektbearbeiter: Stefan Falkensteiner
Laufzeit: 11.03.2019 - 31.12.2021
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Förderkennzeichen/Fördernummer: 88 Maßnahmen im Bereich Wildtiermanagement