Forschungs- und Innovationsprojekt
Moor-KULAP

Grünlandparzellen im Niedermoor

Entwicklung von KULAP-Maßnahmen für eine innovative Nassgrünlandnutzung mit Dränmanagement und Grünlanderneuerung für Intensivgrünland auf Niedermoorstandorten

112.000 Hektar Moorböden werden in Bayern landwirtschaftlich genutzt und sind meist tief entwässert. Durch den Abbau von organischer Substanz unter oxidativen Prozessen verlieren entwässerte Moorböden an Masse, der Oberboden verändert sich und das Niveau der Geländeoberfläche sinkt. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft schätzt, dass bei unveränderter Wirtschaftsweise auf bis zu 30% der aktuell landwirtschaftlich genutzten Moorfläche in Bayern bereits in dieser Landwirtsgeneration die weitere landwirtschaftliche Nutzung gefährdet ist.
Die Torfzehrung entwässerter Moorböden ist auf nur 3,6% der Landwirtschaftsfläche in Bayern für 4,4% der gesamten bayerischen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Moorböden mit tiefer Entwässerung sind im Sommer soweit ausgetrocknet und hydrophob, dass Starkniederschläge über Tage hinweg nicht einsickern können. Die Retentionsfunktion im Sinne des Hochwasserschutzes geht weitestgehend verloren und gleichzeitig kommt es bei ausbleibenden Niederschlägen schnell zu Trockenstress im Pflanzenbestand. Torfmineralisation führt je nach Witterung stoßweise zu hohen Nitrat-Stickstoff-Überschüssen und damit einer Belastung für Grund- und Oberflächengewässer.
Ein sicherer Moorschutz erfordert geringe Grundwasserflurabstände. Gräser mit Nässetoleranz und eine angepasste Technik können helfen, diese nassen Flächen risikoarm in landwirtschaftlicher Nutzung zu halten.

Ziel

Das Forschungsvorhaben greift die politische und fachliche Entwicklung in den Agrarumweltthemen Klimaschutz und Moorschutz auf. Ziel des Vorhabens ist es, ein Produktionssystem für Wirtschaftsgrünland auf Niedermoorböden zu entwickeln, welches die Sackungsraten gegenüber den heutigen Verhältnissen grob halbiert. Die Ergebnisse dienen als fachliche Grundlage für die Entwicklung einer torfschonenden, klimafreundlicheren und dauerhafteren Grünlandnutzung auf Niedermoorböden bei möglichst hohem Ertrag und guter Futterqualität. Das Projekt konzentriert sich auf drei wesentliche Herausforderungen in der Wasserregelung, der Produktionstechnik, sowie der Arten- und Sortenwahl. Die Forschungsergebnisse sollen bayernweit übertragbar sein und können die fachliche Grundlage für ein zukünftiges Fördermodul in einem „Moorbauernprogramm“ bilden.

Zielsetzung des Projektes ist daher:

  1. Entwicklung von bayernweit einsetzbaren, preiswerten Verfahren für Dränmanagement an Rohrdränagen
  2. Ermittlung von Nässegrenzen für die Befahrbarkeit von Intensivgrünland mit standortangepasster Technik für bayerische Niedermoorstandorte
  3. Entwicklung, Prüfung und Optimierung von Qualitätssaatmischungen aus nässeverträglichen Gräsern und Kräutern für bayerische Niedermoorstandorte

Methode

Auf Flächen der Versuchsstation Karolinenfeld (BaySG) wurden Feldversuche durch das Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung (IPZ) angelegt. Diese werden mit einem von der Professur für Vegetationsökologie der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (VÖK-HSWT) konzipiertem System für die Wasserregelung an Rohrdrainagen angestaut und von Treibhausgasmessungen begleitet. Das Institut für Ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz (IAB) koordiniert das Projekt und führt folgende Erhebungen über mehrere Jahre durch:
  • Wasserstände mittels automatischer und manueller Pegelmessung sowie deren flächenhaften Interpolation
  • Befahrbarkeit mittels Messungen der Scherfestigkeit, Fahrspurtiefe sowie Bodenschäden durch Praxistechnikvarianten
  • Vegetationsentwicklung mittels botanischer Aufnahmen, landwirtschaftlicher Bonituren, Ertragsmessung und Analyse der Futterqualität

Ergebnisse

Es werden Zwischenergebnisse zum Ende der ersten Projektphase erwartet.
Projektinformation
Projektleitung: Dr. Annette Freibauer Institut für Ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz (IAB)
Projektbearbeitung: Bastian Zwack
Projektpartner: Bayerische Staatsgüter (BaySG), Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung (IPZ), Abteilung Qualitätssicherung und Untersuchungswesen (AQU), Professur für Vegetationsökologie der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (VÖK-HSWT), Praxisbetriebe
Laufzeit: 01.08.2018 bis 31.07.2021
Finanzierung: StMELF - Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Förderkennzeichen: KL/18/02

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