Strukturanalyse des Wildlebensraums in der offenen Kulturlandschaft

 Karte mit potentiell artenreichen Flächen: Wildlebensraum

Die offene Kulturlandschaft außerhalb von Ortslagen nimmt etwa die Hälfte der Landesfläche Bayerns ein und wird maßgeblich durch die Landbewirtschaftung gestaltet. Sie unterliegt einer hohen Änderungsdynamik und bietet dennoch wertvolle Lebensräume.
Ein Teil der Flächen der offenen Kulturlandschaft ist potenziell artenreich, der „Wildlebensraum“. Er umfasst rund 15 Prozent des Offenlands außerhalb von Ortslagen. Diese Flächen leisten einen wertvollen Beitrag zur Erfüllung der Lebensraumansprüche typischer Arten des Offenlands. Lebensraumvernetzung ist der Schlüssel zur dauerhaften Artenvielfalt. Tierarten wie Feldhase, Rebhuhn, Feldlerche, Schmetterlinge, Wildbienen, Laufkäfer und Co. erhalten auf diese Weise Nahrung, Unterschlupf, eine Kinderstube und Orte zur Überwinterung.

In der LfL-Information „Beratungshilfe für die Wildlebensraumberatung in Bayern“ sind die Flächencodierungen, die zu Wildlebensraum zählen aufgelistet:

Beratungshilfe für die Wildlebensraumberatung in Bayern

Wildlebensraum

In der offenen Kulturlandschaft braucht es lokal genügend ökologisch wertvolle Einzelflächen, die räumlich und zeitlich miteinander vernetzt sind. Sie ergeben ein sich stetig wandelndes „Lebensraum-Mosaik“, das wir als Wildlebensraum begreifen. In der landwirtschaftlichen Nutzfläche sind das zum Beispiel: wenig intensiv genutztes Grünland, Altgrasstreifen, Sommerweiden, Streuobst, Feldlerchenfenster, Blühflächen oder Brachen. Darüber hinaus bilden dauerhafte Strukturen wie zum Beispiel Hecken und Feldgehölze aber auch Gewässerrandstreifen, Säume, Raine, ungemähte Wegränder, Totholz, Lesesteinhaufen und weitere Kleinstlebensräume den Wildlebensraum.
Sommeraspekt einer mehrjährigen Blühfläche.

Mehrjährige Blühfläche

Bunt blühende Wiese.

Artenreiche Wiese

Florfliege an einem Fruchtstand der Wilden Möhre.

Florfliege an einem Fruchtstand der Wilden Möhre

Blühende Streuobstwiese.

Streuobst

Strukturanalyse des Wildlebensraums

Die Strukturanalyse beurteilt den örtlichen Bestand an Wildlebensraum und macht Standortpotenziale sichtbar. Daraus erarbeiten die Ansprechpartner der Wildlebensraumberatung der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gemeinsam mit den Landwirtinnen und Landwirten Empfehlungen für die Wahl besonders geeigneter agrarökologischer Maßnahmen und deren Platzierung. Eine gezielte Platzierung von Maßnahmen zur Erhaltung, Verbesserung oder Schaffung von Strukturen als Lebensräume für Tiere und Pflanzen in der offenen Kulturlandschaft kann so optimal zur Vernetzung beitragen und die Biodiversität fördern.

LfL-Portal der Wildlebensraumberatung

Screenshot des LfL-Wildlebensraumportals
Die Wildlebensraumberatung der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) und Regierungen in Bayern erhält mit dem „LfL-Portal der Wildlebensraumberatung“ eine digitale Arbeitshilfe zur passgenauen Beratung der bayerischen Landwirtinnen und Landwirte zur Gestaltung und Vernetzung von Lebensräumen für wildlebende Tier- und Pflanzenarten. Die LfL stellt eine neue App bereit, die die Wildlebensraumberatung der ÄELF vor Ort unterstützt. Mit einem Blick auf die digitale Landkarte kann nun der aktuelle Bestand an wertvollen Flächen für wildlebende Tier- und Pflanzenarten, der sogenannte Wildlebensraum, beurteilt werden. Damit kann die Wildlebensraumberatung nun gezielte Aufwertungen für Lebensräume empfehlen, z. B. Vernetzungsachsen. Das Portal der Wildlebensraumberatung greift auf eine breite Geodatenbasis der Landwirtschafts- und der Umweltverwaltung zurück. Auf diese Weise können Landwirtinnen und Landwirte im Beratungsgespräch direkt in Echtzeit auf dem Tablet eine fundierte Empfehlung zur Maßnahmenwahl und -platzierung, zugeschnitten auf ihren Betrieb, erhalten.