Wildbienen in Bayern
Praxisratgeber Wildbienen: Ein Leitfaden für die Landwirtschaft

Biene schaut aus Erdloch rausZoombild vorhanden

Foto: Albert Krebs, ETH Zürich

Die Wildbienen brauchen unsere Hilfe!

Es gibt 580 Wildbienenarten in Deutschland: Davon leben 521 Arten in Bayern. Die Hälfte dieser Arten sind bereits gefährdet.

FarmerBeeWild
Das Forschungsprojekt „FarmerBeeWild“ leitet aus seinen Ergebnissen konkrete Handlungsempfehlungen für diesen Praxisratgeber ab, um Agrarregionen für die bestäubenden Wildbienen nachhaltig attraktiv zu gestalten und so diese wichtigen Insekten zu fördern.

eine Landschaft im Frühling mit grünen Wiesen, gelben Raps, blühenden Bäumen, blauer Himmel

Wofür brauchen wir Wildbienen?

Biene fliegt an eine gelbe BlumeZoombild vorhanden

Bestäubung von Leinkraut
Foto: Harald Volz, LfL

Wildbienen sind wichtige Bestäuber
Bestäuber sind sowohl ökologisch als auch ökonomisch von Bedeutung. Vor allem Bienen gewährleisten stabile Erträge von landwirtschaftlichen Kulturen, indem sie viele Nutzpflanzen wie Obstbäume, Gemüsearten oder Hülsenfrüchte bestäuben und damit den Ertrag sichern. Auch für die Bestäubung von Wildpflanzen leisten sie einen wichtigen Beitrag und tragen so zu deren Erhalt bei. Wildbienen sind im Frühjahr schon ab Ende Februar, vor den Honigbienen aktiv und benötigen zu diesem Zeitpunkt bereits ein ausreichendes Nahrungsangebot. Daher ist es wichtig geeignete früh blühende Pflanzen zu fördern und damit die Wildbienen zu unterstützen.

Die Vielfalt an Wildbienenarten ist groß

Biene kriecht aus einem Erdlich

Die Kleinste: Schmalbiene mit ca. 8 mm Größe.
Foto: Andreas Krebs, ETH Zürich

große Biene mit blauen Flügeln sitzt einem steinernen Boden

Die Größte:
Holzbiene mit bis zu 30 mm.
Foto: Rudolf Büchi, ETH-Bibliothek Zürich

Lebensweise der Wildbienen

drei Hummeln sitzen auf einer violetten BlüteZoombild vorhanden

Hummeln auf Distelblüte
Foto: Harald Volz, LfL

Im Gegensatz zur Honigbiene sind die meisten Wildbienenarten Einzelgänger (Solitärbienen). Hummeln, die auch zu den Wildbienen gehören, sind staatenbildend mit kleinen Kolonien von 50 – 100 Tieren. Wildbienen unterscheiden sich in Größe, Nahrungsansprüchen und dem Ort ihrer Nistplätze. Sie erreichen eine Körpergröße von zirka 8 mm bis 30 mm. Ihre Ernährung ist vielseitig und reicht vom Pollenspezialisten bis zum "Vielblütenbesucher“. Auch die Art und Weise, wie sie nisten, ist vielfältig und artabhängig. Über die Hälfte der Wildbienenarten nisten im Boden, andere haben oberirdische Nistplätze, zum Beispiel in Mauerspalten, markhaltigen Pflanzenstängeln, alten Bäumen oder Totholz.

Maßnahmen für die Wildbienen

offene Bodenflächen sind wichtig

Biene verlässt ein ErdlochZoombild vorhanden

Fuchsrote Sandbiene verlässt Brutröhre
Foto: Andreas Krebs, ETH Zürich

Offene, warme, sonnenexponierte Bodenflächen sind wichtig für bodennistende Wildbienenarten. Die Flächen sollten nicht in Senken liegen oder Staunässe aufweisen, um Feuchtigkeit zu verhindern. Für die Grabtauglichkeit ist ein sandiger und lehmiger Boden vorteilhaft. Der Bewuchs sollte möglichst spärlich und lückig sein. Eine ideale Lage ist in der Nähe des Blütenangebots, da die meisten Wildbienenarten nur 100 bis 300 m weit von ihrem Nistplatz zur Nahrungsquelle fliegen können.

Naturnahe Hecken, Feldgehölze und Streuobstflächen

blühende Bäume auf einer grünen Wiese mit FeldwegZoombild vorhanden

bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten kommen auf Streuobstflächen
vor.
Foto: Harald Volz, LfL

Durch ihre sehr unterschiedliche Struktur bieten diese Flächen ein vielfältiges Angebot an Nistplätzen, wie magere und lückige Stellen im Unterwuchs. Es ist wichtig, auch tote Äste, abgestorbene Bäume und Totholz als wertvolle Lebensräume für zahlreiche Arten in diesen Beständen zu erhalten. Auch das unterschiedliche und lange Nahrungsangebot, bei Hecken mit Blütezeiten heimischer Gehölze vom Frühjahr bis zum Spätherbst, kennzeichnen diese wertvollen Lebensräume.

Blühende Kulturen

Hummel sitzt auf einer blauen BlumeZoombild vorhanden

Hummel auf Kornblume
Foto: Andrea Holzschuh

Einige Kulturpflanzen leisten einen wertvollen Beitrag zum Nahrungsangebot, wenn sie bis zum Abblühen stehen bleiben. Dies sind vor allem Ölfrüchte und Körner-Leguminosen, die Massentrachten bilden. Die Massentracht ist eine reichliche, meist großflächige Blüte einer einzelnen Kulturpflanzenart wie Raps, Sonnenblume, Klee oder Luzerne. Diese Massentrachten sind in Verbindung mit blühenden Beikräutern eine wertvolle Nahrungsquelle. Auch blühende Futterpflanzen ergänzen das Blütenangebot. Die blühenden Kulturen können eine Trachtlücke, die mit Ende der Obst- und Rapsblüte ab Juni entsteht, schließen.

Nicht jedes Beikraut ist ein Problem-Unkraut

Getreidefeld mit Kräutern und roten MohnblumenZoombild vorhanden

Beikräuter
Foto: Franziska Mayer, LfL

Von 330 Ackerwildkräutern sind etwa 300 Arten konkurrenzschwach und schmälern den Ertrag kaum. Beikräuter sind sehr wichtig als Nahrungsressource für Wildbienen. Ackerwildkräuter können zum Beispiel durch Reduzierung des Pflanzenschutzes gefördert werden. Der Verzicht auf Pflanzenschutz ist auch auf Teilflächen, zum Beispiel am Wegrand oder Ackerrain, sehr wirksam für die Förderung von Ackerwildkräutern.

Ökologische Landwirtschaft

ein Traktor striegelt ein Feld mit PflanzenZoombild vorhanden

Einsatz eines Striegels
Foto: Alexander Kögel

Diese Art der Landbewirtschaftung kann Biodiversität und somit Wildbienen fördern. In der Regel werden Kulturen nicht überdüngt und weniger Stickstoffeinträge erhöhen das Blütenangebot. Es werden keine synthetischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt und auch die Intensität der Schädlingsbekämpfung ist geringer. Abwechslungsreiche Fruchtfolgen fördern blühende Kulturen, was wiederum das Nahrungsangebot für Wildbienen erhöht.

Zwischenfrüchte und Untersaaten

Biene sitzt auf einer violetten BlumeZoombild vorhanden

Honigbiene auf Phacelia
Foto: Birgit Gleixner, LfL

Zwischenfrüchte und Untersaaten können das Blütenangebot für Wildbienen ergänzen, insbesondere wenn sie lange genug stehen bleiben. Aufgrund der vielfältigen Standortbedingungen in Bayern lassen sich jedoch keine spezifischen Empfehlungen geben. Wichtig ist, dass das Blütenangebot sowohl mengenmäßig ausreichend als auch möglichst vielfältig ist, da ein Drittel der Wildbienenarten Pollenspezialisten sind, die auf bestimmte Pflanzenfamilien und Blütenformen angewiesen sind. Eine größere Vielfalt an Blüten fördert somit die Nahrungssuche verschiedener Wildbienenarten.

Blühflächen

eine blühende Wiese mit bunten BlumenZoombild vorhanden

Mehrjährige Blühflächen fördern Wildbienen
Foto: Harald Volz, LfL

Blühflächen auf Ackerstandorten bieten Nahrung und Nistplätze für Wild- und Honigbienen sowie andere Insekten. Zum Schutz vor Spritzmitteln sollten Abstände eingehalten oder deren Einsatz reduziert werden. Mehrjährige Blühflächen mit Standortrotation sichern langfristig ausreichend Pollenquellen. Für den langfristigen Erhalt der Wildbienenpopulation sind mehrjährige Blühflächen mit Standortrotation wichtig, sodass stets ausreichend Pollenquellen im Umkreis von 100 bis 300 Metern vorhanden sind. Blühflächen fördern Artenvielfalt, bieten Überwinterungsmöglichkeiten, schützen den Boden und verschönern die Landschaft.

Abtragen der oberen Bodenschicht

ein rechteckiges Loch in der ErdeZoombild vorhanden

Abtragen der oberen Bodenschicht
Foto: LfL

Mehr als die Hälfte der Wildbienenarten nisten im Boden. Neu geschaffene offene Bodenflächen sind eine effektive Maßnahme zur Förderung bodennistender Wildbienen. Sie können durch das flache Abtragen der oberen Bodenschicht und der darauf wachsenden Vegetation leicht angelegt werden. Bereits kleine Flächen von 6 m² reichen aus, um in zwei Jahren nach dem Abtragen eine gute Besiedlung durch Wildbienen zu erreichen. Besonders geeignet sind leicht erhobene, sonnige oder geneigte Stellen mit gutem Wasserablauf.
eine Biene steckt den Kopf aus einem Erdbau heraus

Furchenbiene
Foto: Andreas Krebs, ETH Zürich

eine Biene sitzt auf einer gelben Rapsblüte

Rapsblüte im Mai
Foto: Sabine Birnbeck, LfL

eine Hummel sitzt auf einer weißen Apfelblüte

Hummel bestäubt Apfelbaum Foto: Elke Schweiger, LfL

eine Biene sitzt auf einer gelben Sonnenblume

Bestäubung einer Sonnenblume Foto:Harald Volz, LfL

eine Biene kriecht aus der Erde

Sandbienenweibchen verlässt ihr Nest
Foto: Andreas Krebs, ETH Zürich