Forellenteichwirtschaft (Übersicht)

Blick auf mehrere Teiche

Die gesamte deutsche Forellenproduktion beträgt etwa 27.000 Tonnen pro Jahr. Über 3.000 bayerische Forellenteichbetriebe liefern mit knapp 10.000 t mehr als ein Drittel der deutschen Jahresproduktion. Davon sind etwa 8.500 Tonnen Speise- und 1.000 Tonnen Besatzforellen. Nebenfische, wie Bachforellen oder Bach- und Seesaiblinge machen darin etwa 1.000 Tonnen aus. Bayern liegt damit an der Spitze aller Bundesländer. Die Betriebe sind in Bayern eher klein. Nur etwa fünf Prozent der bayerischen Forellenzuchten werden im Haupterwerb bewirtschaftet.

Üblich ist die Haltung von Forellen in Erdteichen. Die Produktion ist weniger flächengebunden als z. B. die Karpfenteichwirtschaft, sondern ist abhängig vom Wasserzulauf, der üblicherweise in “Sekundenlitern” (l/s) angegeben wird. Typische Standorte für die Forellenteichwirtschaft sind somit an Quellen oder sauberen Fließgewässern mit gesicherter Zulaufwassermenge.

Wichtige Fischarten

Regenbogenforelle

Die Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss), die zwischen 1880 und 1884 aus Nordamerika eingeführt wurde, ist zum wichtigsten Wirtschaftsfisch unter den Lachs- oder Forellenartigen Fischen (Salmoniden) geworden.

Bachsaibling

Ein weiterer wichtiger Speisefisch ist der Bachsaibling (Salvelinus fontinalis), dessen Bedeutung in den letzten Jahren beständig steigt.

Bachforelle und Äsche

Die heimische Bachforelle (Salmo trutta fario) wird ebenso wie die selten gewordene Äsche (Thymallus thymallus) vorwiegend für den Besatz freier Gewässer erzeugt.

Vermehrung

Die meisten Forellenteichbetriebe produzieren Speisefische, überwiegend zur Abgabe an Endverbraucher. Einige spezialisierte Betriebe halten Laichfische für die Nachzucht. Die künstliche Vermehrung von Forellenartigen, die in den Wintermonaten stattfindet, wird seit mehr als 100 Jahren praktiziert:
Der weibliche Fisch (Rogener) wird mit der Hand vorsichtig von vorn nach hinten abgestreift, so dass die Fischeier (Rogen) aus der Geschlechtsöffnung austreten.
Das Sperma (Milch) des männlichen Fisches (Milchner) wird auf die Eier gegeben. Nach Zugabe von Wasser findet die Befruchtung statt.
Die Erbrütung der Eier erfolgt im Bruthaus. In Zugergläsern wird ständig frisches, sauerstoffreiches Wasser von unten durch den Flaschenhals zugeführt und läuft über den oberen Rand ab.
Nach etwa 25 Tagen sind die dunklen Augen der Embryos (Augenpunkteier) deutlich hinter der Eihülle zu erkennen.
Nach etwa 40 Tagen schlüpfen die kleinen, kaum pigmentierten Dottersacklarven. Sie sind anfangs schwimmunfähig und leben vom Inhalt des Dottersacks. Gegen Ende der Dottersackphase füllen die circa 0,1 - 0,2 Gramm schweren Brütlinge ihre Schwimblase mit Luft und beginnen zu fressen.

Produktion

Salmoniden stellen hohe Ansprüche an ihre Umwelt, v. a. an die Wasserqualität. Das Zulaufwasser weist im Optimum eine Wassertemperatur zwischen 8 und 14 °C auf, hat einen pH-Wert zwischen 6,5 und 8,0 und der Sauerstoffgehalt liegt in der Nähe des Sättigungswerts, d. h. je nach Temperatur zwischen 9 und 11 mg/l, am Teichauslauf nicht unter 5 mg/l.
Die Produktionsintensität konnte durch Belüftung und Einsatz von Reinsauerstoff in den letzten Jahrzehnten enorm gesteigert werden. In Fließkanälen und ähnlich ausgebauten Haltungseinrichtungen ist eine Jahresproduktion deutlich über 1.000 kg pro Sekundenliter (l/s) Frischwasserzulauf möglich. Große Fischzuchtbetriebe produzieren auf 1 - 2 ha Fläche mehr als 100 t Forellen pro Jahr.
Futtermittelhaufen
Moderne Trockenfuttermittel, hergestellt aus hochwertigen Rohwaren, decken den Bedarf der Forellen optimal. Ein auf den Altersabschnitt der Fische optimiertes Energie-Eiweiß-Verhältnis führt zu schnellem Wachstum und geringer Wasserbelastung durch Nährstoffausscheidungen.
Person wirft Futter in Teich
Die Fütterung von Forellen wird üblicherweise von Hand ausgeführt. Hierbei ist auf eine breitwürfige Futterstreuung zu achten, damit die Fische möglichst nicht auseinander wachsen. Die Futtermenge ist auf den Tierbestand abzustimmen. Eine Überfütterung ist auf jeden Fall zu vermeiden.
Eimer mit kleinen Fischen
In Abhängigkeit von der Wassertemperatur und Fütterungsintensität wachsen die sogenannten einsömmerigen Forellensetzlinge bis zum Herbst auf 20 - 50 g Lebendgewicht heran.
kleine Fischer im Wasser
Im Regelfall erreichen sie im Sommer des darauf folgenden Jahres das Verkaufsgewicht von 300 - 350 g. (Speiseforellen im Erdteich)

Produkte

Teller mit Fisch und Gemüse
Das Ziel der nachhaltigen Forellenerzeugung ist die Produktion gesunder und wertvoller Lebensmittel zur gesicherten Versorgung der heimischen Märkte und Verbraucher. Forellen enthalten hochwertiges Eiweiß und besonders gesundheitsfördernde langkettige Omega-3-Fettsäuren.
Fischfilet am Teller
Neben frischen Fischen sind in der Direktvermarktung vorwiegend Räucherwaren besonders beliebt.
Steckerlfisch
Im Sommer ist v. a. die gegrillte Forelle in Alufolie gegart oder am Holzspieß als sogenannter „Steckerlfisch“ eine besondere Delikatesse.

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