Ökozüchtungsplattform Ruhstorf: Etablierung einer partizipativen Kooperationsplattform zur Unterstützung der Sortenentwicklung für den Ökolandbau

Sommergerstenähre auf dem Feld

Deutschland besitzt aktuell den größten Ökomarkt in Europa mit einem ständig steigenden Umsatz. Dabei nimmt Bayern eine Vorreiterrolle ein. Für die Wirtschaftlichkeit der Produktion im ökologischen Landbau ist im pflanzlichen Bereich der Einsatz geeigneter Sorten von entscheidender Bedeutung.

Hier gibt es große Defizite: Das Angebot an Saatgut aus ökologischer Züchtung ist zu gering, um den Bedarf zu decken. Es werden jährlich 1,14 Mio ha Fläche in Deutschland ökologisch bewirtschaftet; allerdings setzt ein Großteil dieser Betriebe weiterhin lediglich „ökologisch vermehrtes Saatgut“ ein, das nicht unter Ökobedingungen entwickelt wurde und somit nicht optimal an die Bedingungen des Ökolandbaus angepasst wurde. So werden die Potenziale von an den Ökolandbau angepassten Sorten im Hinblick auf Ertrag, Qualitätseigenschaften und spezielle agronomische Eigenschaften wie schnelle Bodenbedeckung oder Nährstoffaneignungsvermögen nicht genutzt.

Zielsetzung

Am LfL-Standort Ruhstorf a.d. Rott soll eine partizipative Ökozüchtungsplattform mit finanzieller Beteiligung bayerischer KMU im Bereich Pflanzenzüchtung und Ernährung aufgebaut werden. Zudem soll ein bayerisches Experten-Netzwerk (Beirat) aus Züchtung, Landwirtschaft, Ernährung, Wirtschaft (KMU) und Verbrauchern zur Festlegung der Zuchtziele entstehen.
Der Schwerpunkt in diesem Projekt liegt bei Mais, Braugerste und Winterroggen, die als Modell für weitere Fruchtarten dienen.

Hintergrund

Die Nachfrage nach Ökoprodukten in Deutschland steigt kontinuierlich an, der Umsatz lag 2017 bei 10,04 Mrd. €.
Deutschland besitzt innerhalb Europas den größten Ökomarkt und nach den USA - den zweit größten weltweit. Die Ökoanbaufläche nimmt zwar kontinuierlich, jedoch mit 3 % jährlich weniger stark zu als der Ökolebensmittelmarkt wächst. Die Nachfrage nach Bioprodukten übersteigt allerdings das heimische Angebot bei weitem. Ein Großteil der ökologisch erzeugten Rohwaren muss deshalb importiert werden. Die auf ökologischen Anbau spezialisierte Landwirtschaft in Deutschland muss aufpassen, nicht abgehängt zu werden. Dementsprechend ist die Unterstützung des heimischen Ökolandbaus wichtig.

Anforderungen an Ökosorten

Die im Ökolandbau verwendeten Pflanzensorten müssen robust, standortangepasst und an die ökologischen Anbaubedingungen adaptiert sein. Eine eigenständige Ökozüchtung ist deshalb notwendig.

Zuchtbetriebe, die eine eigene Ökozüchtung anbieten, gibt es in Deutschland nur wenige, in Bayern keine.
Dementsprechend stehen für die Praxis bisher nur einige solcher Sorten zur Verfügung. Nur wenigen Betrieben steht ökologisches Saatgut zur Verfügung, die übrigen Betriebe setzen weiterhin nur ökologisch vermehrtes Saatgut ein, das nicht ökologisch gezüchtet, aber mindestens ein Jahr lang auf einem anerkannten Bio-Betrieb vermehrt wurde.

Situation in Bayern

Bayern nimmt im bundesweiten Vergleich eine Vorreiterrolle ein. Denn 9,1 % der landwirtschaftlichen Flächen sind bereits ökologisch bewirtschaftet. Im Vergleich dazu sind es bundesweit 7,5 %. Somit liegen 23 % der deutschen Ökoflächen in Bayern, 31 % der Ökobetriebe sind in Bayern.

Methode

  • Aufbau eines Gremiums von Wissenschaftlern, Verarbeitern, Landwirten und Verbrauchern
  • Flächenbereitstellung für eine partizipative Züchtung

Ergebnis

Erste Ergebnisse zu den angebauten Kulturarten werden bis Ende 2020 erwartet.
Projektinformation
Projektleitung: Dr. Markus Herz
Projektbearbeitung: Dr. Barbara Eder, Lucia Holmer
Projekttitel: Etablierung einer partizipativen Kooperationsplattform der LfL mit den bayerischen Pflanzenzüchtern, Verarbeitern, Anbauverbänden und Landwirten zur Unterstützung der Sortenentwicklung für den Ökolandbau
Laufzeit: 01.01.2020 – 31.12.2022
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung Landwirtschaft und Forsten, Neumarkter Lammsbräu, Gebr. Ehrnsperger KG, Landshuter Kunstmühle C. A. Meyer's Nachf. AG
Förderkennzeichen: StMELF A/19/12