Triticale – aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Triticale-Feld in Nahaufnahme

Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Statistik standen heuer in Bayern rund 65.000 ha Wintertriticale zur Körnernutzung und damit 10 % weniger als im Vorjahr. Auf weiteren rund 21.000 ha wurde Wintertriticale zur Erzeugung von Ganzpflanzensilage angebaut. Die Fläche der Sommerform ist gering und umfasste knapp 2.000 ha.
Bayernweit lagen heuer die Triticaleerträge in der Praxis mit 64 dt/ha leicht über dem Fünfjahresmittel von 62 dt/ha und klar über dem Vorjahresergebnis von 55 dt/ha.

Wie in den letzten beiden Jahren war der Krankheitsdruck 2019 meist gering. Im Frühjahr verhinderte die trockene Witterung von Mitte März bis Ende April, dass sich Schadpilze rasch ausbreiten konnten. Danach bremsten die kühle, in der ersten Maihälfte sogar frostige Witterung, sowie der geringe Ausgangsbefall vielerorts den weiteren Krankheitsaufbau. Juni und Juli waren viel zu warm, teilweise sehr heiß und vor allem nördlich der Donau zu trocken. Unter diesen Bedingungen konnte sich zur Abreife der Braunrostpilz ausbreiten. Neben Braunrost war heuer auch Mehltau anzutreffen, während Gelbrost, Blattseptoria und Rhynchosporium nur vereinzelt, vor allem bei anfälligen Sorten, vorkamen.

Landessortenversuche

Dies erklärt, warum in den Landessortenversuchen (LSV) heuer in den Intensivvarianten (Stufe 2) im Mittel nur 5 dt/ha bzw. 6 % mehr geerntet wurden als in den nicht mit Fungiziden und nicht/kaum mit Wachstumsreglern behandelten Parzellen der Stufe 1. Aufgrund des geringen Ertragsunterschieds war der zusätzliche Pflanzenschutzeinsatz heuer an fast allen LSV Orten unwirtschaftlich. Ganz gegensätzlich sah es 2015 und 2016 mit hohem Krankheitsdruck aus. In beiden Jahren rentierte sich in der Regel die Intensitätssteigerung, da im Versuchsmittel hohe Mehrerträge von rund 20 % erzielt werden konnten.
Die Versuche von heuer und dem Vorjahr zeigen jedoch, dass es bei geringem Krankheits- und Lagerdruck oftmals nicht wirtschaftlich ist, Fungizide und Wachstumsregler einzusetzen. Dies trifft besonders beim Anbau gesunder und standfester Sorten zu. Bei feucht-warmer Witterung zur Blüte, vor allem in Verbindung mit Maisvorfrucht, kann eine Fusariumspritzung zur Senkung des Toxinrisikos allerdings sinnvoll sein. Auf eine sorgfältige Bestandsbeobachtung und die Anpassung der Behandlungen an das aktuelle Befallsgeschehen sollte Wert gelegt werden.

Sortenwahl

Bei der Sortenwahl sollten neben dem Ertrag der Intensivvariante auch das Ergebnis der extensiven Stufe 1 sowie die Standfestigkeit und die Resistenzausstattung berücksichtigt werden. Denn Sorten mit ausgeglichen guten Anbaueigenschaften sind in der Regel problemloser in der Bestandesführung und kommen auch mit einem weniger intensiven Pflanzenschutz gut zurecht.
Da Triticale in der Regel verfüttert wird, ist der Gehalt an Fusariumtoxinen im Erntegut von Bedeutung. Vor allem in der Schweinefütterung führen diese Giftstoffe, zu denen auch das Toxin Deoxynivalenol (DON) gehört, immer wieder zu gesundheitlichen Problemen. Besonders Schweinehalter sollten deshalb Sorten mit einer guten Fusariumresistenz wählen. In den Fusarium-Provokationsversuchen, in denen zur Sicherstellung eines ausreichenden Befalls Maisstoppeln in die Parzellen eingestreut werden, unterscheidet sich die beste von der schlechtesten Sorten im DON-Gehalt um den Faktor vier bis fünf.
Das Fusariumrisiko lässt sich weiter reduzieren, wenn noch zusätzliche ackerbauliche Maßnahmen ergriffen werden. Hierzu zählen die Vermeidung von Maisvorfrucht, das Zerkleinern und Einarbeiten von Ernterückständen, eine wendende Bodenbearbeitung nach Maisvorfrucht sowie eine gezielte Fusariumspritzung zur Blüte bei Infektionsgefahr.
Die Erträge werden im Folgenden nach Stufe 1 und 2 getrennt ausgewiesen. Die extensive Stufe dient der Beschreibung der Resistenzeigenschaften und der Lagerneigung der Sorten. Die intensive Stufe mit bedarfsgerechtem Wachstumsregler- und Fungizideinsatz gibt dagegen Auskunft über das Ertragsvermögen bei intensiver Bestandesführung.

Aktuelle Ergebnisse und Sortenempfehlung