Hafer – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Haferähren
Hafer erzielte heuer im bayerischen Schnitt mit 39 dt/ha ein enttäuschendes Ergebnis. Das zehnjährige Mittel und auch das Vorjahresergebnis, die beide bei 47 dt/ha liegen, wurden somit klar verfehlt. In der Praxis wird ein verhältnismäßig hoher Anteil der Haferfläche ökologisch bewirtschaftet. Letztes Jahr betrug der Ökoanteil rund ein Drittel. Lässt man bei der Ertragsstatistik diese Ökoflächen außer Betracht, erhöht sich der bayerische Durchschnittsertrag heuer auf 42 dt/ha.
Unterdurchschnittlich schnitten in diesem Jahr zahlreiche Bestände nördlich der Donau ab. Vor allem aus der Oberpfalz und von Oberfranken wurden schwache Erträge gemeldet. Diese Regionen litten besonders unter der Trockenheit im Juni und Juli. Im Süden fielen dagegen oftmals ausreichend Niederschläge. Deshalb lagen die Erträge dort im Schnitt etwa auf mittlerem Niveau.
Die Ertragsunterschiede zwischen der Praxis und den Landessortenversuchen (LSV) sind bei Hafer besonders groß. Ein Grund hierfür ist, dass Hafer in der Praxis häufig auf ertragsschwächeren Standorten angebaut wird. Außerdem steht er in der Fruchtfolge meist nicht an der besten Position. Dass unter günstigen Bedingungen hohe Erträge bei gleichzeitig geringem Produktionsmittelaufwand möglich sind, zeigen die LSV und die jährlichen Ernteerhebungen von rund 80 zufällig in Bayern ausgewählten Praxisfeldern. Hektarerträge von über 70 dt werden dort immer wieder von den besten Schlägen erzielt.

Anbaubedeutung

Der Haferanbau hat in den letzten fünfzig Jahren massiv an Bedeutung verloren. Heuer stand in Deutschland nur mehr auf rund 127 000 ha Hafer. Dies entspricht 1 % der Ackerfläche. In Bayern erreichte die Haferfläche heuer mit 21 300 ha einen neuen Tiefstand und löst damit den Negativrekord aus dem Jahr 2016 ab. Der Flächenrückgang gegenüber dem Vorjahr betrug ca. 7 %. Aufgrund der schwindenden Anbaubedeutung engagieren sich in Deutschland derzeit nur noch die Saatzucht Bauer und die Nordsaat Saatzucht stärker in der Haferzüchtung.

Verwertung und Ansprüche an Mindestqualität

In Bayern wird Hafer hauptsächlich verfüttert. Für die menschliche Ernährung muss er, anders als in der Tierernährung, zunächst entspelzt (geschält) werden. Dies erfolgt in Schälmühlen. Da die großen Schälmühlen außerhalb Bayerns liegen, spielt hier die Erzeugung von Lebensmittel-Hafer, trotz des seit Jahren steigenden Bedarfs, nur eine untergeordnete Rolle. Hinzu kommt, dass Schälmühlen in der Regel einheitliche, sortenreine, große sowie qualitativ hochwertige Partien wünschen. Für die Schälmühlen interessante Mengen werden in Bayern kaum erfasst und aufbereitet.

Schälhafer

Während beim Handel das zentrale Qualitätskriterium meist das Hektolitergewicht (HLG) ist, stellen Schälmühlen oft weitere Anforderungen wie z.B. gut und leicht zu entspelzende Körner, geringen Spelzenanteil, gute Sortierung und Anbau bestimmter Sorten. Die geforderten Qualitäten lassen sich am ehesten auf Standorten mit gesicherter Wasserversorgung, nicht zu heißen Temperaturen während der Kornfüllung und bei trockenen Abreifebedingungen erzeugen. Auch das Vermeiden von Lager, eine termingerechte Ernte und das rasche Erreichen einer Kornfeuchte von maximal 14 % tragen zum Anbauerfolg bei.

Futterhafer

Bei der Vermarktung von Futterhafer wird in der Regel ebenfalls ein Mindestwert im HLG gefordert. Dieser liegt, wie auch bei Schälhafer, meist zwischen 50 und 54 kg.
Obwohl die Höhe des HLG keine zuverlässige Aussage über die Haferqualität zulässt, wird das Merkmal als Qualitätskriterium beim Handel verwendet, da es keine bessere, billig und schnell durchzuführende andere Methode gibt. Neben der Umwelt hat auch die Sorte Einfluss auf die Höhe des HLG. Im Landessortenversuch treten Sortenunterschiede von bis zu 4 kg auf.

Sortenwahl

Unabhängig von der Verwertungsrichtung sollte bei der Sortenwahl Wert auf hohe und stabile Erträge, auf eine geringe Lagerneigung sowie auf Strohstabilität gelegt werden. Vor allem bei wechselhafter Witterung während der Abreife ist auch eine gleichzeitige Reife von Korn und Stroh von Vorteil, da feuchtes Stroh zu Ernteverzögerungen sowie zu Druschproblemen führen kann. Krankheiten treten selten stärker auf. Resistenzunterschiede spielen deshalb eine untergeordnete Rolle.
Anhand der Spelzenfarbe werden die Hafersorten in Gelb-, Weiß- und Schwarzhafer eingeteilt. Obwohl von der Spelzenfarbe nicht auf die Qualität geschlossen werden kann, bevorzugen manche Abnehmer bestimmte Spelzenfarben. Da Schwarzhafer (z. B. Zorro) in der Regel einen geringeren Ertrag aufweisen, ist der Anbau nur bei Preisaufschlägen sinnvoll.
In Deutschland wird fast ausschließlich Sommerhafer angebaut. Winterhafer, der wie Winterweizen im Herbst gesät wird, hat zwar durch seine längere Vegetationszeit ein höheres Ertragspotenzial, ist aber wegen seiner nicht immer ausreichenden Winterhärte riskant.

Landessortenversuch Ergebnisse

In diesem Jahr standen neun Spelzhafersorten - davon acht Gelb- und ein Weißhafer - auf fünf Standorten in Bayern im LSV zur Prüfung, wobei nur drei wertbar waren. Die Standorte Neuhof und Grafenreuth fielen der Trockenheit zum Opfer.
Da der Einsatz von Fungiziden bei dem relativ blattgesunden Hafer oft nicht rentabel ist, wird in den LSV darauf verzichtet. Wachstumsregler bringen dagegen auf lagergefährdeten Standorten häufig wirtschaftliche Mehrerträge. Deshalb werden sie im Versuch nach Bedarf eingesetzt. Übermäßiger Wachstumsreglereinsatz sollte allerdings vermieden werden, da dies auch zu Ertragsdepressionen führen kann.

Aktuelle Ergebnisse

Die Ertragsergebnisse der bayerischen Anbaugebiete werden um die Ergebnisse von Versuchsstandorten benachbarter Bundesländer mit vergleichbaren Boden-Klimabedingungen ergänzt und wegen der geringen Anzahl der Versuche in einer Großraumverrechnung ‚Anbaugebiete Süd-Südwestdeutschland‘ zusammengeführt.