Hafer – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Haferähren
Im bayerischen Schnitt wurden dieses Jahr 47 dt/ha beim Hafer gedroschen. Werden nur die konventionell bewirtschafteten Flächen in die Berechnung einbezogen, verbessert sich das Ergebnis auf 50 dt/ha. Trotz der in weiten Teilen Bayerns herrschenden Trockenheit lagen die Erträge in diesem Jahr etwa auf Niveau des mehrjährigen Mittels.
Die Ertragsunterschiede zwischen der Praxis und den Landessortenversuchen (LSV) sind bei Hafer besonders groß. Der Rückzug des Anbaus auf ungünstigere Standorte und die häufig extensivere Bestandesführung haben sicherlich zu dem schwachen Abschneiden in der Praxis beigetragen. Zudem steht Hafer in der Fruchtfolge meist nicht an der besten Position, da er dies aufgrund seiner Anspruchslosigkeit, seiner guten Wurzelleistung sowie seiner Resistenz gegenüber Fußkrankheiten (Halmbruch, Schwarzbeinigkeit) besser als Weizen und Gerste verkraftet. Dass unter günstigen Bedingungen jedoch deutlich überdurchschnittliche Ergebnisse möglich sind, zeigen die jährlichen Ertragsmessungen von rund 80 zufällig in Bayern ausgewählten Praxisfeldern. Erntemengen von über 70 dt/ha werden dort regelmäßig von den besten Schlägen erzielt.

Anbaubedeutung

Mitte der 1970er Jahre wurde Hafer bayernweit auf fast 170 000 ha und damit deutlich häufiger als Wintergerste und Roggen angebaut. Seit dieser Zeit hat seine Bedeutung jedoch nahezu stetig abgenommen. Vor zwei Jahren erreichte die Haferfläche schließlich einen Tiefpunkt, der heuer mit 23 300 ha nur leicht übertroffen wurde. Aufgrund der rückläufigen Anbaubedeutung sind die Züchtungsaktivitäten bei Hafer mittlerweile vergleichsweise gering. Derzeit betreiben nur noch die Saatzucht Bauer und die Nordsaat Saatzucht ein eigenständiges Haferzuchtprogramm in Deutschland.

Verwertung und Ansprüche an Mindestqualität

Der in Bayern angebaute Hafer wird hauptsächlich verfüttert. Bevor er für die menschliche Ernährung eingesetzt werden kann, muss er, anders als in der Tierernährung, zunächst entspelzt (geschält) werden. Da es in Bayern nur wenige Verarbeiter von Nahrungsmittel- Hafer (Schälhafer) gibt, spielt hier die Erzeugung von Schälhafer, trotz des seit Jahren zunehmenden Bedarfs, nur eine untergeordnete Rolle. Schälmühlen verlangen meist einheitliche, sortenreine, große, qualitativ hochwertige und preisgünstige Partien. Diese werden häufig aus Skandinavien importiert. Das Interesse an heimischem Schälhafer wächst. Größere homogene Haferpartien sind in Bayern jedoch kaum zu finden

Schälhafer

Während das Hektolitergewicht (HLG) beim Handel meist das zentrale Qualitätskriterium bei Hafer ist, stellen Schälmühlen weitere Anforderungen wie z.B. helle Kornfarbe, leicht zu entspelzende Körner, geringer Spelzenanteil und gute Sortierung. Die geforderten Qualitäten lassen sich am ehesten auf Standorten mit gesicherter Wasserversorgung, nicht zu heißen Temperaturen während der Kornfüllung und bei trockenen Abreifebedingungen (gute Kornausbildung, geringe mikrobielle Belastung, helle Kornfarbe) erzeugen. Neben dem Anbau einer qualitativ hochwertigen Sorte tragen auch das Vermeiden von Lager, eine termingerechte Ernte und das rasche Erreichen einer Kornfeuchte von maximal 14 % zum Anbauerfolg bei. Außerdem muss Hafer sorgfältig eingelagert werden, da er wegen seines höheren Fettgehalts leicht verdirbt. Aufgrund der Witterung ist es in Bayern schwierig die Mindestqualitäten, insbesondere das HLG (häufig mind. 54 kg) sowie einen niedrigen Spelzengehalt, zuverlässig zu erzielen.

Futterhafer

Bei der Vermarktung von Futterhafer wird von der aufnehmenden Hand in der Regel ebenfalls ein Mindestwert im HLG gefordert. Dieser liegt meist zwischen 50 und 54 kg. Ist abzusehen, dass der geforderte Wert nicht erreicht wird, kann durch Reinigen und Absieben der kleineren Körner das HLG etwas verbessert werden. Obwohl von zahlreichen Fachleuten bezweifelt wird, dass das HLG viel über die Haferqualität aussagt, wird es als Qualitätskriterium beim Handel verwendet, da es bei der Getreideannahme schnell und einfach zu messen ist. Neben der Umwelt hat auch die Sorte Einfluss auf die Höhe des HLG. Im Landessortenversuch wies die Sorte Max den höchsten Wert auf. Sein HLG lag um rund 4 kg über der schwächsten Sorte.

Sortenwahl

Bei der Wahl einer Hafersorte sollte, unabhängig von der Verwertungsrichtung, auf hohe und stabile Erträge, auf eine geringe Lagerneigung und auf Strohstabilität geachtet werden. Vor allem bei feuchter Abreifewitterung ist auch eine gleichzeitige Reife von Korn und Stroh von Vorteil, da feuchtes Stroh zu Ernteverzögerungen sowie zu Druschproblemen führen kann. Krankheiten sind meist nicht bekämpfungswürdig. Resistenzen spielen deshalb eine eher untergeordnete Rolle.
Anhand der Spelzenfarbe werden die Hafersorten in Gelb-, Weiß- und Schwarzhafer eingeteilt. Während in Bayern traditionell Gelbhafer dominieren, sind in Norddeutschland sowohl Gelb- als auch Weißhafer verbreitet. Daneben gibt es noch Schwarzhafer, die vor allem bei Pferdehaltern beliebt sind, ertraglich jedoch etwas abfallen.
In Deutschland wird fast ausschließlich Sommerhafer angebaut. Winterhafer, der wie Winterweizen im Herbst gesät wird, hat durch seine längere Vegetationszeit zwar ein höheres Ertragspotenzial, ist aber wegen seiner nicht immer ausreichenden Winterhärte riskant.

Landessortenversuch Ergebnisse

In diesem Jahr standen zehn Spelzhafersorten, davon acht Gelb- und zwei Weißhafer, auf fünf Standorten in Bayern im LSV zur Prüfung, wobei der Standort Hausen nicht wertbar war.
Der Einsatz von Fungiziden ist bei Hafer oftmals nicht rentabel. Deshalb wird in den bayerischen LSV darauf verzichtet. Wachstumsregler werden dagegen nach Bedarf eingesetzt, denn sie bringen auf lagergefährdeten Standorten häufig wirtschaftliche Mehrerträge. Übermäßige Wachstumsreglergaben sollten allerdings vermieden werden, da diese auch zu Ertragseinbußen führen können. Bei sehr standfesten Sorten wie Troll ist eine Halmverkürzung nicht nötig. Aufgrund der Trockenheit wurden heuer an keinem der vier wertbaren bayerischen Versuchsorte Wachstumsregler eingesetzt.

Aktuelle Ergebnisse

Die Anbaugebiete 'Verwitterungsstandorte Südost', 'Fränkische Platten, Jura' und 'Tertiärhügelland, bayerisches Gäu' wurden auch heuer wieder zu dem 'Großraum Süddeutschland' zusammengefasst, da in Bayern die Anzahl der Versuchsorte seit letztem Jahr reduziert wurde.