Braugerste für den ökologischen Landbau mit verbesserter Resistenz gegen samenübertragbare Krankheiten

Flugbrand

Flugbrand

Flugbrand (Ustilago nuda) gehört zu den Krankheiten, die seit Einführung der chemischen Beize an Beachtung verloren hatten. Mit der Zunahme an Flächen, die nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus bewirtschaftet werden, wurde diese Pilzkrankheit besonders für Züchter und die ökologische Saatgutvermehrung zu einem wichtigen Thema. Für Basis-Saatgut gilt der strenge Grenzwert von 3 Flugbrandähren pro 150 m², dessen Überschreitung zur Aberkennung und damit zu finanziellen Einbußen führt.

Wegen der fehlenden Möglichkeit zur Beizung des Saatguts stellen samenbürtige Krankheiten besonders für den ökologischen Landbau ein Problem dar. Das Projekt soll u.a. dazu beitragen, Braugerstensorten mit Resistenzen gegenüber Fusarium und Flugbrand für den ökologischen Landbau zu entwickeln.

Zielsetzung

In diesem Projekt wurde eine biparentale Population im Gewächshaus künstlich mit Flugbrand infiziert, um anschließend publizierte molekulargenetische Marker bezüglich Flugbrandresistenz zu validieren und gegebenenfalls neue Marker zu entwickeln.
Ein weiteres Projektziel ist die Förderung der Entwicklung von Braugerstensorten mit besonderer Eignung für den ökologischen Landbau. Ausgewählte Stämme wurden hinsichtlich Krankheitsanfälligkeit, Ertrag und Malzqualität mehrortig geprüft. Zudem wurden genetische Marker zur Vorhersage von Malzqualitätseigenschaften eingesetzt und vielversprechende Stämme an Züchter zur Weiterentwicklung und Anmeldung abgegeben.

Methode

In den Jahren 2015, 2016, 2017 und 2018 wurde das ökologische Braugerstensortiment, bestehend aus jährlich rund 40 verschiedenen Stämmen, inklusive Referenzsorten) zusammengestellt. Das Portfolio stand an mehrortigen Feldversuchen innerhalb Deutschlands, im Parzellenmaßstab angebaut, um eine Ergänzung des Genpools für Sommerbraugerste, insbesondere mit dem Zuchtziel 'Eignung für den ökologischen Landbau', bereitstellen zu können. Zu erfassen waren phänotypische Merkmale im Feld sowie Ertragskomponenten und Brauqualitätsparameter.
Auch der Befall mit Fusarien spielt gerade für die Sommerbraugerste eine große Rolle. An der LfL in Freising wurden ausgewählte Zuchtstämme entsprechend den Feldversuchen in zwei Wiederholungen in Doppelreihen angebaut, zum Zeitpunkt der Blüte mit Fusariumsporen (Fusarium sporotrichioides) infiziert und im hauseigenen Labor der Landesanstalt für Landwirtschaft untersucht.
Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Erstellung von Selektionsmarkern, um gezielt und effizient auf eine bessere Toleranz gegenüber den samenbürtigen Krankheiten - insbesondere Flugbrand (Ustilago nuda) bei Sommergerste - selektieren zu können.
Dabei müssen sowohl der Phänotyp als auch der Genotyp einer Linie untersucht werden, um anschließend eine genetische Karte, die zur Lokalisierung von Flugbrandresistenz im Gerstengenom dient, zu erstellen.

Ergebnis

Im Rahmen des Projekts konnten unter konsequenter Anwendung von Strategien der Präzisionszüchtung Sortenprototypen entwickelt werden, die von der kooperierenden Saatzuchtwirtschaft zu erfolgreichen Sorten weiterentwickelt werden können. Aus einer Vielzahl von Ursprungslinien einer F5 Generation der Getreidezüchtungsforschung Darzau wurden durch konsequente Selektion auf Resistenz, agronomische Eigenschaften und Malzqualität mehrere Zuchtstämme selektiert, die den Ansprüchen von Erzeugern und Verarbeitern von Braugerste, die nach den Vorgaben des ökologischen Landbaus erzeugt wird, entsprechen. Erfreulich ist die Zulassung der ersten ökologisch gezüchteten Sommerbraugerste „Odilia“ durch das Bundessortenamt in Hannover im Dezember 2017.
Jährliche Projekttreffen mit Beteiligten aus der gesamten Erzeugungskette trugen dazu bei, dass die Informationen über agronomische Eigenschaften und Qualität der neuen Zuchtstämme unmittelbar und zeitnah an die interessierten Kreise weitergegeben wurden.

Abschlussbericht pdf 3,5 MB

Projektinformation
Projektleitung: Dr. Markus Herz
Projektbearbeitung: Johannes Homeier, Adelheid Castell
Projektpartner: Getreidezüchtungsforschung Darzau; Neumarkter Lammsbräu Gebr. Ehrnsperger KG
Laufzeit: 01.04.2015 – 31.12.2018
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Förderkennzeichen: A/15/27

Kontakt
Am Gereuth 6
85354 Freising
Tel.: 08161 71-3629
Fax: 08161 71-4085
E-Mail: Pflanzenbau@LfL.bayern.de