XXI. Braugerstentag 2019

vollbesetzter Augustiner Keller in München zur XXI. Braugerstentagung
Am 22. November 2019 trafen sich interessierte Mälzer und Brauer sowie Vertreter der Landwirtschaft und des Landhandels zum 21. bayerischen Braugerstentag in München. Das neu renovierte, historische Gewölbe des Augustinerkellers gab der Veranstaltung einen repräsentativen Rahmen. Umrahmt von Fachinformationen und Vorträgen bot der Braugerstentag wieder eine großartige Plattform für die Kommunikation zwischen allen Beteiligten der Erzeugungskette.

Zusammenfassung der Vorträge

In dem sehr gut besetzten Saal begrüßte der Getreidepräsident Herrmann Greif, Bezirkspräsident des Bezirks Oberfranken des Bayerischen Bauernverbandes, Ehrengäste und Fachleute und gab einen kurzen Überblick über die vergangene Braugerstenernte. Darüber hinaus kommentierte er die aktuelle Situation und die Herausforderungen, denen sich die Landwirtschaft stellen muss.
In seinem Vortrag „Entwicklung von Erzeugung und Qualität der Braugerste in Bayern“ gab Dr. Markus Herz von der LfL einen Überblick über den Verlauf der vergangenen Anbausaison und präsentierte Analysen und Ergebnisse aus Praxisproben und Landessortenversuchen. Anhand von Versuchsdaten stellte er den Einfluss des Pflanzenschutzes auf Verarbeitungseigenschaften der Braugerste dar.
Prof. Dr. Enno Bahrs von der Universität Hohenheim konnte mit seinem spritzigen Vortrag zum Thema „Der dritte Weg: Neues Agrarsystem zwischen konventionell und ökologisch" beim Publikum große Aufmerksamkeit gewinnen. Das Forschungsprojekt an der Universität Hohenheim befasst sich mit Ackerbaumethoden mit mineralischer Düngung aber ohne Pflanzenschutz.
Herr Johann Retzer, Repräsentant des Saatzucht Ackermann, präsentierte in seinem Vortrag „Pflanzenzüchtung oder Klimawandel: Wer ist schneller?“ anschaulich die Herausforderungen für die Züchtung im Rahmen des Klimawandels. Er stellte aktuelle Zuchtprogramme vor, die sich gezielt mit der Verbesserung klimarelevanter Merkmale bei Gerste befassen.

Ehrung der Sieger von regionalen Braugerstenschauen

Zum dritten Mal waren heuer die Sieger aus den regionalen Braugerstenschauen in Moosburg und Kulmbach zum Braugerstentag eingeladen und brachten damit auch die Erfahrung der aktiven Braugerstenerzeuger in die Tagung ein. Die anwesenden Preisträger wurden vom Vorstand der Braugerstengemeinschaft für Ihre Leistung gewürdigt und bekamen als Anerkennung eine Sonderedition ausgewählter Winter- und Weihnachtsbiere überreicht.
In seinem abschließenden Grußwort dankte der Vorsitzende des Bayerischen Vereins zur Förderung des Braugerstenanbaues Herr Werner Mayer den Organisatoren und Rednern der Veranstaltung. Er würdigte die Vorträge als wichtige Impulse für zukünftige Entwicklungen über die Landwirtschaft hinaus.

Entwicklung von Erzeugung und Qualität der Braugerste in Bayern

Dr. Markus Herz vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der LfL berichtete über die Besonderheiten des Braugerstenjahres 2019 und stellte die Entwicklung von Erzeugung und Qualität der Braugerste in Bayern vor.

Anbau- und Vermehrungsflächen der Sommergerste

  • 2019 betrug die Anbaufläche in Bayern zirka 101.000 Hektar.
  • Der Ertrag in Bayern belief sich dieses Jahr im Durchschnitt auf 46,2 dt/ha.
  • Bayern erzeugt ca. 2 % der Sommergerste in Europa.
  • Die wichtigsten Sorten in Bayern waren Solist mit 20 %, Avalon mit 19 %, RGT Planet mit 16 % und Accordine mit 12 % der Anbaufläche.
  • Der Eiweißgehalt war mit 11,6 % erhöht und ist die Hauptursache für den geringen Prozentsatz an Qualitätsbraugerste.
  • Der Vollgerstenanteil lag mit 86,9 % deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt
  • Der Anteil von Qualitätsbraugerste lag mit ca. 50 % unter dem mehrjährigen Mittel.
  • Die Qualität hängt stark von der lokal extrem unterschiedlichen Verteilung der Niederschläge ab..

Witterungs- und Krankheitsverlauf des letzten Vegetationsjahres

  • Der Klimawandel machte sich 2019 mit extremer Hitze und Trockenheit bemerkbar.
  • Das Jahr 2019 war damit von dieser Trockenheit und den regional unterschiedlichen Niederschlägen geprägt.
  • Durch die Verteilung der Niederschläge ergibt sich ein regional extrem unterschiedliches Bild für Ertrag und Qualität.
  • Die Aussaat der Sommergerste in Bayern konnte 2019 ab März unter guten Bedingungen durchgeführt werden.
  • Ährenschieben und Abreife fanden 2019, wie auch die Ernte, in einem normalen Zeitraum statt, so dass an extremen Standorten die Wachstumszeit für die Sommergerste sogar ca. 20 Tage länger ausfiel als im Vorjahr.
  • Die Bekämpfungsschwelle für Mehltau wurde in einigen Regionen Bayerns bereits in einem frühen Entwicklungsstadium überschritten.
  • Der allgemeine Krankheitsdruck war aufgrund der heißen und trockenen Witterung gering. Dennoch zeigte sich auch heuer deutlich, dass gut angepasste Pflanzenschutzmaßnahmen nicht nur auf den Ertrag einen positiven Einfluss haben, sondern auch auf alle Qualitätsmerkmale sowie auf die Aufnahme von Stickstoff in die Pflanzen.

Anbau von Winterbraugerste in Bayern

  • Auch 2019 dominierte in der Sortenverteilung der Wintergerste die Zweizeilige mit 92 Prozent.
  • Knapp 5 % der Anbaufläche wurden mit Winterbraugerste bestellt.
  • Die empfohlenen Winterbraugerstensorten überzeugten durch ihre Qualitätseigenschaften.
  • Die Qualität der sechszeiligen Winterbraugerste kann auch bei längerer Vermälzungsdauer noch nicht mit den guten Ergebnissen der zweizeiligen Wintergerste mithalten. Zuchtstämme und zwei neue Sorten zeigen jedoch das Potenzial zur Verbesserung der Qualität.

Sortenempfehlung des Baugerstenvereins 2019

  • Sommerbraugerste
    • Solist
    • Avalon
    • Accordine
  • Winterbraugerste
    • KWS Liga
In seinem Folienvortrag - unterstützt durch eine umfangreiche Poster Sammlung - berichtete Dr. Herz zudem über die Auswirkungen von Pflanzenschutz auf Ertrag und Qualität. In den unbehandelten Versuchsvarianten fällt die Kornqualität der Braugerste über die Jahre deutlich schwächer aus. Auch in den Landessortenversuchen mit Sommergerste im ökologischen Landbau liegt nicht nur der Ertrag sondern auch die Kornqualität deutlich unter den Ergebnissen des konventionellen Anbaus mit integriertem Pflanzenschutz.