XX. Braugerstentag 2018

Blick in einen Wirtshaussaal
Ende November 2018 trafen sich interessierte Mälzer und Brauer sowie Vertreter der Landwirtschaft und des Landhandels zum 20. Jubiläum des bayerischen Braugerstentages in München. Das historische Gewölbe des Augustinerkellers gab der Veranstaltung einen repräsentativen Rahmen. Ein Höhepunkt war dieses Jahr das Grußwort der bayerischen Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Michaela Kaniber.

Zusammenfassung der Vorträge

Der Vorsitzende des Bayerischen Vereins zur Förderung des Braugerstenanbaues Herr Werner Mayer begrüßte Ehrengäste und Fachleute und gab einen kurzen Überblick über die aktuelle Situation auf dem Braugerstenmarkt. Als Brauer sah er sich im Zwiespalt zwischen dem guten Biergartenwetter und des durch die extreme Witterung bedingten Ernterückgangs beim Rohstoff Braugerste.
In seinem Vortrag "Entwicklung von Erzeugung und Qualität der Braugerste in Bayern" zeigte Dr. Markus Herz von der LfL einen Überblick über den Verlauf der vergangenen Anbausaison und präsentierte Analysen und Ergebnisse aus Praxisproben und Landessortenversuchen.
Winfried Manke, Direktor für Qualitätssicherung der Avangard Malz AG lieferte mit seinem Vortrag "Der Braugerstenmarkt nach der Ernte 2018 – Deutschland – Europa – Welt" einen anschaulichen und tiefgehenden Einblick in das Marktgeschehen, mit dem Fazit, dass nach dem extremen Wachstumsjahr 2018 die Braugerste weltweit ein knapper Rohstoff sein dürfte.
Aus Hamburg reiste Malte Schottmayer vom Backzutatenentwickler Goodmills Innovation GmbH an, um über "Einsatz von alten Getreidesorten in der Lebensmittelbranche" zu berichten. Mit seinem lebendigen Vortrag bereicherte er die Veranstaltung um ein sehr interessantes Thema und lenkte den Blick auf eine aktuelle Fragestellung.

Ehrung der Sieger von regionalen Braugerstenschauen

Zum zweiten Mal waren dieses Jahr die Sieger aus den regionalen Braugerstenschauen in Moosburg und Kulmbach zum Braugerstentag eingeladen und brachten damit auch die Erfahrung der aktiven Braugerstenerzeuger in die Tagung ein. Die anwesenden Preisträger wurden vom Vorstand der Braugerstengemeinschaft für Ihre Leistung gewürdigt und erhielten als Anerkennung eine Sonderedition ausgewählter Winter- und Weihnachtsbiere, die von der Staatsministerin persönlich überreicht wurde.
In seinem abschließenden Grußwort dankte Hermann Greif, Bezirkspräsident des Bezirks Oberfranken des Bayerischen Bauernverbandes den Organisatoren und Rednern der Veranstaltung. Der Bauernverband setzt auch in schwierigen Zeiten auf die enge Zusammenarbeit aller an der Wertschöpfungskette Beteiligten. Nach einer kurzen Diskussion über das Preisniveau der Braugerste, in der Hermann Greif beklagte, dass früher mit dem Preis für einen Doppelzentner Gerste noch eine Stunde Handwerksarbeit bezahlt werden konnte, heute jedoch nur noch etwa 20 Minuten, verlieh er seiner Überzeugung Ausdruck, dass moderne Technologien in Landtechnik, Züchtung und Digitalisierung einen wichtigen Beitrag zur Behandlung von Problemen im Ackerbau und Pflanzenschutz liefern können.

Entwicklung von Erzeugung und Qualität der Braugerste in Bayern

Dr. Markus Herz vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der LfL berichtete über die Besonderheiten des Braugerstenjahres 2018 und stellte die Entwicklung von Erzeugung und Qualität der Braugerste in Bayern vor.
Zum 100-jährigen Jubiläum des Freistaates Bayern präsentierte Dr. Herz Versuchsergebnisse für Sommergerste von der bayerischen Landessaatzuchtanstalt aus dem Jahr 1918. Die alten Sorten erbrachten im Versuch Erträge um 28 dt/ha mit Eiweißgehalten über 11 Prozent. Bemerkenswert war der extrem hohe Befall der Sommergerste mit den samenbürtigen Erregern Flugbrand und Streifenkrankheit, die heutzutage kaum mehr ein Problem darstellen, solange es noch Wirkstoffe für die Saatgutbehandlung gibt.

Anbau- und Vermehrungsflächen der Sommergerste

  • 2018 betrug die Anbaufläche in Bayern zirka 108.000 Hektar.
  • Der Ertrag in Bayern belief sich dieses Jahr im Durchschnitt auf 49,3 dt/ha.
  • Bayern erzeugt ca. 2 % der Sommergerste in Europa.
  • Die wichtigsten Sorten in Bayern waren Solist mit 27 %, Grace mit 24 %, RGT Planet mit 13 % und Marthe mit 11 % der Anbaufläche.
  • Der Eiweißgehalt war mit 11,1 % erhöht und ist die Hauptursache für den geringen Prozentsatz an Qualitätsbraugerste.
  • Der Vollgerstenanteil lag mit 93,6 % über dem langjährigen Durchschnitt.
  • Der Anteil von Qualitätsbraugerste lag mit ca. 62 % unter dem mehrjährigen Mittel.
  • Die Qualität hängt stark von der lokal extrem unterschiedlichen Verteilung der Niederschläge ab.

Witterungs- und Krankheitsverlauf des letzten Vegetationsjahres

  • Der Klimawandel machte sich 2018 mit extremer Hitze und Trockenheit bemerkbar.
  • Das Jahr 2018 war damit von dieser Trockenheit und den regional unterschiedlichen Niederschlägen geprägt
  • Durch die Verteilung der Niederschläge ergibt sich ein regional extrem unterschiedliches Bild für Ertrag und Qualität.
  • Die Aussaat der Sommergerste in Bayern konnte 2018 erst ab Anfang April unter guten Bedingungen innerhalb von zwei Wochen abgeschlossen werden.
  • Ährenschieben und Abreife fanden 2018 wie auch die Ernte deutlich früher als normal statt, so dass an extremen Standorten die Wachstumszeit für die Sommergerste ca. 20 Tage kürzer ausfiel als im Vorjahr.
  • Die Bekämpfungsschwelle für Mehltau wurde in einigen Regionen Bayerns bereits in einem frühen Entwicklungsstadium überschritten.
  • Der allgemeine Krankheitsdruck war aufgrund der heißen und trockenen Witterung gering. Dennoch zeigte sich auch heuer deutlich, dass gut angepasste Pflanzenschutzmaßnahmen nicht nur auf den Ertrag einen positiven Einfluss haben, sondern auch auf alle Qualitätsmerkmale sowie auf die Aufnahme von Stickstoff in die Pflanzen.

Anbau von Winterbraugerste in Bayern

  • Auch 2018 dominierte in der Sortenverteilung der Wintergerste die Zweizeilige mit 87 %.
  • Knapp 3 % der Anbaufläche wurde mit Winterbraugerste bestellt.
  • Die empfohlenen Winterbraugerstensorten überzeugten durch ihre Qualitätseigenschaften
  • Die Qualität der sechszeiligen Winterbraugerste kann auch bei längerer Vermälzungsdauer noch nicht mit den guten Ergebnissen der zweizeiligen Wintergerste mithalten. Zuchtstämme und zwei neue Sorten zeigen jedoch das Potenzial zur Verbesserung der Qualität.

Sortenempfehlung des Baugerstenvereins 2018

  • Sommerbraugerste
    • Solist
    • Avalon
    • Accordine
  • Winterbraugerste
    • KWS Liga
In seinem Folienvortrag, unterstützt durch eine umfangreiche Postersammlung, berichtete Dr. Herz zudem über die Auswirkungen von Trockenstress auf Ertrag und Qualität. In den Versuchen an Standorten mit geringen Niederschlägen nahm der Ertrag ab, aber der Vollgerstenanteil tendenziell zu. Dies erlaubt die Schlussfolgerung, dass die Pflanzen bereits zur Bestockung unter Trockenstress litten und bei reduzierter Bestandesdichte an weniger Ähren größere Körner ausbilden konnten.
Zum Vergleich präsentierte Dr. Herz vorläufige Ergebnisse aus dem Ende des Jahres auslaufenden, vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz geförderten Forschungsverbund "BayKlimafit" in dem die LfL eine wichtige Rolle bei der Erforschung der Trockentoleranz von Sommergerste übernommen hat. Im Rollgewächshaus der LfL konnten die Pflanzen gut bestocken, da die Pflanzen erst zum Ährenschieben dem Trockenstress ausgesetzt wurden. In Folge dessen konnten die Pflanzen nur einen geringen Vollgerstenanteil ausbilden. Beachtlich ist die genetische Diversität, die sich in den Versuchen zeigt.

BayKlimafit: Validierung praxisrelevanter Marker für die Züchtung klimaangepasster und gesunder Gerstensorten