Winterweizen – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Winterweizenbestand auf dem Feld während der Blüte

Viele Regionen hatten heuer noch rechtzeitig ausreichend Niederschlag für die Kornausbildung. Die Hitze zum Ende der Kornfüllungsphase begrenzte dann aber die Erträge.

Im Süden Bayerns konnte der Weizen bei ausreichender Feuchtigkeit gesät werden. Aber auch im Norden entwickelte sich der aufgrund der Trockenheit erst spät aufgelaufene Weizen noch ausreichend bis zum Eintritt der Vegetationsruhe. Mitte März bis Ende April fiel wenig Niederschlag, sodass die Weizenbestände sehr gesund ins Schossen gingen. Erst spät kam bei anfälligen Sorten und bei unterlassener Fungizidbehandlung auf das Fahnenblatt Braunrostbefall. Blattseptoria, die häufig dominierend ist, spielte heuer je nach Sortenwahl oft nur eine untergeordnete Rolle. Die Winterweizenernte begann aufgrund der Hitze im Juni und Juli dann doch wieder früh. Trotz der Hitze, die zur Brechung der Keimruhe führen kann, waren auch bei den nach den Niederschlägen geernteten Partien kein Auswuchs und keine schwachen Fallzahlen feststellbar.

Ertrag und Qualität

Im bayerischen Durchschnitt wurden heuer rund 76 dt/ha gedroschen. Dieses Ertragsniveau liegt etwa 3 dt/ha über dem Mittel der letzten zehn Jahre. Der geringe Befall mit Krankheiten hat sicherlich dem Weizen geholfen, die sehr heißen Tage zur Kornfüllung mit Temperaturen teilweise über 37 °C Ende Juni zu überstehen. Verbreitet wird von nur mittlerer Kornqualität berichtet.
Der Weizen profitiert normalerweise sehr stark von einer gemäßigten und gleichmäßigen Witterung zur Kornfüllung. Nur wenige Standorte mit Böden geringer Wasserspeicherkapazität oder sehr niederschlagsarme Regionen Mittelfrankens, der Mittelgebirgslagen der Oberpfalz und Oberfrankens mussten größere Ertragsverluste hinnehmen. Auf Grundlage der repräsentativen Erntemuster war der Rohproteingehalt in der Tendenz nur etwas schwächer als in den letzten Jahren. Der hohe Ertrag und die Einschränkungen der Düngeverordnung haben dabei sicher dämpfend auf den Rohproteingehalt gewirkt. Trotz Niederschlägen zur Blüte des Weizens in verschiedenen Regionen konnte nur vereinzelt ein stärkerer Befall mit Ährenfusarium beobachtet werden. Grundsätzlich gab es keine Probleme mit der Qualität der Ernte.

Landessortenversuche

Die bayerischen Landessortenversuche wurden an 13 Standorten mit 27 Sorten im Hauptsortiment gesät und geerntet, wobei der Standort Hartenhof nicht wertbar war. Die auswertbaren Versuche hatten alle gute Erträge in der intensiven Stufe zwischen etwas unter 90 dt/ha in Franken (Greimersdorf, Wolfsdorf und Arnstein) und über 110 dt/ha im Regensburger Gäu.

Standfestigkeit und Krankheitsanfälligkeit

Die intensive Stufe 2 wird entsprechend der ortsüblichen Produktionstechnik mit Wachstumsregler- und Fungizideinsatz durchgeführt. In der extensiven Stufe 1 wird nur an einem Teil der Versuchsstandorte einmalig Wachstumsregler in verringerter Aufwandsmenge eingesetzt, um Totallager zu vermeiden und die Auswertbarkeit des Versuches sicherzustellen. Ansonsten wird auf intensive Wachstumsregleranwendung und Fungizide verzichtet.
Durch den trockenen Beginn des Frühjahrs blieben alle Weizensorten lange gesund. Bis auf den Versuch in Landsberg wurde an allen Standorten, an denen keine Fusariumbekämpfung vorgesehen war, nur eine Fungizidmaßnahme entsprechend dem Befallsgeschehen in der intensiven Stufe durchgeführt. Braunrostbefall war dann später an fast allen Versuchsstandorten in der extensiven Stufe bei den anfälligen Sorten stärker zu beobachten, worauf etwa 5 bis 8 dt/ha Ertragseinbußen zurückzuführen sind. Tritt der Braunrost früher auf, kann er bei sehr anfälligen Sorten die Blätter sehr schnell zerstören und zu größeren Ertragsverlusten wie im vergangenen Jahr führen. Durch Fungizide auf das Fahnenblatt ist er meist gut zu kontrollieren. Innerhalb des Sortiments gibt es aber auch eine breite Variation in der Sortenresistenz. Schon eine mittlere Resistenzausprägung verlangsamt die Dynamik der Befallsentwicklung deutlich. Nur in wenigen Versuchen trat heuer Blattseptoria nennenswert auf, diese ist aber in vielen Jahren entscheidend für Ertragsverluste verantwortlich. Fusarium war in Günzburg und in Giebelstadt in der Ähre zu beobachten. Stärkeres Lager trat an keinem Standort auf.
An Standorten mit geringem Krankheits- und Lagerdruck waren die zusätzlichen Pflanzenschutzmaßnahmen in den Intensivvarianten des Sortenversuchs nicht wirtschaftlich. Nur an Standorten mit zusätzlich etwas Krankheitsdruck durch Blattseptoria zahlten sich Pflanzenschutzmaßnahmen gegenüber der extensiven Stufe 1 aus. Im Schnitt aller bayerischen Standorte hoben sich Mehrertrag und Mehraufwand durch den zusätzlichen Pflanzenschutzmitteleinsatz auf.

Konsequenz für die Praxis

Gute Resistenzen und eine gute Standfestigkeit eröffnen einen großen Spielraum für die Bestandesführung. Mit standfesten Sorten und nicht zu üppiger Entwicklung bis Ende des Frühjahrs kann auf Wachstumsregler verzichtet werden, ohne ein übermäßiges Risiko einzugehen. Gute Resistenzen erlauben es, die Entwicklung erster Krankheitssymptome zu beobachten und ausgewogen zu reagieren. Denn nicht nur der Erstbefall, sondern vor allem auch die Ausbreitung der Krankheit gehen nicht so schnell von statten. Oft genügt eine Fungizidbehandlung auf das Fahnenblatt. Teure Pflanzenschutzmaßnahmen können eingespart, die Anzahl der Überfahrten kann vermindert werden und der Druck zur zeitgerechten Erledigung sinkt.

Sortenwahl

Die mehrjährige Prüfung und Verrechnung der Sortenleistung liefern den besten Schätzwert für das nächste im Witterungsverlauf noch völlig unbekannte Jahr. Die staatlichen Landessortenversuche, insbesondere die regionalen Sortenempfehlungen, bieten eine Hilfestellung bei der Sortenwahl. Grundsätzlich sind Ertragsleistung und -stabilität wichtige Entscheidungskriterien. Unabhängig von der Produktionsrichtung sollte Wert gelegt werden auf Standfestigkeit, Resistenz gegenüber Rostkrankheiten, Blattseptoria und Ährenfusarium sowie auf ein Mindestmaß an Winterhärte.
Die verschärften Regeln in der Düngeverordnung begrenzen sowohl die Menge als auch die Flexibilität der Stickstoff-Düngung. Qualitätsweizen mit den vom Handel geforderten Rohproteingehalten zu erzeugen, ist eine Herausforderung. Die Wirtschaftlichkeit bei den geringen Qualitätsprämien ist schon seit langem knapp. Unter Einhaltung der Düngeverordnung lassen sich E- und A-Weizen meist nicht vermarktungskonform mit den ertragsbetonten Sorten der jeweiligen Gruppe erzeugen. Für die Sortenwahl bezüglich des Rohproteingehalts sind die eigenen Erfahrungen eine sehr wichtige Grundlage. Die Unterschiede zu neuen Sorten lassen sich aus den Differenzen im Versuch sehr gut abschätzen. In der letzten Spalte der Sortenbeschreibung sind die jeweiligen mehrjährigen Rohproteinwerte angegeben.